Ausgabe 
16.3.1911
 
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die Sonne in den Aeguator tritt', gleichviel ob es am Tage der Frühjahrstag- und Nachtgleiche Schnee und bitteren Frost oder chmmerlich warmes Wetter gibt. Zu einem besser entsprechenden Ergebnis kommt man, wenn man die Pflanzengeographie zu Hilfe nimmt, wie es von feiten des Professors ^lme ni Darmstadt geschehen ist. Er hat aus der Flora Mitteleuropas 13 der augen­fälligsten, überall in diesem Gebiete gedeihenden Baume und Sträucher, deren Blüte dem Frühling seine charakteristischen ouge gibt, darunter auch Apfel-, Mm-, Kirsch-, Kastanien-, Flieder- und Goldregenbäume ausgewählt und für viele Hunderte von Orten, die durchschnittlichen Termine festgestellt, zu denen die genannten Pflanzen ihre Blütenknospen zum Auchrechen bringen, wobei bei ungewöhnlich kalten oder warmen Frühlingszeiten das arithmetische Mittel zwischen den Extremen der verschiedenen Jahre ut Ansatz gebracht ist. Ungezwungen ergab sich dabei eine Einteilung Mittel­europas in fünf Zonen, die ungefähr fünf aufeinander folgenden, mit dem 22. April beginnenden Wochen in der Weise entsprechen, daß in der ersten Zone der Frühling mit seinen Blütenwundern in der vom 22. bis 28. April dauernden Woche beginnt, während er in der letzten erst in der Zeit vom 20. bis 26. Mai seinen Einzug hält. Zur ersten Zone, in der bet Frühling am zeitigsten beginnt, gehört die oberrheinische Tiefebene und die Gegend am Rhein ab­wärts bis Düsseldorf, außerdem die unteren Teile des Mosel-, Nahe- und Neckartales und auch das untere Maintal bis Frank­furt. Die zweite Zone (29. April bis 5. Mai) umfaßt tue Umgebung von Würzburg, die nördliche Wetterau, das mittlere Neckartal, die Nordabhänge des Odenwaldes, fast ganz Lothringen, die Rheinlande und Westfalen. Zur dritten Zone, in der der Blütenfrühling in der Zeit vom 6. bis 12. Mai seinen Höhe- Snkt erreicht, gehört der weitaus größte Teil Norddeutschlands Umkreis vom Kurhessischen und Hannöverischen im Westen bis nach Schlesien und Posen. Im Bereiche der vierten und fünften Zone (13. bis 19. Mai und 20. bis 26. Mai) endlich liegen je nach ihrer Meereshöhe und der Richtung nach Nord- vsteir die deutschen Mittelgebirgsgegenden, bis hinauf zu ihren Wasserscheiden, von denen diejenige des RiesengebirgskammeS schon ein nahezu arktisches Klima hat. Außerdem gehören hierher auch noch fast ganz Schleswig-Holstein, die Küstenstrecken Pommerns und West- und Ostpreußen. Selbstverständlich wird dies alles modifiziert durch die mehr oder minder hohe Lage im Gebirge. Man kann diese im allgemeinen dahin bewerten, daß in unseren Mittelgebirgen einer Erhebung um 100 Meter durchschnittlich eine Verspätung des Frühlingsbeginns um drei bis vier Tage entspricht.

* Ein modernes Blutopfer. Vor kurzer Zeit konnte man unter den vermischten Nachrichten einer Zeitung von Phila delphia unter der UeberjchristBlut für einen Menschen gesucht eine nicht alltägliche Bitte lesen:In einem kleinen Häuschen, Benlab Street 1611, lebt eine arme Frau Poloco, die Mutter von vier kleinen Kindern, die sehnsüchtig tauf einen Menschen wartet, der bereit wäre, etwas von seinem Blut herzugeben, um einem armen Familienvater das Leben zu retten. Tenn David Poloco, der Ernährer der Frau und der Kinder, liegt in der Poliklinik in unmittelbarer Lebensgefahr, weil er in seinen Adern nicht genug Blut hat. Diese Nachricht wird erst jetzt veröffentlicht, nachdem die Frau einen Teil ihres Blutes bereits geopfert hat, um den Kranken zu retten. Die Aerzte haben jedoch abgelehnt, noch mehr Blut von der Frau zu nehmen. Sie ist bereit, die kleinen Er­sparnisse, die die Familie im Lause der Jahre beiseite gelegt hat, zu opfern, wenn durch eine Blutübertragung der Vater und Er­nährer den Seinen erhalten bleiben tarnt.* Die Bitte der unglück­lichen Frau sollte nicht lange unbeantwortet bleiben. Noch am selben Abend, so berichtet dieVoce del popolo*, meldete sich in der Poliklinik ein Unbekannter, der sich weigerte, seinen Namen anzugeben, und sich bereit erklärte, einen Teil seines Blutes ohne jedes Entgelt zu opfern. Die Aerzte untersuchten den Fremden, sein Gesundheitszustand war ausgezeichnet, und man zögerte nicht, das hochherzige Anerbieten anzunehmen. Während die Operation vorgenommen wurde, meldeten sich in den Empsangsräumen des Hospitals gegen 20 Personen, die sich zu dem gleichen Opfer bereit erklärten, darunter auch zwei Frauen. Sie wurden abgewiesen, denn ihrer Hilfe ivar man nicht mehr bedürftig. Als man den Kranken Poloco in den Operationssaal fuhr, nahm sein kleiner Sohn weinend von ihm Abschied. Doch nach der Operation zeigte der Kranke, der vorher kreidebleich gewesen war, bereits bessere Farbe, und der harrende Sohn stürzte sofort zur Familie, um die frohe Kunde zu bringen. Der Retter aber, der darauf beharrte, seinen Namen nicht zu nennen, verschwand nach der Operation ebenso geheimnisvoll, wie er gekommen war, nachdem er sich ver­gewissert hatte, daß das Leben des Kranken nun außer Gefahr sei. Noch heute suchen die Angehörigen nach dem unbekannten Wohl­täter, der mit dem Danke auch den Ruhm verschmäht hat.

Das Edison-Hdmd. In der nen erschienenen Edison- Biographie von F. A. Jones (deutsch von E. Groedel, Verlag Otto Brandner, Frankfurt a. M.) wird folgende Geschichte erzählt: Edison ist von einer hohen Meinung von der Aufgabe der Presse erfüllt. Das hindert ihn aber nicht, recht aufgebracht darüber zu sein, wenn amerikanische SensationsblätterInterviews" zweifel­hafter Natur oder gar die abenteuerlichsten Nachrichten aus seinem

Laboratorium veröffentlichen. Eine derartige Geschichte Hatte ihm! vor Jahren einen sehr großen Verdruß bereitet und in drastischer Weise erzählt er seinem Biographen von diesem Streich, den ihm ein Reporter spielte.«Jetzt lache ich darüber," äußerte der Erfinder; allein damals kam mir die Sache nicht so scherzhaft vor. Einer der Zeitungsjungen kam eines Tages hier herunter, und oq er zu mir nicht 'bbrgelaffen wurde, noch von einem meines Mitarbeiter etwas herausbringen tonnte, kehrte er, wahrscheinlich etwas verstimmt, wieder um und lieferte einen Artikel nach eigener Erfindung. Er verriet in klarer und anschaulicher Diktion, ich werde demnächst mit einem Neuen, äußerst sinnreich konsttuierten Hemd hervortreten, das der gemeine Mann zwölf'Monat«/ bei Sparsamkeit auch länger tragen könne. Die Vorderseite des Hemdes, erklärte er, bestehe aus 36 5 äußerst dünnenLagen eines bestimmten faserigen Materials, deren Zusammensetzung nur dem Ersinder bekannt sei. Wenn sich der Träger morgens aw- kleide, habe er nur einfach die Vorderseite seines weiland gen wohntenFleckenlosen" durch Abtrennung einerLage" wieder zu restaurieren, falls er wirklich ein frisches Hemd wünsche. Der Schreiber erklärte, ich selbst trage solche Hemden und betracht« deren Erfindung als meine bedeutendste. Nun, , etwa 500 vev- schiedene amerikanische Zeitungen brachten die Geschichte, und das Aergerliche war, daß so viele den Unsinn glaubten. Jedermann! schien nach dem Besitz eines dieser Hemden zu trachten, und bald liefen Aufträge darauf aus allen Teilen des Landes bei mir ein, von einem einzelnen an bis zu 100 Dutzend. Zuerst ließ ich jenen Bestellern desEdison-Hemdes" die gedruckte Mit- teilung zugehen, daß an der Sache nichts sei, allein die Auf-! träge liefen so zahlreich «in, daß auch dies sich nicht mehr durch­führen ließ. Viele Besteller legten Mich Akzepte oder ScheM ein, die ich natürlich zurückschickcn mußte. Da der Artikel auch in ausländische Blätter gelangte, schienen Leute aus allen Läw- dern, von China bis nach Südaifvika, auf diese Hemden erpicht, Viele Schreiber baten um Nennung beü betreffenden Firmen, falls ich selbst mich mit dem Verkaufe nicht befasse. Die Idee, ge­ruhten sie zu bemerken, sei großartig, und sie würden sich glück­lich schätzen, auch nur ein paar zu bekommen. Ob 'ich vielleicht Agenten zum Verttieb suche? lieber ein Jahr lang strömten dir Bestellungen aufEdisow-Patenthemden" herein, bis dem Publi­kum endlich ein Licht aufging, daß es gefoppt war. Es war aber eine tolle Geschichte, und wenn ich den jungen Mann, der st« auftischte, hätte fassen können, so glaube ich, daß er wochenlang tetneS Hemdes bedurft hätte."

* Ein Förster ans Masuren erhält Besuch von einem russischen Kollegen. Bei der Fahrt durch den Wald bewundert der Russe die Mächtigkeit der Stämme:Solche schöne Bäume, müssen Ser aber reich sein!" Darauf der Preuße:Aber, Herr Kollege, das gehört doch nicht mir, sondern dem Staate." Drauf der Russe mit schlauem Augenzwinkern:Kennen wir, kennen wir.

*Es ist unglaublich, meine Liebe! Da kaufen diese Senfe ein Auto und stecken bis an den Hals in Schulden!"Das macht doch nichts! Man kann ein Auto von 50 000 Franken Rente oder von 200 000 Franken Schulden an kaufen.

vüchertisch.

GriebensReiseführer. Die Oberitalienischen SeStz und Mailand. Achte Auslage. Verlag von Albert Goldschmidt, Berlin W. Die Eigenart der Griebenschen Führer ist bekanntlich eingehende Schilderung eines Sondergebietes, sowohl nach der prattischen als nach der landschaftlichen Seite hin. Die neue Auflage des Buches ist bedeutend erweitert und bringt viele Er- gänzungeii und neue Angaben, wie neue Gasthöfe, AenderungeN tn den Preisen, Beschreibung neuer Bahnlinien usw. Die Neu­bearbeitung wurde von Dr. Ed. Platzhoff-Lejeune besorgt. DaS Kartenmaterial ist einer eingehenden Durchsicht unterzogen, etitil neue Karte (Jseo-See) dem Buche beigegeben.

Erganzungrrätsel.

S.. d.n.b.r . ü. d.. ®.ü.v D .. . i. .. r . e. r b .. t.. m ., .. d .i.b e. g.r. z.. ü .

W .. n . r d..s .i.d.r n.rn.tl Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung der Skat-Aufgabe in voriger Nummer t Abkürzungen: tr Treff, p Bique, o Coeur, car Garteat^ trß Treff-Bube, pA Pique-, cD Coeur-Dame u. f. f. Im Scat liegen a7 und b8. Mittelband erhielt:, dU, clO, alO, aK, a8, bK, dD, d8, d7, Hinterhand die übrigen. Gang deS

SpieleS:

1. V. c7 M. clO H. cA =21

2. H. dK V. dA M. d7 = (+ 15)

3. V. c8 M. dtt $. = 4

4. H dlO V. cK 9)1. d8 = (+ 14)

5. V. c9 M. all £>. bU = - 4

Die übrigen Stiche macht Vorhand; mithin sind die Gegner im Cckneider geblieben.

Redaktion: K. Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'jchen Üniuersttäts-Buch» und Steindruckerei, R. Lange, Eießen-