geben wolle, baß bas Kind die Frucht Wer gemeinsamen Bsi- »chunaen fet. Sie selbst habe keine Beweise in Händen, ob die Erzählung der Miß Frankel wahr sei. Miß Frankel sei übrigens inzwischen nach Oesterreich ausgewiesen worden. Als das Kind krank wurde, habe sie einen Arzt geholt, der Meningitis konstatiert und den Transport des Kindes ins Spital veranlaßt habe. Aus der Geschichte geht klar lind deutlich hervor, daß in diesem traurigen Falle ein menschliches Wesen, der noch lebende Säugling, als Instrument zu Erpressungen dienen sollte. Da aber der Mann, der das geplante Opfer werden tollte, von der lobenswerten Miß Frankel nicht ausgefunden werden konnte, kein ungewöhnlicher Fall in London, so war der arme Säugling, der für einen bestimmten Zweck gekauft worden war, zwecklos geworden. Der Tod hat ihn also von einem nutzlosen Dasein erlöst.
* Kunst in der Gefängniszelle. Die langsam hinschleichende Qual der Stunden im Gefängnis und die gezwnngenü Untätigkeit der Finger bringen den Verbrecher ans alle möglichen Gedanken der Betägigung und veranlassen ihn auch, die Geschicklichkeit seiner Hände in mühsamen Arbeiten zu erproben, die bis- tveilen zu kleinen Kunstwerken werden. Aus einer Sammlung solcher im Gesängnis entstandenen Gegenstände beschreibt Frederick A Felton im Strand Magazine einige besonders merkwürdige Arbeiten, die nicht nur durch den Ort ihrer Entstehung, sondern auch durch ihr Material und die auf sie verwendete Geduld Interesse erwecken. Ein höchst kunstvoll geformter Photographierahmen ist aus Brot, Porridge, der breiartigen Hauptkost der Englischen Gefängnisse, und Papier gefertigt. Der Gefangene sparte sich Brotstückchen und kleine Mengen Porridge vom Miinde ab und knetete daraus den Rahmen, den er auf eine sinnreiche Weise rot färbte. Er wußte sich in der Schneiderwerkstatt rote Papierstückchen zu verschaffen, wie sie auf die Zwirnrollen geklebt sind. Aus diesem Papier zog er durch Anfeuchten den Farbstoff heraus und färbte seinen Rahmen damit. In dieses Kunstwerk, das viele Wochen lang seine ganze Aufmerksamkeit in Anspruch nahm, steckte er dann die Photographie der Frau, die er kurz zuvor getötet hatte. Andere bildhauerische Talente vertreiben sich Vie müßigen Stunden in der Gefängniszelle, um aus Brot und Porridge Kästchen zu machen, die mit allen möglichen Ornamenten verziert sind; sie verwenden auch Wachs und Seife als Material. Die Seife wird von der Ration, die der Gefangene zum Waschen drhält, mühsam abgespart; zur Ausschmückung werden rote Wollfäden verwandt. Das Wachs stahl einer aus der Schuhmacherwerkstatt und formte daraus die Köpfe König Eduards und Napoleons III., die mit den Rückseiten aneinander geklebt wurden, dann eine gelungene Statuette des Boxkämpfers Johnson. Ein anderer verfertigte aus .Wachs einen kleinen Revolver, der bis auf alle Einzelheiten naturgetreu nachgebildet Ivar. Die Sehnsucht eines anderen Gefangenen bestand darin, ein Schreibzeug zu erlangen. Aus der Schneiderwerkstatt stahl er einen Fingerhut und benutzte ihn als Tintenfaß; als Feder verwendete er ein Stückchen Stahl, das er mit unendlicher Mühe fein zuspitzte. Nach langen Bitten und Eingaben erhielt er auch Tinte, und von bent Papier, das ihm zu diesen Schriftstücken gegeben wurde, wußte er einen kleinen Vorrat beiseite zu bringen. So war er sendlich so weit, daß er unbeaufsichtigt schreiben konnte, und er verfaßte nun einen langen Roman, den der Wärter entdeckte und konfiszierte. Das höchste Ziel vieler Gefangenen, das zu erreichen sie sich unendliche Mühe und Arbeit nicht verdrießen lassen, besteht darin, sich häufiger zu rafieren, als nach der Gefängnisordnung geschieht. So konstruieren sie sich denn sinnreiche Instrumente, um sich den Bart abzuschaben. Ein eitler Verbrecher fand eine gewöhnliche Packnadel, schärfte sie etwas und wußte mit ihr seinem üppigen Bartwuchs recht hübsch Einhalt zu tun. Andere steckten kleine Stückchen Blech in Holz und schabten mit ihnen ihre Backen glatt. Solch ein kostbares Zinn- oder Stahlstückchen wird, wenn es der Gefangene findet, im Mund oder zwischen den Zähnen in die Zelle gebracht, und die schmerzhafte Prozedur des primitiven Rasierens dann in allen unbewachten. Stunden eifrig vollzogen. Natürlich merken die Wärter, daß die Gefangenen ziemlich glattrasiert sind, auch wenn der Gefängnisbarbier ihnen nicht seine Hilfe hat angedeihen lassen. Sie vermuten, daß der Verbrecher irgendwo ein unerlaubtes Instrument verborgen habe, und nun beginnt eilt Wettkampf zwischen Wärter und Gefangenem, wer der Schlauere sei, der Suchende oder der Verbergende. Gewöhnlich wird '.das „Rasiermesser" hinter einem lockeren Ziegel in der Mauer verborgen, der dann wieder täuschend genau eingefügt wird. Als Spiegel dient bei dem Rasiergeschäft die blankgeputzte Zinnschüssel, zum Einseisen etwas von der Ration abgesparte Seife. Bei dieser unbequemen und schmerzhaften Prozedur aber dünkt sich 'der Gefangene fast "ein König, so stolz und glücklich ist er dabei. Auch Pomade spielt im Gefängnis eine große Rolle. Sie wird aus allen möglichen fetthaltigen Ingredienzen verfertigt, um das Haar damit zu glätten und den Bart zu wichsen. Die Fraueit sind natürlich noch ‘eitler. Sie füllen die langen leeren Stunden damit aus, sich die phantastischsten und kompliziertesten Frisuren zu machen, und die größte Strafe ist es für sie, wenn ihnen die Haarnadeln entzogen
Auflösung in nächster Nummerr
Auflösung des Logogryphs in voriger Lummer: Pelz, Pilz.
werden. Eine Verbrecherin machte sich ein Korsett aus den Drahtstangen, die sie nach und nach von einem' Gitter losriß, ans dem sie täglich vorbeigeführt wurde. Aus dem von dm Gefängnis- mauern abbröckelnden Kalk stellen sie ihren Puder her, und rote Schminke gewinnen sie, indem sie den toten Wollfäden, bte sie zu ihren Arbeiten erhalten, den Farbstoff entziehen.
* Wie lei ne junge Engländerin am'er if müde wurde, geht aus einer rührenden Geschichte hervor, die sie selbst zum besten gibt. Das junge hübsche Mädchen, das nach Newhork gegangen war, um ihr „Glück" zu machen, kehrt in Kürze nach London zurück, beraubt aller zärtlich gehegten) Ideale. Sie hatte gelesen, daß der Wettbewerb in den amerve konischen Berufen weit geringer wäre wie in den europäischen Großstädten und'daß jedes Mädchen mit Bildung, Ausdauer und Unternehmungsgeist weit bessere Gelegenheit hätte, etwas mehr wie das tägliche Brot zu gewinnen. Sofort nach der Landung hätte sie eingesehen, daß sie das Opfer einer argen usi o n ge- worden war, die einzige Gelegenheit, und zwar in überreichlichem Maße, die sich einem jungen Mädchen biete, sei bieieitige, als Dienstmädchen ihr Brot zu verdienen. Nun habe sie für diesen Beruf nicht die geringste Eignung, sie passe am besten zur Bureauarbeit, aber sie fand nicht die geringste Gelegenheit, auch nur in bescheidenster Weise unterzukommen. Und so sei sie schließlich gezwungen gewesen, die Stelle einer Kellnerin zu übernehmen.. Aber nun hätte die unerträglichste, entsetzlichste Zeit ihrer Amerika- tätigkeit begonnen. Man mache sich in Europa keinen Begriff davon, in welch ungalanter und schonungsloser Weise der funge Mann in Newhork das im öffentlichen Leben stehende Mädchen verfolge. Das Leben als Kellnerin im Newyorker Restaurant sei ihr zum Schluß vollkommen unerträglich geworden. Amerikanische Mädchen seien daran gewöhnt und müssen demzufolge auch gröbere Nerven besitzen, aber für jede zartbesaiie.e Europäerin sei das Gebähten der amerikanischen Männer einfach unertragnch. Mag sein, daß es auch daran liegt, daß die meisten amerikanischen jungen Männer kein eigenes Heim haben und mir in möblierten Zimmern wohnen, während doch das Familienleben in England viel mehr Anhänger besitze. Um Nun den Verfolgungen bet! jungen Männer zu ‘entgehen, griff sie zu einem sehr einfachen Versahren: sie verkleidete sich als Mann und wurde Kellner.. Dann ergriff sie den Beruf eines Ladengehilfen, fernes Privatdetektivs und Kassierers in einem großen Barbiergeschaft, Zwn Monate lang lebte sie in Verkleidung, bis sie schließlich durch eilte „Freundin" denunziert und der Polizei vorgeführt wurde, welche ihre Uebernahme durch ein Mädcheiihelin erwirkte, von wo sie schließlich die Fahrt in die Heimat angetreten habe Das Mädchen ist nun der bestinimten Ansicht, daß es einem Mädchen mit hübschem Gesicht oder anmutiger Figur geradezu unmöglich sei, in Newhork unabhängig einem Beruf nachzugehen. Die Belästigungen der jungen Männer seien einfach unerträglich Sie sei glücklich, daß sie nach England wieder zuruckkomme und niemals würde ihr der Gedanke kommen, die Heimat neuerlich, zu verlassen...
* Beim Drogisten. Dame (als noch mehrere andere Kunden den Laden betreten): „Parlez-vvus frangais? Chef: „Oni, ntabatne!" Dame (leise zu ihrer Freundin). „Ach, -Jeiw tote heißt doch „Insektenpulver" auf französisch?
* Beleidigt. Richter: „Was fragte Sie denn bet Mager, daß Sie ihm sofort eine Ohrfeige statt einer Antwort gaben? — Schauspieler: „'s waren fast keine Leute tut Theater, und da fragte er mich, ob ich heute Benefiz hätte!
* Vorsichtig. A.: „Na, tut Frack unb Söhnber . . . was haben Sie vor?" - B.: „Ich wollte einen Wechsel bei einem Kunden einkchsiereu!' — A: „xvft das alles. A,;
„Hm, wenn er bezahlt, halte ich gleichzeitig um seine rochier an.
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Redaktion: K. Neuratb. — Rotatiousbruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Stenfdriickerei, R. Lange, Gießen-


