Ausgabe 
22.7.1911
 
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Das nette Mädel.

Roman von Fedor von Zobeltttz«

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Das nahm 'ich von vornherein an," antwortete Möbius.

dachte nur, meine Anwesenheit wäre der Wunsch Fräulein Trantes gewesen."

War es auch, Herr Pastor," rief Traute eifrig. Sie hatte sich wieder gesetzt.Wer es war ein egvistischev Wunsch. Ich hätte daran denken sollen, dass Sie Besseres zn tun haben." . . . Und plötzlich schoß die Erinnerung an den Sinrniabend auf der Heide durch ihren Kopf, und Unwillkürlich sprach sie dasselbe, was sie neulich Eberstedt zugerufen hatte.Ich fürchte mich nicht," sagte sie.Nein," setzte sie hinzu,ich fürchte mich wirklich nicht, auch wenn ich allein mit Herrn Kruse bin."

Kruse, schlug in die Hände.Bravo! Gnädiges Fräu­lein, ich danke Ihnen. So -ist's recht! Mocbius, ich erhebe die Schwurhand: sie steht unter meinem Schutz. Also bist du überflüssig."

Und du bist ein grober Mensch," antwortete Moebius.

Nur zuweilen. Nur dann, wenn es sein muß. Und siehst du, in diesem Falle muß es sein. Ich hatte nichts gegen deine geehrte Anwesenheit sie sollte sozusagen ein Trost für das Fräulein sein. Aber das Fräulein ist verständiger, als ich Esel wähnte. Sie forcht sich nit. Hat's auch iveiß Gott nicht nötig. Ich aber, mein Alters fühle, daß dein Dabeisein mich stört. Frag nicht warum. Es ist Nervensache. Du sitzest da Und liest. Aber eigentlich liest du nicht. Das macht mich schau kribblig. Dann schaust du von Zeit zu Zeit auf mein Bild. Da tobe ich innerlich. Weil dein Blick kritisiert. Ein noch nicht fertiges Bild kritisiert hol's der Teufel! Und öfters seufzest du auch leise auf, und manchmal schnaubst du dich sogar. Das geht mir wider die Natur, wenn ich arbeite. Da muß eine heilige Stille um wich sein. Adieu, lieber Moe­bius, habe vielen Dank für deine Freundlichkeit, und vergiß mich nicht."

Moebius ließ sich die Hand schütteln.So macht er es<" sagte er zu Traute.Erst fordert er mich feierlich auf, Und dann setzt er mich an die Luft. Glücklicherweise kenne ich ihn; das, ivas ich an ihm 'schätze, ist weniger die Außen­seite als der Kern. Und deshalb brauchen Sie sich auch wirklich nicht zu fürchten. Adjö, liebes Kind."

Er reichte ihr die Rechte. Seine Hand war sehr heiß.

^.Auf Wiedersehen, Niels!"

Kruse hatte seine Palette ergriffen.

Addio, Alterchen!"

An der Tür wandte Moebius sich nochmals zurück.

Fräulein Traute, Sie sind lange nicht bei mir ge=

fvesen," sagte er; «/besuchen Sie mich doch einmal wieder"

entsprechenden Handbewegung, tig! Lehnen Sie sich in den Js

Sie falsche Zöpfe?"

Nein," erwiderte sie lachend,vorläufig noch nicht. '

Er murmelte etwas und begann zu malen. 9hm sprach er wohl eine halbe Stunde lang kein Wort. Traute konnte ihn während der Arbeit beobachten. Sein Aeußeres gefiel ihr nicht. Sie dachte sich diesen Bauernriesen in Frack und Lackschuhen: da mußte er komisch aussehen. Für das Große und Bedeutende seines ausdrucksvollen Kopfes hatte sie kein Verständnis; aber wohl fiel ihr auf, daß sein Gesicht, während er arbeitete, viel weicher erschien als sonst. Und dann verglich sie auch wieder diese glatt rasierten Züge mit dem Christusporträt, das sie von ihm in der Erinnerung hatte. Auf diesen Bildern war er von einer prachtvoll wirkenden Schönheit; mit seinem glatten Gesicht dagegen sah er irgendeinem Schauspieler ähnlich sie wußte nur nicht gleich wem. Am liebsten hätte sie gefragt, warum! er sich den Bart abgenommen habe. Aber sie wagte es nicht. Sie wollte warten, bis er sie anreden würde.

Das dauerte lange. Er arbeitete sorgfältig. Er nahm häufig den Spachtel, trug das Begonnene wieder ab und versuchte es von neuem. Aber er ging dabei mit ruhigem.' Eifer zu Werke. Keine feiner Bewegungen verriet Un­geduld; LrMtze WchMr W WM wie MerMdei und

Gern, Herr Pastor."... Es war so Sitte, daß die jungen Mädchen den Geistlichen, der sie konfirmiert hatte, hin und wieder besuchten; und da Moebius unverheiratet war, so war es auch Sitte geworden, daß man zu ihm truppweise ging. Es gab dann immer Kaffee und Kuchen und eine Art Plinsen, in deren Bereitung es feine Haus­hälterin zur Meisterschaft gebracht hatte. Besonders Suse Appelmann schwärmte für die Moebiusschen Plinsen und verdarb sich regelmäßig den Magen an ihnen. Sie neigte überhaupt zur Gefräßigkeit.

Mehr nach rechts den Kopf," sagte Niels mit einer entsprechenden Handbewegung.Halt--jo ist's präch­

tig ! Lehnen Sie sich in den Stuhl zurück und machen Sie es sich ganz bequem. Wir können auch ruhig miteinander planderii fand nehmen Sie's nicht übel, wenn ich manch­mal die Antwort vergesse."

Er stand vor seinem Wilde Und betrachtete noch einmal die .Haltung seines Modells. Sein Blick ruhte groß und ernst auf Traute, ohne den leisesten Ausdruck sinnlichen Empfindens. Er prüfte ihr Gesicht: die Nixenaugen, das zierliche Näschen, die schwellenden Lippen, bie schön ge­schwungene Linie, die vom Kinn zum Halse führte, und den Hals selbst, der zart war und weiß: von einem matten Weiß, das an Perlmutter erinnerte. Er sah auch unter dem glitzrigeu Kettenhemd Und dem Linnen der Taille das rhyth­mische Heben und Senken des jungen Busens, und da kam ein förmlich bitteres Empfinden über ihn, daß er dies reizende Mädchen nicht nackt malen konnte.

Nun legte er die Farben aus die Palette.

Morgen müssen Sie Ihr Haar auflösen," sagte er, Diese moderne Coiffüren sind schrecklich. Oder tragen