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Der Himmel aber bewahre mich vor der Sünde, daß,'ch cs etwa unternähme, mit mühseligem Stanimelu eine schilocruug dieser Monumentalgemälde zu wagen.
lind die Natur setzte die Menschheit unter die',e herrliche Schönheit, niisdaß sic unter den, feierlichen Baldachin des v'-mmels- segcns mitten in jenem Garten throne, den sic, die Mutter Natur, mit so viel Liebe und Sorgsalt als ihr Eden in Afrika errichtet! hatte, lind die Menschheit konnte nicht anders: Sie mutzte aucy eine andere werben, als die anderen Afrikaner. Ich meine nicht „Äußerlich betrachtet". Ich meine im Innern. Mich können die äußeren Menschen nur wenig kümmern, denn sie zu schauen, ist nicht mein Beruf. Aber ich habe in das Innere dreier rxaraka- Menschen gesehen, und da habe ich das Größte gesunden, was bisher von ben (außerägyptischen) Afrikanern bekannt gewor-
K Die Leute, die mit Ost- und am Westraube Farakas wohnen, haben mir ihre Lieder vorgesiingen. lliib wenn ich bie Augen schließe unb mir nur das vergegenwärtige, was die Aienichcu mir berichteten, diese Neger, diese ganz gewöhnlichen Schwarzen, so tauchen vor mir die herrlichsten Gestalten mittelalterlicher Skalden- und Troubadourdichtuugen auf. In den Blättern, die die Texte ausgenommen haben, rauscht es mir wie AiiUNesang iind Liebeswerben, wie Speerstich und Schildspalten. Da heißt es : um Liebe, da heißt es: um Mannesruhm, — da gibt es etn Wort das ich sonst in keinem Volke des schwatzen Afrika sonst kenne, das Wort „Gara" oder „Gana", und das heißt „Held . Unb wahrhaftige, große, mächtige Helden sind es, die hier handeln, Menschen der Tat, Menschen, die danach geizen, Ni dm .Gesängen au der Königstafel gefeiert zu werden. Ern Parsival, ein Siegfried, ein Mueius Seaevola, ein Achill taucht aus dem Nebel der Vergangenheit auf. Heil den schwarzen Sangern, dre das in Vers unb Sang bewahrten, Heil den Helden, die solche Werke vollbrachten, Heil dem Volke, ben schwarzen Muttern, die solche Söhne hervorbrachten.
Dann das Volk an den Wasserläufen im eigentlichen Faraka, das heute nur seine Fische fängt und seinen Reis baut, das hat auch seine große Vergangenheit. Das spracht Yon den Stamme Vätern des Volkes als von mächtigen Recken gewaltigen Körper- bans, von „schönen Menschen", und von Taten, dre die Alt- yorderen vollbrachten. Aber das Wort von der Manncstugend fehlt Ein anderer Geist lebt in diesen Versen ititb Legenden^ etn Geist, der uns fremd ist. Zuweilen meinen wir wohl einen ältbiblischen Erzvater auftauchen zu sehen, aber darum mrum gruppiert sich eine andere Welt von Gestatten, durch das GaUzH sveht ein Zug aus einer fremden Welt. Wert fort müssen wir wandern, um das Wesen im Dichterworte eines Volkes zu finden, das diesen. Talmenschen des Landes Faraka gleicht. Aber wir ttndeii es. Ich habe es in ben ostasiatischen, rnneraslattschen Welten wiedergefunden, in den Gestalten unb ^rlebmffeit der Bogda Chan, int Sange der Schamaiienprle,ter. Magische Kräfte, Zauberformeln, wilder, phantasttsch-letdenschaftlicher Geist erzählt hier von Umwandlungen und von Taten, die $int mongolischen Schlitzaugen in die Welt zn schauen scheinen.
Der Magier unb der Held, sie wohnen nebeneinander im Lande Faraka, und sie sind uns als Neger auch nur verständlich in diesem' Lande, das so ganz anders als alle anderen Lander des schwarzen Afrikas ist. Sie geben Rätsel auf. Vielleicht lösen wir sie heute, vielleicht morgen. - Mit dem Nätiellosen ist ,8, IQ eine Sache. Denn es gibt einige KNoten in der Weltgeschichte, die konnte niemand entknüpfen. Und mit dem einfachen Schwertstreich ist es Heuer vorbei. Das gilt nicht mehr,
Hier harrt die Arbeit. Aber ne drangt so lehr iiicht, denn das Land Faraka ist ein Land, das nicht dahintraumt wie ander« Negerländer, sondern ist ein Land mit festem.Lebenswillen und bewußtem Leben. Das ist kein Land, das ganz vergißt Das Land Faraka ist ein Wissen für sich. Noch, ist es nicht enthüllt, noch ist ihm seiire Weisheit nicht entrissen, aber eines Tages wird sie offenbart werden. Denn Faraka trägt in seiner blühenden Naturschönheit auch eine Perlenkette wunderiamer Momente von aller^ind Art. , - , ,
Wenn das Auge sich stunden- und tagelang an den überall durch das Grün schimmerndeit gelb-weißen Sand gewohnt hat, den die Hochwasserzeit in großeii Mengen über das Land ausstreut, so schrickt cs zuweilen betroffen auf bemi Anblick eines! bedeutenden, an die 15—20 Meter hohen, an 50—300 Meter: langen toten Hügels, der kahl unb1 farbig aus dem Gruft und Weißgelb der Landschaft aufragt. Sie sind nicht so sehr selten, diese roten Berge, diese Berge der Toten, diese seltsamen Monu- mente aus historischer Vergangenheit. Eiitdeckt wurden sie im Mittelalter von deut ersten Araber, der dies Land bereiste und beschrieb (El Bekri).
Wir aber fragen uns: Welch Giganteuvolk türmte dreie Erd- massen auf? Welche Menschen liegen da unten wohl ^eingc- Kvon sorgender Volksarbeik? Sind es Männer vom Schlage gier? Sind es Männer vorn Schlage der Heldcnsänger? Mann kann sich beinfett, welch' schöne, aber schwierige Arbeit unser Uer noch harrt. Denn bie Monumente bestehen nicht nur Wer dem weiß-gelblichen Sande, diese Monumente sind nicht nur rötliche, festgebrannte Erbmassen, die als tote MauerU über einem toten Körper liegen. Nein, sie sind Pom Volksleben be
seelt. Das Volk weiß von ihnen allerhand zu erzählest. Gä wie uralte Bäume, Berge, besonders geformte FelsMcke, Wasseo» alle usw., jede naturgeborene geographische Tatsache zu einem' Ruhepunkt, einem' Aktenschrein der Volkseriuneruug und deS gc- chichtlichen Bewußtseins werden können, so ist es noch vielmehr! Kr Fall bei diesen vom Volke selbst geschaffenen Momimentest< Das sind solche Steine, welche reden.
Aber noch ganz andere Monumente aus Menschenhand 'chmücken das schöne Land Faraka. Es gibt mächtige Steine. Aulen, die find' mit Skulpturen versehen. Und in den Felsrändern sollten allerhand Inschriften eitigemeißelt sein, die viel-- leicht eigenartige Dinge zu erzählen wissen.
Geschichte des Postwesens im Großtzerzogtum Hessen.
Von M, Koehler und R. G o l d m a n n.
Trotz Einführung des Generaltarifs blieben aber zunächst noch Mancherlei Ungleichheiten zugunsten der Tamsschen Verwaltung bestehen. Diese führten namentlich in Offenbach zu! zahlreichen Beschwerden. Die Generaldirektion der Großh. Posten in Frankfurt hatte nämlich bei der im,.Jahre 1818 erßolgtW Einrichtung einer Postexpedition in Offenbach keine be|onberb Briefportotaxe, nach der die Briese von und nach Offenbach ganz, frankiert werden konnten, erlassen. Wollte jemaiib von Offenbach weiter als bis Frankfurt das Porto eines Briefes vorausbezahlen, so wurde das Porto bis Frankfurt beionders Und außerdem von Frankfurt bis zum Bestimmungsort berechnet- Infolge der vielfachen Beschwerden würbe zwar auf Anregung der Großh. Ober-Postinspektion von der Generaldirektion bet Großh. Hess. Posten (Taxis) in Frankfurt (Main) eine besondere Lokal-Briestaxe ausgestellt; in dieser aber waren die Gebührest des Generaltarifs nur für Briefe nach den diesseits des Rheins gelegenen Orten, dagegen für Briefe nach den fen|eits des Rheins gelegenen Orten um 2 Kreuzer höhere Taxen, als der Generaltarif vorschrieb, augesetzt. Als Grund der Taxerhohung für bie! über den Rhein gehende Korrespondenz sührte die Generaldirer- tion an, „daß die täglich zweimalige Postverbmdung »wischW Offenbach und Frankfurt nicht minder als die Anlage eiiW Postexpedition zu Offenbach selbst mit bedeutendem Kostenaufwand verbunden sei, daher eine billige Rücksicht verdiene und die Taxnormen des Generaltarifs deswegen nicht überall tn Anwendung kommen möchten. Diese Ausnahme könne in Beziehung auf bie Briefe nach dem linken Rheinufer um so mehr sdattfinbem als demungeachtet gegen bie bisherige französische Taxe eine nicht untiebeutenbe Verminderung eintrete",. _ Diese Angaben bet Generalbirektion waren übrigens nicht zutreffend, Di? Beförderung der Briefpakete zwischen Offenbach und Frankfurt erfolgte nicht durch reitende Posten oder Botenposteu, wnderst durch die Diligence, unb verursachte deshalb feine besonderen Kosten« Ferner war bereits durch § 2 des Postlelmsvertrags von 1848 bestimmt worden, „daß mit Aufhebung der in Rheinhessen noch üblich gebliebenen eigenen Portotaxe die Großherzogl. promulgirtä ■allgemeine Taxe sowohl in dieser Provinz wie in ben nbrigest Großherzogl. Landen in Anwendung zu bringen fei .
Erst nach längerem Sträuben mußte die Geueraldirektionl schließlich von der Gebühr en erhvlmug für die Offenbacher Briefe nach Rheinhessen absehen und die Ungleichheiten in der Osfest- hacher Ortsbrieftaxe abstellen.
11, Postanstalten unb Personal in der Zeit von 1818 bis 1850,
' Nach dem zweiten Postlehnsvertrage sollten die GroßH Poststellen die Benennung Großh. Hessisches Postamt oder Großh. Hess., Postexpedition führen. Dementsprechend erhielten die Post-An- stalteii in Mainz, Gießen unb Worms bte Bezeichnung „Postamt"/ alle übrigen ben Namen „Postexpedition . Das Postamt in Darmstadt behielt die Benennung „Ober-Postamt". Im Jahre 1844 wurden durch Allerhöchste Verordnung auch bie »(Lokal-) Poststellen" in Offenbach und Bingen m die Klasse der Postämter eingereiht; gleichzeitig wurde bestimmt, daß bie Poststellen- denen nur bie Unterhaltung eines Poststalls oblag, Wie letther- als „Posthaltereien" und diejenigen, bei denen Expcditivnsdienfl Und Poststall vereinigt waren, als „Postamt (ober „Postexpebition ) unb Posthalterei" zu bezeichnen waren. . „ ,
Bei den hessischen Postdienststellen gab es folgende Beamtenklassen: 1. einen Oberpostmeister; 2. Postmeister als Vorsteher der Postämter; 3. Postexpeditoren als Vorsteher der Postexpebi- tionen; 4. Postsekretäre, Postskribenten, Postpraktikanten und Post- gehilfen als Nachgeordnete Beamte bei den Postanstalten; 5. Posthalter (bie Inhaber der Posthaltereien chl Darmstadt, Butzbach- Friedberg, Gietzen und Mainz führten seit 1844 den Titel »Post- stallmeister"): 6. Postunterbeamte (Briefträger, Bureaudiener- Kondutteure Postschaffner und Wagenmeister); 7 Postillione-
• Der Titel „Postscribent" wurde im Jahre 1837 durch bis Bezeichnung „Postassistent" ersetzt, da deii Postbeamteil „auch M öffentlichen Leben eine solche Stellung gegeben werben sollte, welche ihrer dienstlichen Wirksamkeit entspricht". Bestimmte Vorschriften! über den Bildungsgrad der als Postpraktikanten eintretenden lungeu Leute bestanden nicht, waren wenigstens nicht vcrofscntttcht. Her größte Teil der Beamten trat jedoch nach Bestehen einer Reifeprüfung von Gymnasien oder dem Polytechnikum in den Dienst- Bis zuM Jahre 1843 Mutz ihnen ohne weiteres die Beförderung


