LL.
Friedel halb-sütz.
Roman von Fedox von Zobeltitz.
kFortsehung.) (Nachdruck Verboten.)
So mußte Fritz denn die Angelegenheit allein in die Hand nehmen. Er sah ein, daß er das mußte: er war der letzte Mann im Hause. Er setzte sich mit einem befreundetes Wiesbadener Rechtsanwalt in Verbindung, der ihm die Sache erleichterte und selbst nach Schrattstein kam, um mit Frau Margot über die Formalitäten gu sprechen. Das ging natürlich auch nicht so glatt ab, denn Margot stellte höhere Ansprüche und ließ bei Gelegenheit auch das Wort „Scheidung" fallen. Da hakte der Anwalt denn sofort ein. Gut, also Scheidung. Dann hatten die Gerichte aber über die Mlimentierungssrage zu bestimmen, und es war anzunehmen, daß sie über die .standesgemäße Erhaltung" bedeutend anders denken würden als die gnädige Frau. Nun wurde Margot plötzlich eisig kühl. Als der Rechtsanwalt wieder Itm Arbeitszimmer des Kommerzienrats erschien, wär alles geordnet.
Die nächsten Tage wären sehr unbehaglich. Man erfuhr durch die Zofe Margots (die sie mitnehmen wollte), daß sie mit dem Packen ihrer Koffer beschäftigt wäre. Fritz Und sein Vater wünschten, sich von ihr zu verabschiedens Uber Margot ließ zurücksagen, sie fahre erst am Dienstag abend und würde den Herren rechtzeitig Nachricht geben. Um Dienstag abend erschien unerwartet auch der Opa im Schlößchen. Das wär Fritz wenig angenehm; er fürchtete noch einen letzten Bitterkeitserguß des alten Herrn. Dar Wagen stand bereits vor der Tür; die Hausdiener des Geschäfts hatten die zahllosen Koffer auf den Bahnhof geschafft. Großväter, Sohn und Enkel warteten in unruhiger Stimmung im Gartensalon auf Margot. Da ging die Tür «und die Zofe trat ein, hinter ihr Margot in eleganter Reisetoilette. Sie stutzte einen Augenblick, als sie den Opa sah, dann lächelte sie ihr altes scharmantes Lächeln.
„Sieh da," sagte sie, „mein lieber Opa — auch Sie?!" . > . Sie wartete einen Moment, bis die Zofe draußen war, Und reichte dann dem alten Herrn die Hand. . . . „Wir haben uns immer ehrlich gehaßt, Opa," fuhr sie fort, aber keineswegs in Erregung, sondern in anmutigem Plaudertone, „und diese Ehrlichkeit der Gefühle wollen wir auch beim Abschiede beibehalten. Nichtsdestoweniger: lassen Sie es sich gut gehen."
„Einen Wunsch, den ich zurückgebe, Margot,", entgegnete der Alte. „Und wiederum: in voller .Ehrlichkeit des Gefühls."
Nun hatte schon der Kommerzienrat die Hand seiner Frau ergriffen. Er schnaufte ein wenig durch die Rase Md tat sehr ergriffen.
-Meine liebe, liebe .Margot," begann er weinerlich.
Doch sie schnitt ihm das Wort ab. „Mein liebet Charli," sagte sie ruhig, „keine Sentimentalität Wit haben schon öfters Abschied voneinander genommen, ging einer von uns auf Reisen. Es soll heut nicht anders als sonst sein. . . ." Sie schüttelte kräftig seine Hand. „Adiet^ Charli!"
Fritz stand vor ihr. „Darf ich dich auf den Bahnhof, bringen, Mama?" fragte er. „ ..
„Ja, Fritz. . ." und plötzlich schüttelte sie den Kopf, „Nein _ bitte — laß es! Wir wollen es kurz machen . . - i Ein Tränenstrom rann plötzlich über das Gesicht der berechenbaren Frau. Sie umarmte Fbitz, leidenschaftlich und wortlos, küßte ihn, riß sich dann plötzlich los und. eilte hinaus. „ ,, „ _ ,, . u
Fritz folgte ihr rasch, aber sie eilte sich. Er sah nut noch ihr blasses Gesicht im Rahmen des Wagenfensters. — und hatte das sichere Gefühl, daß er es WM letzten! Male gesehen haben würde. .
Won nun ab begann im Friedelschlößchen ein anders geartetes Leben. Fräulein Besser, die „Stütze", Margots- führte den Haushalt vortrefflich und in verständiger Weise. Auch der Kommerzienrat, der das alte Fräulein mit der spitzen Nase, auf der immer ein Kneifer mit hellblauen! Gläsern schaukelte, nie hatte leiden können, war leidlich zufrieden. Ihre Kochkunst war nicht berühmt, ließ sich aber ertragen. Gäste sah man nicht. Bekannten wurde gelegentlich erzählt, Margot sei auf ärztlichen, Rat ihrer Nerven! wegen in ein Sanatorium der Schweiz geschickt wordem Mer etwas von der Wahrheit sickerte doch durch Graf Wolfrad hatte sie beim jeu des petits chevaux litt Kurhaus von Montreux getroffen. Nun ging das Fragen los. Das verstimmte den Kommerzienrat.
Es war merkwürdig: mit dem Wschiede seiner FräU war Ruhe im Haus eingezogen. Aber er fand die Ruhe nicht. Er war viel in Wiesbaden, suchte nach wte von seinen Klub auf, knüpfte auch mit der rotblonden Polin (die als Gräfin in der Kurliste eingetragen war) freund^ schaftliche Beziehungen an. Seine große Arbeitslust ließ sichtlich nach Das Geschäft ruhte bald allein puf den Schultern von Fritz und Kesselholz. Das war Fritz xecht. Es gab viel zu tun. Man trug sich tcht der Hoffnung, durch die Marke Excelsior die Eroberung des Auslandes zu vervollständigen. Neue außereuropäische Läger mußten ge- schasfen, andere vergrößert werden. Zu den schon bestelM-! den kamen noch solche in Asuncion, Bangkok, Cochm, George* town, Madras, Paramaribo, La Paz, Santa Ana und Swa- tow. In Alexandrien, Bombay, Buenos Aires, Calcutta, Konstantinopel, Philadelphia, Yokohama wurden Generalagenturen errichtet; für die Lager in London und Newyork mußten neue Räumlichkeiten gemietet werden. Aus Teheran war unvermutet eine ungeheure Bestellung für den persischen Hof eingetroffen; sie betraf eine sehr fuße und billige Marke, die nicht mehr geführt, nun aber schleunigst wieder ausgenommen wurde. Auf langes Flaschenlager konnte tnan


