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Babelsberger.
Episode aus feinem Leben von SEI frei» Bock.
(Schluß.) _
Eine Stunde später beschied der Archivar Muerweck den Sekretär Gabelsberger zu sich und verwudete ihm mit sauersüßer Miene, oer Landtag habe tgm eine Remuneration von zweihundert Gulden bewilligt.
Gabelsberger wechselte die Farbe.
„Zweihundert Gulden!" stammelte er, „mein Gott, wie soll das werden!"
-^/'Ztv^hundert Gulden," näselte der Archivar, „ich weiß gar 51 t-S ®Je tvollen! Zweihundert Gulden sind eine runde, eine hübsche Summe. Und fallen Ihnen sozusagen in den Schoß. Kar so notig haben Sies doch nicht. Sie haben Ihr schönes Gehalt, haben Ihre Träten und haben Ihre Akzidenzien. Freilich « « rlnzufriedene hat nimmer genug. Gott befohlen, Herr Sekretär!
« Babelsberger wankte fort. Sein Gesicht bedeckte eine tiefe Blasse. Seine zitternde Hand langte nach dem Schnupftuch, den Schweiß von der Stirn zu wischen. Zweihundert Gulden! Er konnte es nicht fassen. Zu wenig oder nichts — das war eins.
s mußte sich gegen ihn verschworen haben. Wenn er seinen Gläubigern gerecht werden wollte, war er gezwungen, sein Gehalt auf Jahre hinaus zu verpfänden. Er und sein Weib konnten mu Hungertuch nagen. Wie sollte er vor seine Resi treten! Auch W lpars beschieden, auf Dornen zu pilgern. Nein, er würde es mcht über sich gewinnen, ihr die Wahrheit zu sagen. Einen letzten Gang zum Fürst-Minister mußte er wagen. War ihm auch dort die Suir verschlossen, würde er weiter gehen. Irgendwo mußte er doch einen guten Menschen finden, einen Menschen, der begriff, was seine Kunst der Welt gab. All die am Schreibtisch durchwachten Nächte traten vor seine Seele. Die kranken Augen begannen zu schmerzen. Wie lohnten fies ihm! Die bittere Wurzel des Undanks vergiftete ihm den Lebenstrank. Aber sollte er seiner Kunst deshalb grollen? Nein, dreimal, nein. Seine Kunst war ein Kräutlein wider alles Ungemach, war ihm Schirm und L-child und Heiligtum! —
Als Gabelsberg nach mühsamem Weg durch die gluterfüllten Straßen todmatt in seiner Mansardenwohnung am Sendliuger Torplatz anlangte, kam ihm sein Weib an der Flurtür entgegen. Sie war von schmächtiger Gestalt. Airs ihrem schmalen durchs geistigten Gesicht leuchteten ein paar große, braune Augen. In ihr reiches, dunkelblondes Haar mischten sich die ersten grauen Fäden.
, „ Ja Franz, wo bleibst du?" rief sie sichtlich erregt. „Du hast Besuch. Wirst staunen, wer."
Gabelsberger neigte den Kopf ein wenig vvr.
„Ja, Resi, wer?" ' s
Sie lächelte. ' i f
„Schau selber nach." 1
Gabelsberger trat in die Wohnstube. Von dem ültertüm- lichen Kanapee erhob sich ein Herr im Bratenrock. Er trug eine große Brille, die ihn älter erscheinen ließ, als er in Wirklichkeit war. Auf seinem mächtigen Kopf gedieh ein Urwald blonder Locken.
Gabelsberger schlug die Hände zusammen.
„Wigard! Grüß Gott! Wie kom'men Sie denn daher?"
Doktor Wigard, Gabelsbergers treuer Freund und Schüler, Umarmte den Meister.
„Ich komme aus Dresden. Ich bringe einen Sack voll Neuigkeiten. Es scheint. Sie wissen noch gar nichts?"
„Gar nichts weiß ich."
„Das sächsische Ministerium ist in optima forma auf meine Vorschläge eingegangen. Das stenographische Institut ist so gut wie gesichert. Ich bin zum Leiter ausersehen. Dreihundert Exemplare auf Ihr großes Werk hach ich sofort in Auftrag bekommen. Das Geld wird Ihnen unverzüglich ausgezahlt. Das ist noch nicht alles. Sie sehen mich im Begriff, nach Stuttgart zu reisen. Dort hat man sich für Ihr System entschieden. Ich soll die Sache organisieren. Auch in Berlin und Hamburg regt cs sich. Schon wird im Ausland Ihr Name genannt, bald überfliegt er die ganze Welt.-- Viktoria, Meister, Viktoria!"
Gabelsbergers Augen füllten sich mit Tränen.
„Wigard," kam es mit zitternder Stimme heraus. „Sie ahnen nicht, wie wohl Sie mir tun, daß Sie mir heut,, gerad heut die Freudenpost bringen. Ich sage nur: es' lebt ein Gott!" Tie Resi kam herein.
„Franz, der Diurnist Zeiler ist draußen mit einem riesigen Blumenstrauß."
Gabelsberger sah seine Frau verständnislos an.
«Der Zeiler? Mit einem Blumenstrauß? Ja, ist denn der Mensch narrisch geworden?"
Die Resi zog die Brauen hoch. „Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Es fragt sich, wer das beste Gedächtnis hat, dst oder der Veiler."
„Ja, wo soll denn dgs wieder hinaus?"
„Henk, Franz, ist unser Hochzeitstag!" Gabelsberger schlug sich an die Stirn.
„Resi, unser Hochzeitstag! Gott verzeih mir die Sünde.
8ch hab dran vergessen. Der Zeiler bleibt nattirlich zu Tisch." Die Resi lächelte.
„Schauen Sie, Herr Doktor, so ist er," wandte sie sich an Shgarb. „^mmer iu den Wolken. Spielt den vornehmen Herrn gar nicht, ob seine Fran darauf gerichtet ist ^.en' tote ich die Ehre des Hauses rette ">
*^ert Lier fröhliche Menschen um einen schön gebeeften !£tfc|. Der Sekretär Gabelsberger hatte in aller Eile Flasche Wem nebenan aus dem Wittelsbacher Hof geholt Und begann” @U^e ^tani) er auf, legte die Serviette beiseite an/u?ert^ Hochzeitstag geziemt sich's wohl, daß ich Fran gedenke. Resi, du mein guter, treuer Kamerad. L>chau ich dich an, fällt mir's heiß auf die Seele, tme unendlich viel ich drr schuldig bin. Du hast in der Eheschaft vielem entsagen gelernt. Wenn ich so denk, die Tage sind nicht zu zahlen, daß ich mißlaunig heimgekommen bin. Immer hast M den Zauberwedel bei der Hand gehabt, daß mir die Wolken verflogen sind. Em wenig selbstsüchtig sind wir ja alle, müsseu'H sem, die wir der Kunst Uns zugeschworen. Eines Künstlers Ge- fahrtlu sem, heischt viel Liebe, heischt viel Güte. Du, Resi, hast von Anfang neben dir eine Rivalin geduldet, hast ihr ein warmes Nest bereitet, hast sie gehegt und gepflegt: meine Knust, 's war etn Probleme Du hast's gelöst. Wahrlich du bist's, die im Haus regiert, aber dir regierst mit dem Herzen. Um deine schöne Seele rankt sich mein Leben, rankt sich mein Glück. Meiner Rest, ihr lieben Freunde, weihen mir das erste Glas.
.. Lie Pokale klangen aneinander. Harmonische Töne erfüllten das Gemach. Die Rest preßte ihres Gatten Hand. In ihren Augen iüar etn Leuchten, wie es nur die Liebe entzündet.
Nach einer Weile war's der Diurnist Zeiler, der sich erhob! und also sprach:
. r liebwerte Herr Doktor Wigard hat uns kommuniziert, daß m Dresden, in Stuttgart, in Berlin und Hamburg zu Ehren unseres Meisters Gabelsberger die Freudenfeuer Brennen. Ich als Bayer fühl mich dabei etwas bedrückt. Hier int guten München sieht man von derlei Ehrungen nichts. Freilich der Prophet gilt nirgends weniger, denn in seinem Vaterland. In Bayern, sagt man, wächst das Gold auf den Bäumen und das Silber wird aus dem Wasser gesotten. Mich deucht, unser Meister Gabelst 6erger spürt nichts davon. Ich will in die Details nicht dringen/ will uns die Festtagsstimmutig nicht nerberben. Unser Meister nt.ag Jid) getroffen. Sein Licht bestrahlt fein dunkles Vaterland/ fein Name gehört der ganzen Welt!
Die Kunst, die sichtbar Wunder weiß zu wirken. Und sich getraut, den Fluß der Rede festzuhalten, Muß überall in jeglichen Bezirken Ihr Banner frei und siegbewußt entfalten.
Tein Werk lebt fort, du großer Redezwingep
Und nahe schon sind die ersehnten Zeiten
Da in den fernsten Zonen deine Jünger
Des großen Gabelsberger Ruhm verbreiten!"
„Zeiler, Mensch und Diurnist," rief Gabelsberger, „du bist ja unter die Dichter gegangen! Meinen Respekt! Und wie! du's verstehst, den bayerischen Löwen am Bart zu zupfen! 's ist ja wahr, bei all der Sekkiererei macht einem manchmal die Galle! platzen. Hernach entdeckt man doch wieder fein bayerisch Herz, hält die alte Devise hoch: Draußen Ehr' erwerben und gut bayerisch sterben!"
„Frau Sekretär," sagte der Diurnist Zeiler mit einem Ausdruck komischer Verzweiflung in dem weingeröteten Gesicht, „dep Franz ist u nb erbeff erlitt)!"
„Ja schon," lachte die Resi, „aber gerade deswegen mag ich ihn so gern!"
Treiben von tzqocmthen in Gläsern.
Von Garteninspektor P. Dannenberg?)
Zinn Treiben auf Wasser verwendet man die bekannten Hyazinthengläser. Ihre Form und Farbe ist ohne Belang. Die für diese bestimmten Zwiebeln müssen recht vollkommen ausgebildet und in Bezug auf ihre Größe so ausgewählt sein, daß der äußere Umfang des Wurzelbodens der inneren Weite des Glashalses entspricht. Die Wurzeln sollen sich ungehindert nach unten entwickeln können. Die gekauften Zwiebeln werden zunächst unter Beobachtung der auf S. 85 angegebenen Vorsichtsmaßregeln an irgend einem mäßig warmen und trockenen Platze aufbeivahrt, bis sich die weißen, rundlichen Wurzelspitzen zeigen. Dies wird bei den frühesten Sorten im September, bei den spätesten oft erst Ende des Jahres der Fall sein. Erst bann reinigt man die zum Treiben bestimmten Gläser ganz sorgfältig, klebt ein sauberes, mit dem Namen beschriebenes Zettelchen daran und füllt sie mit klarem Brunnen- oder Leitungswasfer, jedoch nur so voll, daß anfangs zwischen dem Wasserspiegel und dem Wurzelboden etwa 3 Millimeter Luftraum bleiben. Später, wenn die Wurzeln einige Zentimeter Länge erreicht haben, kann man bis 1 Zentimeter Luftraum lassen: die Zwiebeln faulen, wenn sie mit dem Wasser in Berührung kommen.
Auch bei diesem Wasser-Treibversahren besteht die wettere Vorbereititng wieder darin, daß man die Wurzelbildung an einem
*) Aus der zweiten Auflage seines soeben erschienenen lehrreichen Buches „Zimmer- und Balkonpflanzen" von P. Dannenberg. Verlag von Quelle L Meyer in Leipzig.


