Ausgabe 
4.11.1911
 
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Samstag den 4. November

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Die weiße Frau.

Noman von W. Collins.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Nun entschuldigte er sich, daß er mir eine Mitteilung zu machen habe.

!Mtte, machen Sie mir Ihre Mitteilung mit Vor­sicht, bat ich ihn und schloß die Augen. Ist irgend je- mand tot?

Tot! rief der Graf mit unnötiger ausländischer Heftig­keit aus. Mr. Fairlie, Ihre nationale Ruhe flößt mir Grauen ein. In des Himmels Namen, was habe ich ge­sagt oder getan, das ®ie veranlaßte, mich für den Boten des Todes anzusehen?

O bitte, empfangen Sie meine Entschuldigungen, er- widerte ich. Sie haben nichts gesagt oder getan. Ich mache es mir in solchen betrübenden Fällen zur Regel, stets das Schlimmste vorauszusehen. Die Heftigkeit des Schlages wird gebrochen, indem man ihm auf halbem Wege begegnet. Unaussprechlich erleichtert, zu hören, daß nie­mand tot ist. Ist jemand krank?

Ich öffnete die Augen und sah ihn an. War er viel­leicht schon sehr gelb, als er hereinkam, oder war er es erst in den letzten paar Minuten geworden? Ich kann es wirk­lich nicht bestimmt sagen, und ich kann auch nicht Souis fragen, denn er war nicht im Zimmer.

Das macht einen Teil meiner schlimmen Nachrichten aus, Mr. Fairlie. Ja, es ist jemand krank.

Bin wirklich sehr bekümmert. Welche von ihüen ist es?

Zu meinem großen Kummer Miß Haleombe. Viel­leicht waren Sie einigermaßen hierauf vorbereitet? Viel­leicht ließ schon Ihre liebende Besorgnis Sie dies fürchten, als Sie fanden, daß Miß Haleombe weder kam, noch Ihnen zum zweitenmal schrieb?

Ist die Sache ernsthaft? fragte ich.

Ernsthaft ohne allen Zweifel, entgegnete er, doch nicht gefährlich, wie ich von ganzem Herzen hoffe. Miß Haleombe hat sich unglücklicherweise einem kalten, durch­nässenden Regen ausgesetzt; oie darauf erfolgte Erkältung war sehr heftiger Natur und istz jetzt in Fieber aus- geartet.

Gerechter Gott, ist es ansteckend? fragte ich entsetzt.

Er versicherte mrch, es sei nicht ansteckend, aber man weiß ja, was man von solchen Beteuerungen zu halten hat.

©ie werden die Güte haben, einen Kranken zu ent­schuldigen, sagte ich; aber eine lange Unterhaltung, wel­cher Art sie auch sei, verschlimmert stets meinen Zustand. Darf ich ©ie bitten, mich genau von dem Zwecke zu unter­richten, dem ich die Ehre Ihres Besuches zu verdanken habe?

Ich hoffte inbrünstig, daß dieser ungemein deutliche Wink ihn aus seinem Gleichgewicht werfen, ihn verloirrt machen, ihn zu höflichen Entschuldigungen zwingen, kurz, ihn aus Hem Zimmer treiben würde. Aber im Gegenteil/ er saß .nur um so fester. Er wurde jetzt doppelt feierlich/ würdevoll und vertraulich. Er hielt zwei seiner abscheu­lichen Finger empor und gab mir noch einen seiner unan­genehm durchdringenden Blicke.

Der Zweck meines Besuches, fuhr er unerschüttert fort, ist ein zweifacher. Ich komme erstens, um Ihnen mit aufrichtigem Bedauern mein Zeugnis in bezug auf die klagenswerten Uneinigkeiten zwischen Sir Pereival und Lady Glyde abzulegeu. Ich bin ©it Pereivals ältester Freund; ich bin durch Heirat mit Lady Glyde verwandt und bin ein Augenzeuge von allem, was sich in Blackwater Park zugetragen hat. In diesen drei Eigen­schaften spreche .ich mit Autorität, mit Vertrauen und mit aufrichtiger Betrübnis. Sir! ich unterrichte Sie hiermit, als das Haupt von Lady Glydes Familie, daß -Miß Hal­eombe in Hem kürzlich an Sie gerichteten Schreiben nichts übertrieben hat. Ich bestätige, daß das von dieser ver­ehrungswürdigen Dame vorgeschlagene Hilfsmittel das einzige ist, welches Sie gegen die Greuel öffentlicher-Bloß­stellung schützen kann. Eine zeitweilige Trennung des Ehe­paares ist die einzige friedliche Lösung dieser Schwierigkeit. Trennen Sie sie für jetzt, und sobald alle -Ursache . zu Zwistigkeiten beseitigt, verpflichte ich mich, Sir Pereival zur Vernunft zu bringen. Lady- Glyde ist unschuldig, ist tief beleidigt; aber gerade deshalb ist siejich sage es mit tiefer Beschämung) Ursache von Spannung, so lange sie unter dem Dache ihres Gemahls bleibt. Kein anderes -Haus als das Ihrige kann Lady Glyde mit Schicklichkeit auf­nehmen, und ich fordere Sie daher auf, es -ihr zu öffnen!

Aeußerst trocken. Im Süden von England tobte ein eheliches Hagelwetter, und- ein Mensch mit einem Fieber in jeder Falte seines Rockes forderte mich auf, aus dem Norden herbeizueilen, um mir meinen Anteil an dem Schauer abzuholen!

Folgen Sie gütigst nochmals meinem Gedankengange, fuhr et .unbeirrt fort. Sie haben den ersten-Zweck meines Besuches gehört. ,Der zweite besteht darin, das zu tun, was Miß Haleombes Krankheit sie verhindert, selbst zu tun. In allen schwierigen Fällen zieht man in -Blackwater Park meine au§ gebreiteten Erfahrungen zurate, und es geschah dies auch in bezug auf Ihren interessanten Brief an Miß Haleombe. Ich begriff augenblicklich denn Ihre Sympathien sind die meinigen, warum Sw Mrß Haleombe hier zu sehen wünschten, ehe Sie einwilligten, Lady Glyde hierher einzuladen. Sie haben vollkommen recht, Sir, wenn Sie zögern, *bie Damen zu empfangen, bis Sie die Versicherung empfangen, daß der Gemahl nicht seine Autorität geltend machen und seine Frau von Ihnen zurückfordern wird. Nun sind feine Angelegenheiten sehr verwirrt. Meten .Sie ihm Hilfe an unter der Be-