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vomersiag 6en 19. Januar
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Das Witwenhaus.
Roman von Helene von Mühlau.
Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.! -
Herr Lasker war auch verlegen, er räusperte sich ein haar Mal, spielte mit den Spitzen eines weißen Deckchens, das auf dem Tisch lag und sah wie hilfesuchend zur Kosy, die Hut und Mantille ablegte.
Ihre Hände flogen, und ihr Gesicht brannte. Wenn jetzt die Frau nur klug war und den Mann richtig zu nehmen wußte! Der kam ja von Gott gesandt.
Auf der Kirchweih zu Lengefeld hatte sie ihn zuerst gesehen, hatte ihm im Verein mit Frau Belzig von der jungen Frau erzählt nnd war damals traurig gewesen, daß er auf die Sache nicht eingehen wollte.
Das Haus kannte er und hatte rund herausgesagt, so ein alter Kasten sei für einen Mann von Geschmack keine Sache, und was die iFvau selber betraf, so war er zwar fürs Feine, aber so eine „von" ohne Moneten, das war ein Kasus, der ihm nicht recht geheuer vorkam. Er wollte eine, mit der er Staat machen konnte, die sich gern amüsierte und doch eine gute Hausfrau war. Gegen den Jungen hatte er nichts einzuwenden — int Gegenteil — dem wollte er eine feine Zukunft verschaffen, aber so eine Frau---hm — hm!
Nein — vor vierzehn Tagen war die Kosh fest überzeugt gewesen, daß er nichh kommen würde und hatte darum ihrer Frau nichts gesagt — und nun saß er leibhaftig auf dem mattblauen Plüschsessel und spielte mit einem kleinen Deckchen und sprach kein Wort.
„Ein schöner Tag heute, was, Herr Lasker?" fragte sie etwas plötzlich, und Herr Lasker fuhr wie erschrocken auf.
„Ja, ein schöner Tag — ein wunderschöner Tag!" und da Frau von Hilbach allmählich ihre Fassung wiedergewann, meinte auch sie:
„Ja — ein sehr schöner Tag!"
Dann schwiegen sie wieder alle, und Herr Lasker spielte von neuem mit der Decke. Die Kosh wurde ungeduldig, nahm den Kleinen von seiner Mütter Schoß und blinzelte sie ermunternd an.
„Hatten Sie eine angenehme Fahrt?" fragte Frau von Hilbach und errötete tief.
„Ja — ja — sehr angenehm!" entgegnete Herr Lasker, „'guter Wind, glatte Bahn — alles nach Wunsch!"
„So, das freut mich!" sagte Frau von Hilbach; dann trat wieder das beklemmende Schweigen ein.
Die Kosy ging im Zimmer auf und nieder; sie fühlte sich nicht behaglich. Auf diese Weise verspielte die Frau alles.
„Nein, Herr Lasker," sagte sie herzlich, „wie mir das leid tut, daß Sie gerade heute kommen, wo ich partout fort muß. Morgen um zehne ist die Taufe, und ich hab
meine Hilfe beim Essen zugesagt. Haben Sie denn eigentlich schon zu Mittag gegessen, Herr Lasker?"
„Zu Mittag gegessen? Nein — nein!" Herr Lasker: zog seine klhr. „Ich will auch nicht länger stören!"
„Aber ich bitte Sie, Herr Lasker, was sagen Sie von stören. Meine Frau ist ja so glücklich, daß Sie gekommen sind, und wenn Sie porlieb nehmen wollen mit einem einfachen Mittagbrot, dann machen Sie uns eine große Freude!"
Aber Herr Lasker war aufgestanden. ,
„Ich muß ja doch ausspannen lassen im „Mutigen Ritter" und möchte gern eine kleine Zeche dort machen. Wenn ich Sie einladen darf, gnädige Frau?"
Er war dunkelrot geworden über seine Kühnheit, und auch Frau von Hilbachs Gesicht glühte. .
„O, ich danke sehr, Herr Lasker, ich danke wirklich!"
„Gehen Sie man allein essen, Herr Lasker!" entschied die Kosy. „Meine Frau ist noch nicht angezogen, und bis sie fertig ist, das dauert zu lauge. Aber kommen Sw so um drei wieder, und wenn Sie dann Frau von Hilbach zu einer Spazierfahrt an die Saalehänser oder auf die Katze einladen, dann kommt sie gern mit. An der Katze wird's wohl am schönsten sein, da gibt's guten Kaffee und Sandkuchen und ist auch nicht so schrecklich voll; man kann sich da hübsch was erzählen!"
Herr Lasker tat sehr erfreut, versprach fein Kommen auf drei Uhr und ließ sich von der Kosy hinausbegleiten. Sie standen noch eine gute Viertelstunde vor der Tür tm Schnee, und das Jungchen kniete wieder auf feinem Stuhl am Fenster und freute sich Über die schönen Pferde. —
Frau von Hilbach faß in dem großen Lehnsessel und stützte den Kops in die Hand. Bor einer Stunde hatte sw gefleht: „Lieber Gott, schicke etwas, irgend etwas aus der Welt!" Nun war es gekommen, und in demselben Augenblick, da es vor ihr stand, hätte sie meilenweit vor ihm fliehen mögen.
Einsamkeit, Armut und Einförmigkeit erschienen ihr plötzlich wie gute, geliebte Freunde, die sie gekränkt hatte und die von ihr Abschied nehmen wollten, um etwas anderem, Schrecklichem Platz zu machen.
„Kosy, o Kosy!" jammerte sie, als die dicke Gemüsefrau sichtlich erregt ins Zimmer zurückkehrte „Wie konnten Sie so etwas tun — etwas so .Häßliches, Heimliches?
Sie schluchzte auf, aber die Kosy wurde ärgerlich.
„Nun lassen Sie mal ein vernünftiges Wort nut sich reden, Frau von Hilbach. Was der Herr Lasker ist, der ist mehrfacher Villenbesitzer, der hat Aecker und Weinberge, Pferd und Wagen; der hat alles, was man sich wünschen kann und ein gutes Herz hat er obendrein. Und fctez Frau von Hilbach, Sie haben nichts, denn das Haus können Sie nicht rechnen, das ist mehr eine Last als em Vergnügen. Einen Sack voll Sorgen haben Sw, weiter nichts, und wie das noch einmal werden soll, wenn Sie Nicht bald einen Mann kriegen, der für sie sorgt, das weiß ich Nicht.


