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tourbeit vst sehr plänmÄM ius Werk gesetzt. Au einer Stelle wurde ein Scheinübergang gemacht, von dem sich vorher die Kunde Verbreitet hatte. Ein Teil der Schmuggler, die stroh- gefüllte Säcke trugen, zogen auf diese Weise die „Dumier" auf sich, und während dessen passierten an einer anderen Stelle die Waren die Grenze.
(Schluß folgt./
Vermischtes.
' Ein Meerungeheuer. Die englische Schiffahrts- Gesellschaft „White Star Line" hat soeben ihren zweiten Riefen- dampier von Stapel gelassen. Seinen Dimensionen entsprechend ist er „Titanie" getauft. Die „Titanie" ist 270 Meter lang und 28,50 Meter breit. Sie hat ein Deplacement von 66 000 Tons und ihre Maschinen entwickeln 46 000 Pferdekräfte, ihre Schnelligkeit soll 21 Knoten betragen. Dieses Wunderwerk repräsentiert die bis jetzt höchste Stufe der Schiffsbaukunst. Es ist mehr mit Rücksicht auf Komfort als auf Schnelligkeit gebaut. Trotzdem ist die Schnelligkeit von 21 Knoten tatsächlich nur um 5 Knoten geringer, als die durchschnittliche Geschwindigkeit des schnellsten der Ozean- Dampfer, der „Mauretania". Das Schiff ist 90 Meter langer als die Dreadnoughts, und seine Turbineit-Maschinen allein umfassen 420 Tons, d. ist 100 Tons mehr als das Total-Deplaeement des ersten Dampfers war, der den Atlantischen Ozean gekreuzt hat. Bei einer Höhe von 30 Meter enthalt der Riesenbampfer eine ganze Anzahl von in sich abgeschlossenen Etagen. Es kann 5000 Passagiere und eine Mannschaft "von 800 Personen fassen. Eigentlich ist es, wie das Schwesterschiff „Olympic", ein mit dem grössten Komfort eingerichtetes schivimmendes Hotel. Für die Kajütenpaffagiere ist ein Gartenrestaurant eingerichtet, umgeben von einem Lattenzaun, den exotische Schlingpflanzen bekleiden. Ferner sind vorhanden verschiedene Kinderspielzimmer, eine Reitbahn (! ?), ein Schwimmbad, eine Galerie mit Kaufläden, ivo Spitzen, Juwelen und andere Dinge feilgeboten werden, eine Rollschuhbahn, ein Turnsaal, ein Fischbassin für die leidenschaftlichen Angler, ein Tanzsaal, ein Theater und ein hübscher Garten. Als man 1906 die „Mauretania" von der Cunardliiiie in Dienst stellte, schien es, daß damit das Höchste an Luxus und Größe im Schiffsbau erreicht, märe. Gegen die „Titanie" wirkt sie heute nicht mehr imposant, und welcher Gigant wird nun die „Titanie" übertreffen ?
"In der Stadt der z e h n t a u s e n d P r i e st e r. Die beiden amerikanischeii Reisenden Richardson L. Wright und Aasest Digby, die sich auf einer Forschungsreise durch Zentralasien befinden, schildern in einem interessanten Aufsatz des World Magazine das Leben in Urga, der „Stadt der zehntausend Priester". Hier, am Rande der Wüste Gobi, in der nördlichen Mongolei, ist dein Buddhismus eine Hochburg errichtet, denn in den zahllosen Klöstern der Stadt leben mehr als 10 000 Geistliche, die vier Fünftel der gesamten Bevölkerung von Urga ausmachen. In der Mongolei ivird fast immer der erstgeborene Sohn jeder Familie Buddha geweiht, um ihm als Priester ztt dienen. Mit 10 Jahren ivird das Kind nach der Priesterschule von Urga geschickt; mit 20 hat der junge Mann so viel Gebete gelernt, um zur Würde eines niederen Lamas aufzurücken. Tann rasiert er sich Haar und Bart ab, kleidet sich in ein hell schimmerndes rot und gelbes Gewand, und nachdem er noch ein weiteres Examen abgelegt hat, ivird er dann ein richtiger Priester, der nicht heiraten darf und nicht arbeiten, sondern sich nur den heiligen Dingen ivibmen soll. Da sitzen sie beim, die Tausende, murmeln Gebete, ftubieren die heiligen Schriften, betätigen sich als Aerzte des Leibes, indem sie allerlei Heilmittel den Kranken verabreichen, doch noch mehr des Geistes, indem sie die bösen Geister austreiben und die Teufel im Menschen beschwören. AK dies aber kann ihnen doch nicht über die langen Stunden hinweghelfen, in denen ihnen das heilige Nichtstun zur Qual wird und die böse Langeweile sie beschleicht. Deshalb haben fiel) die Priester von Urga auf einen auch bet uns recht beliebten Zeitvertreib geworfen, sie beschäftigen sich mit Sport aller Art, veranftalten Wettrennen zu Fuß, große Tanzaufsührungen und vor attein Ringkämpfe. Das größte Ereignis des Jahres ist für Urga der große R in g w e 11 k a m ps, in dem die priesterlichen Athleten ihre Kräfte mit denen profaner Sterblicher messen. An diesem großen Schauspiel nimmt auch der höchste der Priester von Urga, der Tascha-Larna, der beit Namen „der (ebenbe Gott" führt, teil. In bet riesigen Arena ist die ganze Bevölkerung ber Priesterstadt schon am Vormittag versammelt. Um zwei Uhr sinkt bann die Seidenfahne von dem Zelt, von bem aus ber Taschi-Lama ben Kämpfen zusieht, bie Wettbewerber treten in bett Kreis, werfen sich vor dem „lebeiiden Gotl" in ben Staub und verharren so gebückt wie Frösche,, bis ber Tafchi-Lama sich setzt unb sie nun mit einem Ruck gegen einanber losstürzen. Die größte Spaniumg herrscht dann, ob ber Champion ber Priester ober ein Athlet ber Bürger ben Steg davon trägt. Vergessen ist alle Ehrfurcht, bie man den Dienern Buddhas entgegen bringt, vergessen die Singst vor der Hölle, mit der sie dem Sündigen drohen: man packt sich, rauft sich, zerrt sich, bis schließlich einer besiegt in ben Staub sinkt. Da sinb boch bie T a nzwe11kämpse weihevoller, dte bie Priester unter sich ausführen. Ein malerischer Reiz liegt schon in ben Kostümen, bieten reich bestickten, von Edelsteinen leuchtenden ©eibengeiväitbern, ben klirrenden Amuletten und Zierraten, mit denen sie behangen sind. Bei den „T e n f e l s t a »z e n" trägt
jeder AuSnihrende noch eine gewaltige groteske Maske von dämonischer Wildheit. Eine ohrenbetäubende Musikbegleitung erklingt und stachelt die Tanzenden 511 immer rasenderen Bewegungen an. Tie scheußlichen Maskenköpfe verschivindeu in einem Chaos von bunten Gewänder» und durcheinander wirbelnden Gestalten, bis endlich einer nach^dem anderen erschöpft niederstürzt unb schließlich nur noch der Sieger in mühselig taumelnden Verrenkungen als letzter das Feld behauptet.
* Was ein englischer Schuljunge wissen soll. Der große englische Historiker Maeaula») ließ bei seinen gelehrten Untersuchungen, sobald er an eine bekanntere Tatsache kam, die Phrase mit unterlaufen: „wie jeder Schuljunge weiß". Diese hohe Meinung, die der Verfasser ber Geschichte Englands von den Schuljungen seines Vaterlandes hatte, soll nun nachträglich gerechtfertigt werben burch bie Forderungen, bie ber Lonboner Lehrer- aussclmß zur Beratung bei ber beitmächst stattfindenden Hauptlehrerkonferenz aufgestellt hat. Danach soll ein Knabe ober Mädchen von 14 Jahren, wenn sie bie Schule verlassen, fähig fein, fließend unb mit Verständnis Bücher, wie des alten Bunyan „Pilgrims Progreß", wie Scotts „Jvanhoe" unb Dickens „Raritätenlabeu" zu lesen, einen Geschäftsbrief zu schreiben unb in gutem Englisch tt'ge.nb einen Bericht aufzusetzen. Sie sollen selbst ganz rein sprechen unb Fehler in ber Aussprache von anderen korrigieren können, eine gute Bekanntschaft mit Shakespeare und den Dichtungen von Milton, Gray, Cowper, Scott, Wordsworth, Byron, Temtysson und Longsellow an den Tag legen. In Geschichte müssen sie Bescheid wissen über alle Hauptereignisse, bie mit ber Entstehung und ber Regierung des britischen Reiches zusammenhängen, eine genaue Kenntnis ber Kolonien haben. In geographischer Hinsicht müssen sie nicht nur über bie Länder der Welt,, sondern auch über bie Völker, bie sie bewohnen, sowie über bie wirtschaftlichen Verhältnisse einen allgemeinen Ueberblirf haben. In Mathematik wirb bie Kenntnis bes Zahlensystems, der Prozentrechnung, der Messung von Flächeii unb Körpern geforbert. Der 14jährige Schüler soll Blumen, Früchte unb Insekten zeichnen können, Farbenskizzen im Freien entwerfen, überhaupt mit Pinsel unb Blei gut Bescheib wissen unb aus bem Gebächtnis zeichnen können. Dw Naturgesetze sollen ihm im allgemeinen bekannt sein, ebenso die Swrgänxe unb Funktionen bes menschlichen Körpers.
* Der Schlammgefchmack der Fische. Der Schlamm- geschmack gewisser Süßwasserfische beruht nicht, wie man geivöhn- lich annimmt, aus bem Einfluß ber faulenden Bestandteile des Schlammes; beim wenn man Fische in Bassins mit schlammigem Gründe bringt, so nehmen sie selbst >mch Monaten nicht diesen Geschmack an. Auch bie Annahme mancher Fischzüchter, baß ber Schlammgeschmack von Charaeeen, Armteuchtergewächsen, zu ben Algen gehörigen Pflanzen herrühre, ist, wie Louis Leger in der „Naturwissenschaftlichen Rundschau" ausführt, nicht richtig. Seine Beobachtungen und Versuche haben zu dem Ergebnis geführt, daß niedere Algen, nämlich Oszillarien, die Ursache des Cchlamm- geschmackes sind. In allen Gewässern, ob stehend oder fließend, in denen bie Oszillarien zahlreich sind, haben die Fische ben Schlamm- geschmack, auch wenn Ehara fehlt. Wenn aber bas Wasser keine Oszillarien enthält, so fehlt ben Fischen ber eigentümliche Geschmack selbst bet Gegenwart von Chara. Bringt inan Fische, bie aus sehr reinem Wasser kommen, und bereu Fleisch daher keinen fremdartigen Geschmack hat, in ein Bassin mit Oszillarien, so haben sie nach einiger Zeit ben Schlammgeruch angenommen. Rotaugen unb Regenbogenforellen würben auf biefe Weise fast ungenießbar. Da bie Schleimdrüsen ber Haut sich stärker imprägnieren als bas Fleisch selbst, so nehmen bie Fische, bereit Haut an Schleimdrüsen reich ist, tvie Aale unb Schleie, ben Schlammgefchmack immer stark an. Ferner werben Karpfen, Rotaugen, Schleie, bie neben kleinen Infekten ober Würmern viel Algen zu ihrer Ernährung aufnehmen, im allgemeinen mehr imprägniert als bie Fleischfresser, wie Barsche, Hechle und Forellen. Letztere jedoch bietbeit von bem Geschmack nicht frei, entweder weil sie Schlammfische (reffen, ober mit bett Mollusken, Würmern ober Insektenlarven, die sie verschlingen, Oszillarieninaffen aufnehmen.
* Ein Lebenskünstlcr. „So, jetzt will ick aber wieder ’n bißken arbeiten; sonst verliert bet Faulenzen seinen janzen Reiz!" ____________
viamanttStsel.
Auslösung
In bie Felber nebenstehenber Figur sinb die Buchstaben a a a c e e g g g iiii llllllpr b t n y derart einzutragen, baß bie ivagerechten Reihen folgendes bebeuten:
1. Einen Buchstaben.
2. Geographische Bezeichnung.
3. Feldherrn des 30jähr, Krieges.
4. Einen Astronomen.
5. Römischen Staatsmann.
6. Waffe ber alten Deutschen.
7, Einen Buchstaben.
Die senkrechte unb wagerechte Mittel- reihe ergeben bas Gleiche.
in nächster Nummer.
Auflösung des Bilderrätsels in voriger Nummer: Das Ei des K 0 lu in b us.
Rebattion; K. Neurat h. — RotationZdruck und Verlag der Brühl'fchenUniversitäts-Buch. und Steindruckerei. R. Lange, Gieße«


