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,,Allerdings!"
„And keinesfalls allein zu reisen, Mik die Badet häufig sehr anstrengen! Do daß Mama schließlich! mich bat, mitzUf- rommen."
. „Das schon. Aber e§' war doch kein Opfer füv Sie. Es schren mir fast, als ob Sie sich auf unsere gemeinsamen Touren, die wir planten, freuten... Und dann versäumen Sie ja .auch Nichts in Königsberg. Ihr medizinisches Studium. . . i pah!
--Bitte, das Thema wollten wir ja nicht mehr berühren^ Es ist Mir nicht neu, daß Sic zu der Sorte Männer gehören/ die uns Frauen verwehren wollen zu arbeiten. Vielleicht aus Brotneid . . ., so meinte wenigstens Direktor Grohmann."
r,Aha, Ihre neue Bekanntschaft! Ein musterhafter Kavalier !" ,. „Es kann nicht jeder Spezialarzt für Gicht und Rheumatismus sein . . . übrigens Ihre neuen Bekanntschaften scheinen Mir doch etwas fragwürdiger zu sein als meine,"
1 . „Sie meinen Fräulein Schlüter, mit der Sie mich vorhin trafen? Ein sehr kluges, sympathisches Mädchen."
„Kann sein. . . immerhin sieht sie etwas auffallend ans. Während unser Direktor. . ."
„Oh, Sie Menschenkennerin!" lachte Doktor Krüger. „Und Warum sagen Sie unser Direktor? Sind Sie sich denn noch Picht klar darüber, wen er meint, Ihre Frau Mama oder Sie?"
Edith Ivars ihm einen wütenden Blich zu, „Lächerlich!" sagte sie und zuckte die Achseln.
„Höchst ernsthaft!" versicherte der Atzt. „Ihr Herr Direktor hät sich schon eingehend mit mir unterhalten, nachdem er bemerkte, daß wir alle in Königsberg zu Hause sind. Die Verhält- Nisse dort und die gesellschaftliche Stellung Ihrer Frau Mutter interessieren ihn auffallend. Recht hat er ja, wenn er die gnädige Frau sehr anziehend findet. ®ie Kur scheint ihr sehr gut zu bekommen; ihre Farben sind bedeutend frischer geworden, sie verjüngt sich hier. Das niüsscn Sie als meine künftig!«! Kollegin doch auch schon beobachtet haben. Sie sehen, meine Frage war gar nicht so unberechtigt."
„Ich sehe, daß Sie kleinstädtischen Klatsch lieben, Herr Doktor, der mir sehr unsympathisch ist. . And jetzt muß ich endlich Mama ihr Brunnenglas holen; sie wartet in den Anlagen auf mich."
Edith Grosse warf ihm einen wenig freundlichen Blick zu, bevor sie eilig auf die Brunnenhalle zuschritt. Als sie mit dem Glase in der Hand wieder herauskam, sah sie ihre Mutter vor dem Orchester stehen. Frau Grosse trug rote Rosen in der Hand; sie plauderte angeregt mit Direktor Grohmann. Edith beobachtete die beiden, während sie sich ihnen langsam näherte.
Krüger Hatte Recht: Mama sah famos aus. In dem weißen Leineukostüm, mit dem Panama auf dem vollen blonden Haar konnte man sie für eine Dreißigjährige halten, aber schwerlich für Ediths Mutter. Er, der Direktor Grohmann, war iwch etwas größer als Frau Grosse: sehr schlank, sehr elegant, in Bastseide gekleidet. Unter den dunklen üppigen Locken, von denen ein paar auf die niedere Stirn fielen, schien sein Gesicht außerordentlich blaß. Den Mund verdeckte ein starker Schnurrbart. Die braunen Augen blickten unternehmend und siegesbewußt' auf die schöne
Frau neben ihm. '
„Nun, Edith, wo bleibst du denn so lange?" rief sie dem' jungen Mädchen entgegen, als es sich ihnen langsam näherte«
„Ich traf Doktor Krüger."
„Aha, gefachsimpelt mit dem' Kollegen!" lachte Grohmann, ,,Wir sahen ihn vorhin auch. Er ging mit einer Dame, die . . . . hm, wir wichen ihm lieber aus. Uebrigens, hörten Sie fchon, gnädiges. Fräulein, was sich in unserer Pension ereignet
-„Was denn?" fragte das junge Mädchen zerstreut.
„Wieder neue Diebstähle. Und wieder ist eins der HaUs- Mädchen wegen Verdachts entlassen. Diesmal hin ich heimgesucht worden."
„So? Was vermissen Sie denn, Herr Direktor?"
„Nur Bagatellen. Aber ich meldete es an, weil es Andenken wären; das macht den Wert für mich aus. Eine Zigarettendose und ein Spazierstock, Heides Geschenke von Frau von Mendel- fohn ... In svlch!en internationalen Badeorten kann man gar Nicht vorsichtig genug sein. Da wimmelt es von zweifelhaften! Und unredlichen Menschen. Hoffentlich haben Sie Ihren Schmuck aut verschlossen, meine Damen, die Zimmer sind hier nicht sehr sicher."
„Oh, ich bin vorsichtig," versicherte Frau Grosse. „Seit dem Tode meines Männes reise ich stets allein Und mir ist noch Nie etwas vorgekommen. Die Brokattasche hier mit meinen Schlüsseln trage ich stets bei mir; da ist auch der Schmuck drin. Man müßte mir schön die Tasche aus der Hand reißen , . . und das! wäre nicht so leicht."
Direktor Grohmann ergriff ihre Hand stnd' zog sie ün die Lippen. „Energische kleine HaNd!" sagte er leise und Edith sah, daß 'er sie erst nach einer Weile wieder los ließ. „Auf Wiedersehen, meine Gnädigste," Er grüßte und! verschwand! in dem Gedränge vor der Brunnenhalle.
„Von wem hast du denn die Rosen, Mäma?" fragte Edith.
„Großmann schickte mir Heute früh' einen großen Strauß tns Zimmer, Wundervoll, nicht? Mer was! ist dir denn, Kind?
Hast dU dich übm ttgeUdwas geärgert?" Sie legte ihren Arm « den ihrer Tochter. „NM? Um so besser. Für heute nach- Etag haben wer eine Wagenfahrt vor nach! der Platte. Soll sehr lohnend sein! Du kommst doch mit? Nur wir beide und der Direktor. Mr Krüger hat er nämlich nicht viel übrig "
„IM weiß noch nicht, Mama , . . ich möchte eigentlich lieber zu Fuß. . ."
„Wie du willst, MM Nur keine Rücksichten auf mich. Zch muß dankbar genug sein, daß du mich' hierher begleitet hast. Teile dir nur deine Zeit ein, wie es dir am besten paßt." Sie gingen ein paar Schritte weiter, als Frau Grosse sich lebhaft an ihre Tochter wandte: „Siehst du nicht Edith'? Da geht der Doktor wieder mit einer Dame,' mit der wir ihn vorhin trafen.! Merkwürdiger Geschmack!"
„Wer ist sie denn, Mama?"
„Wahrscheinlich eine Abenteurerin, von denen es hier wimmeln soll, Direktor Grohmann warnte direkt vor Bekanntschaften« Und die da . . . haß sich Krüger auch so öffentlich mit ihr zeigt!"
, Fetzt erblickte auch Edith den Doktor und seine Begleiterin^ 'rate, schlanke Gestalt, graue, etwas starre Augen unter hoch gewölbten Brauen, ein ovales Gesicht, dessen Züge von Puder verwischt schienen. Das Leinenkleid und der große weiße Feder- hut zeigten Geschmack und Eleganz. Das war also das „kluge sympathische Mädchen",- von dem er ihr gesprochen hatte.
„Daß er sich auch gar nicht geniert!" wiederholte Frau Grosse. „Wo er doch hier Bekannte aus seiner Heimat hat . . ."
„Aber ich bitte dich!, Mama, wer sagt dir denn, daß, er Grund hüt, sich zu genieren?"
„Der Direktor hat einen Flair dafür. Sie hat ja auch seine Bekanntschaft zu machen gesucht. Aber er sah ihr gleich an. . ."
„Was b'ettn? Und woher weißt dN denn, daß der Direktor so erstklassig ist?"
,„Na, Edith, da mußt du schon meiner Erfahrung trauen'.. Wenn ich mit jemandem in derselben Pension wohne und täglich zusammenkomme, so kann ich! ihn auch beurteilen. Du hättest ihn z. B. heute sehen sollen, wie er seinen Verlust entdeckte: er blieb völlig ruhig und vornehm, während die anderen, bei denen die Diebstähle vorkamen, fluchten Und wüteten. Und dann, wasj er für Bekanntschaften hat ... er erwähnt es ja nur so nebenbeit heute wieder die Andenken von Frau v. Mendelsohn Wirklich, Kind, wen der einmal heiratet, die Frau kann sich gratulieren."
Das junge Mädchen fühlte sich unangenehm berührt von den letzten Worten. Sie runzelte die Stirn.
„Du hast recht, Mama, ich hab Heut meinen schwarzen DM Ich will lieber allein bleiben, wenn du mich nicht brauchst. Vielleicht mach ich irgend eine Tour. Wir sehen uns dann abends."
„Gewiß, Mud, geh' nur. Und gute Besserung für die Stimmung. Auf Wiedersehen abends,"
*
Edith lag am Nachmittag im Walde, die Arme unter deM Kopf, und träumte. Es waren keine glücklichen Träume, denn die Äugen standen ihr voll Wasser. Das war also die Sommerreise, auf die sie sich gefreut hatte. Wirklich gefreut: Denn sie kannte Wiesbaden Und den Rhein noch nicht und dachte es sich
herrlich, hier umherwandern zu können. Natürlich nicht nur mit Mama: die war ja durch ihre Kur sehr gebunden. Aber mit Doktor Krüger, ihrem Freund aus der Heimat, der zu derselben Zeit herreiste wie sie. In Königsberg hatten sie sich sehr gut vertragen, die junge Studentin und der Arzt; aber Krüger map ja hier ganz anders als zu Hause. Oder kam es ihr nur so vor,- weil ihm hier der Nimbus des berühmten Spezialisten fehlte, den man in Königsberg so schätzte?
Weshalb behandelte er sie nur so von oben herab! Und die ewigen Neckereien wegen ihres Studiums! Sie fühlte nun einmal das Bedürsnis zum Lernen und zur Arbeit. Sie war! eben kein Dämchen, das sich in wunderbare Kleider warf, Locken ansteckte, Riesenfederhüte trug und sich so zur Schau stellte. Frer- lich, das hatten die Männer gern: weiblich nannten sie das« Man mußte sich fürchten, wenn eine Spinne in der Nähe war/ oder eine Hummel beim Tisch vvrbeiflog und stets eine Handarbeit im Pompadour haben — nur nicht ernsthaft arbeiten wollens Mama machte ja heut noch Eroberungen. Weil sie hübsch wap und flott plauderte und beim Lachen Grübchen bekam . . .
'Edith sprang auf.
War das nicht soeben Mamas Lachen, das herüber;challte? Da . . . wirklicht Da drüben fuhr sie im Wagen vorüber. Edith erkannte die graue Staubdecke und den weißen Schal. Neben Fran Grosse lehnte Direktor Grohmann. Sein Arm lag UNt ihre Schulter, mit der linken Hand hielt er ihre . . .
Edith hatte das Gefühl, als müßte sie dem Wagen nachlaufen, der langsam bergauf fuhr. Mer das ging nicht an . . Welch eine komische Rolle wäre das: die Tochter, die die Mütter beim, Flirt überrascht! . . ,, „. .,,,
Oder — star es nicht nur ein Flirt? Hatte Mama ntgffi gesagt, Grohmanns Erwählte könnte sich glücklich schätzen? So! als Vorbereitung Hatte sie das wohl gemeint...
Dann bekam Edith einen neuen feschen Papa: er sah m Nicht übel aus; der Direktor, und sie Hatte wirklich gealaiM,


