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Kerzen
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bierl. Ein baumlanger Grenadier mit umgebunbener Schürze und in vorschriftsmäßiger strammer Haltung hält dem Kaiser mit beiden Händen den Teller hin. Der Kaiser hat sich leicht über den Teller niebergebeugt, und an seinem halb luftigen, halb schmerzlichen Gesichtscmsdruck merkt man, baß die Speise zu Heist war. Rings herum stehen einige Offiziere, die sich vor Lachen ausschütteit wollen. Die Szene trug sich einmal in Wirklichkeit zu unb damals sprach ber Kaiser bie Worte: „Au, Willem, ba hast Du Dir mal roteber
lich brachen die Offiziere, bie Ohrenzeugen bieier „Majestäts- beleibigung" waren, in lantes Gelächter aus. Unb mit @intuilligung des Kaisers ist ber kleinen Szene nun gewissermaßen ein künstlerisches Denkmal errichtet worden.
6 Ein Scherzwort des Kaisers über f t <f) f e I b ff. In einem ber Gesellschaitsräume des mit erlesenem Komfort ans- geflatteteii Offizier-Genesungsheim in Fatteustein im Taunus hängt em Wandgentälde von ber tpattb bes Prosessors Karl Röchling, ber sich bekanntlich ber Gunst des Kallers tu hohem Maste erfreut. Auf biefem Bilde sieht man beit Kaiser, rote er im Manöver ein Mannsthaftsgericht ber Feldküche bes 1. Garde-Regiments z. F. pro-
Wir sollen vergessen Schmerz und Du bist bie .Hoffnung im grünen Kleid! Du verWndest den Menschen fern und nah! '„Lasset uns jubeln, der .Heiland ist da!"
O lieber guter Tannen b a u m >■
Wie strahlst du hell im kleinsten Raum! Mit dürst'gem Schmuck und wenig Kerzen Leuchtest du doch in unsre Herzen.
Stolz tagen bie Tannen in die Höh', Die Aeste behangen mit glitzerndem Schnee; Ob um sie her auch die Stürme toben. Sie ragen kerzengrade nach oben.
Bor Weihnacht, in der Kinder Traum Spiegelt sich ab der schöne Baum. Da kommt eines Tages ein fremder ManU/ Der schaut sich die Bäume genauer an. Er sucht sich einen von ihnen heraus. Er haut ihn ab und trägt ihn nach Haus., Hier wird er mit bunten Sachen geschmückt/ Mit allem, was das Auge beglückt. Und kommt der Weihnachtsabend bann. Wie freuen sich bie Kinder dran.
Und jubelnd klingt es durch den Räumt
>,O Tannenbaum,-
O Tannenbaum,
Wie grün sind deine Blätter." So hab ich's erraten unb eingeschickt; Hoffentlich ist «s mir geglückt,
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Russische, Finnische, Polnische, Ungarische, sogar ins Tschechische, Rumänische, Serbische übersetzt worden, ttnb der Name Roderich Benedix hat damit eine Verbreitung gehabt, wie sie nur ganz wenigen deutschen Schriftstellern zuteil geworden ist. Millionen, die mit ihm ins Grab gesunken sind, hat er lachen gemacht, und schon das allein sollte ihm das Andenken als ein Wohltäter der Menschheit sichern. Nicht jedes Lorbeerblatt ist so verdient wie das, womit ivir hiermit seinen Hügel schmücken.
Bott den Bühnen, die den literarischen Ton angeben, ist Roderich Benedix verschwunden. Bon sämtlichen Theatcrtr der Reichshauptstadt gewährt ihm fast nur noch das auf ein bescheidenes Kleinbürgertum angelegte Schillertheater eine Stätte. Denn wieviel Erfolg, wieviel Liebe ihm auch zu Teil geworden ist — er war Nur ein Kind seiner Zeit, jener Zeit, wo dem deutschen Michel noch bie Zipfelmütze auf bett trattmumfangenen Lidern säst. Wie sich ber Schauplatz seiner Stücke fast immer auf das gutbürgerliche Wohnzimmer beschränkt — so beschränkt, so hausbacken, so nüchtern, so immer wiederkehrend sind auch die Gestalten, die diesen Schauplatz beleben. Dafür aber haben sie auch nichts Gemachtes, Erzwungenes, Gekünsteltes und wenn sie aud) nur Bühnenfiguren sind, denen das Blut des Lebens fehlt, so hat ihnen ihr Schöpfer doch Umrisse gegeben, bie ihnen im gedämpften und trügerischen Licht ber Rampe dock) wenigstens ben S ch e i n des Lebens verleihen. Wie bewußt ber Dichter in feiner Art zu gestalten verfuhr, durch! welche Mittel er seine Geschöpfe ber Sympathie bes Zuschauers nahe zu bringen suchte und auf welche Punkte es ihm dabei noch sotrst anfttin, wag aus seinen eigenen, in abgekürzter Form hier wieder-^ gegebenen Worten hervorgehen: „Auch scheint es mir ein allerdings sehr verbreiteter sJrrtum zu sein, dast das Lustspiel die Aufgabe habe, die Torheiten ber Zeit zu geißeln. Das ist immer, Sache ber Satire. Die Satire kämt ein Mittel für das Lustspiel sein, nicht aber dessen Zweck, dessen Hauptzweck. Wer über die Menschen lachen will, must sie lieben. Damm hab ick) nie Menschen gezeichnet, die man verlachen kann, man darf über ihre -schwachen und Torheiten lächeln, es dürfen ihnen aber die Züge nicht fehlen, die sie liebenswert machen. Es ist ein feiner Unterschied zwischen lächerlich und komisch. Darum habe ick) meine komischen Wirkungen nie in Karikaturen, in sogenannten komischeir Rollen oder in bitterem Wortwitz gesucht, fonbern in ben Verwicklungen, bie aus ben Eigentümlichkeiten ber Charaktere hervorgehen. Man hat bies Situationskomik genannt, ick) nehme diesen Namen gern an."
In ber Tat bewährt Benedix in ber Kunst der Verwicklung, das heißt eine bebende und logische, aber doch auch überraschend ineinander greifende Handlung zu ersinnen — wenn Mch nicht in allen, so doch in vielen seiner Stücke —, einiet Fertigkeit unb Geschicklichkeit, bie von feinen Nachfolgern noch nicht übertroffen worden ist. Allerdings sind die Motive der Handlung bei ihm oft von ber billigsten Art, beruhen auf Verwechslungen unb Mißverständnissen, entbehren der Wahrscheinlichkeit Und schon das allein ist ein Grmtd, der sie dem modernen, auch w der leichteren Bühnenkunst auf Lebenswahrheit gerichteten Geschmack entrückt. Wie die von ihm angero endeten Mittel int geeigneten Gewände aber auch noch auf ein heutiges Publikum wirken, das beweist eine Operette, die hochberühmte „Fledermaus", deren Libretto zwar angeblich einem französischen Schwank entlehnt rst, baffen Grundlage sich aber in einem Benedixscheu Lust- fbtel, dem „Gefängnis", findet. Es ist die Idee von dem Ehemann, der in seiner Wohnung verhaftet werden soll — weil der Gerichisbeamte aber einen andern in der Wohnung findet Und diesen für den Ehemann hält, was sich der andere aus guten Gründen auch gefallen lassen mnst, den Falschen ins Gefängnis brmgt. Aber unser Dichter hätte es Großmama, als sie noch em junges Mädchen war, nicht so herzlich antun können, — denn damals waren die jungen Mädchen noch anders als heute — wenn er nicht einen Grundsatz befolgt hätte, den er folgendermaßen ansdrückt: „Ich habe jede Frivolität gemieben unb bilde mir zuweilen ein, durch meine Werke dem Eindringen und ber Ueberwuchernng ausländischer Frivolität gewehrt zu haben." Jawohl, auch darin mag er für eine Zeit, wo es auf der Bühne vhne Pikanterien kaum noch gehen will, recht altmodisch ge- worden sein. Und er ist dies auch noch in einer anderen Hinsicht. i-->tch habe nur aus dem deutschen Bürgertume meine Stoffe genommen," schreibt er — „weil der Dichter national sein soll und weil das deutsche Volk etwas besitzt, was anderen Völkern den Namen abgeht — Gemüt." Heute ist auf den beutlebm. Buhnen, voran auf denen der Reichshauptstadt das Aus- lanb Drmnpf. Frankreich, England, Norwegen, Rußland gönnen dem deutschen Dramatiker in seinem eigenen Vaterlande nur ftoa) einen spärlichen Nauru. In der Mitbewerberschaft mit Bch. uberhandnehmenden Ausstattungsprunk, ben weiblichen Trikots, den Birtnosenstücken der Regie!, dem Sirenenklang der Operette, beni Kunterbunt ber Possen und Revuen, ben schwülen Grimassen, die eine moberne Ueberkultur ber dramatischen Muse ^zwingt — wie fände der Dichter wohl heutzutage noch den Mut, unserem Toten, als einen Schilderet: deutschen Bürgertums ÜB dieser schlichten Spur zu folgen?, '
nal in Wirklichkeit zu und damals sprach „Hu, Willem, da hast Du Dir mal wieder ordentlich deii Mund verbrannt!" Ja, die Wahrheit gebietet, zu jagen, dasi der Kaiser für „Mund" einen recht derben berlinischen Ausdruck, nämlich das Wort — „Schnauze" gebrauchte. — Naiür-
Unser weihnachtr-preirrätsel
Hat Bei den jugendlichen Lesern der Gießener Familien-» blätter diesmal noch stärkeren Anklang gefunden als in früheren Jahren, weshalb die Preise wesentlich erhöht wurden. Außer Büchern haben wir diesmal auch eine Anzahl von Spielen verteilt, die jedenfalls viel zur Kurzweil! an den laugen Winterabenden beitragen werden.
Im ganzen sind 312 Lösungen eingegangen, von denen 281 richtig und nur 31 falsch waren, darunter befanden sich aber teilweise sehr lustige „Lösungen", wie Bahnwärter, Weihnachtsengel, Nikolaus u. a., die mehr willkürlich hingeschrieben, als wirklich erraten waren.
Ein Teil der Lösungen war von hübschen Bildchen und netten Berschen begleitet, die uns viel Freude gemacht haben. Eine kleine Auswahl aus den Berschen lassen wir hier folgen, wenn wir sie auch nicht alle mit einem Preis bedenken konnten. Aber wer diesmal kein Glück hatte, der hat es vielleicht das nächste Mal.
Wenn Flur und An zur Winterzeit Erstarret sind unb kahl, Dann prangen noch im grünen Kleid Die Tannen allzumal.
Unb kommt bas liebe Christkiudlem, Bringt es in jeben Raum, Wo Kinder wohnen, lichten Schein Durch einen Tannenbaum, (Ohne Samen.] *■


