Ausgabe 
4.1.1911
 
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du das wo

Aber so ein Junge, den ein Bildhauer aus Gips gemacht hat, der ist immer noch leichter zu erkennen als ein gemaltes Bild oder eine Photographie. Nun war da auch eine Photographie, auf der der Bubi mit seinem Vater und seiner Schvester und seinem Onkel zu sehen war. Dieses Bild wurde auch miti" gerufen, und das mutzte die Helga eine Zeit lang auch aus ihrem Rundgang täglich in die Hand nehmen. Und dabei passierte noch eine sonderbare Sache: Bubis Vater wurde mitPapa" angeredet; sie zeigte wirklich auf ihn hin. Aber dann waren noch zwei andere Bilder. Das eine ist gemacht, ganz kurz ehe wir von Leipzig nach Berlin zogen; da bin ich mit den fünf Kindern, darauf, die ich damals hatte, und dann ist noch eins da, das ist Wohl noch fünf Jahre älter, da ist meine Frau drauf mit denselben fünf Kindern; aber da sind sie alle noch viel jünger, !und namentlich die Irmgard, die war auf dem Bild für die Helga auch noch eini".

gehört oder einen Keinen Jungen oder et« kleines Mädchen, das sich sehr ärgerte, recht laut kreischen gehört; ent ,,t' hort man auch dabei, aber das kommt nicht so einfach heraus, sondern der ganze Kehlkopf und der ganze Gaumen zittert dabei mit; . und das macht Bubi, wenn er mit irgend etwas recht sehr unzufrieden ist. Wer schon länger den Hauslehrer liest, der weiß, wer Bubt ist. Der heitzt Bruno und ist jetzt schon über LV- Jahre bet uns. Er ist aber jetzt vier Jahre alt und kann selber schon vollMudig fertig sprechen, aber diesest" ich kanns nun ja ooch nicht auders drucken lassen das braucht er autzerdem neben seiner ganzen

übrigen Sprache. , , , ... ~

Nun spielt aber der Bubi öfter Mit der Helga, und dte Helga ist sehr aufmerksam auf alles, was der Bubi tut, und dieses laute i" hat ihr nun offenbar sehr gut gefallen, denn eines schonen Tages fing sie an, es nackMimachen. 'Darüber lachten sie nun alle und freuten sich, und dann fragten sie sie oster: "Wie macht der Bubi?" und dann machte sie genau dast . Unb rate ge­schickt sie das macht, das haben wir einmal so erlebt, datz alte sehr darüber gelacht und sich gefreut haben. Wenn ich nämlich Kopfschmerzen habe und sehr nervös bin, dann mag ich das gar nicht gerne hören, wenn der Bubi so kreischt; und so Vatte ichs ihm denn, wie ers eben noch mal getan hatte, ernstlich ver­boten. Ich saß dann eine Weile ruhig da und las wohl eine Zeitung, und da kreischte es auf einmal wieder. Das bin uh nun nicht gewöhnt, datz etwas getan wird, was ich eben vorher ernstlich verboten habe; und ich rief denn auch sehr ernst:Wulst ' ' ohl bleiben lassen!" und sah mich dabei um. Aber da Bubi, sondern an einer Stelle, too ich sie nicht gleich

war kein Bubi, sondern an einer Stelle, wo ich sie nicht gleich sehen konnte, saß die Helga. Die hatte das so geschickt nachge­macht, daß ich wirklich gedacht hatte, das wär der Bubi. Nun war natürlich die Freiide und der Jubel im Hause groß, datz die Helga das so geschickt machen konnte, daß, selbst der Papa Nicht merkte, daß sie es war und nickst der Bubi.

Aber nun tourbe diesesi" allmählich der Name für den Buben. Jedesmal wenn sie ilm sah, rief sie das, und wemi sie ihn draußen sprechen oder spielen hörte, rief fies auch. Und im Anfang genierte das den Buben sehr, und er meinte, er macht: doch gar nicht mehr so; und er hat sichs auch wirklich dadurch sehr stark abgöwöhnt. Aber bei der Helga hat ihm das nichts geholfen, da heißt er immer nochi". . .

Aber nicht der Bubi allein heißt so, sondern jedes kleine Kind. Sobald Helga ein kleines Kind sieht, dann macht sie ein vergnügtes Gesicht und kreischt losi"l. Und nach ganz kurzer Zeit brauchten das nicht bloß wirkliche lebeirdige Kinder zu setn, sondern es konnten auch Silber sein. Unb wir haben da im Zimmer einen wunberschönen kleinen nackten Jungen von August Kraus, der würbe zuersti" genannt. Und der war dann längere Zeit auch mit int täglichen Rundgang. Ich mutzte ihn heruitter- nehmen unb Helga klopfte ihm mit ber Hanb wohlwollend auf den Kops. So macht sies, wenn sie mit jemandem recht zufrieden ist. Mich klopft sie dann auf die SckMlter: und wenn sie felyi zufrieden ist, mit beiden Händen auf beide Scksultern. Das mackst sie besoichers, wenn irgenb ein anderer sie mir raegnehmen will ;unb wenn sie dann liebet bei mir bleiben will.

Die Tragik des persischen Frauenlebens schildert aus Grund genauer Kenntnisse Ella C. Sykes im National Geographical Magazine". Es ist ein trübes Bild, das uns aus dieser ausführlichen Darstellung, deren bezeichnendste Züge im Globus wiedergegeben werden, ent­gegentritt. Bis aus das Leben und Schicksal der Frauen erstrecken sich die modernen Reformen noch nicht, die sich nun auch im Lande des Schahs Bahn brechen; vielmehr ist ihr vom Eintritt in die Welt bis zum Tode, ja auch im Jenseits noch die schlechteste Seite des Dasein Vorbehalten. Den Perser lehren schon die Priester, datz er immer am besten fahre, wenn er gerade das Gegenteil von dem tue, was ihm eine Frau rät. Im Paradiese aber stehen auch den: ärmsten Gläubigen 72 engelgleiche Huris zur Ver­fügung, die ihm den leisesten Wunsch erfüllen und ihn

alle Frauen vergessen lassen, die er auf Erden gekannt Schon die Geburt eines Mädchens ist stets unwillkommen; mit 8 Jahren wird es bereits in den für die Frauen be­stimmten Teil des Hauses eingesperrt und zumeist ohne jede Bildung gelassen. Nur selten kann eine Perserin leserk und schreiben; sie verbringt ihre Zeit mit der Anfertigung von Stickereien, der Bereitung süßer Speisen und Getränks und im Geschwätz mit Dienerinnen oder Freundinnen. Ohne daß nach ihrem Willen gefragt wird, wird sie dem von den Eltern gewählten Manne in die Ehe ausgeliefert^ und ihr sehnlichster Wunsch ist mm darauf gerichtet, einen Sohn zu bekommen; denn nur dann kann sie die Zuneigung ihres Mannes erringen, während sie sonst von ihrem Manne entweder nach Hause geschicst wird oder zum mindesten etne Rivalin erhält. Nie kann das Weib die wirkliche Gefähr­tin des Mannes sein, denn ihr ganzes Leben ist von dem seinen geschieden; sie ist von seiner Welt wie von der Außenwelt überhaupt abgeschlossen. Auf der Straße, darf der Gatte seine Ehefrau selbst nicht grüßen, wenn er Jte unter dem dichten, sie verhüllenden Tschargat erkennt. >zhre Zeit verbringt die Perserin mit der Pflege ihres Aeußeren; sie schminkt und pudert sich in höchst barbarischer Weise, ge­braucht Kohle, um den Augen einen schmachtenden Blick zu verleihen und die Stärke der Augenbrauen zu erhöhen^ die über der Nasenwurzel zusammen zu stoßen scheinen, Ihr Haar schneidet sie quer über der Stirn zu graben Fransen und durchsticht es mit Pferdehaaren. Ihre kos­metische Verschönerung setzt sie dann int öffentlichen Bad ort, in dessen heißer, dampferfüllter Lust sie titele Sinn- den im Geplauder mit den Freundinnen verbringt und das ihre Hauptzerstreuung bildet. Die Dieneriniten färben thr Haar mit Henna und Indigo und verzieren ihr auch Finger­spitzen und Zehen mit dem scharlachroten Saft. Das Haus- gewand besteht im Sommer aus einer Jacke aus Gaze und kurzen, das Knie nicht erreichenden Hosen; diese Tracht soll Schah Nasr-ed-din ans Europa eingeführt haben, wo ihm das Kostüm der Pariser Balletteusen besonders im­poniert hatte. Das Einerlei der Woche wird am Freitag für die verheiratete Perserin durch einen Besuch der Mo- fcbee unterbrochen, wo sie in ihrem dichtvergitterten Käfig nur wenig von dem Gottesdienst sieht und hört. Der ein­zige Lichtstrahl in diesem düsteren Dasein ist die Liebe der Perserin zu ihren Kindern, die von diesen erwidert wird. Auch der Perser liebt seine Mutter, aber das hat keinen Einsluß auf das Benehmen gegen seine Gattin. Auch im Jenseits harrt der persischen Frau ein besonders tra- nifcbcd £o§. Sie toitb in bei* mit lufytert

Qualen geplagt, und um diesem furchtbaren Geschick zu entgehen, schmeichelt sie ihrem Manne Geld ab, verkauft wohl auch ihre Edelsteine, nur nm durch eine Pilgerreise nach Mekka das Paradies zu erlangen. .Aber auch wenn sie nach dem Tode glücklich die über die Hölle gespannte Strat- brücke, diedünner ist als ein Haar und scharfer als ein Schwert", überschritten hat, lebt sie in Abgeschlossenheit weiter; ihren Gatten trifft sie im Paradies nicht. *

humoristisches.

* Ach so«Warum redest du denn deinem Freunde Meier nicht zu, daß er beiratet?"Aber, liebe Else, er hat mir doch ntd)t* Am^Fernsprecher.Bist Du es, mein Liebling?"' Ja; wer dort?" ______

Namsnratsei.

Amanda - Elfride (Sagenie - Elisabeth Helene Paula Man ordne die vorstehenden Mädchennamen derart, datz der erste Buchstabe des ersten Namens, der zweue des zweiten, der dritte des dritten usw. wiederum einen Mädchennamen ergeben.

Auslösung in nächster Nummer.

Auflösung der Skat-Auigabe in voriger Nummer: Abkürzungen: tr Treff, p = Vigne, o == Coeur, car = Carreau, tIB Treff-Bube, pA = Pigue-Ap, cD Coeur-Lame u. f. f. Das Spiel geht verloren. Vorhand erhielt trB, carB, trK, eA, carZ carD, eaiN car8, car7, im Skat liegen trD und tr7; Rest für

Mittelhand.

Spielgaug:

1. V. cA M. cK

2. V. carZ Ni. pD

3. Al. trA H. pA

4. H. pB V. trB

H. cZ --- 25.

H. carA 24.

V. trK = (+ 26).

Dl. trZ 14.

Sa. 63 Augen.

Redaktion: K. Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'scheu Umversitäts-Luch- und Steindruckerei, R. Lange. (Sieben.