Ausgabe 
27.5.1911
 
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Ml Nr. 82

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Moman von Georg Freiherrn von Omptedch, (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Der Vater int Himmel erhörte nicht mein einfältig Webet. Der Arzt hätte wahr gesprochen, meines Weibes Kräfte gingen zu Ende. Sie litt nicht Schmerzeit. Es war teilt furchtbarer Kampf einer starken Natur gegen die Aus­lösung. Es war ein Schwächerwerden, ein weniger Wider- standleisten, ein Erlöschen.

Und sie wußte es nicht. Sie sprach immer von Ge­nesung. Sie freute sich über die steigende Wärme, die Fortschritte der Pflanzen, Iben vollen lustdurchwehten und sounendurchglühten Lenz. Pläne für den Sommer begann sie zu machen. Ich hatte ihr gesagt, daß ich frei Ware; denn ich hatte nun doch ein Jahr Urlaub genommen, ^ch hielt es für meine Pflicht, da ich pekuniär unabhängrg war, mich ihr zu widmen, ohne besorgen zu müssen, daß mich ein plötzlicher Befehl etwa zum Dienst zurückrtefe. Mein Dasein sollte fortan ihr allein gehören, solange noch Leben in ihr war. Sie blieb in dem Wahn, ich wäre dem eigenen, längst ausgesprochenen Wunsche nachgekommen.

Heber eins war ich mir nicht klar, sollte ich schon setzt ihren Eltern schreiben, sie möchten eintreffcn? Ich fragte den Arzt. Der meinte, einen Zeitpunkt zu bestimmen, fei nicht möglich. Er ließ durchblicken, es könne eines Dages plötzlich zu Ende sein. So entschloß ich mich denn, zu schreiben. Aber als eben mein Brief in Berltn angekom­men sein mußte, erhielt ich die Nachricht, meine Schwieger­mutter sei am Typhus erkrankt. Unsere Briefe hatten sich gekreuzt. So war an ein Kommen der Eltern für den Augenblick nicht zu denken. Durch Telegramme verabredete ich mit Marias Pater, daß er verständigt werden sollte, sobald Gefahr im Verzüge wäre.

Während ich nun meine Tage verbrachte an der Sette meines Weibes, dessen Leben langsam verflackerte, dachte ich an Herzeloide, ob ich ihr schreiben sollte. Ich tat es nicht. Sie konnte nicht helfen. Die Kranke brauchte Ruhe, sollte keinen Menschen um sich haben, als die Pflegerin und mich. Dazu beherrschte mich ein seltsames Gefühl der Eifer­sucht. Ich gönnte meine Maria keinem, keinem auf der Erde. Allein mit ihr wollte ich die Zeit verbringen, bte ein mildes Geschick uns noch würde gönnen.

Ich genoß die Stuüden, die Tage. Ich geizte um jede Minute, in der ich Marias Hand halten durfte, während ich ihr vorlas oder still au ihrem Lager saß. Dann mußte ich ihr erzählen, wie es draußen wäre, denn sie fuhr nicht mehr aus, sie fühlte sich zu müde dazu, und der Arzt fürch­tete die Frühjahrswinde. Maria wollte wissen, welche Men­schen ich getroffen, und, .wenn es Bekannte gewesen, was Wir gesprochen Wtten. Dann sagte sch wohl; , .

Sobald ich kräftiger bin, gehen wir nach Schloß Tirol! Das muß ich doch auch einmal sehen.

Ich biß mich auf die Lippen und zwang mach zuzu­stimmen. . .

Es kamen aber Tage, wo sie zu ahnen schten, tote es mit ihr stand. Sie hielt meine Hand und bat:

Nicht wahr, du telegraphierst Papa Und Mama? Ich möchte sie doch gerne noch sehen! Ntama wird wohl können!

Was sollte ich antworten? Sie wußte, daß thve Mutter krank war, nur nicht, wie schwer. Mein Schwiegervatev hatte dringend gebeten, es feiner Tochter nicht zu sagen. So versprach ich Maria, daß sie ihre Mutter sehen wurde. Inzwischen verstrichen die Tage, und ich fühlte, des Lebens Sonne stieg abwärts. Die Sonne meines Lebens, des Le­bens meines Weibes. Es wurde Abend. Die Kräfte nahmen zu ehends ab. Sie hatte nun schon seit länger denn einer Woche das Haus nicht mehr verlassen. Sie verlangte auch gar nicht danach. Sie wollte still in ihrem Zimmer bleiben oder auf der Veranda liegen. Das genügte ihr. Sie sagte nur immer mit einem haibeit Lächeln, während sie meins Hand suchte:

Fritz, ich bin so müd.

Müde! Ja, sie war müde am Leben. Mcht, daß sie die Hoffnung hätte sinken lassen, denn immer machte sie noch Pläne für die Zukunft, wie diese Kranken es säst alle tun, die bis zum letzten Atemzuge meinen, es wird wieder Licht werden um shedas Versöhnende ihres langsamen Heimganges. Maria aber dachte sonst nicht an die Zukunft! Ihre Pläne bestanden nur darin, daß sie sich etwa ausmalte, wo wir den Sommer verbringen woll­ten, und in manchen Stunden sich zurücksehnte nach Haus, in ihr, in mein, in unser Haus, in die Umgebung ihrer Möbel und kleinen Habseligkeiten, in ihre Wirtschaft, in ihr Heim. Sonst aber gingen ihre Gedanken nicht zum Kom­menden. Sie schweiften zurück zu den Tagen unserer ersten Seligkeit, zu den Wochen unseres jungen Glückes, zu den Monaten des Brautstandes und der beginnenden Ehe. Es war, als verweile sie dabei am liebsten. Mir ging es nicht anders: als müßte ich in mein Gedächtnis zurück- rufen, was meine Maria mir geschenkt hatte, erzählte uh ihr von den Tagen, da in mein einst so wild bewegtes Herz ihr Bild sich niedergeschlagen wie das einer Heiligen. Ich wurde nicht müde, aufzufrischen, wie wir uns zum erstell Mal gesehen, wie wir auf unserer Bank gesessen hatten am yjlcct

Maria meinte dann, und ihre Züge wurden lebhafter, kräftiger klang die Stimme:

Ich möchte so gerne noch einmal aus unserer Bank sitzen.

Wir fahren hin!

«Wann?. , ... _.

Den Herbst vielleicht! gab tch zurück und zwang mich mit aller Macht, meine Fassung zu bewahren, Marrg