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Achte W mich noch einmal herum und' sagte:

H Adieu, Herzeloide!

Dann schlugen hie Wogen von Berlin über mir zu- KTitelt, ich Meine: Wagenrasseln, Menschengewirr und ten der elektrischen Bahnen. Ich stürzte davon, die Freunde zu treffen, die ich« denn auch glücklich noch erreichte. Wir find wohl in den 'Wintergarten gegangen. Dessen erinnere ich mich nicht mehr. Irgendwo muh es gewesen sein, wo man rauchen durfte, ein Glas Bier dabei trinken Und plaudern, oder süß eingelullt von jener MUsik, bei der das Hirn dämmernd ruhen kann, dafitzen und sich wie ein Pascha aus der Bühne etwas vormachen lassen.

An Herzeloide habe ich nicht mehr gedacht: kaum klau- jjeit die Stimmen der Freunde, so war sie wie ausgelöscht aus meinen Minnen. Während des ganzen Kommandos tauchte sie nicht wieder in meinem Gedächtnis auf. Berlin, Berlin, das große Berlin nahm den kleinen Provinz- leutnant ganz gefangen. Nicht daß ich untergegangen wäre IN Strudel der Vergnügungen, aber wie noch vor wenig Fahren mein Herz gebrannt hatte für jede runde Wange und jede glatte Stirn, fo wollte ich jetzt alles wissen, alles sehen, alles erleben. Ueberall mußte ich gewesen sein: beim Nennen wie in den Museen, im Konzert wie bei der Parade. Fch ließ mich einladen, wo nur ein Tisch gedeckt stand und ewe Fidel klang. Ich fühlte mich verpflichtet, jeden Ver­wandten, der nach der Hauptstadt kam, herumzuführen, als ob ich allein die Schlüssel hätte von dem großen Berlin. Mir ist es noch heute ein Rätsel, wann ich schlief, woher mir die Kräfte wuchsen.

Ich dachte an alles, nur an meine Herzeloide nicht. Und sonderbar, ich begegnete ihr auch nicht in Gesell­schaft nirgends traf ich, nirgends fah ich sie. Ihre Mutter Und sie schienen nicht mehr in Berlin zu sein. Herzeloide war, wie sie jäh erschienen, so jäh wieder versunken. Dann ging das Kommando zu Ende, und ich kehrte in die Garnison zurück.

Dienst kam, Dienst, Dienst.

: Und sonst hörte ich nichts wieder von ihr. Die Menschen vergessen ja einander so wahnsinnig schnell.

Aber ich fragte auch nicht nach .Herzeloide.

*

Endlich hatte ich meine vier Wochen Herbsturlaub in der Tasche. Dieses Jahr wollte ich in irgend ein Seebad, Btte auch schon Urlaub vor dem Manöver bekommen, da rzte der Rittmeister, und da der ältere Offizier der Schwa- on schon beurlaubt war, mußte ich dableiben. Nun im Herbst ivar es zum Baden in der Nordsee zu spät. Also die Berge. Wohin wußte ich nicht. Erst einmal nach München.

Ich ging in den 'Glaspalast, um Bilder anzusehen eine Sezession gab es damals noch nicht. Sonst wäre ich gewiß dorthin geeilt, denn von dem alten Drang lebte noch manches in mir, und alles, was neu, sonderbar, an­gegriffen, bekopsschüttelt war, zog mich an in jenen Jahren. Ms ich meinen Schirm abgegeben hatte denn es regnete ! regnete, wie ich zu sagen Pflegte, grundsätzlich überall, wohin ich kam erschienen zwei Damen neben mir. Die Jüngere legte die Nummer hin, und zwei Regendächer wur­den ihr dafür gegeben. Ich wollte vorüber, da erkannten wir uns: Herzeloide!

h- Sie hier? fragte Frau von Leristvw.

Ich gab zurück:

s Darf ich nicht, gnädige Frau?

h Gewiß. Ich wundere mich nur.

i Sie meinen, ich interessiere mich nicht für Bilder?

Ich hatte offenbar ein gekränktes Gesicht gemacht, denn die Damen beeilten sich, mich zu beruhigen. Sie wären nur erstaunt gewesen, mich in München zu sehen, denn Sie wähnten mich irgendwo in der Garnison, sei es au' teilt Reitplatz, sei es in der Kaserne. Wir unterhielten uns eine Weile, aber da es in dem halb offenen Eingang zog, traten die Damen mit mir noch einmal in den nächsten Saal. Von selbst kam es, daß wir weitergingen. Wir sprachen von den Kunstwerken. Ich war verwundert, wie Herzeloide Be­scheid wußte, und als wix beide allein die Wanderung durch dis Säle fortsetzten, weil Frau von Leristow müde aus einem Mosa zurückgeblieben war, fragte ich:

H Malen Sie denn?

Warum?

f Weil Sie die Bilder fo genau kennen?

H Gewiß, ich male. Wie so viele eben malen, aus

Zeitvertreib. Was soll ein Mädchen unserer Kreise, das für nichts zu sorgen hat, tun? Ich male übrigens, wie andere 'ticken oder Strümpfe stopfen, Wert hat meine Malerei nicht.

Ich redete dagegen, doch sie blieb dabei, und schließ- ach beruhigte ich mich, ohne sonderliche Bemühung, ihr ernste Absichten mit der Kunst unterzuschieben, die sie ja selbst ableugnete. Aber mir war es, als blicke sie mich traurig an. Als wir zu ihrer Mutter zurückkehrten, sagte ich ein mar Worte, ich! wäre so gut geführt worden. Da meinte Frau von Leristow und fah stolz nickend die Tochter an:

Ja, Sie sollten aber auch mal sehen, was sie selbst malt.

Doch Herzeloide schnitt kurz ab:

Ach, es ist wirklich nicht der Rede wert.

Dann trennten wir uns, aber ich suchte die Damen noch am gleichen Tage in ihrem Hotel auf. Ich war allein in München und hatte bei dem Besuch die stille Hoffnung!/ ich würde aufgefordert werden, irgend etwas mit ihnen zu unternehmen. Doch sie waren bei Bekannten cingeladen, und ich mußte den Tag für mich verbringen. Ich langweilte mich ein wenig. Abends ging ich ins Cafe Luitpold, saß an meinem Tisch mit der Marmorplatte, von der schwarzen Zeuzi oder Kathi oder wie sie hieß, die mich! bediente, ziemlich vernachlässigt, denn ich trank nach ihren Begriffen offenbar zu wenig, rauchte stumm meine Zigarre und starrte in das Treiben um mich

Es gibt Stunden, in denen man sich so einsam fühlt,- als säße mau als einziges menschliches Wesen auf diesem Erdenkloße. Nie geschieht mir das in wirklicher Einsamkeit,- auf dunklen norddeutschen Mooren, wenn ich die Flinte unter dem Arm auf den Schnepsenstrich gehe. Nie habe ich mich bei einem Ivetten, stillen Ritt durch die Heide, in dem Meer von Sanddünen, lila schimmerndem Heidekraut, ver­lassen gefühlt. Nie überkam mich beängstigend die furcht­bare Verlassenheit des Hochgebirges auf endlosen Kvrren- feldern, im meilenweit gebreiteten blendenden Firn. Aber tn einem Cafe allein sitzend, rings vom Schwarm schwatzen­der Menschen umgeben, die einander kennen, sich begrüßen, zusammenrücken, reden, trinken, Abschied nehmen da empfand ich oft eine so grenzenlose Oede in meinem Allein­sein, daß ich mir Zwang antun mußte, nicht aufzuspringen an den nächsten Tisch zu treten, um den ersten besten Ba- nausen, Wierphilister und Stumpssinitsvertreter auzu- brüllen :Um Gottes willen, reden Sie mit mir, sonst werde ich auf dem Flecke wahnsinnig."

So ging es mir an diesem Abend. 'Ich 'kämpfte mit mir, fortzugehen doch ich blieb sitzen. Was sollte ich anderwärts? In irgend einem der Bicrkeller, in jedem Restaurant wäre es das Gleiche gewesen. Zum Theater war es zu spät. Was also tun ? Ich ließ mir ein paar Zeitungen geben, besah Bilder, las eine Notiz und betrog mich so um eine Stunde. Dann dachte ich wieder nach, dachte an die Begegnung mit Herzeloide. Und die Worte gingen mir im Kopfe herum:Was soll ein Mädchen unserer Kreise, das für nichts zu sorgen hat, tun?" Ja, warum hatte sie beim für nichts zu sorgen? Hätte sie sich nicht einen Wirkungs­kreis schassen können? Doch welchen? Sie mußte bei ihrer Mutter sein, die kränklich schien, abends nicht lesen durfte, um die Augen zu schonen. Und am Ende ja taten es die Mädchenunserer Kreise" nicht alle so?

Wie ich noch so brütend saß, sah ich von weitem eine größere Gesellschaft den Gang zwischen den Tischen herauf­kommen: einige Herren, einige Damen zuletzt Frau von Leristow mit ihrer Tochter. Ich hielt mich zurück und hoffte, nicht bemerkt zu werden, denn ich kannte die anderen nicht und wollte mich nicht aufdrängen; aber da hatte mich schon die Mutter gesehen und beim Borübergehen winkte sie mir, (Fortsetzung folgt.)

Die hühttersuppe.

r Eine heitere Geschichte von H, Mann,

Ich hatte nichts mehr zu tun und schleuderte gemütlich Wer den WocheniNartt. Mein Zug ging erst in einer Stunde. Ich konnte also noch gemächlich ein bißchen die Stadt ansehen. Plötz­lich kam mir ein Gedanke. Wie wäre es, wenn du deiner Fran etwas von der Reise mitbrächtest? Ich dachte nach. Etwas Vernünftiges Mußte es schon sein. Als ich bei einem Geflügel- Händler stand, fiel mir ein, was ich meiner Frau mitbringeukonnte/ Ein! paar Hühner. Das war praktisch!, und außerdem hatte ich wir schvN lange eine Hühncrsilptze gttvünscht,