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je 1 Schilling (1 Mark) pro Jahr. Eine Junggesellensteuer von wahrhaft rigoroler Strenge besitzt seit dein Jahre 1U07 die Republik Argentinien. Dort Haden ledige Männer im Alter von 20 bis 3 ) Jahren jährlich 26 Mark Junggejellensleuer zu entrichten, Für die Jahresklaffen von 30 bis 35 steigt der Steuerbetrag aus 50 um dann plötzlich aus 120 Mk. hinauszuschrtellen, die auch dem ge° beugten Greste bis zum Alter von 75 Jahren abgenommen werden, worauf eine Ermäßigung auf die Hallte eintritt. Tie Steuer ist so konsequent als Strale für das Unbeweibtsein ersonnen, daß sie auch von dein zum Witwer gewordenen auls neue erhoben wird, wenn er sich nicht innerhalb einer dreijährigen, vom Tode seiner Frau laufenden Frist wieder verheiratet. Bekanntlich ist auch Serbien, von seiner chronischen Geldknappheit getrieben, vor Jahresfrist mit de>n Plane einer Junggefellensteuer hervorgetreten, und in Maffachu- setts steht ein Entwurf zur Beratung, wonach jeder ledige Mann im Alter von inehr als 24 Jahren mit einer Jahressteuer von 5 Dollar belastet werden soll. Auch in Paraguay trägt man sich mit dem Gedanken, die Ehelosigkeit unter eine Jahresstraie von 5 Pesos (20 Mk<> zu stellen.
Alle bisherigen Junggesellensteuern sind entweder schon im Projekt oder nach nur kurzer Lebensdauer daran gescheitert, dass die Steuer nicht dem Einkommen entsprechend abgesluit würbe und daß man nicht aui das erzwungene Junggesellentum derer Rücksicht nahm, die sich aus rein sittlichen Beweggründen, z. B. um arme Eltern und Geschwiüer ausgiebig zu unterstützen, zur Ehelosigkeit entschlossen. Auch ein Anwachsen der Bevölkerungszahl ist ebensowenig dadurch erreicht worden, wie die Hebung der bei zunehmender Ehelosigkeit vergällenden Sitten. Dies galt besonders auch von jener ältesten und am meisten bekannt geworbenen Junggesellensteuer, ber lex Papia Poppaea, bie unter Kaiser Augustus über die Quinten verhängt würbe. Als sie im Senat eingebracht würbe, kam es in Rom beinahe zur Revolutioir, uirb als sie etliche Jahre später mit Milderungen dennoch Gesetz würbe, rechneten sich bie greisen Jünglinge und jugendlichen Grerse der ewigen Stadt aus, daß selbst eine sehr hohe Junggesellensteuer den Geldderitel noch immer weniger belaste als der Unterhalt einer mondänen Frari. Eirr Exempel, das auch heut noch stimmen dürste. --------------
Vermißtes.
kk. Neuyork als nr a g ne t i s cher Pol. Neuyork entwickelt sich allmählich zu einem neuen magnetischen Pol! Vor einigen Jahrzehnten, als die Brocklgnbrücke mit ihren 35 Toirnen Elfen gebaut würbe, bemerkte man zuerst, daß die Magneknabeln der Schiffe in ihrer Nähe rmbrauchbar wurden, und seitdem sind andere grobe Brücken aus Eisen und viele Wolkenkratzer mit Eijen- geripven gebaut worden, deren Eijenmengen zusammen Biillionen von Tonnen betragen. Da kann man sich wohl vorstellen, wie diese gewaltigen Eijenanhäuitmgen nicht nur aui bie Magnetnadeln, sondern auch sonst ihren Einfluß angilben können. Eisen, das datiernd in der gleichen Lage bleibt, wirb nämlich leicht magnetisch, unb unter gewissen Neigungswinkeln äußert sich das Magnetischiverbeil und «bleiben am stärksten. Ein Neuyorker Blatt malt in einer hübschen Phantasie aus, >vas geschähe, wenn ber Magnetismus alles Eisens in Neuyork aui einen Punkt, etwa bte Spitze eines hervorragenben Gebäudes, vereinigt würde : bie magnetische Krall genügtes eins der großen aiirerikanischen Schlachtschiffe atis dein Haien durch die Lull dis anis Dach dieses Gebäudes zu reißeir und alles andere Eisen in Neuyork würbe natürlich auch angezogen: die Estenschienen würden losgerisjen, die Räder würben von beit Wagen, Messer unb Gabeln würben den Essenbeit aus der Hand gerissen, kurz, die Fabel vom Magnetberge würbe zur Wahrheit werben. Ganz so schlimm ist es freilich nicht, vorläufig haben nur bie Schiffe unter bem Eisenreichtum Neuyorks zu leiden unb tatsächlich weichen bie Kompaßnadeln auf Schiffen bei der Durchfahrt unter den großen Brücken bis zu zwei Strichen, also 22*/,, Grad, von ihrer Richtung ab. Daß aber in einem großen Wolkenkratzer, dessen Eisenrippemverk magnetisch geworben ist, etwa die Stecknadeln eine besondere Vorliebe bekommen könnten, an die Wände z»l springen, ist durchatiS nicht unglaublid), und wenn in Neuyork noch mehr Eisen auigehäuil werben wirb, kann die Wirkung auf den Gang von Tascheittihren äußerst unangenehm werden.
kf. Die chinesische Marseillaise. Tie Chinesen haben nun auch ihre Marseillaise; tvährend der Schlacht von Wutschang warb sie geboren. Der schwungvolle Hymnus, der von einem Korrespondenten des „Figaro" atis Shanghai mitgeteilt wirb, lautet etwa iolgenberma6en: O Freiheit, du bist ber größten Himmelsgaben eine, zehntausende von Wundern kannst btt schaffen, wenn du dich mit dem Frieden verbindest. Ernst bist du wie ein Geist, groß wie ein Riese, der in die Wolken reicht. In die Wolken fuhr et auf seinem Wagen, fein Führer war ber Winb. O komme du, tun bie Erde zu regieren I Tu leuchtendes Europa, du bist wahrhaftig des Himmels Lieblingstochter; Brot, Wein und alle Gaben sind dein im Ueberfluß! Das große Asien ist nichts als eine unermeßliche Wüste l O möchten doch alle im 20. Jahrhundert daran arbeiten, diesem Lande eine neue Zeit heraufzuführen. Möchten doch alle tapferen Menschen einmütig daran gehen, Himmel und Erde zu reformieren l Erregen möge sich die Seele des Volkes
bis an die Grenze des Berges. Washington und Napoleon, ihr Söhne der Freiheit, kommt zu uns, um eine Inkarnation bei uns zu finden l Hin-Pu», du unser Ahnherr, führe »ms 1 Du Genius der Freiheit, eile herbei und schütze nns l
Büchertisch.
। Joseph £aiuf, Lux a eiernd. Gin RomüN!« Grotesche Sammlung von Werken zeitgenössischer Schriftsteller^ Band 106. 394 Seiten 8°. Mit Einband-, Titel- und Vignetten-, zeichirungeir von Hugo Steiner-Prag. Berlin, G. Grote. neue Roman, den Joseph Lauff dem großen und stetig weiter! wachsenden Kreis seiner Freunde darbietet, ist eine wohlgelungen«! Schöpfung seiner Muse. Der Dichter fuhrt uns diesmal wieder in die Vergangenheit, in die Zeit des Humanismus imb in die Kämpfe der anbrechenden Reformation. Im alten heiligen Köln stoßen die sich befehdenden Parteien heftig aufeinander; der Held unserer Erzählung, ein junger Humanist, muß für seine lieber* zeugung und für seine Liebe manch bitteres Ungentach erleidens und schließlich vor seinen Feinden das Feld räumen. Alles Unglück hat ihm aber Geist und Herz nicht zu beugen und nicht zu überwinden vermocht, so daß er uns am Ende seines Lebens in abgeklärtem Seelenfrieden und mit unversieglichem Humor seins „Lebens-, Leidens- unb Liebesgeschichte" selbst erzählen kann. Man wird den Romair nur mit Freude an der reifen Kunst des Dichters und mit lebhafter Anteilnahme an den heiteren und traurigen Erlebnissen des Helden lesen. Durch die künstlerische Ausstattung Professor Steiners ist das Buch auch äußerlich zu einem sehr hübschen Geschenkwerk gestaltet worden.
— ÄusdergroßenZeitdesdeutschenTheaters. Unter diesem Titel veröffentlicht Arthur E l o e s s e r in einem hübschen Bande (Eugen Rentsch Verlag München) eine Auswahl aus den Schauspieler-Erinnerungen von Jffland, Genast, Anschütz u. a. Sie führen uns ungefähr von 1770 bis 1848, d. h. vous Lessing bis in die klassische Zeit des Burgtheaters, mit dem Wien seine Vorherrschaft so gelassen und sicher behauptet hat, um schließlich vor der hemmungslosen Unternehmungslust der jungen Reichshauptstadt Berlin zurückzutreten.
— EmilMarriot,HeinzHenning. Roman. Berlin, G. Grote. Emft Marriots neuestes Buch ,Heinz Hen- ' N i n g" reiht sich den früheren Werken dieser Wiener Schriftstellerin würdig und ebenbürtig an. Gleich diesen zeichnet es sich durch eindringliche, lebenswahre Schilderung von intereffanten Charakteren sowie durch psychologische Tiefe der Lehens- und Schicksalsbetrachtung aus. Es ist ein Künstlerroman, der die Beziehungen eines glänzenden Schauspielers zu drei grundverschiedenen Vertreterinnen der Frauenwelt und die sich daraus ergebenden Konflifte zum Vorwurf hat und abwechselnd in Berlin, Wien und Hamburg spielt. Alles in allem wieder das Buch einer Frau, die mit klaren, scharfen Augen in das Leben sieht und ihre Erkenntnis von Welt und Menschen mit der ihr eigenen dichterischen Begabung und hervorragenden Erzählungskunst zu formen weiß. -----------
ttönigspromenade.
Man dar? die einzelnen Wörter und Silben nur in der Weise miteinander verbinden, daß man — wie der König auf dein Schachbrett — stets von einem Feld aus auf ein benachbartes übergeht.
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grif
(Auflösung in der nächsten Nummer.)
Auflösung des Kreuzvätsels in voriger Nummerr SEH a e e
1 1 k Balamanca Helms tedt Heka t ombe n e m cd b a t e
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herrlich
Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch, und Steindrttckerei, R. Lang«, Gießet


