Ausgabe 
23.11.1911
 
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Donnerstag den 23. November

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Die weiße Frau.

Roman von W. Collins.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

lieber ihr festes, massives Gesicht flog eilte schnelle Röte, und ihre Hände blieben plötzlich still liegen, was einen kommenden Zornausbruch anzudeuten schi n, in wel­chem sie sich vergessen mochte. Aber sie bemeisterte ihre aufsteiaende Wut, lehnte sich in ihrem Sessel zurück, ver­schränkte ihre Arme über ihrer breiten Brust und sah mir so mit einem Lächeln grimmigen Spottes auf den dicken» Lippen fester wie zuvor ins Gesicht.

Ah! jetzt fange ich an, alles zu verstehen, sagte |te, indem sich ihr gezähmter und gut verhaltener Zorn bloß in dem gekünstelten (Spotte ihres Tones und Benehmens verriet. Sie hegen einen persönlichen Groll gegen Sir Pereival Glhde und ich soll Ihnen helfen, ihn an ihm auszulassen. Sie lachte vor sich hin ein hartes, rauhes, zorniges Lachen.

Ich kam her, entgegnete ich, weil, wie ich bestimmt weiß, Sir Pereival Ihr Feind ebensowohl ist als der meinige. Won allen Frauen in England sollten Sie, falls Sie sich im geringsten das Ihnen zugefügte Unrecht vergegenwärti­gen, die Frau sein, die mir beistände, jetten Mann zu­grunde zu richten.

Richten Sie ihn selbst zugrunde, sagte sie, und dann kommen Sie wieder her und hören, was ich Ihnen sagen werde.

Sie sprach diese Worte, wie sie bisher noch nicht ge­sprochen hatte schnell, zornig, rachesüchtig.

Sie fürchten sich vor Sir Pereival Glhde, bemerkte ich.

Meinen Sie?

Die Röte stieg ihr ins Gesicht, und ihre Hände fingen wieder an, ihr Kleid zu glätten.

Sir Pereival nimmt in der Welt eine hohe Stellung ein, fuhr ich fort; es wäre daher nicht zu verwundern, wenn Sie ihn fürchteten. Sir Pereival ist ein mächtiger Mann ein Baronet Besitzer eines schönen Landsitzes Abkömmling einer hohen Familie

Sie setzte mich über alle Beschreibung in Erstaunen, indem sie plötzlich laut auflachte.

Ja, wiederholte sie int Tone der bittersten, uner­schütterlichsten Verachtung; ein Baronet Besitzer eines schönen Landsitzes Abkömmling einer hohen Familie. Ja, versteht sich! Eine hohe Familie namentlich von lltiittPTfi fhpr föpitp

Es war keine Zeit, die Worte zu überlegen, welche sie sich hatte entschlüpfen lassen, sondern nur zu fühlen, daß sie wohl überlegt zu werden verdienten, sobald ich das Haus Verlassen.

Ich bin nicht hier, um über Familienfragen mit Ihnen

zu streiten, sagte ich. Ich weiß nichts von Sir Percivals Mutter

Und ebensowenig über Sir Pereival selbst, unterbrach sie mich spitz.

Ich rate Ihnen, dessen nicht zu sicher zu sein, ent­gegnete ich. Ich weiß einige Dinge über ihn und habe ihn wegen vieler anderer int Verdachte.

Worüber haben Sie ihn im Verdacht?

' Ich will Ihnen sagen, worüber ich ihn n i ch t im Ver­dacht habe. Ich habe ihn nicht im Verdacht, Annas Vater zu sein

Sie sprang aus und trat mit einem Blicke der Wut auf mich zu. >

Wie können Sie sich unterstehen, über Annas Vater zu mir zu sprechen! Wie können Sie es wagen, zu sagen, wer Annas Vater war, und wer nicht! rief sie mit vor Wut bebenden Lippen und bebender Stimme aus.

Das Geheimnis zwischen Ihnen und Sir Pereival ist nicht jenes Geheimnis, fuhr ich beharrlich fort.

Sie tat einen Schritt rückwärts. Hinaus! sagte sie und deutete auf die Tür.

Es war kein Gedanke an das Kind weder in Ihrem Herzen noch in dem feinigen, fuhr ich fort, entschlossen, sie zu ihrer letzten Zuflucht zu treiben; keine Bande sünd­hafter Liebe waren zwischen Ihnen und ihm, als Sie jene verstohlenen Zusammenkünfte hielten, wo Ihr Mann Sie vor der Sakristei der Kirche ....

Ihre Hand fiel plötzlich art ihrer Seite herab, und die tiefe Röte des Zornes wich aus ihrem Gesicht, während ich sprach. Ich sah die Veränderung, die in ihr vor ging, ich sah das harte, feste, furchtlose, gefaßte Weib vor einem Schrecken erzittern, dem zu widerstehen ihre äußerste Ent­schlossenheit nicht imstande war, als ich jene vier letztes Worteder Sakristei der Kirche" sagte.

Eine Minute lang etwa standen wir beiden und blickten einander schweigend an. '

Weigern Sie sich noch immer, mir zu trauen? sagte ich nunmehr.

Sie hatte ihre trotzige Fassung wiedergefunden, gls sie mir antwortete.

Ja, ich weigere mich, sagte sie.

Wünschen Sie noch immer, daß ich gehe?

Ja. Gehen Sie und kommen Sie niemals wieder.

Ich ging zur Tür, zögerte einen Augenblick, ehe ich sie öffnete, und wandte mich dann nochmals zu ihr um.

Ich mag Ihnen Nachrichten über Sir Pereival zu bringen haben, auf welche Sie nicht vorbereitet sind, sagte ich, nn-d in diesem Falle werde ich wiederkommen.

Es gibt keine Nachrichten über Sir Pereival, auf die ich nicht vorbereitet wäre, ausgenommen---

Sie hielt inne; ihr bleiches Gesicht wurde finster, und sie schlich mit leisen, heimlichen, katzenartigen Schrittest an ihren Platz zurück.