Ausgabe 
8.11.1911
 
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Mittwoch den 8. November

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Die weiße Frau.

Roman von W. Collins.

(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

In dieser einsamen Verlassenheit des Hauses, wo die Herrin krank in ihrem Zimmer lag, während Miß Hal- combe noch immer so hilflos wie ein Kind war, und der Doktor uns in Feindschaft verlassen hatte, war es gewiß nicht zum Verwundern, daß ich niedergeschlagen wurde und es schwer fand, meine gewohnte Fassung beizubehalten. Ich war ängstlich in meinem Gemüte, und ich wünschte den beiden armen Damen eine schnelle Genesung und mich selbst fort aus Blackwater Park.

Das nächste Ereignis, das sich zutrug, wär so sonder­barer Art, daß es mir ein Gefühl abergläubischen Er­staunens verursacht haben würde, falls nicht feste religiöse Grundsätze meinen Geist gegen eine derartige heidnische Schwäche gestärkt hätten. Dem unbehaglichen Gefühle, baß etwas in der Familie nicht ganz richtig sei und in welchem ich mich aus Blackwater Park fortgewünscht hatte, folgte, so seltsam dies auch scheinen mag, wirklich meine Abreise vom Hause. Allerdings war es nur eine kurze Abwesen­heit, doch war das Zusammentreffen meiner Meinung nach deshalb nicht weniger bemerkenswert.

Meine Mreise fand unter folgenden Umständen statt:

An dem Tage, an welchem alle Diener das Haus ver­lassen hatten, wurde ich abermals zu Sir Percival beschieden. Graf Fosco war ebenfalls anwesend.

Der Gegenstand, auf den sie jetzt meine Aufmerksam­keit lenkten, bezog sich auf die Luftveränderung, von der wir alle so große Vorteile für Lady Glydes und Miß Halcombes Genesung hofften. Sir Percival sagte, daß beide Damen wahrscheinlich (infolge einer Einladung von Fre­derick Fairlie Esquire) bett Herbst zu Limmeridge in Cum­berland zubringen würden. Er sei jedoch der Ansicht, und der Graf (welcher hier das Wort nahm und bis zu Ende der Unterredung behielt) stimmte hierin mit ihm überein, daß es von großem Vorteile für sie sein würde, wenn sie, ehe sie nach dem Norden aufbrächen, erst auf eine Weile das milde Klima von Torquay genössen. Man wünsche daher ernstlich, an diesem Orte eine Wohnung zu mieten, Welche alle Bequemlichkeiten und Vorteile bieten würde, derer die Damen so sehr bedürften; doch sei die Schwierig­keit die, eine erfahrene Person zu finden, welche imstaitde sei, eine Wohnung zu wählen, wie sie ihrer bedurften. In dieser dringenden Lage wünschte der Graf in Sir Percivals Auftrage zu hören, ob ich etwas dawider habe, den Damen meinen Beistand zu leisten, indem ich selbst in ihrem Interesse die Reise nach Torquay machte.

M war für jemand in meiner Stellung unmöglich.

einen in solchen Ausdrücken gemachten Vorschlag entschieden abzuschlagen.

Ich konnte bloß wagen, auf die ernstliche Unangemessen­heit meiner Abreise von Blackwater Park bei der außer­gewöhnlichen Abwesenheit aller Diener mit Ausnahme von Margarete Porcher hinzudeuten. Aber Sir Percival sowohl wie der Graf erklärten, daß sie die Unbequemlichkeit im Interesse der kranken Damen sehr gern ertragen wollten. , Ich machte dann den achtungsvollen Vorschlag, daß man an einen Hansa,genten in Torquay schriebe; aber man er- innerte mich daran, daß es eine Unvorsichtigkeit sein würde, ein Haus zu Meten, das man nicht vorher gesehen habe. Man sagte mir.außerdem, daß die Gräfin (welche andern­falls selbst die Reise nach Devonshire gemacht haben würde) ihre Nichte in ihrem gegenwärtigen Zustande nicht verlassen könne, und daß ,Sir Percival und der Graf Geschäfte mit­einander hätten, die sie nötigten, in Blackwater Park zu bleiben. Kurz, es wurde mir klar gemacht, daß, falls ich die Sache nicht übernehme, niemand anders da sei, deut man sie anvertrauen könne. Unter diesen Verhältnissen konnte ich Sir Percival bloß ankündigen, daß meine Dienste Miß Halcombe und Lady Glyde zu Gebote stünden.

Es wurde darauf ausgemacht, daß ich am nächsten Morgen abreisen, den darauf folgendenden Tag mich mit Untersuchung der passendsten Häuser in Torquay beschäf­tigen und am dritten mit meinem Berichte zurückkehren sollte.

Vor meiner Abreise überzeugte ich mich noch, daß Miß Halcombe Fortschritte in der Genesung machte. Doch drückte sich in.ihrem Gesichte eine schmerzliche Sorge aus, die mich fürchten ließ, daß sie nicht ganz ruhig im Ge­müte sei. Jedenfalls aber erholte sie sich körperlich schneller, als ich hätte erwarten können, und sie schickte Lady Glyde liebevolle kleine Botschaften, daß sie bereits wieder ganz wohl sei und sie nur bitte, sich nicht zu früh anzustrengen. Ich überließ sie der Sorgfalt von Mrs Rubelle, die noch immer ebenso unabhängig von allen übrigen im Hause war, wie vorher. Als ich an Lady Glydes Tür klopfte, sagte man mir, daß sie noch immer in einem sehr traurigen Zustande der Schwäche und Ab­spannung sei; es Mr die Gräfin, die mich hiervon unter­richtete, und welche zur Zeit ihrer Nichte in ihrem Zimmer Gesellschaft leistete.

Meine Reise war ein großer Mißerfolg. Für den aus­bedungenen Preis konnte ich keine Wohnung finden.

Ich ging sofort zu Mylady und fand, daß sie sich während der letzten drei Tage bedeutend erholt hatte. Ob­gleich noch immer matt und nervenschwach, war sie doch imstande, sich ohne Hilfe zu erheben und mit langsamen Schritten in ihrem Zimmer umherzugehen, ohne eine schlim­mere Wirkung davon zu verspüren, als die einer leichten Ermüdung.

Im Korridor trafen wir Sir Percival. Er sah aus, als ob er uns dort erwartet habe.