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Waffenstillstand emtrat und Wenige Tage darauf die Friedens- prälüninarien dem Kampfe ein Ziel setzten. Di eses Lreigms mußte gefeiert werden. Noch einmal luden Paukert und ^-eom peten, Glockenklang und Siegelns zur Feier em, die ganze G,n- tvohnerfchaft einschließlich der Schnliilgend ourchzog in festlichem Znae die mit Fahnen geschmückten Straßen, noch einmal werkundeten von den TrWnen herab begabte. Redner den in sieben- monatlichem Kampfe errungenen Sieg, als besten Frucht, das sieben Wochen alte 'Deutsche Reich dastand. »Durch Bnnvert- tausend zuckt es schnell und aller Augen blitzen hell" scholl es mit dem weiten Marktplatze, als der Redner des Tages mit den Worten schloß: „Germania, laß uns schauen dem siegreich Schwert Lmd gib uns einen dauernden ewigen Frieden!" Dies war am 3 Mörz 1871. i
An diesem Tage aber hatte das deutsche Volk, das in dem langen ,md schweren Kampfe seine Kraft erprobt, noch eine Ausgabe zu erfüllen. Das neue Deutsche Reich hatte nach kurz vorher ver- kündeter Verfassung eine Körperschaft zu wühlen, die berufen fein sollte, das neu errichtete Gebäude im Innern auszubauen und auf dem im Jahre 1867 von dem Norddeutschen Bunde betretenen Pfade in Frieden weiter zu wandern. Der mit' Jubel begonnene 3. Mürz rief auch zu ernster Arbeit, zur Wahl der Abgeordneten für den ersten deutschen Reichstag. Herrschte an- fesichts der in den letzten Monaten errungenen kriegerischen Erfolge rendige Einstimmigkeit, war die Beteiligung an den rasch aufeinander folgenden Jubelfeiern und besonders an derjenigen, die den Frieden verkündigt, eine allgemeine, so entbrannte schon in den Februartagen der Kampf der Parteien um die Reichstags- Mandate, allerdings nicht mit solcher Schärfe, wie in den folgenden Jahrzehnten. Zwei Kandidaten, die damals in ihren Anschauungen nur in wenigen Fragen auseinandergingen, rangen um den Besitz des Wahlkreises, und ihre Anhänger suchten jeden ins rechte Licht zu setzen, jede Partei nahm daS Recht in Anspruch, in vaterländischem Sinne zu handeln, tvenn sie ihren Kandidaten empfahl. Der 3. Mürz 1871 war für alle ein Feiertag. In Scharen strömten die Männer, die eine Stunde vorher im festlichen Zuge marschiert und dann andächtig die von Vaterlandsliebe getragenen Reden auf dem Marktplätze augehört, zur Wahlurne, ebenso die wenigen, die abseits standen und nur als Zuschauer erschienen waren. Fünf Stunden nach dem allgemeinen Jnbel stand das Ergebnis der Wahl fest: der ehrenvoll unterlegene Kandidat hieß Dr. Hermann Schulze-Delitzsch, derjenige aber, der bereits im Norddeutschen Bunde den Wahlkreis vertreten und nun als Abgeordneter in den neuen deutschen. Reichstag einzog, hieß — August Bebel.
Ver.'m??chte».
* Der Hosen rock — eine alte Pariser Mode. Der Hoieurock, diese neueste Erfindung der Pariser Modeschöpfer, ist in Wirklichkeit keine „Nouveautö", er ist eine alte Erfindung, die schon früher einmal in Paris versucht wurde und scheiterte. Eine interessante Zeichnung von Saint-Aubin zeigt uns die Königin Marie Antoinette in einem Reilkleid, das genau der berühmten Jupe-eulotte entspricht. Diese Mode, die sich damals nicht durch» zusetzen vermochte, kehrte dann im Jahre 1810 als „neueste Erfindung" wieder. Im „Journal des dames" vom Jahre 18lv wird dieser Hosenrock genau beschrieben; der Chronist aber ist ein bitterer Kritiker dieses Versuches, eine neue Mode einzusühren und weissagt dem Hosenrock — keine Zukunft. „Ich traf eine unserer kleinen Damen", so berichtet der Chronist, „in Schnürstiefelchen und kurzem Kleid, das genau nach männlichem Muster geschneidert ist. Es gibt gar nichts Unschöneres. Ich will nicht davon sprechen, wie die weiblichen Körperlinien und Körperformen sich in dieser int Grunde männlichen Kleidung aitsnehmen. Ich wende mich nicht gegen eine vereinzelte Lächerlichkeit: was ich fürchte, ist ein Ueberhandnehmen solcher Freiheiten der Kleidung. Was soll ich von einer Törin denken, die sich das Aussehen einer lüderltchen Person gibt, mit den Augen blinzelt und mit den Händen in der Hosentasche umhergeht?"
* Die Pilgerfahrt einer Braut. Die Braut des (ungetl englischen 'Forschers Leutnant Boyd Alexander, der im Mai ws vergangenen Jahres bei seiner Expedition durch den dunklen Erdteil in der Nähe des Tschadsees von blutgierigen Eingeborenen hinterlistig ermordet wurde, hat nun ihren Vorsatz ausgeführt: sie hat die Stätte besucht, an der der Mann, der dereinst ihr Gatte werden sollte, als ein Märtyrer der Wissenschaft und ein Opier seiner Kühnheit fiel. Miß Olive Maeleed hat die traurige Fahrt ohne Begleitung eines Weißen gewagt; mit einem Gefolge von schwarzen Trägern unternahm sie von der Küste Nigeria? aus den Vormarsch in die Wildnis Mittelafrikas, wo in Malwni die beiden Brüder Alexander ihre letzte Ruhestätte gefunden haben. Denn auch der ältere Bruder des Leutnant Boyd Alexander hat bei einer Expedition in der gleichen Region seinen Tod gesunden. Die kühne lange Dame war durch keine Bedenken abzuhalten gewesen, ihren verwegenen Vorsatz auszuführen, der für sie eine letzte Pflicht gegen den so tragisch gestorbenen Bräutigam darstellte: im August des vergangenen Jahres hat sie die Abreise von England an
getreten und sechs Monate später die Stätte erreicht, wo Boyd Alexander im Herzen des dunklen Weltteils seine letzte Ruhestätte gefunden hat.
* D ie Leb eirs>v ei se eines m erkwürdigen Ein- s i e d l e r s, der mitten in der Riesenstadt London ivohnte und dort nienianden sah und von niemcinbem gesehen wurde, wurde gestern gelegentlich eines Totenschaugerichtes erzählt. Dieser merkwürdige Mann lebte in dem Stadtteil Fulham in einem Hause, welches ihm selbst gehörte. Er verließ das Haus niemals und ließ miet) niemanden in dasselbe hinein. Aus der Tür tonnte er von inwendig ein viereckiges Stück herausnehmen und durch diese Oess- mmg ging all sein Verkehr mit der Außemvelt. Er lebte ausschließlich von Biskuits imd Sirup iind beides lieferte ihm von Zeit zu Zeit ein in der Nähe wohnender Kaiismann, alles durch das Loch in der Haustür. Seine Steuern und sonstigen Abgaben zahlte er auch aus diese Weise. Bis vor einiger Zeit konnte ihn eine Schwester gelegentlich besuchen, aber sie durste das Haus nur in der Nacht betreten. In der letzten Zeit war ihr das auch nicht mehr gestattet. Die beiden Nachbaren, ein Droschkenkutscher und ein Polizist, sagten aus, sie hätten jahrelang neben dem Mann gewohnt, der sich übrigens London nannte, hätten ihn aber nicht gesehen, so sehr sie sich auch bemüht hätten. Seit einigen Tagen kam der Mann nicht mehr an das Tor und die Polizei erbrach dann die Haustür. Man fand den alten Mann tot in der Ecke eines ZimmerS liegen, er war in einem gräßlich verschmutzten Zustand, er hatte lange Haare, die ihm bis über die Schultern herunter hingen. Die Lust in den Räumen des Hauses war geradezu bestialisch. Die Untersuchung der Leiche ergab, daß der Manu halb erfroren und halb verhungert war. In der Ecke des Zimmers, in welchem die Leiche war, fand man eine Falle, in ivelcher sich die Skelette von zwei Ratten befanden.
* Amerikanische Ehen. Die berühmte PrimadomA der Newhorker Metropolitan Opera, Mary Garden, ist von dem Ehrgeiz erfaßt, sich als Schriftstellerin und Kulturkritikerin aus- zuzeichnen, sie will ein Buch schreiben, und wenngleich sie einstweilen die Feder noch nicht angesetzt hat, so hat sie doch nicht versäumt, wißbegierigen Fragern Tendenz und Inhalt des künftigen Werkes zu beschreiben. „Das erste Kapitel meines Buches wird der amerikanischen Fran gewidmet sein, der süßesten und liebsten Frau, die je gelebt hat, der Fran, die nur zur Liebet geboren ist und zu nichts anderem. Ich werde dartmt, daß dis amerikanische Frau faul und trüge ist, werde zeigen, wie sie am Fenster sitzt, ausschant und wartet, wie sie vom Mann erwartet, daß er allein alles tue und daß die Arbeit der Fran sich darauf beschränken müsse, ihm holdselig zuzulächeln. Die amerikanisch^ Frau werbe ich schildern mit all ihren Fehlern und meinen eigenen, diese Frau, die in der Tiefe ihres Herzens die beste Gattin der Welt ist und es nur nicht weiß." Aber Mary Garden, dis bejubelte Sängerin, wird sich auch mit der Psychologie des amerikanischen Mannes beschäftigen. Auf Grund ihrer Beobachtungen, ist sie nach langer Gedankenarbeit zu der Erkenntnis gekommen k „Der amerikanische Mann ist ein Problem. Er ist der beste Mann der Welt, manchmal aber ist er der schlechteste Mann der Wett.: Er verliebt sich und kennt dann keine Grenzen. Er überhäuft die Geliebte mit Geld und Juwelen und erringt schließlich auch die Braut, Aber Was tut et dann? Er führt sie in ein reizendes! kleines Heim und vernachlässigt sie, indem er glaubt, daß ihrs Liebs zu ihm ewig währen tvird. Und während er dies tut/ glaubt er, gütig zu sein. Er weiß nicht, daß sie immer Liebe verlangt. Er fängt an, praktisch zu werden. Er beginnt, an Dollar und Cents zu denken, und nun, da er sie in ein Heim gesetzt hat, tvill er die Möglichkeit erringen, sie in ein Schloß zu setzen. Und nun fängt er an, Dollar auf Dollar zu häufen, und glaubt, daß die Fran daran ein Interesse hat, aber sie hat e$ nicht. Sie aber beginnt ihre extravaganten Ideen zu verlieren, und verlangt nur noch weniges. Das ist das alte Beispiel der Evolution. Zuerst ist die Frau extravagant und der Mann ist sparsam; bann ist die Frau sparsam und der Mann extravagant. Der Mann ist nach außen gewachsen, die Frau aber, Wenn W so sagen darf, nach innen."
* Vorgebeugt. „Wie alt sind Sie, Zeugin?" „Vierzig! Jahre — aber ich fühle mich zwanzig Jahre jünger $ < ?1"
Magisches Auadrat.
——r—-I In die Felder nebenstehenden Quadrats sind
________ die Buchstaben AAAAAAMNNNNR8
S U U derart einzutragen, daß die wagerechten u, senkrecht.Reihen gleichlautend folgendes bedeuten:
1. Niedliches, aber wenig beliebtes Tier. ------------- 2. Weiblichen Vornamen.
3. Stadt in Westfalen.
J 4. Nebenfluß der Mosel. Auslösung tu nächster Nummer.
Auflösung des Arithmogriphs in voriger Nummer: Gaftein — Ungarn — Saturn — Tanne — Auguft — VenuS — Niagara — Iran — Liszeit — Leis — Inster — Tiger — Leiste. ! Gustav Nierih.
Redaktion: R. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Briihl'schen Universitäts - Buch- und Steindruckereh R. Lange, ®ie6en»


