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wandere« dieses Gericht erst in Amerika heimisch gemacht Haven, Von tos aus es als Fremdling jetzt in die Heimat zurückkehrt.
Ganz besondere Aufmerksamkeit toerben die Hausfrauen auf die Verwendung der Reste legen müssen. Semmelreste lassen sich so gut zu Klößen und Puddings, Schwarzbrotreste zu Auflälifen, Puddings und dem niederdeutschen „Pracherknchen" hernehmm. Man stößt und siebt hierzu altbackenes, im Ofen geröstetes Schwarzbrot und mischt es mit gestoßenem Zimt, Zucker und einigen gehackten süßen Mandeln, während man 500—600 Gramm Aepfel schält, vom Kernhaus befreit, in Scheiben schneidet und in etwas Wasser mit Zucker leicht überkochen und abtropfen läßt. (Die Aepfel kann man auch nur einzuckern, mit etwas Rum besprengen Und ente Stunde so stehen lassen.) Eine nicht tiefe, feuerfeste Form wird sodann mit Butter ausgestrichen und überall mit geriebenem Brot bestreut; als Unterlage dann eine Schicht geriebenes Brot gegeben, darüber die Aepfel, hierüber wieder das andere Brot und ganz obenauf einige Bntterflöckchen getan, läßt man die Speise, die in der Form aufgetragen wird, eine Stunde im Ofen backen. Will man es „feiner" haben, so überfüllt man die Brotmasse jedesmal mit etwas saurer Sahne; und dabei hat diese, zum Nachtisch sich sehr gut eignende Speise den Vorteil, daß man keiner teuren Eier und dergleichen bedarf. — (Uebrigens kann man anstatt des Schwarzbrotes aust gestoßenen, gesiebtem Und gerösteten Zwieback nehmen!)
Während dieser ersten Herbstzeit verfügt die Küche noch über Sommeräpfel, Hasenköpfe z. B., welche für alle Arten Kompott sehr schmackhaft sind. Tie späten Apfelsorten, die Anfang Oktober abgenommen werden, müssen, gut aufbewahrt, noch mehrere Wochen nachreifen, nur dann im wahrsten eimte des Wortes Weihnachts- äpfel zu sein. Außerdem kommen Birnen und Pflaumen, Weintrauben und Roseufrüchte (Hagebutten) in Betracht, ferner die spätreife Quitte, die besonders für die Krankenküche geschäht ist. Und der wohlfeile Mrbis; Meint Einkauf von Kürbis muß darauf geachtet werden, daß man ihn nicht aus dumpfigem Keller kauft; ebenso darf Mrbis nie. int Keller ausbewahrt werden, da sein Fleisch gern das muffige Kelleraroma annimmt. Auch soll man den Mrbis immer ziemlich dick schalen, da härtliche, sehnige Stellen oft direkt unter der Schale sitzen; dazu soll man ihn gut von allen Kernen und Fasern befreien; uttb das ganz mit Fasern durchzogene Fleisch nicht zubereiten. Eine beliebte Zu- sammenstellnng ist Mrbis mit Reis, wobei ihm der Reis einen Teil seiner Schwerverdanlichkeit nimmt. Aus der französischen Küche stammt die Vorschrift zu der folgenden gebackenen Kürbis- speise;
Der in Scheiben geschnittene Kürbis wird in schwach gesalzenem Wasser weich gekocht, abgetropft und durch ein Sieb gerührt. Dann mischt man ihn über gelindem Feuer bei stetem Rühren mit 125—150 Gramm zerlassener Butter, zwei bis drei verquirlten Eiern, 100—110 Gramm geriebenem Parmesankäse Und ein wenig Salz, füllt die Masse in eine nicht zu tiefe, feuerfeste Schüssel oder Form, überstreicht die Oberfläche mit Ei, bestreut sie mit geriebener Seminel und läßt die Speise im Ofen hellbraun backen.
Alle Wbengemüse, Mohrrüben, weiße Rüben, Kohlrüben, Sellerie sind klein geblieben, und grüne Bohnen, die man sonst von später gelegten Beeten bis in den November haben konnte, sind kaum zu sehen. Die Pilzernte konnte bei der Dürre auch teilte reiche Ausbeute liefern, und da das Sommergemüse so knapp Und teuer war, so sind die Konserven natürlich ebenfalls teuerer ckls sonst !
Teurer, ach, alles teuerer! — oder haben die Hausfrauen von den zur Zeit der ersten Futternotwochen sinkenden Viehpreisen vielleicht etwas gemerkt? Rein — denn im Kleinverkauf hielt man die gewohnten Preise, und dadurch beläuft sich auch Wild und Geflügel, oft geradezu erstaunlich hoch. Hühner und Tauben haben schon seit zwei Jahren Preise, die sie in das Bereich der Leckerbissen verweisen, und was der Wildgeflügelmarkt an Rebhühnem noch darbietet, deren es in diesem Jahr größere Mengen als int vergangenen gab, so wird allenthalben über Kleinheit und Magerkeit geklagt.
Mer, Butter Und Käse sind schon seit September im Preis gestiegen,. und die Ersatzfette für Butter, Schmalz und Talg sind ebenfalls teurer —.genau so wie die anderen Ersatzmittel: Marmelade und Honig.
„ So soll namentlich auch der Heidehoitig nur geringe Erträge liefern, weil die Entfaltung der Heideblüte (Erika) durch die Hitze des Nachsommers gelitten hatte. Erst die neueste Zeit hat sich übrigens wieder mehr mit dem Honig beschäftigt, den Man vor ungefähr vierzig Jahren, weil er „süß" war, als Näscherei und Leckerei bezeichnete. Tas aber ist er auf keinen .Fall, sondern stellt ein pollwertiges Nahrungsmittel dar und macht auch seiner im Volksleben beobachteten Heilkraft noch immer Wre. Ein halbes Mo echter Honig ist zurzeit unter 1,20 bis 1,40 Mark nicht zu haben. Den unverfälschten Honig erkennt Uran daran, daß er nicht 'klar und flüssig bleibt, soirdern kristallisiert Und fest wird. Um ihn wieder flüssig zu bekommen, hält man das Glas vorsrchtrg in warmes Wasser . . T
Auf dem Wildmarkt herrscht, neben Reh, Hirsch und Wilds' schwein, der Hase. Auch für diesen hat seit ungefähr zwei Jahren sein gewohnter Preis von 3 bis 4 Mark sich auf 4 bis 5 Mark erhöht, so daß er — rechnet znan noch den nötigen Speck, Butter und saure Sahne dazu — für einen „Familienbraten" zu teuer ist. Und so sind die Kalbskeule und der Hasenbraten auch endgültig aus der Liste der Familienbraten gestrichen worden!
VevmZsichtes.
— Der Kö rp e r g er u ch a l s Rasseneigentümlich- keitist von dem italienischen Forscher Dr. Ättilio Clemente zum Gegenstand einer Untersuchung gemacht worden. Nach der „Umschau" ist danach nm bekanntesten und ausgeprägtesten der auch für wenig empfindliche Nasen deutlich wahrnehmbare Geruch der Neger, den viele mit dem eines Ziegenbocks vergleichen, und der nicht minder peinliche der Mongolei:, Malaien unb deren Mischlinge, die allerdings ihrerseits behaupten, daß der Europäer einen ihnen nicht weniger unangenehmen Leichengeruch ausströme. Auch den Rothaarigen soll nicht selten ein ausgeprägter Körpergeruch eigen sein und von blonden Frauen wird behauptet, daß sie häufig nach Ambra und Moschus dufteten, während die dunkelhaarigen nach. Veilchen röchen. Tie Ursachen der verschiedenen Körpergerüche liegen auf ebensoviel verschiedenen Gebieten. Hinsichtlich der Rassen und großen Völkergruppen, kommen hier zweifellos die .großen Unterschiede in den Ernährungsgewohnheiten, ferner Unterschiede im Funktionieren der Verdaunngs- organe, daneben aber auch die unterschiedliche Arbeit der Schweiß- unb Fettdrüsen der Haut in Betracht, deren Sekrete obendrein noch durch die Tätigkeit der in verschiedenen Klimaten unb Ländern vorherrschenden BcM'rien zu verschiedenen Riechkörpern ab- gebant werden.
* Scherz unb H «tu o c in der Mu11erspra ch e. Nicht selten spielt der Mensch in der Sprache die Rolle eines Schisses. So n i m in t z. B. ein Heiratslustiger einen guten Freunds dem er eine Herzensangelegenheit aiwertrauen möchte, nachdem dieser nach allerhand Einwendungen endlich die Segel gestrichen hat, insSchlepptan oder lotst ihn mit sich unb legt s t ch mit ihm etwa in einem gemütlichen Wirtsstübchen vor Anker. In der mmmehr anhebenden Unterredung hat er ihn bald im richtigen Fal>rwasser unb steuert sodann gerade aus sein Ziel l o s. Die Ratschläge des Freundes sind ihm förderlich, und er läuft glücklich in den Haien der Ehe ein. — Sagt man von einem, der im Trinken des Guten ein wenig zuviel getan hat und dies durch seinen unsicheren Gang zu erkennen gibt: er ist im Sturm, oder er laviert, so erscheint auch hier wieder der Mensch als ein Schiff, und zwar als ein bei stürmischer See aus den Wogen dahintreibendes Schiff. Der Schifferansdruck „lavieren" bedeutet ja: während eines widrigen Windes im Zickzack segeln, um die Richtung nicht zu verlieren. Es geht zurück aus holl. Iav6ren, das wieder aus dem älteren loeven (von loef — Windseite des Schiffs, nhd. Luv) — später mit der fremden Endung versehen loeveren — verderbt ist. — Eine übertrieben geputzte Frau ober, die auch durch ihren gespreizten Gang die Blicke der Leute auf sich zieht, nennt man wohl, wenn sie so dahergesegelt kommt, scherzhaft eine ausgetakelte Fregatte. Imme (Essen).
* Unter Kameraden. „Aeh, äh, Kamerad, Ihr Töchterchen ist für ihr Alter schon recht vernünftig!" — „Kein Wunder l Stammt ja aus Vernnuflehe!"
* Vor einer Hebung. Die Batterie tritt morgens Vs4i Uhr an. Der Wachtmeister stehl vor der Front unb verliest. Ein Zuspätkommender flitzt gerade noch ins Glied. Der Wachtmeister bemerkt den Uebettäter und haucht ihn folgenberinaßen ant „Verfluchter Kerl, wo haben Sie sich denn den ganzen Vormittag berumgetrieben?"
* Erkannt. Gast: „Der Kognak kommt mir heute recht wässerig vor." — Wirt: „Ah, Sie braucheil einen Vorwand,: um noch einen zweiten zu trinken!"
VscsteSrätiel.
Man suche ein Sprichwort, dessen einzelne Silben in folgenden Wörtern versteckt sind, wie die Silbe „an" in „Wanderer".
Ingermanland — Solling — Judasbaum — Kindergarten — Vergißmeinnicht — Heilmittel — Demosthenes — Wechselbank — Redefreiheit — Faustrecht — Schützenfest — Gutenberg.
Auflösung in nächster Nummer;
Auflösung des K'reuzrätscls in voriger Nummer: A A V c p e her
Achil lens Apeldoorn Verlobung e o n u r n s n g
-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.
Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Umversitäts


