Ausgabe 
31.12.1910
 
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SIS

graben Leuten Kummer verursachen töte mir. Da hast du meine Meinung!"

.. Alfred rollte die Augen und schlug mit beiden Misten M dre Bettdecke.

, »Ich soll wohl so ein alter verknöcherter Junggeselle werden! wre du?' Lärmte er.Immer auf die Pfennige achten und eine! Sammlung von Staatspapieren anlegen? Lieber will ich ar* beiten wie ein Ackergaul, lieber will ich am lebendigen Leibe vev- hungern. Du hast ja kein Gemüt. Du gönnst mir mein Glück! Nicht. Aber mit oder ohne deine Genehmigung: Else wird meine! alles!'7 Se toiI( aIIed mit mir teilen, hat sie mir geschworen«

Mein Gewissen könnte mich allenfalls dazu treiben, dafür I 6M sorgen, daß aus der Verbindung nichts wird. Tas Mädel Mt Mir lech mch die Eltern noch Mhr, dn MG dvr

Hier blieb er ein Weilchen allein sitzen, bis der Herr des . Hauses erschien und den Gast mit gewohnter Herzlichkeit begrüßte« Der joviale Rechnungsrat erkundigte sich mit scherzhaften Worten! nach den Wirkungen des Silvesterpunsches mtb sprach dann Boni diesem und jenem, so daß. der junge Mann vergeblich nach einem! Passenden Anknüpfungspunkt für seine Werbung suchte.

Alfreds Gesicht war erschreckend in die Länge gegangen. ?

Was ficht Sie nun an, bester Freund, daß Sie biefen harnt* losen Silvesterscherz zu einem ehelichen Drama, am Ende gar zu! einer Tragödie gestalten wollen? Da kommen Sie im Frack und weißer Halsbinde nitb wünschen mein Schwiegersohn zn werden?! Ist das nicht unbesonnen, ist das nicht geradezu verwegen?"

Es ist mein heiliger Ernst!" beteuerte der andere.

Eben weil es Ahr Ernst zu sein scheint, glaube ich, 'daß meine Bowlen doch nicht fo vortrefflich waren als. Sie vorM» behaupteten." '

Herr Rechirungsrat!"

Alfred erhob sich in gemessener Haltung.

A Antrag war feer eines ehrlichen Mannes, Ser M M

Inzwischen hatte auch Onkel Müller ein Selbstgespräch ge-, führt, aber unhörbar leise. Tragische Konstikte konnten es nicht fein, die ihn beschäftigten, denn er lächelte mehrmals vor sich hin- und als geraunte Zeit vor dem Neffen das Haus verließ, blickte er stillvergnügt in den Neujahrstag hinein, und wenn ihm ein; Bekannter zum Jahresbeginn Glück wünschte, so dankte er mit gewinnender Liebenswürdigkeit.

Alfred war enttäuscht, daß ihn Else nicht empfing, als er irt gehobener Bräutigamsstimnrung an der Tür ihres elterlichen Heims Einlaß begehrte. Sie hätte ihm doch wenigstens vont Fenster! aus ein freundliches Zeichen geben können. Aber sie blieb nn- sichtbar. Wie üblich, öffnete das Dienstmädchen und führte den! frühen Besucher sogleich in den Salon.

daß ihm feer Onkel in seinem Hause tin schlecht möbliertes Zimmer als Freiwohnnug einräume.

Der Onkel hätte als der Aeltere das letzte Wort behalten rpollen und int Unfrieden war man auseinandergegangen

Morgens um vier Uhr war Herr Waldemar Müller aus holdem Schlummer unsanft aufgeschreckt worden. Unter entsetz- richem Gepolter hatte sich etwas die Treppe hinaufüewegt. Er hatte erst an Einbrecher und sogar an Gespenster geglaubt, aber plötzlich vernahm er die zu kreischender Höhe gesteigerte Stimme des hosfnuitgsvollen Nesseu, wie sieFreut Euch des Lebens" durch das nachtstille Haus schmetterte. Ein halbes Dutzend Ton­arten schien für diese unzeitgemäße Gesangsprobe noch nicht ge­nug zu sein, Dur und Moll bildeten ein schaudererregendes Durch- , einander. Tann flog als stimmungsvoller Abschluß mit gewal- I /"°. ay genügt! erklärte Herr Müller trocken, sich zum gehen! tigern Krach die Tür ins Schloß, noch ein endloses Gepolte«, I fachend.Der Herr Rat und Frau Gemahlin werdens sich ohne! ünd erst gegen fünf Uhr stellte sich auch im Zimmer des liebwerten | genügen lasien.'

Neffen und angenehmen Freiwvhners wohltuende Ruhe ein. | ftanb schon auf der Schwelle.

Ter alte Herr hatte ein paar Mal aufspringen wollen, um fdilie'S?" Verlobungsfrnhstuck wirst du dich doch nicht ff SffSS»» fiSäS 'laichte falsch verswiideu zu hab»,

Äenh MrC voraussichtlich noch ärger >Ife !vollte>n Kuvert für dich mit auflegen."

Also die Abrechnung bis auf Neujahrsmorgen verschieben. I Und "wenn mm der Papa ^ein"" sagtverabredet?

^ann sollte sie gründlich vollzogen werden. IDer ist nicht so graufant wie gewisse Leute."

Mit finsterer Miene hatte Herr Müller seinen Morgen- I . -A? / die gewissen Leute nur gleich von vornherein aus

kaffee getrunken, nun wickelte er sich fester in seinen Schlafrock, I Spiel. Meine Gratulation schicke ich dir schriftlich. Adieu!" setzte die Mütze auf und stieg die Treppe zum Zimmer Alfreds I . Alfred war allein. Niemand lauschte mehr dem Monologe«

empor. I der beredt über seine Lippen floß, niemand war es vergönnt, zn

Ta die Tur nicht verschlossen war, so konnte er ungehindert beobachten, in welcher eigenartigen Auffassung er die Rolle des eintreten. rasenden Roland spielte.

Ein Blick überzeugte ihn, daß die Ursache seines Verdrusses Aach dieser wirklich hervorragenden Leistung warf er sich »och im festen Schlaf lag, aber er war nicht gewillt, jetzt noch I dem Ausdruck unbeugsamer Entschlossenheit in seinen Frack- Rücksichten zu üben. I anzug, um den entscheidenden Gang zu der Wohnung der Familie

An das Bett tretend, schrie er dem Schlummernden ein » Haff anzutreten, höhnischesProsit Neujahr" ins Ohr und als der dadurch Er­munterte sich voll Verwunderung aufrichtete, bekam er ohne weitere schonende Vorbereitung die in der schlaflosen Zeit von vier bis filils Uhr früh in Gedanken sorgfältig ausgearbeitete Strafpredigt zu hören.

Sie war erschöpfend und deutlich, aber der, den sie anging, störte sie durch keinen Zwischenruf und verriet durch keine Ge- verde, daß sich der Geist des Widerspruchs in ihm regte.

Er wartete geduldig, bis eine längere Pause verriet, daß der Onkel vorläufig nichts .mehr zu sagen habe und begann dann seinerseits:

Tu hast ganz recht, ich bin ein--Na, um es milde

'auszudrücien, unangenehmes Individuum und ich halte es auch für gerechtfertigt, daß du mir quasi die Tür zeigst. Nur hättest vn mir das alles, unbeschadet seiner Wirkung, ebensowohl ein paar Stunden später eröffnen können. Tu bringst mich durch dein ungestümes Vorgehen um einen höchst feierlichen Moment." Und als der Onkel die Stirn runzelte:Glaube iiicht, daß ich wieder einen frivolen Scherz beabsichtige! Meiner animierten . .

Stimmung in letzter Nacht lag eine ganz ungewöhnliche Ver- I Endlich glaubte er ihn gefunden zu haben und in wohlgesetzte« anlaffung zu Grunde und ich würde nicht versänmt haben, sie i Rede bat er um Fräulein Elsens Hand, die für ihn das Glück Mr nachher in angemessener Form mitznteilen. Nun magst du schon I seines Lebens bedeute.

. KS? Situatiou davon Kenntnis nehmen Also I Merkwürdig, daß der Rat so apathisch zuhörte, daß er gar

baffe auf t(9 Wt Mich verlobt! Bitte, setz dich dort! nicht erstaunt tat und noch weniger in freudiger Rührung anfwallte« ; ®« B-W-««» EI-, s- e-ÄSf&Ä? br*e ** **"** M

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feie ift~e8^in®eftern abmd""nack^de^dritten Surfe <rnfieü~hT I aaden mir soeben die Versicherung, meine Bowlen feien!

«ns den Verlobunaskiiü aeaeb^, I schnell ausgezeichnet bekommen, Sie hätten effektiv nichts beite

kFz dir SS Milbern? Seien Sie ehrlich! Ich will Ihnen nicht zu nahe treten«

too diskret fn nefiein in'Sf i d-eru? ia, ^s war ^kolossal nett. I aber um Mitternacht herum waren Sie doch, was der Engländer Hrnite vormittag boke icb mir fJS!etn.er- | sehr drollig üpsi) nennt. Es bedarf keiner Entschuldigung, wir Rekiae UeBerratoimo iSTn La rS I waren ja alle mehr oder weniger tipsy. Ich muß diese Tatsache!

Vorarbeiten «St»3 tt Si^en. I bet Ihnen nur deshalb feststellen, weil Sie mir als Erklärungi

ffier konnte n8'um m I bic Wahrnehmung galt, daß Sie bald nach dem Slustausch

lachte mit Sleftenhem {SnXawnP* 3 1 I)aHelL Er I der Gratulationen in einer Fensternische einer jungen Dame!

J verEdovbem Sarkasmus. I allerlei Artigkeiten sagten. Daß diese Dame meine Tochter war,

Solch ein gluckt, hielt ich für einen Zufall und grollte Ihnen nicht. Meine Elfe!

eiaentiMi1 ^ch ''m. »^'f ch eidenheit Nimmt Mich aber | hats Ihnen ebensowenig nachgetragen, denn heute beim Kaffee!

aräfin oder .einer Reichs- | plauderte sie äußerst vergnügt über die kleine Szene und nannte

Uun eini' ~M s mcht tun. Und I Sie wiederholt ihrenschmachtenden, Ritter", Aber mißfällt Ihne!«

nun eine Einfache Rechnuiigsratstochter! Wer wird denn da das Wort vielleicht?" die nötigen Reichsmärker beifteueru? Rechmmgsrat Hoff hat 1 " ' - -j - - "

nirc sein bescheidenes Einkommen und bei einer leidlichen Aiis- fteucr wird s seni Bewenden haben. Was du verdienst, reicht Nicht einmal für deine eigene Person. Soll ich nun vielleicht Seinen Familienetat bestreiten helfen? Mach dir keine Illusionen!

Tn hast mich bei der Wahl deiner Zukünftigen nicht gefragt, M nehme auch nicht das geringste Jnteresfe an dem weiteren Verlauf feer Sache."

- -- Onkel!" Aber der Alte beobachtete feen gereizten Zwischen?- PWq lllujt.