Ausgabe 
27.4.1911
 
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Donnerstag den 27. April

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Roman von Georg Freiherrn von OmPted'L, ' (Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Wahrend' ich noch ruhig, voin Rauche meiner Zigarre umweht, auf der einsamen Bank Web, näherte sich! mir der Vater. Der große Mann mit den Ziegen, die seiner Tochter so unglaublich ähnlich sahen, steuerte geradeswegs auf mich zu. Jjch lächelte. Ich hatte es ja gewußt. Das Gluck mußte zu mir kommen, und ich erhob mich ganz selbstverständlich mit einem Ausdruck, als wollte ich sagen: So, das ist recht. Ich habe Sie erwartet."

Der andere lächelte auch. Er blieb vor mir stehen und sagte:

Ich habe Minen Grüße zu überbringen von meinem Reffen! . . . c, . ,

Er nannte unseren Reserveoffizier, der nur das Grand Kotel Pernese empfohlen hatte. Dann stellte er sich vor:

Geheimrat von Fryburg.

Nun wußte ich Bescheid. Unser Reservemann hatte mir Noch im letzten Manöver vom Onkel Fryburg erzählt, der im Ministerium des Innern in Berlin arbeitete. Er sprach immer mit einer Art Schwärmerei von ihm, als ob das ein Ausnähmemensch sein müsse. Aber nie hatte er mit einem Ton von der Cousine etwas über die Lippen gebracht.

Wir schüttelten uns die Hand, Und der Geheimrat zog Mich auf die Bank:

Ein Augenblick. Meine Damen werden gleuh kommen. Sie ziehen sich! wieder eine halbe Stunde an. Natürlich wollen die Sie kennen lernen!

Ich glaube, ich lachte dem Geheimrat gerade ins Ge­sicht. Es ivar doch selbstverständlich. Natürlich. Ich saß ja nur hier und wartete auf die Damen. Beinahe hätte ich es ihm gesagt. Er fuhr fort:

Mein Neffe hat uns nämlich von Ihnen so oft er­zählt. Ich glaube, er ist kein großer Soldat, und da ist er Ihnen dankbar, daß Sie ihn bet Ihrer Schwadron so anständig behandelt haben! Jawohl, Sie wehren ab. Ich sage Ihnen, was der über seinen ersten Rittmeister ge­schimpft hat! Und Sie hat er in den Himmel erhoben. Meine Damen meinten gleich gestern abend, ich sollte den Kellner fragen, ob Sie noch hier wären.

Ich sagte, daß wir ja bei Tisch nebeneinander gesessen hakten.

Der Geheimrat antwortete, er hätte sich eingebildet, ich müsse größer sein vielleicht weil ich jetzt Kiirassier war und deshalb hätte er mich anderwärts gesucht. .Er schloß:

Aber meine Tochter hatte Sie natürlich gleich rekog­nosziert^ obwohl sie es uns eben erst gesagt hat. .Sie

zeigte Sie hier ans der Bank. Ich fragte da im HWI den Obermohr, und der sagte:Stimmt, das ist er." öO 'ne Frau ist doch ganz anders' schlau, wie wir. Kat rttfl viel feinere Witterung!

Und ich mußte mich wieder zusammennehinen, dem Heimrat nicht grade ins Gesicht Kil lachen, btatürlich halt» sie mich erkannt. Ich wartete ja nur auf sie und sie auf mich. Ick wartete und fühlte, obwohl ich beim Rauschen der Wellen dicht vor uns Schritte nicht hören konnte und wir dem Hotel den Rücken wandten, daß die Damen sich uns näherten. Es war mir wie ein Hauch im Nacken. Ich ahnte ihre Anwesenheit durch eine Benachrichtigung pon den Nerven aus, indem es in mir zuckte, ich unruhiger ward von Sekunde zu Sekunde, bis ick aufsprang und mich rmrdrehte.

Mutter und Tochter standen hinter mir.

Der Geheimrat stellte mich vor. Frau von FrhbUtA streckte mir die Hand entgegen:

Wir haben schon soviel von Ihnen gehört.

Fräulein von Fryburg sah mir gerade in die Augen, wie ich ihr. Sie war nicht befangen. Es schien sekbstvmH stündlich als sie zu mir sprach: ,

t Ich habe gleich gewußt, daß Sie es fern mußten!

Dann lagen unsere Finger ineinander, und das zarte, zierliche Mädchen drückte mir die Hand so fest wie etm guter Freund. .

Es ist seltsam, zwischen uns vieren wurden ntcht di« üblichen Annäherungsversuche gemacht. Es gab nicht di« ersten Berlegenheitsgesprüche tote gewöhnlich zwischen Men« scheu, die sich kennen lernen, die nun einander erst erforschen^ ergründen, befragen müssen, beschnuppern:Paßt er M uns?"Wes Geistes Kind ist er?"Werden wir unS vertragen?"Wie kommen wir miteinander aus?"i Wir waren von Anfang an, als kennten.jvir uns seih Jähren. ,z, t

Natürlich kam es von der Art der Famrlte, denn gilt Annäherung gehören immer zwei gute Willen, aber es lag auch an der unendlichen Natürlichkeit, mit der diese Menschen das Leben auffaßten. Es gab keine Redens'-! arten, keine Artigkeiten ohne Hintergrund, keine leere Förm­lichkeit, nichts Höfliches, das doch sm Grunde nichts ge­deutete, mit diesen drei. Jeder, tote ich im weiteren Verkehr schnell erfahren sollte, sprach, tote ihm der Schnabel-t wachsen war, immer hatten sie Geduld, einer mit dem an­deren, und gab es einmal etwas, das nicht stintmte, so sagten sie es sich ganz offen. Keinem ward etwas geschenkt auch der Baker bekam von der Tochter etwas zu hören immer int Ton wie es einem Kinde zukam aber ward gesagt. 1 ,

Wir setzten uns. Ich hatte mit dem Geheunrat noch zwei Stühle geholt, und nun erzählten sie erst noch einmal ausführlicher, wie sie nach Pernese gekommen waren. Damt wurdegefragt, tote es mir gefiele hier im Hotel. Es kant heraus, daß die Familje jedes Jahr zweimal reiste: gegG