Hain. Der Brauch, die Gräber tiuf Johanni zu zieren, ist auch in Leipzig und in ganz Sachsen westlich der Elbe üblich.
Man mag von allen den alten, im Schwinden begriffenen Bräuchen halten was man will, sie beweisen die Liebe unseres! Volkes zu seinen Toten, und dieser edle Charakterzug verdient es, in jeder Hinsicht nicht nur geachtet, sondern auch gefördert Ku werden. Den klassischen Ausdruck für die Totenfeier hat Hermann von Gilm in seinem bekannten Gedicht „Allerseelen" gefundenr
Stell' auf den Tisch die duftenden Reseden, Tie letzten roten Astern trag herbei
Und laß uns wieder von der Liebe reden. Wie einst im Mai.
Gib mir die Hand, daß ich sie heimlich drücke, Und wenn man's sieht, mir ist es einerlei;
Gib mir nur einen deiner süßen Blicke, Wie einst im Mai.
blüht und funkelt heut auf jedem Grabe, Ein Tag im Jahre ist den Toten frei;
Komm an mein Herz, daß ich dich wieder Habe,
Wie einst im Mai. Hoerner,
Das Gewicht der Erde und des Mondes.
Die Bestimmung des Gewichtes der Erde ist ein altes Problem. Den ersten Versuch zu seiner Lösung unternahmen schon in den Jahren 1774 bis 1776 in Schottland Hutton und Maskelyne, indem sie die Ablenkungen beobachteten, die ein frei herabbängendes Lot durch die Anziehung des Berges Shehallien erfuhr. Sie sanden hieraus, daß die Erde etiva 4,7 mal schwerer sein miiffe als eine gleich große Kugel reinen Wassers. In neuerer Zeit hat man noch zahlreiche andere Methoden zur Anwendung gebracht. So bediente sich Prof. v. Jolly einer sehr empfindlichen Wage, die im Treppenhause des Münchener Universitätsgebäudes aufgestellt war. An jeder der beiden Wagschalen war mittels eines 20 bis 25 Meter langen Metalldrahtes eine weitere Wagschale befestigt. Legte man nun einen Gegenstand, z. B. eine Metallkugel, in eine der oberen Wagschalen und glich ihr Gewicht genau aus, so gab, wenn man die Kugel in die darunter befindliche Schale brachte, die Wage einen Ausschlag, da die Kugel infolge ihrer größeren Annäherung an den Erdmittelpunkt jetzt stärker angezogen wurde, also auch schwerer wog. Die Stärke der Anziehung läßt sich ferner noch dadurch verändern, daß man unter die Wage bezw. zwischen die beiden Schalenpaare eine schwere Metallmasse bringt. Auf diese Weise haben nun die Physiker Richarz und Krigar-Menzel jahrelang gearbeitet, indem sie in den Kafematten der Spandauer Zitadelle mit einem Bleiblock von 100 000 Kilogramm Gewicht operierten. Aus diese» Untersuchungen wurde für die durchschnittliche Dichte der Erdkugel der Wert 5,05 abgeleitet. Für den ganzen Erdball ergibt sich hieraus das stattliche Gewicht von 5960 Trillionen Tonnen. Andere Forscher sind in neuerer Zeit auf anderen Wegen zu ganz ähnlichen Ergebnissen gelangt: so fand der Jesuit Braun 5987, Prof. Wilsing 6100 Trillionen Tonnen.
Auch das Gewicht des treuen Begleiters unserer Erde im Weltenraum hat man in jüngster Zeit mehrfach zu bestimmen gesucht. Aus den Störungen, die der kleine Planet Eros auf seiner Bahn um die Sonne durch den Mond erleidet, berechnete Hinks, daß die Masse des Mondes 81,5 mal geringer ist als die der Erde, während früher Newcomb und Gill auf andere Weise die Zahlen 81,55 bezw. 81,76 erhalten hatten. Das Gewicht des Mondes würde hiernach nahezu 73,5 Trillionen Tonnen betragen.
Besser als diese trockenen Zahlen, die ausgeschrieben 20 bis 22 Ziffern aufweisen würden, dürften uns die folgenden Betrachtungen eine Vorstellung von der Größe der beiden Gestirne vermitteln. Denken wir uns einmal vor die Aufgabe gestellt, Erde und 'Dionb abzutragen und in Güterzügen von je 100 Achsen Stärke zu verfrachten. Alsdann könnten wir, wenn in jeder Sekunde ein solcher Zug abgefertigt würde, im Laufe eines Jahres rund 1594 Milliarden Tonnen abfahren. Um den ganzen Erdball zu verladen, würde ein Zeitraum von nicht weniger als 378 Milliarden Jahren erforderlich sein, während beim Mond die Buddelei „nur" 4,6 Milliarden Jahre dauern würde. Die Länge des Eisenbahnzuges, der den gesamten Erdball enthielte, würde über 4% Trillionen Kilometer betragen oder etwa das ItzO OOOsache der Entfernung des nächsten Fixsternes von der Sonne. Ein Lichtstrahl würde, um von der ersten Lokomotive bis zum letzten Wagen dieses Zuges zu gelangen, mehr als 500 000 Jahre unterwegs sein.
Die Tanzkunst der Großvaterzeit.
Welche Tänze die deutsche Jugend um 1820 zu erlernen hatte, geht aus einet hübschen Annonce hervor, die ein durchreisender Tanzlehrer damals im Stader „Jntelligenzblatt" erließ Sie lautet: „Unterzeichneter nimmt sich die Ehre das hiesige geschätzste Publicum zu benachrichtigen, daß er in der Tanz und Fechtkunst Unterricht allhier zu ertheilen gesonnen ist, er schmeichelt sich die größte Zufriedenheit derer Eltern zu erhalten, welche ihm ihre Kinder an- vertrauen werden, um sie in kurzer Zeit sowohl im körperlichen Anstande, wie auch in der Tanzkunst zu bilden, auch macht er sich verbindlich in 48 Stunden feinen Eleven folgende gesellschaftliche
Tänze zu lehren: Walzer, Hopsa-Walzer, Russischer Walzer, 20 verschiedene Ecossaisen, Klatsch-Ecossaise, Ecoffaise a la figaro, Francaise, Compliment francaise, Monfatino, Russieirne, Tarnpete mit verschiedenen Touren, Seize, Walz-Tarnpete, Reifen-Tanz, Triolett, Contratanz, teutidje Quadrille, russische Quadrille, Marsch- Quadrille, Klatsch-Quadrille, Kegel-Quadrille, Cotillon, Polonaise, Pantoinirna, Souvage, Marsch-Walzer ober Abklatsch-Walzer, Fandango, Pergadier, Caprice, Pausen-Ecossaise, Kosackisch.
Auch stellt er es den Eltern anheini, wenn sie mit Recht gegen seine Lehrart ober sonst etwas einzuwenden haben, ihre Kinder zurückzuhalten.
Aioniag den 14. April wird er mit den Unterschriebenen den Anfang beginnen und ertheilt den Unterricht bei Herrn Le^icke im Gasthofe zum Herzog von Oldenburg. Er ersucht höflichst die Eltern, die ihm ihre Kinder anvertrauen wollen, gütigst baldigst dies zu bewerkstelligen. Earl Haubes,
Ballett Tänzer und Lehrer der Tanz- und Fechtkunst aus Düsseldorf."
Wahrscheinlich hat es dem Lehrer so vieler verschiedenartiger Tänze an Zuspruch gesthlt. Die Zeitschrift „Niedersachsen", die seine erste Annonce wieder ausgegraben hat, gibt auch folgende wieder, mit der er sich einige Wochen später an die Stader Tanzlustigen gewandt hat: „Da ich bei meiner Einladung zur Beurtheil- ung meuter vorzustellenden Tänze die Ehre nicht hatte, viele hohe Hoiwrationen anzutreffen, so erwähle ich den Weg der öffentlichen Bekanntmachung, um anzuzeigen, daß ich Freitag den 2 ten Mai b I., Abends 8 Uhr, bei Herrn Knhirt auf dem Raths-Weinkeller, die Ehre haben werde, meine Talente in der Tanzkunst vorzutragen und werde 1. mit Holzschuhen, 2. Kosackisch in Stiefel und Sporen, 3. ein Spring-Solo, 4. mit gebundenen Füßen, tanzen. Meine einzige Absicht hiermit ist, mich jämmtlichen geehrten Herrschaften als Lehrer der Tanzkunst gehorsamst zu empfehlen, und bitte diejenigen erqebenft, die Unterricht zu nehmen annoch geneigt sind sich baldmöglichst zu melden. Carl Haubes,
Ballettänzer, Tanz- und Fechtlehrer."
Vermischtes.
v, * Silbertrompeten für das Durbar. In London sind soeben 24 Silbertrompeten fertiggestellt worden, mit denen die Stabstrompeter die Krönung des englischen Königs zum Kaiser von Indien feierlich verkünden sollen. Jede dieser Trompeten hat einen Wert von 400 Mark. Die Banner, mit denen sie geschmückt werden, werden in Indien hergestellt. Nach dem Gebrauch werden die Trompeten als Erinnerungen an den großen Tag aufbewahrt werden. Der König wird selbst eine davon als Andenken behalten, eine zweite davon bekommt der Vizekönig, und noch andere werden an hervorragende Persönlichkeiten verteilt werden.
* Hundert Glatzköpfe werden in den englischen Zeitungen für die um Weihnachten in London zur Aufführung gelangende Reinhardtsche Pantomime „Das Wunder" gesucht. Bewerber müssen sich durch eine vollständige Glatze ausweisen. Ihren Kahlkopf darf kein einziges Haar zieren, abgesehen von den üblichen kleinen Haarbüscheln oberhalb' der Ohren. Außer dem Kahlkopf sollen die Leute .auch noch möglichst weiße und vor allem möglichst lange wallende Bärte besitzen. Je älter und schwächlicher die gewünschte^ Statisten in ihrer äußeren Erscheinung sind, umsomehr entsprechen sie den künstlerischen Anforderungen des Regisseurs des „Wunders".
* Eine Antiquität. Professor (der ein altes Schloß besichtigt, zum Kastellan): „Also das ist Ihre Tochter . . . .> hm, hm, knüpfen sich an die Dame auch historische Erinnerungen?"
* I n der Instruktiv nsstunde. „Piefke, was verstehen Sie unter theoretischen Unterricht?" — „Einen Unterricht, welcher nicht praktisch ist, Herr Unteroffizier!"
* Widerspruch. „Was ist Ihr Neffe, der Lerschwender?" —t „Oekonom!"
vuchstaben-Lharade.
Nicht jeder, der die ersten vier uns beut, Muß brum als „gottbegabt" geprieien werden;
Die zweiten vier schließt meist die Menschheit heut Anstatt im Himmel droben — hier auf Erden.
Und so geschieht es jungen Mädchen oft, Daß sie, verblendet von den ersten Vieren, Tie Zweiten schlossen. Lieb' und Freud' erhofft, Und durch das Ganze all ihr Glück verlieren.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung der Dechiffrier-Ausgabe in voriger Nummer: Das sind die Weisen, Die durch Irrtum zur Wahrheit reisen.
Die bei dem Irrtum beharren. Das sind die Narren.
Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Unioersitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen,


