Ausgabe 
22.7.1911
 
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Jini, der selbst ein großes Landgut am Michigan-See besaß, das er mit großen! Verständnis bewirtschaftete, war außer sich vor Verwunderung. So unglaublich wie es schien, er mußte schon in Kalifornien sein, denn nirgends sonst waren derartige Phänomene auch nur auszudenken und selbst hier waren sie unfaßbar.

sind wenn er den 100 000 Tollarprcis verlöre, hier mußte er landen. Kaum war er zu diesem Entschluß gelangt, als sich iastch schon sein Aeroplan fast senkrecht mit ihm zur Erde bewegte.

Wenn das nur gut geht," dachte Jim, Doch Angst hatte er nicht,

Ohne die geringste Erschütterung kam er unten an. Er befand sich auf einer nicht allzuausgedehnten sandigen Fläche, stnd in der Entfernung von ungefähr einer halben Meile sah er ein großes Etwas im Sonnenlicht leuchten und funkeln, wie einen Ungeheuren Diamanten, ein Etwas, das in der Form einem Menschlichen Wohnhaus nicht unähnlich sah. Jim vergaß seinen getreuen Aeroplan und wollte auf das rätselhafte Ding zugehen, da hörte er in seiner unmittelbaren Nähe ein erdbebenartiges Fauchen und Donnern. Nähertretend, gewahrte er ein selt­sames^ Rohr von et!» sechs Fuß Stärke, das unmittelbar aus dem Erdboden kam, sich zu einem Knie bog und dann direkt auf das blitzende Haus zulief. Von diesem Rohr, dem eine gewaltige Hitze entströmte, rührte das Geräusch her. Nachdenklich und kopfschüttelnd betrachtete Jim' das Rohr, da vernahm er wieder denselben Ton, der ihm oben in der Lust so aufgefallen und der deut Schwirren eines riesigen Jnsektenflügels glich. Plötzlich^ wie Moire Himmel gefallen, sah er zwei Menschen vor sich stehen, einen -älteren Mann, der die Züge des Inders Mirawada trug Und ein junges Mädchen, das verblüffende Aehnlichkeit mit seiner Braut Daisy Landsey hatte.Tas ist doch," dachte Jini Und dann fiel sein Blich -auf einen Gegenstand', der einer Libelle Un Gestalt glich und so fein und zierlich gebaut war, daß Jim vor Entzücken fast alle bisher erlebten Wunder vergaß. Offen­bar war der Gegenstand die Flugmaschine der beiden Menschen, die ihn noch immer schweigend betrachteten.

Ihr int Osten," begann der Mann endlich in einer Sprache, die entschieden kein Englisch tour, die aber Jim merkwürdiger­weise trotzdem verstand,Ihr int Osten habt manchmal eure, ich möchte sagen, atavistischen Grillen; doch daß einer von euch den Spleen so weit treiben könne, sich einen solchen antedilu- viauischen Kasten zu rekonstruieren und damit im Lande umher­zuschaukeln, das hätte ich doch nicht für möglich gehalten."

Jims Gesicht drückte so ehrliche Wut und zugleich solches Erstaunen ans, daß der Mann, der Von der jungen Dame einen kleinen Stoß bekam, in seiner Rede anhielt.

Aber erlauben Sie," sagte Jim endlich gekränkt,das ist der Butler-Edison-Eiichewer, der neueste und beste Apparat, den " hier schwieg er wieder, denn sein Blick fiel abermals auf die wunderbaren Libellenflügel.

Das Mädchen wandte sich zu deut Mann, und Jim hörte, wie sie diesem leise zuflüsterte:Sei gut zu ihm, Vater, der Aermste krankt Ivie so viele am Bergangenheitsbewußtsein; denkst du noch an Nil Babo, der sich lange Zeit einbildete, ein Ptero- dactykus zu sein? Wir müssen den jungen Mann langsam wieder Mit der Gegenwart vertraut machen."

' Der Mann mit Mirawadas Zügen neigte zustimmend sein Haupt. Jim faßte sich an die Stirn, er dachte eine Weile nach und kanr zu dem Entschluß, nicht weiter nachzudenken. In diesem Augenblick trat der Mann auf ihn zu, er, musterte Jim mit einem mitleidigen Blick, der diesem peinlich war, ergriff hierauf Jims .Hände und schüttelte sie lange und -anhaltend.Ich heiße Nobod und daS ist meine Tochter Violet, seien Sie uns willkommen!" sagte er.

Jim machte eine tadellose Verbeugung und betrachtete dann die beiden Leute genauer. Sie trugen graublaue, dicht anliegende Kleider, Miß Violet hätte einen Kuierock an, etwa wie die Bergsteigerinnen; auf beider Rücken zwischen den Schultern be­fand sich ein kleines schmales Kästchen, das Jim auffiel.

Verzeihen Sie, was ist. das?" fragte er.

Bon diesem Behälter aus," sagte das junge Mädchen,zirku­liert der elektrische Ozonstrom durch die Maschen unserer Fleisch­faser-Kleidung."

O, ja," meinte Jim in einem Ton, als wenn er sich das eigentlich hätte selbst sagen können.Da wir nun einmal dabei find, würden Sie mir wohl noch einige Fragen beantworten!?"

Die junge Dame nickte freundlich, und der Mann lächelte nachsichtig.

Ich danke Ihnen," sagte Jim'.Womit nur ansangen? Jawohl! Was für ein großer Kasten war es, der da auf dem Kornfelde umherraste?"

Tas ist unsere landwirtschaftliche Maschine," antwortete der Mann,sie müht, drischt, trennt das Saatkorir vom Brotkorn, Mahlt das letztere zu Mehl und verbäckt cs, pflügt, eggt und düngt den Boden hinter sich mit den Salzen, die sie aus dem Stroh gewinnt und streut endlich das nusgewählte Korn gleich wieder zur neuen Saat aus."

In der Tat, ganz praktisch," meinte Jim, den die Fülle der Eindrücke schon blasiert zu machen begann.Und die großen Rinder?"

..Groß?" fragte Herr Nobod erstaunt,Das ist unser Mittel-

schläg." Gleichdärauf besann er sich und fuhr in dein; belehrendere Tone fort:Meine Rinder haben kaum die Größe des ausge- storbcnen Nilpferdes, ich züchte sie nicht größer. Vor langen, langen! Jahren hat man zwar das Mittel gefunden, die tierische Wachs­tumsgrenze nach Belieben zu verändern, doch ist das bei den Vegetabilien nur zum Teil gelungen; es wird Ihnen deshalb ohne weiteres einleuchten, daß sich ein, sagen wir, hausgroßes Rind, nicht -würde zu ernähren vermögen."

Selbstverständlich," sagte Jim.Was. hat aber dieses Rohr zu bedeuten?"

Aber das ist doch Unsere Zentrale," erwiderte der Mann ein ganz klein wenig ungeduldig ob der müßigen Fragen,das, versteifte Asbcstrohr holt uns Kraft und Wärine aus dem flüssigen -Erdkern, die in unseren Fabriken verbraucht und dort für die beweglichen Maschinen in konzentrierte Kraft und Wärme um- gewaudelt werden."

Ja gibt es denn keine Kohlen?" warf Jim ein.

Kohlen, nein," antwortete der Mann.

Doch, Vater, widersprach Violet.Du hast mir Ja voriges! Jahr noch das teure Kohlenarmband mit Sonnengoldfassnng ge­schenkt. Aber ehe Sie weiter sehen, mein Herr, müssen Sie sich erst stärken, bitte steigen Sie ein." Hiermit wies sie auf die Libelle, an der.Jim vier bequeme Sitze bemerkte.

Tie drei setzten sich und Nobod Vater und Tochter zogen einen Schleier vor das Gesicht.Er hat keinen Luftspaltschleier, Vater," sagte das Mädchen,wir müssen langsam fahren." Zu Jim gewandt, fuhr sie erklärend fort:Bei normaler Geschwindigkeit! würden Sie dm Luftdruck nicht ertragen, er ist so groß, daß ein Flieger ohne die, an der Innenseite des Schleiers ange- brachte, Reduzierbrille überhaupt nicht wahrnehmbar ist." Hier­mit drehte sie an -einer Kurbel, und eine Viertelminute spät eh stand das Gefährt vor dem Glashanse.

Jim, der in Wesen und- Gestalt des Mädchens ganz seine Braut wiedererkannte-, betrachtete sie weit angelegentlicher als! das wunderbare Haus; zögernd meinte er dann:

Sagen Sie, Miß Nobod, wissen Sie ganz genau, daß Die mich nicht einstmals heiraten wollten?"

Daisy errötete.Werden .Sie, gesund," entfuhr es, ihr.O> was sagte ich-" ,,

Sehen Sie das .Haus, es i)t aus Liamantlava, sagte Nobod ablenkend.

Jim sah den Sprecher -an und schüttelte den Kopf.Mwa- to-ada, Daisy," murmelte er, dann folgte er den beiden in das! Innere des Hanfes. Hier reichte ihm das junge Mädchen zwet Pillen:Konzentriertes Maisbrot und Fleisch," sagte sie. Jim! verschluckte die Gabe gedankenlos.

Ich werde Sic nun dorthin führen, wo wir das Sonnen­licht für den Nachtgebrauch aufstapeln," mit diesen Worten wollte Nobod Jims Arm nehmen und ihn mit sich ziehen, doch der starrte ihm nur immer ins Gesicht, fuhr sich mit beiden Händen an die Schläfen und plötzlich durchzuckte ihn wie ein Blitz die Erkennt­nis:Jetzt haben Sic cs zu bunt getrieben, Mirawada; meinen Sie, ich wüßte nicht, daß Sie mich hypnotisiert haben und mir jetzt eine B-ellamyade vortragen?"

Nobod lachte und wackelte mit dem Kops, der immer größere Dimensionen annahm, rote .und grüne Flammenbündel zuckten durch die Wände, riesige, glitzernde Käfer liefen im Zimmer umher und alles drehte sich um sich selbst. Das einzige, was Form und Festigkeit behielt, war das Mädchen--.

Er hat die Pillen genommen," sagte Daisy Landsey zu dem eintretenden Arzte. Der untersuchte den Patienten, worauf er befriedigt nickte.Alles in Ordnung, Miß Landsey; wo hat! man ihn eigentlich gefunden?" . r

Rur zwei Meilen von, der Stadt. Er gefiel nur heute morgen schon vor dem Aufstieg nicht, er war so aufgeregt./ In diesem Augenblick schlug der Kranke die Augen auf.

Ach, Miß Nobod Daisy," rief er erfreut,wo ist Mr. Nobod, Ihr Vater, Mirawada---?"

Daisy und der Arzt sahen sich verständnisvoll an.-schlaf- nur wieder, Jimmy," mahnte Daisy sanft und legte dem Kranken ihre Hand über die Augen, die Jim auch gehorsam schloß, nnt gleich darauf lächelnd und ruhig weiter zu schlafen.

Was sagen Sie zu der Neuigkeit Miß aaisy, flusteAa der Doktor nach einer Weile.Ter Brahame zeigt heute feind Verlobung mit Nel Slvitch, der Tochter des Spcckkoiiigs an!

Die bewußttssen Aerzte.

Uluh Toyon ist das Oberhaupt der bösen Geister bei den Jakilten. Von ihnen kommen die schlimmsten Krankheilen. Wird nun ein Jakute krank, so läßt er einen Schamanen, das heißt einen Zauberarzt, holen. Zu seinem Werkzeug gelwrt zunächst eine Gerte, an die er einige Haare aus dcr Mähue eines Pferdes bindet. Er springt um den Kranken herum, schwiugt die Gerte rmd zwingt so die Geister, zu erscheinen und die Ursache,, weshalb sie den Be­dauernswerten peinigen, anziigcbcn. Plötzlich halt er mne. Er siebt die Geister und eröffnet dem Kranke», daß sw ihn vernichten wollten, wenn er sich nicht dnrch das Opfer einer Kuh oder loskanst. Mit Freuden wird das Opsertier gegeben. . Nun zieht der Schamane sein offizielles Gewand an. Diese Gewänder, dre zu den grössten ethnologischen Kostbarkeiten gehören, sind zumeist au-