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19U - Nr. H6
Montag den 18. September
verlangen, daß vier Frauenzimmer alle Tage zusammen zu Mittag speisen, ohne zu streiten? Wir sind solche einfältige Wesen, daß wir einander nicht bei Tische unterhalten können. Sie sehen, daß ich nicht viel von meinem Geschlechte halte, Mr. Hartright — was wollen Sie trinken, Tee oder Kaffee? — kein weibliches Wesen hält viel vom eignen Geschlechte, obgleich wenige dies so offen gestehen, wie ich . . . Ach Gott! Sie sehen verlegen aus. Warum? Ueberlegen Sie, was Sie zum Frühstück essen wollen? oder sind Sie über meine unbekümmerte Art zu sprechen erstaunt? Im ersteren Falle rate ich Ihnen als Freundin, sich nicht mit dem kalten Schinken abzugeben, der neben Ihnen steht, sondern zu warten, bis die Omelette kommt. Im zweiten will ich Ihnen eine Tasse Tee geben, um Ihr Gemüt zu beruhigen, und alles tun, was eine Frau nur immer kann, um den Mund zu halten.
Sie reichte mir mit fröhlichem Lachen eine Tasse Tee. Ihre Munterkeit steckte mich an, und ich tat mein Möglichstes, ihr auf ihre eigene offne, lebhafte Manier zu antworten.
Ja, ja, sagte sie, als ich ihr mein verblüfftes Aussehen auf die einzig mögliche Art erklärt hatte; ich begreife, Sie sind so vollkommen fr eint) im Hause, daß meine familiären Anspielungen auf seine würdigen Bewohner Sie verwirren. Ganz natürlich — ich hätte das früher bedenken sollen. Jedenfalls kann ich die Sache jetzt wieder gut machen. Wie wär's, finge ich mit mir selbst an, um desto schneller mit dem Teile des Gegenstandes fertig zu werden? Ich heiße Marianne Halcombe und bin so ungenau, wie Frauen es gewöhnlich sind, wenn ich Mr. Fairlie meinen Onkel, und Miß Fairlie meine Schwester nenne. Meine Mutter war zweimal verheiratet: das erstemal mit Mr. Halcombe, meinem Vater; das zweitemal mit Mr. Fairlie, dem Vater meiner Halbschwester. Außer darin, daß wir beide Waisen sind, gleichen wir einander so wenig wie möglich. Mein Vater war ein armer und Miß Fairlies Vater ein reicher Mann. Ich besitze gar nichts, und sie ist eine Erbin. Ich bin brünett und häßlich, und sie ist blond und hübsch. Jedermann findet mich mit vollkommenem Rechte barsch und sonderbar, und sie mit noch größerem Rechte freundlich und anmutig. Kurz, sie ist ein Engel, und ich — kosten Sie doch diese Marmelade, Mr. Hartright, und beendigen Sie selbst meinen Satz im Namen weiblicher Schicklichkeit. Was soll ich Ihnen über Mr. Fairlie erzählen? Ich weiß es wahrhaftig kaum. Er wird Sie ganz sicher nach dem Frühstücke zu sich bitten lassen, und da können Sie ihn selbst studieren. Unterdessen kann ich Sie unterrichten, daß er erstens des verstorbenen Mr. Fairlie jüngerer Bruder, zweitens unverheiratet und drittens Miß Fairlies Vormund ist. Ich will nicht ohne sie, und sie kann ohne mich nicht leben, und das ist der Grund, weshalb ich dazu komme, in Limmeridgs House zu leben. Meine Schwester und ich haben einander ernstlich lieb, was, wie Sie sagen werden, unter solchen Verhältnissen ganz unerklärlich ist, und ich stimme darin mit Ihnen überein — aber es ist einmal so. Sie müssen
Roman von W. Collins.
(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
Roch nie wurde das Versprechen einer reizenden Gestalt seltsamer und überraschender durch das dazu gehörende Haupt und Antlitz Lügen gestraft. Die Hautfarbe der Dame war beinahe braun, und der dunkle Flaum aus ihrer Oberlippe beinahe ein andalusisches Bärtchen; sie hatte einen großen, festen, männlichen Mund und Unterkiefer, hervorstehende, scharfe, entschlossene braune Augen und dickes kohlschwarzes Haar, das ihr ungewöhnlich tief in die Stirn wuchs. Der Ausdruck ihres Gesichts, der klar, offen und intelligent war, schien, wenn sie schwieg, gänzlich jenes weiblichen Reizes der Sanftheit und Schmiegsamkeit zu entbehren, ohne welchen die Schönheit des schönsten Weibes der Welt eine unvollkommene ist.
Mr. Hartright? sagte die Dame in fragendem Tone, und sowie sie sprach, erhellte sich ihr dunkles Gesicht durch ein Lächeln und wurde sanft und weiblich. Wir gaben gestern abend alle Hoffnung auf, Sie noch zu sehen, und gingen daher zur gewöhnlichen Zeit schlafen. Entschuldigen Sie unseren scheinbaren Mangel an Aufmerksamkeit, und erlauben Sie mir, mich Jhüen als eine Ihrer künftigen Schülerinnen vorzustellen. Wollen wir einander die Hände geben? Früher oder später wird es doch vermutlich dahin kommen — und warum da nicht früher?
Diese seltsamen Worte des Willkommens wurden mit einer klaren, wohlklingenden, angenehmen Stimme gesprochen. Die dargebotene Hand — ziemlich groß, aber wunderschön geformt — wurde mir mit dem unbefangenen, ungekünstelten Selbstvertrauen einer vornehmen Dame gegeben. Wir setzten uns an den Frühstückstisch, als ob wir einander seit Jahren gekannt hätten und auf Verabredung in Limmeridge House zusammengetroffen seien, um uns von alten Zeiten zu unterhalten.
Ich hoffe. Sie kommen mit dem' freundlichen Entschlüsse zu uns, mit Ihrer Lage vorlieb zu nehmen, fuhr die Dame fort. Sie werden heute morgen den Anfang damit machen müssen, indem Ae sich es am Frühstückstische an meiner Gesellschaft allein genügen lassen. Meine Schwester ist auf ihrem Zimmer und Pflegt sich in jener wesentlich weiblichen Krankheit, einem leichten Kopfweh, und ihre alte Gouvernante. Mrs. Beseh, leistet ihr darin mit belebendem Tee barmherzigen Beistand. Mein Onkel, Mr. Fairlie, nimmt keine der Mahlzeiten in unserer Gesellschaft ein; er ist ein Invalide und hält seinen Jung- Nesellenhofstaat in seinen eigenen Gemächern. Sonst ist außer mir niemand im Hause. Es waren zwei junge Damen ?um Besuch hier, doch sie verließen uns gestern in Berzweif- ung, und däs ist nicht zum Verwundern. Wie kann man


