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Sortigen Volksmund „Winbärgk" heißt, als Viehweide dient Und keine Spur ehemaliger Weinbergsanlagen zeigt. Ta auch an ündereil Orten, z. B. im Trierischen, nachweislich aus einem «ursprünglichen Winfeld ein Weinfeld und im Bairischen aus einem ursprünglichen Windorf ein Weindorf geworden ist, so ist mit Arnold (Ansiedlungen und Wanderungen deutscher Stämme. Marburg 1881. S. 537 f.) zu vermuten, daß unsre „Weinberge" im öderen Vogelsberg ursprünglich „Winberge" gewesen sind und wie „Weinfeld" nicht auf Wein, althochdeutsch win (vinum), sondern auf das althochdeutsche Wort win, winne (gothisch: Win, winja, altnordisch vin) = Weide, Futter (vgl. wunnimünoth und winnimanoth = Weidemonat) zurückzuführen sind. Es wären also unsre „Weinberge" im oberen Vogelsberg als ursprüngliche Weideberge zu verstehen, die in falscher Volksetymologie zu Weinbergen geworden sind. Jeder Kenner der lokalen und klimatischen Verhältnisse wird ohne weiteres zugeben, daß „Weideberg" für diese-Orte eine zutreffende und charakteristische Bezeichnung ist und daß die im rauhen.Gebirge, teils mitten im Wald, teils auf kahlen windigen Höhen gelegenen und keine Spuren ehemaliger Weinbergsanlagen verratenden sogenannten Weinberge oder Winberge nie eine andere Bestimmung gehabt haben als den weidenden Schaf- und Rinderherden dürftiges Futter zu gewähren.
Dennoch ist auch im oberen Vogelsberg an trinkbarem Weine bis in die älteste Zeit hinauf kein Mangel gewesen. Dafür sorgte das Weinmonopol des Fürstabts von Fulda und der buchonischen Ritterschaften, die alljährlich große Quantitäten Wein durch frohnende Fuhrwerksbesitzer auf den sogenannten Wein- strcißen einführten und Bürgern und Bauern zwangsweise zu- ieilten. So sagt ein altes Weistum des Landgerichts zu Lauterbach: „Tas andere gebot ist, das man sal den Hern (d. h. den Herrn von Eisenbach) Iren banewyne dringken und das sal syn eyn futter, das sal das landt dringken zeweye deil vnd die stat eyn dritte deil--- — vnd ginge der banwyne in den
viertzehin tagen nicht vß, so sulde man dar zerr nemen wer sich dar zeu geport und wer sin Teile nicht gedruncken hett, den sulde man Jme brengen. Und solichin banewyne sal allermenneclichen dringken nach möge und macht, er sii paffe ader leyhe, burgk mann aber ander, der sich Wasser vnd weyde geprucht vnd wer der Hern banwyne also dringket, dem sal man wasser vnd wehn nicht verbieten vnd wes man des thede das wer gewalt vnd keyn recht."
Tie Leute hatten oft ihre liebe Not, den ihnen so von der Herrschaft aufoktroierten Wein zn verbrauchen. Sie tranken ihn bei jeder sich bietenden Gelegenheit, und sie benutzten ihn als Zahlungsmittel. So pflegten schon im Jahre 1187 die Filial- vrte der Pfarrei Nidda, Volcmarshauscn, Winderingeshusen, Eigelsdorf und eine Mühle zu Udenhausen unter anderen Naturalleistungen je eine Amphora Wein jährlich an die Johanniter zu entrichten. Man trank „Weinkauf", wenU man einen Ehevertrag machte und wenn man einen Acker oder ein Stück Vieh verkaufte, wenn man einen GemeindebeamteN anstellte und wenn Man eine Arbeit verakkordierte. Auf Kirchweih und die anderen hohen Feste war es üblich, dem Pfarrer, Lehrer und Schultheißen eine Maß Wein als besondere „Verehrung" zu reichen, und wenn man die alten Gemeinde- und Kirchenrechnungen liest, dann findet man manchen Ausgabeposten für Wein, der „vertan" wurde, als man die Rechnung geprüft oder sonst eine das Gemeinwohl berührende wichtige Beratung gepflegt hatte. Jedermann fand das in der Ordnung, und die böse Oberrechnungskammer existierte noch nicht. Man sicherte sich ja auch in den Mittrinkenden die nötigen.Zeugen für die vorausgegangenen Abmachungen und Verträge und ersparte sich so das mühsame Abfassen pon schriftlichen Protokollen, von denen unser Vogelsberger Bauer heute noch kein Freund ist.
Aus der Urgeschichte der Fernsprechers.
Vor 50 Jahren, am 26. Oktober 1861, hatten sich die Mitglieder des physikalischen Vereins zu Frankfurt in ihrem Hörsaale besonders zahlreich versammelt. Philipp Reis, der Lehrer aus Friedrichsdorf, so hieß es, wollte einen ganz merkwürdigen Apparat vorführen, der musikalische Töne auf größere Entfernungen übertragen sollte. Philipp Reis hatte seinen Apparat in dein etwa 300 Fuß entfernten Bürgerhospital aufgestellt; dann wurden die Fenster sorgsam geschlossen, und nun hörten in der Tat dre Mitglieder des physikalischen Vereins aus dem Vor- führungsapparate in ihrem Hörsaale deutlich die Lieder herausschallen, die im Bürgerhospitale hineingefungen wurden! In dieser denkwürdigen Versammlung wurde zum ersten Male öffentlich eine Erfindung vorgeführt, die mit recht den Namen „Telephon" beanspruchen, kann. Die lange Reihe der Vorläufer des ’S.eie» Phons hat hiermit ein Endglied erreicht, das chuf dem Ausgangs- punkte, des rtchtigen Weges stand.
. Die Vorläufer des Telephons sind in der Tat ziemlich zahlreich. , Grimmelshausen spricht in seinem Simplizissimus bereits von enter Erfindung, die genau das leisten.soll, was der heutige Fernsprecher wirklich leistet, jedoch handelte es sich nur um eine
„Erfindung in Gedanken". Die Chinesen, die dem Abendlandes um manche wichtige 'Erfindung weit vvrausgeeilt waren, behaupten auch die Erfinder des Telephons zu sein, jedoch handelt es sich dabei nur um ein Kinderspielzeug, um das Fadentelephon, dessen Gebrauch in China durch den englischen Arzt Robert Hook« im Jahre 1667 bezeugt wird. Heutigen Tages ist diese Art des Telephons bei uns als „Weinholdsches Fadentelephon" bekannt, und mit diesem Apparat läßt sich die menschliche Stimme auf einige hundert Meter recht gut übertragen. Das Telephon des Nürnberger Optikers Frantz Gründler, das in einem Buche aus dem Jahre 1682 beschrieben wird, war wahrscheinlich nichts anderes als das Fadentelephon. Alle bisher genannten „Fernsprecher" sind aber eigentlich nicht viel mehr als Spielereien, und die Geschichte der Telephone beginnt mit dem Tage, wo die Elektrizität zur Schallübertragung herangezogen wurde.
Nach den Angaben Dr. Richard Hennigs ist die grundlegende Entdeckung auf diesem Gebiete dem Dr. Charles C. Page zuzuschreiben, der im Jahre 1837 entdeckte, daß sich akustische Schwingungen durch elektromagnetische Vorgänge übertragen ließen. Froment und Petrma versuchten in den nächsten Jahrzehnten, von dieser Erfindung ausgehend, ztir elektromagnetischen Ueber- tragung musikalischer Töne zu gelangen, jedoch ohne Erfolg. Der erste, der den Gedanken des Telephons in feste Form kleidete, war der französische Telegraphenbeamte Charles Bourseul. Am 18. August 1854 entwickelte er in einer Zuschrift an eine Zeitschrift, seine Gedanken folgendermaßen: „Wenn jemand gegen eine Platte spricht, die beweglich genug ist, um keine Vibration der Stimme verloren gehen zu lassen, und wenn durch die Schwingungen, der Platte der Strom einer Batterie abwechselnd geöffnet und geschloffen wird, so ist es möglich, eine zweite, tu den Strom eingeschaltete Platte in gewisser Entfernung zu gleicher Zeit genau dieselben Schwingungen ausführen zu lassen." Ter Apparat, den Bourseul hierauf fußend baute, arbeitete jedoch nicht befriedigend, und erst Reis konnte im Jahre 1861 sein Telephon vorführen, das die Tonübertragung wirklich möglich machte.
Der Reissche Fernsprecher benutzte als schwingende Membran ein Stück Schweinsdünndarm, das sehr straff gespannt war. Musikalische Töne wurden deutlich übertragen, dagegen war die Ueber- mittlung der Sprache sehr unsicher. Manchmal vernahm man die Worte, sehr deutlich, dann aber hörte man sie plötzlich wieder! gar nicht, ohne daß der Grund dasüv sogleich ersichtlich war. Jedenfalls aber war der Reissche Apparat durchaus geeignet, zu einer praktisch verwendbaren Erfindung ausgebaut zu werden.' Dies geschah, jedoch nicht, ebenso wie die Versuche von Clemens, einem praktischen Arzte, unbeachtet blieben. Erst Graham Bell war es, der ein praktisch vertvendbares Telephon einführte. Bei der amerikanischen Erfindung wird als schwingende Membran eine Metallplatte verwendet, die auf dem Umwege über Induktions- Vorgänge die Schallschwingungen in elektrische Beränderungelnj umsetzt, t F,
Herbstregeri.
Der Regen rauscht, die Wolken wohnen, Am Zaune horcht der träge Tag, Und über ihm durch kahle Kronen
Schleppt sich der Störche Flügelschlag, Der Garten kühlt gleich einem Keller . . .
Die Sonnenblume, braun und krank. Gießt ihre übervollen Teller
Auf eine morsche Gartenbank.
Sie träumt von grünen Lenzstandarten Und blauem Wind . . O Sommertrug I So melancholisch überm Garten
Verhallt der nebelnasse Flug.
Der Regen rauscht! Im Wolkenwetter Wankt einsam fröstelnd Strauch um Strauch, Und selbst 'der Tod, der blasse Retter, Schleicht triefend, und er fröstelt auch.
■ A. K. T. Tielo,
Skat-Aufgabe.
Vorhand spielt Treff-Solo auf folgende Karten:
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Der Spieler kann nur 45 Augen Heimbringen. — Wie ging das zu und wie war die Kartenverteilung?
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Logogriphs in voriger Nummer: Sordinen, Sardinen.
Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universüäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lang«, Gießet


