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Gül- . . Der Ktiegsgerichtsrat legte das Schreiben 'geöffnet auf den Tisch und einen zweiten Brief, den er aus hxn Akten hervorzog, unmittelbar daneben. . . .Ich habe tfun noch etwas zu erwähnen. Der Gerichtshof hat durch einen Zufall dazu veranlaßt Gelegenheit genommen, die Denunziation mit dem Briefe zu vergleichen, den Sie, Unädige Frau, Uns in Bestätigung unserer Zeugenladung Aukommen ließen. Dabei ist uns denn aufgefallen, daß die Handschrift beider Briefe eine gewisse Aehnlichkeit zejgt. Da nun Ihre Aussage immerhin von Einfluß auf die Straf­bemessung sein könnte, so haben wir uns veranlaßt gesehen, zwei vereidigte Schreibsachverständige zu Rate zu ziehen. Sie haben erklärt, daß der Duktus der Handschrift in den beiden Briefen sich in der Tat ähnle, wenigstens teilweise ungefähr die Hälfte der Denunziation sei von der Schrei- benn dieses zweiten Briefes geschrieben worden, aber ver­stellt; dann aber habe eine andere Feder die Fortsetzung geliefert. Letzteres ist augenscheinlich. Wollen Sie zu dieser

sich dabei freilich nicht einlässen; aber am persischen Hofe sah man nicht sonderlich darauf. Eines Tages erschien auch ein javanischer Prinz, der in Wiesbaden zur Kur weilte, aus Empfehlung des Herzogs von Wecken in Schratt­stein, Um die Fabrik zu besichtigen. Er hieß Chowfa! Kerom Luang Narisra Nuvatrivongse, hatte ein braunes Gefolge Wit sich, begeisterte sich für Friedel halb-süß und wollte sich für die Errichtung einer Filiale in Semarang inter­essieren.

Auch ein Brief vom Herzog war eingetroffen. Nur wenige Zeilen: der Termin der Ballonprobefahrt war nun bestimmt auf den dreizehnten Juli festgesetzt, einen Freitag. Ein Freitag und noch dazu ein dreizehnter: das hielt Abeelen für glückbringend. Bis dahin konnte auch die silberne Hülse für die Taufsektflasche fertig sein. Feßler, der die- Skizze dazu entworfen hatte, sprach einen Tag über den andern bei dem Goldarbeiter vor, um die Arbeit zu beschleunigen. Er hatte feine Trompete liegen lassen und kam nicht vom Zeichentisch fort. Die Plakate für die Excelsiormarke machten ihm Kopfschmerzen. Drei Entwürfe hatte er bereits kassiert; sie waren ihm nicht originell genug.

Am siebzehnten Juni sand die Hauptverhandlung gegen Fritz in Sachen seines Duells statt. Er war schon am Abend porher in die Garnison gefahren und hatte in seiner dortigen Wohnung übernachtet. Sein Bursche hatte die Parade­uniform zurechtgelegt; es war vermutlich für lange Zeit das letzte Mal, so sagte sich Fritz, daß er die silberverschnürte Attila anzog. Er sand das Gericht bereits versammelt) einen Major, der unter buschigen Brauen ziemlich grimmig dreinblickte, einen milder ausschauenden Rittmeister, einem Oberleutnant und zwei Mieasgerichtsräte.

Da die Boruntersuchung den Tatbestand bereits völlig klargestellt hatte, so handelte es sich nur um Formalien. Die einzige Zeugin, die noch nicht gehört worden, war Frau Diane Helldorf. Sie wär zur Stelle: frisch wie eine Maien­blüte, wunderschön.mit ihrem sanften, von blondem Häar Umrahmten Madonnengesicht und in einer höchst geschmack­vollen Promenadentoilette. Sie sollte aussagen, was sie über den Streitfall zwischen Leutnant Friedel und Herrn Spänuuth wüßte.

'Wer sie wußte nichts. Sie erklärte, sie habe abseits gestanden und kein Wort von dem gehört, was die beiden Herren miteinander gesprochen hätten. Nun kam der dienst- älteste Kriegsgerichtsrat, der die Verhandlung leitete, auf di,e pseudonyme Denunziation zurück. Und da schien es ?ineti Augenblick, als wolle der Prozeß eine unerwartet sensationelle Wendung nehmen.

Kennen Sie diesen Brief, gnädige Frau?" fragte der Kriegsgerichtsrat und überreichte Diane das Schreiben.

Sie nahm es, schaute es an und erwiderte kopfschüt­telnd:Nein, ich kenne ihn nicht."

Er ist mit dem Namen eines bekannten Weinhändlers in Wiesbaden unterzeichnet. Der ist jedoch nicht der Schrei- NHr; es liegt also eine Fälschung vor. In dem Briefe tpird behauptet, Leutnant Friedel habe den Streit mit Herrn Spanililth Absichtlich provoziert, um eine alte Gegnerschaft Hum Austrag zu bringen, und Sie, gnädige Frau, werden als Zeugin benannt."

Ich kann nur wiederholen, daß ich von dem Streite der Herren absolut nichts gehört habe. Auch Herr Spänuuth selbst hat ihn mir gegenüber mit keinem Worte erwähnt."

Beurteilung der Sachverständigen eine Erklärung !a!b gedeih gnädige Frau?"

Eine kürze Stille entstand. Fritz, der in militärisches Haltung etwas seitlich vom Gerichtstische stand, schaute be-, fremdet auf Diane. Der Major putzte seinen Küeifer; der Rittmeister, ein langer Ulan, der der ganzen Geschichte sichtlich wenig Interesse entgegenbrachte, zeichnete Meuzß und Querstriche auf das vor ihm liegende Papier; hev Oberleutnant pausierte in seinem Protokoll. Mit großer Aufmerksamkeit beobachtete der zweite Miegsgerichtsrat die .Szene. Er hatte Kriminalinstinkt.

Diane lächelte, anscheinend ein wenig verlegen. Es war sehr heiß im Zimmer. Sie tupfte mit ihrem kleineü,- bunt bordürten Taschentuch über ihre Lippen und erwiderte sodann etwas zaghaft:Vergebung aber ich verstehe nicht recht. Soll das heißen, daß man mich mi ch bezich?» tigt, die Denunziation verfaßt zu haben?"

O nein Pardon," entgegnete der Berhäudlungs-. führer.Von einer Bezichtigung ist keine Rede. Ich habe nur das Urteil der Sachverständigen wiedergegeben, das ittl Ihrer Handschrift und der der ersten Hälfte der Denunziation eine Aehnlichkeit sehen will. Nun gebe W ohne weiteres W, daß solche Aehnlichkeiten täuschen können. Immerhin! war ich genötigt, auf die Tatsache hiiHüwcrsen."

In die Wangen Dianes war eine leichte Blutwelle gestiegen. Aber sie blieb sehr ruhig.So habe ich also,! nichts weiter zu erwidern," sagte sie,als daß ich den' Borwurf einer Denunziation mit Abscheu von mir weise. Ich bin außerdem der festen Ueberzeugung, daß Herr Leute, nant Friedel niemals aus irgendwelchen unlauteren Grün­den einen Streit mit Herrn Spannuth provoziert haben! würde."

Das genügt uns vollkommen. Wenn Sie dieser Uebere zengung sind, hätte eine Denunziation gar keinen Zweck, Damit zerfällt auch die Annahme der Sachverständigen', Besten Dank, gnädige Frau." ,

Diane wurde entlassen. Sie neigte grüßend den hüb­schen Kopf, zunächst vor dem Richterkollegium, dann von Fritz, und ging. Aber ein zartes Parfüm blieb zstrück.

Das Urteil lautete auf acht Monate Festung. Das Ge­richt ging von der Ansicht aus, daß dem Angeklagten Glau­ben geschenkt werden müsse, wenn er behaupte, der Tod Spannuths sei nur einem unglücklichen Zufall zuzue schreiben. Im übrigen rechtfertige die Konduite des Leut­nants Friedel und der Rapport des Ehrenrats die Milde der Strafe.

Ein paar Tage später wurde Erich von Feßler auf An­trag der Staatsanwaltschaft zu Wiesbaden wegen Kärtell- tragens zu zwei Monaten Festung verurteilt. Gegen den! Grafen Eldringen war keine Anklage erhoben worden.

Das wär zur Zeit der Fliederblüte. Als Fritz eines! Morgens im Bureau erschien, trat ihm Kesselholz mit seie ner schönsten Kurvenverbeugung inprivater Angelegenheit^ entgegen.

Nichts Geschäftliches, Herr Friedel," sagte er und fuhr! (mit der Hand durch die Luft;privatisserne, wenn idj bitten darf."

Und was, lieber Kesselholz?"

Dora hat ein so lebhaftes Mitgefühl mit den beiden! Berurteilten, daß sie ihnen gern etwas Angenehmes be­zeugen möchte. Sie läßt Sie deshalb zu mor.,.'n abend in die Fliederlaube bitten. Acht Uhr abends. Straßcnanzug. Kotelett mit Spargel und Erdbeerbowle. Herr von Feßler; hat bereits zugesagt. Er hat sich auch schriftlich verpflichtet^ die Trompete nicht mitzubringen."

Besten Dank, Kesselholz. Sagen Sie Ihrer Dora, ich Würde pünktlich antreten. Aber einen vergnügten Stim­mungsmenschen findet sie in mir leider nicht. Ich hahe den Kopf voll Sorgen."

(Fortsetzung folgt.)

Gestohlener Gut.

, Bon Thr m a s Glah n.

(Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.)

Der Ghmnäsialdirektor, dessen Hut diedankbaren" Pri­maner mit einem grünen Eichenlaubkranz versehen hätten, hob lustig sein Bierglas und blickte einen Augenblick darüber hin? weg in das bunte Treiben, ehe er es zum Munde führte.

Rings rauschte der alte Wald! mit hohen Wipfeln, und auf, de'm.großen freien Platze tummelte sich die liebe Jugend. Dia .Musikanten spielten; in einer rasch zusammengeschlagenen Brek--