Ausgabe 
26.7.1911
 
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gesamt je 5 Wund Tee, Kaffee, Zucker, Korinthen, Rosinen und Reis. Tee und Kaffee kaufte inan in Viertelpfundpaketen, den Zucker in 1-Psundpaketen und die übrigen Artikel halbpfnndweffe. Die Nachprüüing ergab die erstaunliche Tatsache, daß man beim Kalts von fünf Pfund bei den cinzelneir Waren folgende Minder­gewichte festgestellt: Bei Tee 124 Gramm, bet Kaffee 124 Gr., bet Zucker 104, bei Korinthen 123, bei Rosinen 123 und bei Reis 61 Gr. weniger, als man bezahlt hatte. Beim Kattie voit je 5 Wund der angeführten Warenarten bezahlte >nan also durchschnittlich 90 Pfg. bis 1 Mk. für das Packpapier. Weint man, um die Rech- nuiig zu vereinfachen, die verschiedenen Artikel mit durchschnittlich 1 Mk. für das Pfund annimmt, so wird die Hausfrau, die in der Woche vom Krämer für nur 10 Mk. Waren bezieht, am Schluffe des Jahres nicht weniger als 26 Mk. für die stattlichen braunen Düten bezahlt haben, in denen sie ihre Ware nach Hause bringen ließ. Welche gewaltigen Vorteile aber die Kleinhändler aus dieser im Grunde nicht berechtigten Art des Wiegens erlangen, zeigt folgeitde Berechnung: Eine ber Firmen, die man zu dem Versuche heran­gezogen hatte, verfügt allein in London über zehn Filialen, die zu- fantnteit wöchentlich für etwa 20 000 Mk. Ware umsetzen. Am Schluß des Jahres hat diese Firma für statt Waren geliefertes Packpapier 52 000 Mk. eingenommen, während die Papierrechnung kaum 12 000 Mk. betragen hat. Es ist also kein Zufall, daß die Kleinkauflettte für ihre Düten und Verpackungen mit Vorliebe em sehr kräftiges, dickes Packpapier wählen; die Papierindustrie liefert gerade ztt diesem Zwecke sehr schweres, lehmhaltiges Papier. Je geringer die Menge ist, die der Kunde kattst, je größer ist der Nutzen des Verkäufers. In England macht sich jetzt auch bereits eine Be­wegung geltend, die diesem Uebelstande abhelfen will: die Kauf­mannschaft soll künftig verpflichtet werben, int Kleinhanbel stets bas volle wirkliche Gewicht ztt liefern, bas ber Kunde auch bezahlt, und alle Versuche, sich die Verpackung als Ware bezahlen zu lassen, würden dann mit Strafe belegt werden.

vermischte».

Der Hauch an der Fensterscheibe. Der eng­lische Physiker Lord R a yl e i g h hat jüngst hübsche Versuche über denHauch an der Fensterscheibe" angestellt. Haucht man mit dem Munde gegen eine Glasscheibe, so schlägt sich die Feuchtigkeit des Atems in ganz bestimmte Figuren nieder, deren Form von der Beschaffenheit des Glases ab- hängt. Sie verschwinden allmählich, indem das Wasser wieder verdampft; haucht man von neuem gegen die gleiche Stelle, so entsteht wieder die gleiche Figur. Wischt man da­gegen inzwischen die Glasscheibe ab, so verändert sich bei Wiederholung des Versuches die Hauchfigur. Auch dadurch, daß man mit einer Gasflamme über die Glasscheibe Hin­fahrt und nun wieder haucht, lassen sich andere Figuren Hervorrufen. Einen Teil des Zusammenhanges erkennt man, wenn man auf eine ganz reine Glasscheibe die Hand drückt und nun haucht: der Abdruck der Hand ist in dem Hauch- blide klar erkennbar. Hierbei spielt das Fett, das die Haut an das Glas gebracht hat, eine Rolle. Etwas fettig ist nun jede Fensterscheibe, und hieraus erklärt sich die Beständta- reit der Hauchfiguren, so lange das Fett nicht entfernt wird. Dies kann durch Abwischen, durch Erhitzen mit einer Flamme, völlig aber nur durch Alkohol oder ein ähnliches Mittel geschehen. Ob aber das Fett allein für die Form der Hauchsiguren verantwortlich zu machen ist, steht noch nicht fest.

* ®tne Ichöne Geschichte aus Minnesota. Herrn Harry L. Barnarbs Hausehre tvar eine von jenen lieben Frauen, die man nur immer mit dem Hute auf beut Kopfe, mit den Hanb» schuhen in ber Hand und mit dem Fuß auf ber Türschwelle sieht; sie finb allzeit bereit ztt gehen und haben natürlich keine Zeit und keine Lust, dem Marnie die Hosen ztt flicken ttnb die Strümpfe ans- (ubessern. Herr Barnard war aber ein geruhsamer Ehemann, ber ich seufzend in das Unvermeidliche schickte, eines schönen Morgens, nachdem er das Kreuz geschlagen hatte, Nadel und Fadeit nahm und das Loch in seinen Hosen selbst zu flicken begatt». Um besser sehen zu können, hatte der arme Mann seine improvisierte Schnei­derwerkstatt auf die Veranda des Hauses verlegt, so daß die Vor­übergehenden ihn sehen und, wenn es Frauen waren, ihn wegen seiner häuslichen Tugettden preisen, wenn es aber Individuen sei­nes eigenen Geschlechts waren, ihn auslacheit und verspotten konn- ten. Durch diese ganze Szene fühlte sich aber die Ehefrau, dieselbe Fratt, die selbst keine Nadel in die Finger nehmen wollte, attss tiefste beleidigt: sie eilte zum Richter, erklärte, daß ihre Eigenliebe einen solchen öffentlichen Schimpf iticht ertragen könne, und ver­langte die Scheidtmg der Ehe, kurzerhand die Scheidung. Und der Herr Richter, der weise und gerechte Richter, tat ihr ben Willen: er tat kund und zu wiffeu, daß eine solche Ehe nicht länger bestehen könne, da keine Fratt verpflichtet sei, sich von ihrem Manne blamier en ztt lassen das sei wider alle Meitscheitrechtel

* Die Ehrenschuld. Peter Rosegger erzählt in seinem neuestenHeimgarten" folgendes Geschichtchen aus dem Leben: Ich glaube nicht, daß mich der Dberingenieur angelogen hat, ob­schon die Sache einem netten Novellenstoffchen gleicht. Es handelt sich um einen r u s s is ch e n S tu d en t en und um eine Spiel­schuld. Der Oberingenieur war einst int Polytechnikum mit einem russischen Studenten bekannt geworden, mit dein er eines Tages eine Gebirgspartie machte. Sie rourben in einer Alpenhütte eingeschneit uiib trieben zum Zeitvertreib ein anfangs zahmes, all­mählich scharfes Hasardspiel. Der Russe, ohnehin von exzentrischem Wesen, spielte sich in die Leidenschaft und verspielte an den Techniker siebenhundert (Bulben. Er wollte weiter karteln, aber ber Techniker half ihm nicht ntehr. In bie Stadt zurückgekehrt, versprach der Russe, feine Spielschuld in zwei Tagen zu bezahlen. Ader am zweiten Tage hörte der Techniker von Kollegen, daß der Russe ganz unheimlich verstört sei und sich einen Revolver gekauft habe. Man glaube, daß er die Spielschuld nicht werde zahlen können. Das beunruhigte meinen Techniker. Der hätte ihm die Schuld ja herzlich gerne nachgesehen, aber das geht nicht, das kann sich k-ein Spieler gefallen lassen, Spielschulden sind ja die unverbrüchlichsten! Ehrenschulden, und der überspannte Russe würde ihn ob des Schimpfes der Schenkung gefordert haben. Ta fiel dem Techniker ein Mittel ein, um die Sache zu begleichen und den Spielgegner! vor Selbstmord zu bewahren. Selbst besaß er den Betrag nicht, aber er nah m aus der Lade seines Vaters 700 Gulden und schickte sie per Post dem Russen unter einem glaubhaften Vorwand, als von feiten eines Landsmannes, der von der Verlegenheit des Schuldners gehört habe. Mittlerweile kommt ein Diener in Ver­dacht, aus der Lade des Vaters 700 Gulden entwendet zu Haden. Der Sohn mein Techniker will schlichten, der Vater möge mit der Untersuchung des Dieners nur noch einen Tag warten. Bis dahin wird er ja den vermißten Betrag in die Lade praktizie­ren, weil er doch von dem Russen nun die Begleichung der Spiel­schuld erwartet. Diese aber verzögerte sich, und eines Tages heißt es, der russische Student sei v e r r e i st . . . So hat mir der Tech- nike, der mittlerweile längst Oberingenieur geworden war, erzählt. Wie er mit seinem Vater auf gleich kam und die Unschuld des Dieners rettete, das weiß ich nicht. Der ruffische Student mit sei­nerEhrenschuld" ist nie wieder gesehen worden."

Rechts und links der Eisenbahn!" Wir lesen intKunstwort" die berechtigte Mahuuttg: Da hatten wir Deut­schen nun wirklich einmal etwas ganz Vorzügliches und nutz benutzen wirs nicht! Diese roten 50-Psennighefte wollen denj Leser auf der Fahrt begleiten, sagen wir von Berlin an die Ost-- und Nordfeebäder ober von München nach Luzern oder sonstwohin, und ihm dabei je eine Karte des Reiches und eins ganz ausführliche der befahrenen Strecke mitgeben, vor allem aber: Aufklärung über die Gegend rechts und links, geographische, ethnographische, geschichtliche, kulturelle kurz: eine, die eures gebildeten Menschen würdig ist. Dabei nientals eine, die sich ins Spezialistische verlöre, immer eine unterm Zusammenhang mit dem Großen. Diese ganz vorzüglichen Bändchengehen" nun nicht. Vielleicht, weil der Zwischenhandel dabei nicht auf seine Geschäfte kommt? Was wir wissen, ist nur: sie sollten gehen. Mo m!an sie nicht am Orte bekommen kann, verfang e| man sie doch vom Verlage Justus Perthes in Gotha! Es wäre nicht nur ein Schaden, -es wäre eine Schande, wenn solch eilt Unternehmen wegen Mangels an Unterstützung im Volk der Denket; und Dichter liegen bliebe!

* Auf Abschlag. Leutnant:Ich komme heute, Sie um die Hand Ihrer Tochter zu bitten, Herr Kommerzienrat."< Bankier (im Hauptbuch ein Konto aufschlagend):Zum größtes Teil haben Sie sie aber schon, Herr Baron."

* Deutlich. Junggeselle:Offen gesägt, Frau Mülleri Ihre Jungen sind so ungezogene Rangen, daß man ihnen manchmal tim liebsten ein paar hinter die Ohren geben möchte." Witwe Müller:Hm Sie könnten sich das Recht dazu ja standes­amtlich beglaubigen lassen."

* In den Flitterwochen. Junger Ehemann (bei deh ersten Mahlzeit):Sage mal, mein Schatz, ist es vielleicht möglich/ daß in dem Kochbuch zwei Seiten zusammen geklebt wären?"

ErgSnzungsrätsel.

W.. . e. B .. t. n f.. n.. . e. t g . n. g g. t. n> .. r . a. g .. e . t . ü. a . I. . e. t. nl

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Dimnanträtsels in voriger Nummer: C U h a Brise hieag B r a g i Aga o

Redaktion: R. Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch-^un^Steindruckereh^Rl^ange, ©tefeeÄ