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„Vor der Trcüümg verschwindeit. sie oft unb Viel, gelegentlich Joinint es mich einmal während der Flitterivochen vor; aber einen Lil, wo es nach der Trauung mit ten Verschwinden so große fötle hatte, habe ich wirklich noch nicht erlebt. Bitte, laß mich den genauen Bericht hören." , „ . . . . . ,
„Ich will dir nur gleich iw voraus sagen, daß er sehr nn- vottständig ist." . . . „ ,, ,, ■„
„Nun, dem können wrr ia vielleicht abvelfen.
„Die Nachricht steht tit einem der gestrigen Morgenblatter. RC() will dir den Artikel vorlesen; er tragt die Ueberschrrst, ^Merkwürdiger Vorfall bei einer vornehmen Hochzett" und lautet:
„Die Familie Lord Robert St. Simons ist durch ine rätselhaften und bedauerlichen Vorfälle, die sich bei dessen Hochzeit zugetragen haben, in die größte Bestürzung versetzt worden. Die kirchliche Feier fand, ivie gestern bereits kurz nntgeteilt nmrde, am gestrigen Vormittag statt; allein es war erst letzt möglich, den sonderbaren Gerüchten, die sich so hartnäckig an das Ereignis cknüpften, auf ben Grund zu kommen. Die Angelegenheiten, welche die Näherstehenden vergeblich zu vertuschen suchten, hat die öffentliche Aufmerlsamkeit in solchem Grade erregt, daß es keinen vernünftigen Zweck mehr haben konnte, Dinge totschweigen zu wollen, die in jedermanns Munde sind.
Die Feier in der St. Georgenftrche hielt sich im engsten , Kreise. Es ivaren nur zugegen der Vater der Braut, Herr Aloysius Doran, die Herzogin von Balmoral, Lord Backvater, Kord Eustachius und Lady Clara St. Simon (die lungeren Geschwister des Bräutigams), sowie Lady Alicia Whittrngtoir, Die ganze Gesellschaft begab sich darauf nach Mr. Aloysms Do raus Haus in Laneastergate, wo das Festmahl bereit stand. Eine Störung verursachte, wie es scheint, habet eine weibliche Person, deren Name sich nicht hat feststellen lassen; sie versuchte Hinter dem Vorgehen, daß sie Ansprüche an Lord St. Simon habe, hinter der Gesellschaft gewaltsam ht das Hans elnzudrmgen nnd konnte nur nach einem längeren peinlichen Auftritt durch -zwei der Diener fortgebracht werderr. Die Braut, welche da» Haus glücklicherweise vor diesem unliebsamen Zwischenfall betreten hatte, saß mit der -übrigen Gesellschaft zu Tische, als sie plötzlich über Uebelbefinden klagte und sich -auf ihr Zimmer zurückzog. Als ihre längere Abwemiheit aufzufallen begann, ging der Vater ihr nach, erfuhr jedoch von dem Kammermädchen, seine Tochter sei nur einen Augenblick auf ihr 3immer gekommen, habe einen Mantel umgeworfen, den Hut aufgesetzt und darauf eilends das Haus verlassen. Ein Lakai sagte ans, er habe allerdings eine Dame in dem eben beschriebenen Einzug das Haus verlassen sehen, ohne jedoch an die Möglichkeit zu denken, daß es seine Herrin sein könne, da er geglaubt habe, sie befinde sich bei der Gesellschaft. . Sobald festgestellt war, daß die Braut wirklich verschwunden sei, setzten sich Mr. Aloysius Doran und der Bräutigam augenblicklich m Verbindung nut der Polizei, und es sind -die eifrigsten Nachforschungen tm Gange, welche vermutlich bald Licht in diese höchst merkwürdige Geschichte bringen werden. Bis gestern abend m später Stunde war -übrigens von dem Verbleib der Vermißten noch nichts bc- rannt geworden. Man spricht davon, daß es bet der Sache Nicht mit rechten Dingen z-ngehe; auch soll die Polizei die Festnahme der Frauensperson veranlaßt haben, welche die erste Stökstng herbeigefiihrt hatte, in der Annahme, daß dieselbe ans Eifersucht oder irgend einem andern Beweggrund bet dem merkwürdigen Verschwinden der Braut beteiligt sein köiinte.
„Nur eine kleine aber wichtige Notrz steht noch ut einem pudern Morgenblatt."
„Und was enthält fie?" , .....
„Daß Fräulein Flora Millar, dis Storerm der Hochze.lt»- feier, wirklich festgeitommen ist. Es scheint, daß dieselbe früher Tänzeriu am Allegrotheater war und mit dem Bräutigam einige Jahre lang ein Verhältnis unterhielt. Weitere Einzelheiten smd picht erwähnt, und wir hätten nim das ganze auf den (toll bezügliche Material beisammen — soweit es in der Tagespresse besprochen worden ist." ,
„Unb ein äußerst interessanter Fall scheint es zu sein, um ben sich Wr «alles in der Welt nicht kommen möchte. Aber da klingelt es, Watson; unb ba die Uhr einige Minuten nach vier zeigt, so dürfen, wir sicher sein, daß das mrser vornehmer Besuch -ist.' Laß dir nur nicht einsallen, Watson, fortgehen zu wollen, es ist mir viel lieber, ich habe einen Zeugen; wäre es auch nur zur Unterstützung meines Gedächtnisses."
(Fortsetzung folgt.)
Ilern*
* Der Dien st einer englischen Hofdame. Wenn immer in England ein Thronwechsel sich vollzieht, blicken Hunderte von vornehmen Familien mit Spannung auf die neue Königin, die nun bald ihre eigenen Hofdamen ernennen soll. Die Schar der Bewerberinnen um diesen vielbeneideten Posten zählt nach Hunderten, und mit einer Mischung von Wehmut und leisem Neid blicken die Uebergangenen dann auf die Erwählten, die fortan, so glaubt der Laie, ein Leben inmitten königlichen Glanzes führen
können. In Wirklichkeit setzt die Stellung einer englischen Hofdame eine Summe von Selbstaufopferung unb Arbeitsfähigkeit voraus, wie nicht viele Frauen sie aufbringen mögen, die aus altadligem Hause stammen und ihre Jugend in den vornehmsten Kreisen der britischen Aristokratie verbracht haben. Die Stellung ist alles andere als eine Annehmlichkeit. Königin Viktoria besaß zu ihrer Regiernngszeit acht Hofdamen, die ein Jahresgehalt von je 6000 Mark bezogen. Aber dafür müssen sie der Königin im wech- elnden Turnus täglich von morgens 10 Uhr bis nachmittags gegen 5 Uhr zur Verfügung stehen, und nach einer kurzen Pause beginnt auch am Abend wieder der Dienst. Königin Alexandra begnügte sich bei dem Regierungsantritt König Eduards mit vier Hofdamen, deren Gehalt nun auf 8000 Mark erhöht wurde, dafür aber fiel auch die Mitgift fort, die in früheren Zeiten der Hofdame aus der Schatulle ihrer Herrin bezahlt wurde, wenn ie vor den Altar trat. Königin Viktoria pflegte jeder Hofdame eine Mitgift von 20 000 Mark zu gewähren. Die Erfordernisse des Dieiistes sind so mannigfacher Art, saß sie sich kaum in Dienstvorschriften zusammeusassen lassen. Die Hofdaine vom Dienst muß jederzeit bereit sein, die Königin bei ihren Spazrer- ahrteu zu begleiten, muß in der Erledigung der Korrespondenz die Pflichten einer Sekretärin versehen, liest in den Mußestunden ihrer Herrin vor und in der Regel wird auch die Entfaltung musikalischer Talente gefordert. Bei dem Empfange von Gasten muß sie ihrer Herrin zur Seite stehen, an allen öffentlichen und anderen Veranstaltungen teilnehme», und wenn die Königin am Abend iiis Theater will, so folgt ihr auch die Hofdame. Um alle diese Pflichten zu erfüllen, ist eine Unsumme von persönlichem Takt Und eine vollkommene Erziehung vonnöten, und daraiis hat sich auch das ungeschriebene Gesetz entwickelt, nach dem eine Hofdame stets ans Adelsfamilien gewählt wird. Ass Abzeichen ihres Ranges und ihrer Würden, so erzählt eine englische Wochenschrift, ist die Hofdame berechtigt, an der linken Schulter ein in Diamant.-n gefaßtes Miniaturporträt der Königin zu tragen. Wenn immer eine neue Hofdame ihren Dienst antritt, überreicht ihr die Königin diese Insignien in einem weißseidenen Etui. Das Kästchen tragt ein kleines Zettelchen, auf dem die Königin selbst den Namen der Dame einzntragen pflegt, die das kostbare Schmuckstück von ihr erpalt.
* Gedankenlosigkeiten, lieber die epeijefarte öet deutschen Gasthöfe ist schon viel geschrieben worden, imb das Goethe'sche Wort „Vernunft ivird Unsinn" trifft am nichts mehr zu als auf inanche Ausdrücke, die sich seit langer Zeit in' der Sprache unserer Gasthoftüche fortgeerbt haben. Eine beliebte Nummer der Menus ist z. B. der „Ostender" Oteinbutt, der im Norden und Süden unseres Baterlaudes, ja sogar in Hafenstädten, die selbst eine blühende Hochseefischerei haben, auf der Speisekarte erscheint. Natürlich hat der Ostender Eteinbutt Ostende in den seltensten Fällen gesehen, sondern stammt ans einem unserer deutschen Hoch- seefischereivlätze Hamburg, Altona. Euxhaveu, Nordenham, Bremer- haveii und Geestemünde. Ausdrücke, ivie Straßburger Gänseleberpastete oder Metzer Poularden mögen noch eine gewisse Berechtigung haben, doch beim Steinbutt, dessen Qualität immer dieselbe ist, einerlei, von welchem Fischer er gefangen ivird, ist die Her- kunftsbezeichnung bedeutungslos, unb man sollte der deutschen Hochseefischerei, die sich zu einem beachtenswerten Zweige unserer Volkswirtschaft entwickelt hat imb das tiefste Burnenlanb nut Seefischen tadelloser Frische bedient, nicht bas Unrecht antun, daL m jener ausländischen Bezeichnung liegt. Also entweder nur „Stein- butt" ober, wenn durchaus ein Beiwort hinzugesügt werden soll, „deutscher Steiubutt". m
* Ei» unerwünschtes Wtederfinden. Eine engludie Kasernenhofblüte wird in einer Londoner Wochenschrift erzählt. Ein biederer, etwas rundlicher Sergeant drillt seine neuen Re- kruten; Tag um Tag verstreicht, aber der Bedauernswerte muß erkennen, wie sein veredelnder Einstiiß ohnmächtig bleibt. Er ent- schließi sich endlich, den neugebackenen Marosöhnen eine Geschichte su erzählen. „Als ich noch ein Knabe war, kaufte mir meine Mutter ein Dutzend Holzsolbaten. Die drillte ich und instruierte sie, aber ganz ohne Erfolg. Dann verlor ich sie mit der Zeit einen nach dem andern, unb" — die Stimme des Sergeanten schnellte empor und seine Augen blitzten — „unb nun habe ich sie alle, alle wiedergesunden, ihr breimal hölzernen Trottel!"
Scherzratsei.
Ein wichtiges Teilchen der Nähmaschinen Und von einem Besen ein tüchtiges Stück, Die können als Tracht für den Maskenball dienen. Euch blüht dann bei sämtlichen Damen das Glück.
Nnr mögt Ihr nicht Locken verschenken vom Haupte, Sonst wär' eS gescheh'» um die herrlichste Zier.
Ihr könnt's nicht ertrugen, wenn man sie Euch raubte. So geht es mitunter den Leuten auch hier.
Auflösung in nächster Nummer,
Auslösung des Rösselsprungs in voriger Nummer: Wir sollen eben nicht in Ruhe bleiben!
Gleich wirb uns, wenn wir zu genießen denken, Zur Uebung uns'rer Tapferkeit ein Feind, Zur Hebung der Geduld ein Freund gegeben.
Redaktion: K. N eurath. - NoMtionSbrnck und Verlag der Brühk'schen Nniversitäts-Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gieße»


