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Larmingeat heulte. Alexandrine Und Baptiste weinten euch. Als sie gegangen war, sagte Baptiste:
„Hast dus gesehen, wie die Kleine ist? Es gibt kein besseres Mädel, 's hat mir immer leid getan, daß sie nicht mein ist.
Als die Kinder im Bett waren, fingen die drei rni'iU gähnen: es war ja auch spät! Die Zigarren waren geraucht. Da es keinen Tropfen mehr zu trinken gab, hatte man nichts mehr zu Mn. Larmingeat begriff, was nun seine Pflicht war. Er sagte:
„Ach ja! einmal muß ich mich ja doch entschließen M gehen."
Man hielt ihn nicht zurück. ,
Man fragte ihn mir, wie er gekommen sei: mit der Bahn natürlich. Er erzählte ihnen, daß er seinen Koffer mitgebracht hätte, weil er zuerst die Absicht gehabt hatte, zu bleiben.
Seine Frau sagte zu ihm:
„Ja, da hättest du eben damals nicht fortgehen sollen. Was willst du, jetzt habe ich mich nun s o eingerichtet. Ich kann mir doch nicht 'nen Mann nehmen und ihn beliebig wegschicken?!" Schließlich traf es sich gut: es ging ein Zug um elf Uhr. Der Bahnhof war nahezu sechs Kilometer entfernt, er durfte nicht zu spät kommen, der Zug wartet nicht.
Baptiste sagte ihm, ehe er ging, in einem jener Augenblicke, in denen man all das noch einmal zusammenfaßt, was man sich bereits gesagt hat:
„Wie es bei uns ist, das siehst du nun. Meine Möbel sind hier, und es ist ein Bett mehr da, als zu deiner Zeit."
Er zeigte ihm die Einrichtung. Der Hauswirt hatte einige Reparaturen machen lassen.
Er führte ihn in das Schlafzimmer der Kinder. Es war tapeziert worden und der Ofen umgesetzt, weil er geraucht hatte. Die Kinder schliefen mitgeballten Fäustchen. Larmingeat warf einen Mick auf sie. Er wagte nicht sie zu küssen, aus Furcht, sie im Schlaf zu stören.
Er sagte: „Wirklich, ich seh's, ihr habts sehr gemütlich."
Er küßte Alexandrine, bevor er ging und dann, als Baptiste ihm die Hand hinstreckte, sprach er:
„Na komm, wir wollen uns auch 'nen Kuß geben, Alter."
Vermischtes.
* Die Furcht vor dem Scheintod. Es ist eine bekannte Erscheinung, daß es viele Menschen gibt, die eine oft ans lächerliche grenzende Angst vor dem Scheintod haben. Und zwar findet man solche Menschen nicht bloß in den weniger gebildeten Schichten des Volkes. Dazu kommt dann noch, daß solche Individuen die schauerlichsten Geschichten gehört haben wollen, wie schrecklich es einem Großonkel einer Freundin ihrer verstorbenen Tante ergangen sein soll und ähnliches mehr. Nun hat kürzlich ein Franzose, Dr. Jcard, eine Methode angegeben, mittels der es jedem Laien sogar möglich ist, in einwandfreier Weise den erfolgten Tod eines Menschen nachzuweisen. Es ist bekannt, daß nach dem Absterben des Körpers sofort die Verwesung beginnt, d. h. die im oder auf dem menschlichen Körper lebenden, mehr oder weniger unschädlichen Bakterien beginnen das Körpergeivebe zu zersetzen und chemisch abzubauen. Als Folge einer solchen chemischen Zersetzung tritt schon kurze Zeit nach dem Tod die Bildung von Schwefelgasen in den Lungen auf. Dr. Jcard gibt nun an, man soll mit irgend einer Blei- Verbindung auf einen Streifen Papier einige Zeichen machen; da die Verbindungen des Bleis eine weiße Farbe haben und das Papier auch, so werden die Zeichen nicht sichtbar fein. Führt man nun dieses Stückchen Papier mittels etwas Draht in die oberen Luftwege, z. B. die Nase, ein, und es haben sich in der Lunge auch nur Spuren von Schwefelgasen gebildet, so werden die Zeichen auf dem Papier sich schwärzen. Es ist dies eine sehr einfache und zugleich exakte Methode zum Nachweis des erfolgten Todes.
*DieverführerischenMannequins. Man schreibt Ms Paris: Unter den Mannequins, den A'nprobierdamen der großen Pariser Schneiderhäuser, herrscht gewaltige Aufregung. Es ist ihnen bei sofortiger Entlassung aufs strengste verboten worden, ihre Reize, so lange sie sich in dm Geschäftsräumen aufhalten, auf künstliche Art zu erhöhen. Sie dürfen sich weder schminken, noch pudern, sie dürfen sich nicht die Lippen färben, und «sie dürfen keine falschen Haare tragen. Die Kundinnen besagter Schneiderhäuser haben zu dieser drakonischen Vorschrift den Anstoß gegeben, weil die allzu raffinierte Eleganz der Jdjönen Mannequins verhängnisvolle Wirkungen auf ihre männlichen Begleiter qus- zuüben begann. Das Verbot ist erklärlich, wenn man weiß, daß der Mannequin schon von Berufswegen alle Verführungskünste spielen lassen muß. Das Neueste auf diesem Gebiet ist das Au- probieren von Morgen- und Schlafröcken. Das geschieht folgender- maßen. Tie Dame, die einen solchen Nock zu kaufen beabsichtigt, nimmt auf einem Stuhl vor einem Vorhang Platz, einem richtigen schwerseidenen, reichbestickten Theatervorhang. Der Vorhang teilt sich, uich man erblickt ein mit dem größten Luxus eingerichtetes Schlafzimmer. In dem Prunkbett vorn liegt — der Mannequin. Eine Kammerzofe betritt das Zimmer, der Mannequin richtet sich mit lässigen, graziösen Bewegungen auf, verläßt das Bett
Und zieht sich nun mit Hilfe der Zofe ein intimes KleidüngsstM nach dem anderen an, — als letztes den Morgenrock und'zeigt sich nun darin von allen Seiten der Käuferin. Gefällt dieser der Rock nicht, so schließt der Vorhang sich, um sich nach einigen Minuten wieder zu öffnen, — und dasselbe Schauspiel beginnt mit einem neuen Mannequin, bis Madame endlich gefunden hat, was sie wünscht. Ist es ein Wunder, wenn die Pariser Frauen jetzt verlangen, daß die Mannequins, die ja an sich nicht unteq den häßlichsten ihres Geschlechts ausgesucht werden, sich wenigstens mit dm Reizen begnügen, die die Natur ihnm verliehm hat?
"Wie Alphonse Allais keine Miete zahlte. Eine lustige Erinnerung an den vor einigen Jahren dahin- gegangenen berühmten 'französischen Humoristen Alphonse Allais erzählt £6ou Le Giere ui der Revue politique et literaire. Durch einen amüsanten Einfall brachte es der lachende Philosoph sogar dahin, seinem gefürchteten Hauswirt die Miete schuldig bleiben zu können. Er war bereits dreimal die Mietsrate schuldig geblieben, aber dieser Umstand verstärkte in ihm keineswegs die Sehnsucht, das Versäumte nachzuholen. Der 1. Januar stand vor der Tür. Als höflicher Mieter beeilte sich der fröhliche Alphonse, seinem Hausherrn, einem alten Gerichtsvollzieher, „der durch das Unglück und die Geldnot seiner Landsleute reich geworden war," als Neu- jahrsgratulalion eine Visitenkarte zuzuschicken. Auf dem Kärtchen las matt: „Alphonse Allais, Sprengolinfabrikant". Zu gleicher Zeit tapezierte Altais sein Zimmer mit großen Plakaten: „Rauchen streng verboten." Dauii legte er ein großes Blatt weißes Papier aus die Mitte seines Tisches und schüttete darauf ein Pfund Stärkemehl. Seelenruhig harrte er nun dessen, was kommen sollte. Es dauerte auch nicht lange. Eines schönen Tages hörte Altais die alte Treppe unter den gewichtigen Tritten des „alten Büttels" knarren. Der Herr des Hauses kam selbst, tun endlich die 'Miete zu erhalten. Die Glocke tönt, der Hausherr tritt ein, glücklicherweise mit einer Zigarre im Munde. Wie ein Tiger stürzt sich AllaiS mit entsetzter Miene auf den unwillkommenen Besucher, entreißt ihm in wilder Hast die Zigarre und schleudert sie die Treppe hinunter; dann lehnt er, wie von der Aufregung übermältigt, atemlos an der Wand und weist nur stumm mit dem Finger auf die Plakate „Rauchen streng verboten". Verblüfft fragt der Hauswirt : „Aber warum diese Rattchverbote?" „Aber um Gottes- wtlleu, Sie Unglücksmensch; trenn ein einziger winziger kleiner Teil Ihrer Zigarrettasche auf dies „Sprengolin" geiallen wäre, Menschenskind,' dieses Sprengolin! Wir alle miteinander, Sie, Ihr Haus, das ganze Viertel mären in die Luft geflogen." Der Rest ist zu erraten: der Hausherr beeilte sich, möglichst schnell einen so gefährlichen Mieter los zu werden, er erließ ihm die rückständige Miete unter der Bedingung, sofort anszuziehen, und er war dem listigen Humoristen von Herzen dankbar, als Alphonse sich schließlich bereit erklärte, sofort seine Siebensachen zu packen.
* Glückliche Mieter! „Seit anderthalb Jahren hab' ich jetzt keinen Hauszins mehr bezahlt." — „Wie ist das möglich?" — „Unser Hauswirt ist Quartals-Säufer; und das trifft sich grade immer so schön." , ,,
* Zurückgegeben. Alte Tante (zu ihrem jungen Nesseln, der sich vor dem Spiegel sein kleines Schnurrbärtchen dreht): „Zupf' doch nicht so viel, du hast ja überhaupt noch gar keinen Schnurrbart." — Neffe: „So weit wie Deiner ist er allerdings noch nicht, .Tante." _ „ . ,
* Warnungszeichen. Gast (der int Adreßbuch dte Wohnung eines Arztes suchte): „Sagen Sie mal, hier stehm hinter verschiedenen Namen Kreuzchen..... was bedmtet das? — Wirt: „Das haben meine Stammgäst' gemacht! Dös san nämlich die Aerzt', die 's Mer Verbieten!"
* Nicht seine Schuld. „Ihr Sohn hat sich trotz seiner Jugend verschiedme Straftaten zuschulden kommen lassm; uni seine Erziehung scheinen Sie sich nicht viel gekümmert zu haben!" — „Konnte ich denn? Ich war ja, währmd er heranwuchs, fast immer eingesperrt!" _____________
Gitter-Rätsel.
In die Felder nebenstehender Figur sind die Buchstaben b b b b, ce, ddddd, eeee e e e e e e e, g g, h h, i i; 1 1 1 1, n nnnnn, rrrrr, s,tt derart einzutragen, daß die senkrechten und ivagerechten Reihen gleichlautend folgendes ergeben:
1. Süßschmeckende Früchte.
2. Beliebten Märchendichter.
3. EinenOperettenkomponisten.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Bilderrätsels in voriger Nummer: Erlogen ist die Liebe und nur der Haß ist echt.
Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gieße«.


