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Montag den 9. Moder
1»U - Nr. 158
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Die weiße Frau.
Roman von W. Collins.
(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
Nachmittags. — Es ist geschehen. Die Asche seines Abschiedsbriefes liegt auf dem Kaminherde.
Ist das das traurige Ende jener ganzen Geschichte?
Den 29. November. — Die Vorbereitungen zur Heirat haben begonnen. Die Schneiderin hat ihre Aufträge bekommen. Laura ist völlig gleichgültig, völlig un- bekümmert um Dinge, die sonst vor allen andern das Interesse der Frauen in Anspruch nehmen.
Den 30. November. — Wir hören täglich von Sir Perceval. Die letzte Neuigkeit, die er uns mitteilt, ist die, daß es wohl vier bis sechs Monate dauern wird, ehe die Veränderungen in seinem Hause vollständig beendet werden können. Falls Maler, Tapezierer und Möbelhändler sowohl Glück als Pracht Herstellen könnten, so würde ich mich für ihre Fortschritte in Lauras zukünftiger Häuslichkeit interessieren. So aber ist die einzige Stelle in Sir Percivals Briefe, welche mich nicht so gleichgültig wie vorher läßt, die, in welcher er von der beabsichtigten Hoch- zeitsrerse spricht. Er schlägt vor, da Laura augenblicklich nicht kräftig ist und der Winter ungewöhnlich strenge zu werden droht, sie nach Roni zu nehmen und bis zu Anfang nächsten Frühlings in Italien zu bleiben. Sollte sie diesen Man nicht billigen, so sei er ebenso bereit, die Saison in London Zuzubringeii, und da er selbst kein Haus dort besitze, irgend ein passendes, möbliertes Haus zu mieten.
Indem ich mich und meine eigenen Gefühle in Bezug hierauf gänzlich unberücksichtigt lasse (was meine Pflicht ist), zweifle ich meinerseits nicht an der Schicklichkeit des ersten dieser Vorschläge. In beiden Fällen ist eine Trennung zwischen Laura und mir unvermeidlich. Wenn sie ins Ausland reisen, wird es eine längere Trennung werden, als wenn sie in London blieben — aber dagegen müssen wir wieder den Vorteil erwägen, der aus einem Aufenthalte in einem milden Klima für Lauras Gesundheit erwachsen würde, und noch mehr als das berücksichtigen, wie sehr die Ueberraschungen und die Aufregung einer ersten Reise in dem interessantesten Lande der Welt zu ihrer Aufheiterung und Aussöhnung mit ihrem neuen Leben beitragen würde. Ich fürchte den Anfang ihres neuen Lebens mehr, als ich Worte habe, es auszudrücken k*- aber ich 'hege einige Hoffnung für sie, wenn sie reist; keine, wenn sie zu Hause bleibt.
Den 1. Dezember. — Ein sehr, sehr trauriger Tag; ein Tag, den ich ausführlich zu beschreiben nicht das Herz Mbe. Nachdem ich gestern abend schwach genug war, es zu verschieben^ wär ich heute morgen genötigt, ihr von
Sir Percivals Vorschläge in Bezug auf die Hochzeitsreise zu sagen.
In der vollen Ueberzeugung, daß ich sie bcg eiten werde, wohin sie auch gehen möge, war das arme Kind — denn in vielen Dingen ist sie immer noch nur ein Kind — beinahe froh über die Aussicht, die Wunder von Florenz, Rom und Neapel zu sehen. Es brach mir fast das Herz, sie hierüber zu enttäuschen und sie angesichts der bittern Wahrheit zu bringen. Ich mußte ihr sagen, daß kein Mann während der ersten Zeit nach seiner Vermählung einen Nebenbuhler — selbst nicht einen weiblichen —, in der Zuneigung seiner Frau duldet, was er auch später tun möge. Ich mußte sie warnen, daß meine Aussicht auf dauernden Aufenthalt unter ihrem Dache einzig und allein davon abhänge, daß ich nicht Sir Percivals Eifersucht errege, indem ich mich beim Beginne ihrer Heirat als Empfängerin der tiefsten Geheimnisse seiner Frau zwischen sie drängte. Jetzt ist es vorbei. Sie hat ihre bitteren, unvermeidlichen Lehren empfangen; die Täuschungen ihrer Mädchenzeit sind dahin, nnd es war meine Hand, die sie ihr rauben mußte. Aber lieber meine Hand, als die [einige, das ist mein einziger Trost.
So ist denn der erste Vorschlag angenommen: sie gehen nach Italien; und ich soll, mit Sir Percivals Genehmigung, meine Vorkehrungen treffen, bei ihrer Rückkehr nach England bei ihnen zu wohnen. Mit andern Worten, ich soll zum ersten Male in meinem Leben um eine persönliche Vergünstigung bitten, und zwar von dem Manne sie mir erbitten, dem ich von allen andern am ungernsten wirklich verpflichtet zu sein wünsche. Nun gut! Ich glaube, für Laura könnte ich sogar noch mehr tun.
Den 2. Dezember. — Da ich zurückblicke, finde ich, daß ich immer in herabsetzenden Ausdrücken von Sir Percival spreche. Nach der jetzigen Wendung der Dinge muß nnd will ich dieses Vorurteil gegen ihn abwerfen. Ich kann mir meine eigenen Gefühle nicht erklären; aber das eine ist mir ganz llar: daß es meine Pflicht, jetzt doppelt meine Pflicht ist, Sir Percival nicht durch unbegründeten Argwohn unrecht zu tun. Wenn es mir zur Gewohnheit geworden, immer noch auf ungünstige Weise von ihm zu schreiben, so muß und will ich es mir wieder abgewöhnen, und wenn ich deshalb dieses Tagebuch schließen müßte, bis die Heirat vorüber ist!
D en 16. D ezemb er. — Es sind volle,vierzehn Tage vergangen, ohne daß ich diese Blätter geöffnet habe. Ich habe mein Tagebuch lauge genug unberührt gelassen, um, wie ich hoffe, mit besseren, vorurteilsfreieren Gesinnungen in Bezug auf Sir Percival zu ihm zurückzukehren.
Er wird morgen erwartet.
Den 17. Dezember. — Er laugte heute an und sah, wie mir's schien, etwas abgemagert und sorgenvoll aus, sprach und lachte indessen wie ein Mann in bester Laune. Er brachte einige wirklich schöne Kleinodien als Geschenke mit, welche Laura mit Freundlichkeit und wenig-


