804
„Ja, ja, — «Ker, — ich, ich möchte," 8er Hauptmann brach Verlegen ab, „es ist eine Zumutung, nicht Mahr." — So endete er, eilt wenig unverständlich. ~ < r , , ,
Und nun verstummten ste alle beide und sahen dem Spiel der Möven zu, die mit leuchtenden, weißen Schwingen um den Molenkopf herumjagten. m „ „„
„Ehe Sie nach Afrika gingen, waren Sre da tn Berlin?" fragte sie plötzlich und unvermittelt. ,
„Ja," gab er erstaunt zurück, sie war tote atemlos.
„An einem Frühlingstage, Unter den Linden, mn Schimmel vor einem Dogcart ging durch, — Sie fielen dem Tier ut die flcf —— —z/
„Ja, aber, wie ist es möglich, woher wissen Sie —"
„Tie Dame auf dem Wagen — das war ich!"
Eine kleine Pause trat ein, dann sagte der Hauptmann leise:
„Ich hatte es eigentlich ganz vergessen, — aber nun! Wie Mich das froh macht, daß» Sie es gerade sind!"
„Ich muß Ihnen doch danken--"
„O, Sie mir danken —" uiid er beugte sich und küßte ihre
k^er Schlitten flog durch die Stadt zurück. Hinter 'den meisten Fenstern brannten schon die Christbäume. Aus manchem Hause Rangen Weihnachtslieder.
„Das hast du draußen nicht, Afrikaner," sagte der Forst- tneifter, der mit dem Jägerburschen auf dem Bock saß.
„Nein, das hab' ich nicht," Jrdingens Stimme klang heiser, die Farbe ging ein wenig aus seinem Gesicht..
„Aber Sie gehen doch und werden glücklich sein!
Inge Holleben sah ihn mit ehrlichen, mutigen Augen an.
„Ja. ja, recht haben Sie, recht! Und Weihnachtsbäume und Wepfel kann man sich da unten auch beschaffen —" seine Stimme war wieder ganz hell. , ,
„Und wer zufrieden ist, der singt auch bet der Arbeit Und schaffen."
„Gewiß, gewiß", so nickte er mit frohem Gesicht.
„Deutsche Lieder, Weihnachtslieder; die Heimat ist dä, tvo man sie halten kann. Wissen Sie, der Jochem hat auch 'ne stramme Stimme. Jochem wird Ihnen schon gefallen. — Ja, wenn ich so denke, Fräulein Inge — Sie und ich uiid Jochem, die treue Seele, — du Herrgott, das ist ja biet ßu schön, viel, viel" — —
„Hurra!" sagte der alte Forstmeister ganz laut „nach dem Karpfen spendier' ich 'ne Pulle Sekt!"
vermischtes.
— Weihnachten in den Sprachen. ®ie „stille heilige Nacht", in der Christus geboren wurde, hat bei uns dem Feste den Namen gegeben. Nicht bei allen Deutschen, denn die Leute an der Wasserkante, vor allem die Friesen, haben den Namen des vordem um die Jahreswende gefeierten heidnischen Festes bet» behalten: Jul. Julin heißt eine Nacht durchschwelgen. Das Wort „weihen" war den Friesen nur in der Bedeutung „trauen" (am Altar) bekannt, weid heißt getraut, vermählt. Bon den Friesen übernahmen das Wort Jul die Dänen, es hat mit dem däupchen Worte hjul (Rad) nichts zu tun, wie man früher vielfach annahm. In den ältesten Zeiten Englands gebrauchte man das gleiche Wort, schrieb es aber ziemlich willkürlich gehul, geol, auch hüll. ^etzt sagt man drüben Christinas, d. h. Christfeier; ähnlich spreckjen die Holländer von Kersmis. Ganz merkwürdig ist, daß nur die germanischen Völker, also auch die Schweden, mit ihrem jul auf die Feier und Weihe des' Tages Hinweisen, die romanischen aber sich mit dem kahlen Namen „Geburtstag" begnügen. Die Franzosen sprechen von noöl, das aus dem lateinischen natalis verdorben ist, die Italiener von natale, die Spanier von navidad pnd die Bretonen von deiz nedelec, d. i. dies natalis.
* St. Johannis Minnetrinken. Einem seltsamen Weihnachtsbrauch, der Weinbenediktion, auch vielfach „Sankt Johannis Minnetrinken" genannt, wird noch vielfach in katholischen Gegenden am dritten Weihnachtsseiertage gehuldigt. Entweder wird nur eine Weinsegnung vorgenommeu, indem die Angehörigen der Gemeinde Wein in die Kirche bringen, der vom Geistlichen gesegnet wird; oder es wird in der Kirche der Gemeinde Wein gespendet, der entweder zu diesem Zweck von der Kirche gestellt oder von den Wohlhabenden Mitgliedern der Gemeinde vorher eingebracht wird. Nach der Legende hat nämlich der Apostel Johannes in Ephesus zum Zeichen, daß Gott der wahre Gott sei, einen Giftbecher mit dem Kreuzeszeichen gesegnet und dann ohne Schaden getrunken. 'Er.wird auch oftmals dargestellt mit dem Kelch in der Hand, aus dem eine Viper herausschaut, der der Apostel zur Abwehr das Kreuz entgegenhält. Diesem zur Erinnerung, — Minne bedeutete im früheren Mittelalter nichts anderes als Erinnerung und Andenken, und bekam erst im späteren Mittelalter die Bedeutung Siebe und Frauendienst, — findet jenes Trinken gesegneten Weines statt, das schon nachweislich zu Karls des Großen Zeiten in den Kirchen an dem Gedächtnistage des Evangelisten Johannes, dem dritten Weihnachtsfeiertage, aus- geführt wurde. Auch Luther spricht von dem Brauch, und der markgräflich brandenburgische Archivar Spieß erwähnt eine Urkunde vom Jahre 1484 aus dem Passenburger Archiv, die lautet:
„Item 5 gülden und 19 gr. p., die schicke ich gehn S. Pete« gein Schönproun, das man davon alle iar ierlich und zu ewigen Zeiten schicke und bestelle Wein daselbst zum Gotzhawß an s. Jo- hannestag zu Weyhnachteu, so man dem volck pflegt auß deut kelch sannd Johannes wepuns zu geben." Ein bekanntes Bauerw- wort heißt auch: „An St. .Johannissegen ist alles gelegen, da! er kann aus Kräutern Gold und das Gift unschädlich machen."
Weihnachts-Preisrätsel für die Jugend.
Wie in früheren Jahren hüben wir unseren junges Lesern auch diesmal eine besondere Freude für die Weihnachtstage Vorbehalten, indem wir wiederum ein Preis-! rätsel ausschreiben, an dessen Lösung sich alle unsere jungen Freunde beteiligen können. Das Umstellrätsel mit seinen spaßhaften Schwierigkeiten hat euch ja eine besondere Freude bereitet und ihr sollt deshalb auch diesmal ein Rätsel zu lösen bekommen, an dem ihr euere Helle Freude
haben sollt.
Ms Preise haben wir wieder eine Anzahl hübscher Geschenke ausgewählt, die euch sicher viel Vergnügen bereiten werden.
Die Lösungen sind bis zum 2. Januar, abends 6 Uhr, an die Schriftleitung der Gießener Familienblätter einzuq senden und müssen auch die deutliche Wohnungsangabe enthalten.
Christbaum-Rätsel.
Der Stamm des Baumes und alt freudig begrüßt wird.
In die Felder nebenstehender Chnstbaumrigur sind die Buchstaben aaa, ce, ddd, eeee e e, g, h h, i i i, k, 1 1 1 1 1 1, n n n n, o o, p, rrrrrr, es s, t t t t, u in der Weife einju« tragen, daß die einzelnen Reiben, von oben angefangen, lolgendeS bedeuten:
1. Einen Körperteil.
2. Dient zur Unterhaltung.
1 3. Mädchenname.
J 4. Wird zur Winterszeit gerne
benützt.
5. Mexikanische Silbermünze.
6. Ist bei Weihnachtsbescherungen zu finden.
bezeichnet etwas, was von jung
Weihnachts-Rätsel.
Mein erstes redet dir von Feiern Bald ernster, bald auch heitrer Art, Doch mußt du, soll's am End gedeihen, Gleich streichen, was zum Schliiß ihm ivard. Mein zweites sagt von dunkler Zeit dir, Gar mmiches birgtS in seinem Schoß. Heut ist's was Schönes, hoch Erhabnes, Mög' es noch vielen werden groß!
Doch soll die Lösung recht gelingen, So füge jetzt ein Zeichen bei.
Wirst merken, daß, soll's richtig klingen, Die Ford'rung unerläßlich sei.
Das dritte kannst tut immer sehen, Im Herbst und Frühling, allezeit. Siehst du's im schönsten Schmucke stehen, Ist sicherlich dein Herz erfreut.
Das Ganze nun, was wirds wohl künden? Nickt jung, noch alt sich's nehmen läßt. Möcht jedes unter ihm heut finden Ein frohes, sel'ges Weihnachtsfest l
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Bilderrätsels in voriger Nummer: Sauerbraten.
Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdrlick und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lang«, Gießen.


