Montag den 16. Oktober
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Die weiße Frau.
Roman von W. Collins.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
Sir Percival erwähnte des Besuches seines Advokaten nicht ein einziges Mal. Doch hatte entweder jenes Ereignis oder sonst irgend etwas eine auffallend günstige Veränderung in ihm hervorgebracht. Er war gegen uns alle so höflich und liebenswürdig, wie er es während seiner Probezeit in Linimeridge gewesen war, und so erstaunlich aufmerksam und gütig' gegen seine Frau, daß selbst die eisige Gräfin sich soweit aus ihrer Erstarrung herausriß, um ihn voll ernster Verwunderung anzublicken. Was hat dies zu bedeuten?
Den 3. Juli. — Ein Tag der Ereignisse. Ich hoffe und bete nur von ganzem Herzen, daß ich nicht noch hinzu- §11 fügen haben werde: und ein Tag des Unglücks.
Sir Percival trat heute morgen in das allgemeine Wohnzimmer, wo Laura und ich, zum Ausgehen gekleidet, auf die Gräfin Fosco warteten, und frug nach dem Grafen.
Wir erwarten ihn jeden Augenblick, sagte ich.
Die Sache ist die, fuhr Sir Percival fort, indem er aufgeregt im Zimmer auf- und abging, ich habe mit Fosco und seiner Frau wegen einer bloßen Geschäftsformalität in der Bibliothek zu sprechen, und mit dir auch, Laura, auf eine Minute. — Er hielt inne und schien zum ersten Male zu bemerken, daß wir zum Spazierengehen gerüstet waren. — Seid Ihr eben hereingekommen, frug er, oder wollt Ihr erst ausgehen?
Wir beabsichtigen, heute morgen nach dem See zu gehen, sagte Laura, wenn du aber etwas anderes vorzuschlagen hast -
Nein, nein! entgegnete er hastig. Was ich vorzuschlagen hatte, kann warten. Es wird nach dem Gabelfrühstück auch noch Zeit genug dazu sein. Ihr wollt alle nach dem See gehen, wie? Mn guter Einfall. Wir wollen einen müßigen Morgen haben: ich schließe Mich der Gesellschaft au.
Es wär ihM offenbar eine Erleichterung, einen Vorwand zu finden, um die Geschäftsformalität, deren er erwähnt, aufzuschieben. Mir sank das Herz, als ich den unvermeidlichen Schluß hieraus zog.
Der Graf und seine Frau gesellten sich in diesem Augenblicke zu uns. Sie trug ihres Mannes gestickte Da- bakstasche und einen Vorrat von Papier zur Anfertigung voir Zigaretten. Er, wie gewöhnlich in Bluse und Strohhut, trug die Pagode mit seinen weißen Mäusen und lächelte ihnen und uns mit einer wahrhaft unwiderstehlichen Liebenswürdigkeit zu.
In den Anlagen schlenderte Sir Percival von uns fort; es scheint mitseinem unstäten Wesen zu gehören, daß er sich bei solchen Gelegenheiten jedesmal von seinen Ge
fährten treunk, und während' er bann allein ist, schneidet er neue Spazierstöcke für seinen eignen Gebrauch, von denen er keinen einzigen zum zweiten Male benutzt.
Bei dem alten Boothäuse traf er wieder mit uns zusammen. Dort entspann sich eine Unterhaltung, die mich bewog, von nun ab dem Einflüsse, welchen Graf Fosco über meine Gedanken und Gefühle ausgeübt hat, ernstlich zu mißtrauen und ihn für die Zukrmft mit möglichster Entschlossenheit zu bekämpfen.
Das Boothaus war groß genug, um uns alle aufzunehmen, aber Sir Percival blieb draußen und schnitzte mit seinem Taschenmesser an seinem letzten neuen Stocks. Wir drei Frauen fanden reichlich Platz auf der großen Bank. Laura nahm ihre Arbeit heraus, die Gräfin Fosco begann ihre Zigaretten zu drehen, ich selbst hatte, wie ge- wöhnlich, nichts zu tun. Der Graf spielte mit feinen weißen Mäusen und unterhielt sich mit Sir Percival, der vor der Ture stand.
Das nennen nun einige Leute malerisch, sagte Sir Percival, mit seinem halbfertigen Stocke auf die vor uns liegende Aussicht deutend, ich nenne es dagegen eine Verunzierung auf dem Besitztums eines Gentlemans. Mein Inspektor sagt (in seinem blödsinnigen Aberglauben), er fei überzeugt, daß auf dem See, wie auf dem toten Meere, ein Fluch laste. Was meinst du, Fosco? Sieht die Stelle nicht aus, wie für einen Mord gemacht, was?
Mein guter Percival! sagte der Graf im Tone sanfter Vorstellung. Woran denkt dein gesunder englischer Menschenverstand? Das Wasser ist ja viel zu flach, um beit Leichnam zu verbergen, und hat überall Sand, um die Fußspuren des Mörders zu zeigen. Die Stelle ist meiner Ansicht nach die allerungünstigste für einen Mord, die ich je gesehen habe.
Gewäsch! sagte Sir Percival, wütend auf seinen Stock einhäckeud. Du weißt recht gut, was ich meine. Dir düstere Gegend — die einsame Lage. Wenn es dir gefällig ist, mich zu verstehen, so kannst du es recht gut, wo nicht, so werde ich mir wahrhaftig nicht erst die Mühe geben, dir auseinanderzufetzen, wäs ich meine.
Und warum nicht, sagte der Graf, wenn es sich doch in zwei Monaten tun läßt? Wenn ein Narr einen Mord begehen wollte, da wäre dein See wahrscheinlich der erste Ort, ben er sich dazu ausersehen würde. Wollte aber ein gescheiter Mann einen Mord begehen, so wäre es der allerletzte Ort dazu. Ist es das, was du sagen wolltest? Dann hast du also hiermit deine Erklärung. Nimm sie, mein! guter Percival, mit deines Foscos Segen. —
Laura schaute den Grafen mit einem Gesichtsausdrucks an, der ihr Mißfallen an ihm etwas zu deutlich verriet, doch war er so von feinen Mäusen in Anspruch genommen# daß er dies nicht bemerkte. >—
Es tut mir leid zu hören, wie man diese Seeansicht mit einer so schrecklichen Idee, wie der eines Mordes in Verbindung bringt, sagte sie, und wenn Mas Fosco Mör«


