Donnerstag den 2\. Sezemver
VU - Nr. 200
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Eltern gehe. Bei dieser Frage taute er auf, und da ihm die Kinder, die alle um ihn herum saßen, nicht solche Furcht einjagten, wie die forschenden Micke der Erwachsenen, er- zählte er ohne Scheu, daß sein Baier noch keine Arbeit habe und seine Mutter immer noch Schürzen nahe.
Tante Minna seufzte und strich sich mit ihren dicken Fingern die störrigen Haare hinter die Ohren. a.cum ging sie in die Stube zurück. Als Theodor getrunken und ge^ qessen hatte, spielte er erst mit den andern Kindern, die mit Psesferiiüssen, Schokolade und Zucker handelten, was sie „Kaufm-annspielen" nannten. Nachher, aber,schlich er sich in die Stube zurück, die jetzt ganz ut Dantmerung gehüllt war. Der Tabakrauch, den die sieben Manner ausstießen, verdichtete die zunehmende Dunkelheit noch, aus der nur die glühenden Zigarrenenden und einige blanke Zieraten am Weihnachtsbaum ausblitzten.
•- Bon dem bunten Holzmann, nach deni Theodor von der Tür aus lugte, war fast gar nichts mehr zu sehen. Er horte, wie Onkel Paul sagte: „Es ist doch zu traurig Rich mal so viel zu verdienen, daß sie sich Weihnachten sehen lassen können. Ich hätte sie gerade heute ganz gerii gesehen.
„Ach Gott!" sagte Kusine Ekse, „was ich mir schon daraus mache, ob die zu meiner Verlobung kommen oder nicht!
Nu' rede nicht!" meinte Tante Minna, während -sie hie Kaffeetassen zusammenkramte. „Es ist heute der erste Weih- nachten, wo wir Geschwister nicht zusammen sind. Und Weihnachten ist der einzige Dag im Jahr, an dem man sich sieht. . . . Am meisten tun mir die Klemen leid; nicht mal 'n Stück Spielzeug zu Weihnachten! Und man kann ihnen auch nichts kaufen. Wenn man ihnen was scpentt, muß es doch was Nützliches sein."
Damit -ging sie an Theodor vorbei, der sich in die Ecke drückte. Er war wütend auf Dante Minna, daß sie ihm rein Spielzeug gönnte. So lange hatte -er sie immer sehr, lieb gehabt; jetzt hätte er ihr heimlich einen Schabernack spielens mögen. Er sollte nur immer was „Nützliches haben. Er wollte doch nicht immer zusehen, wie die anderen Kinder spielten! s.
In dem dämmerigen Zimmer sah ihn niemand, a!v er zuni Dannenb-aum schlich und das Holzmännchen vom
„Aber^livo list denn der Nußknacker?" rief Else. Die Kinder, die alle um den Weihnachtsbaum standen, dessen Lichter eben angezündet worden waren, sahen einander an, während die Großen suchten. Theodor drückte den bunten Nußknacker, den er unter die Jacke -gesteckt hatte, fest an si.ch. Er wollte langsam und unauffällig in die Küche gehen, als ihn plötzlich Else musterte, ihin nach der Brust griff und ihm eine schallende Ohrfeige versetzte,-als sie dort,den Nußknacker S. Erst waren alle ganz starr, dann schimpfte man aus
-or eilt. Ein bärtiger Mann normte ihn emenDieh und sagte, das' hätte er von seinem Water. Tante Mrnnq schluchzte beinahe und sagte: „Red doch nicht sowas.M dachte, Wilhelm und hu, ihr würdet euch jetzt aussohnen. ■
Der Nußknacker.
Weihnachtsstizze von Hans Ostwald (Zehlendorf).
(Nachdruck verboten.)
„Aber so hab' dich doch man nicht! Solch großer Junge schämt sich noch!" rief Onkel Paul und zog Theodor am Arm aus der Ecke an der Tür in die Mitte der Stube, dicht an den Tisch, um den mehrere Frauen und Männer saßen. Sie hatten alle eine Tasse mit Kaffee vor sich stehen, während in der Mitte des Tisches ein angeschnittener Napfkuchen stand.
Theodor lächelte verlegen, als er in den Kreis ge- I schoben wurde. Onkel Paul patschte ihm mit seiner knochigen I Hand auf dem Kopf herum und sagte: „Na, nu sag' doch 'mal zu deinen andern Onkels und Tanten guten Tag!"
Theodor ging von einem zum anbeten. Das sollten nun alle Onkels und Tanten von ihm sein!. Dabei hatte er die wenigsten von ihnen je gesehen. Ein junger Mann, der stark rauchte, fragte ihn, warum er -denn seine Eltern nicht mitgebracht habe.
„Die müssen heute arbeiten," log Theodor.
„Nanu?!" fuhr der junge Mann auf, die Zigarre aus dem Mund nehmend und Kusine Else an sich ziehend, die dicht neben ihm saß.
Onkel Paul winkte ihm ab. Theodor fühlte, daß Onkel Paul -genau wußte, daß er soeben gelogen hatte, und daß seine Eltern nicht gekommen waren, weil ihr Sonntagszeug verpfändet war. Er wurde rot bis an die Haare. Onkel Paul half ihm rasch aus der Berle-genheit und fragte ihn, was er denn alles zu Weihnachten bekommen habe.
„Die neue Mütze," er hob ein wenig -die braune Plüsch- ^ütze; „und neue Schuhe."
„Na, und was noch?"
„Weiter nichts!"
„Habt ihr denn auch einen Weihnachtsbaum?"
Theodor blinzelte nach dem bunten Baum hinüber, der in einer Ecke auf einem weißgedeckten Tischchen stand: „Nee H- Vater konnte keenerr mehr kriegen."
„Nu laß doch man das dumme Gefrage feint'' rief Dante Minna und nahm Theodor bei der Hand. „Komm, dn bist gewiß hungrig. Setz' dich man in die Küche, zu den andern Kleinen." Sie ging mit ihni hinaus.
Als sie am Weihnachtsbaum vorüberkamen, sah Theodor einen bunten Mann darunter stehen, der seinen breiten Mund weit aufriß. Der gefiel ihm so, daß er ihn am liebsten einmal näher betrachtet hätte; aber er.wollte Dante Minna nicht loslassen, die ihn an der Hand hielt. In der Küche mußte er sich zwischen zwei Mädchen auf die Waschbank fetzen, und Tante Minna stellte mit freundlichem Lächeln.ein Töpfchen Kaffee und zwer Stuck Kuchen vor ihn hin. Dann fragte sie ungezwungen, wie es fernen


