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macht. Die seltsamsten Verbrechergestalten tauchen auf, so jener bekannte Straub de Gatebmirse, brr d>e Baur durch ganze acht Jahre hindurch mit glänzend nachgemachteii 100 Frs.-Scheinen versorgte. Mit neckischer Ironie war ein kleines schwarzes Fleckchen gerade in der Umrayrmmg angebracht, bie ben Artikel 139 des Strafgesetzbuches enthalt. Sonst war alles täuschend gelungen. Gtrauds Geschäft blühte, er lebte ivic ein Fürst, hatte ein prachtiged Haus in Paris und ein Schloß in Saiutonge, 12 ßafateu, 1J Pferde in seinem Stall und bie herrlichste Meute von Jagdhunden, Er gab bie prächtigsten Feste. . . . Aber eines schonen Tages stand er doch vor bem Gericht ttitb bie in ©ntntonge gefmlbenen gefälschten Scheine waren seine cknklager. Me Bank alleiil besaß non ihm 1603 100 Frs.Mo teil und 144 200 Frs.Moten, also die Summe von 189000 wahrend mindestens ebensoviel Scheine sich itn Umlauf befanden. Er tvurde nach Cayenne auf Zwangsarbeit geschickt, geriet bet einem Fluchtversuch in Schlamm und wurde lebendig von Krebsen verzehrt. Eine besonders schwierige Art wandte der berüchtigte Fälscher Leonidas Co'idas an. irr entfernte aus zwanzig neuen Banknoten mit dem Rasiermesser ein Stückchen und verfertigte aus diesen Fragmenten einen 21. Schein, der, obwohl er aus 20 echten Teilen bestand, nichtsdestoweniger gefälscht war. An den 20 anderen Noten fehlte so wenig, daß er sie mit geringer Mühe wieder brauchbar machen konnte. Doch solche vorzüglichen Fmfn)-" unaen sind sehr selten. Die meisten Nachahmungen zeichnen sich durch große Ungeschicklichkeit ans; sie rechnen auf btc Dummheit und Unachtsamkeit der Menge. Die Bank van Frankreich besitzt wohl die lückenloseste Sammlung dieser Fälschungen, die es gibt. Die Geschicklichkeit besteht dann zumeist in der Art, wie man bie falsche Note unterbringt. In dem Gedränge einer belebten Straße wird ba etwa zufällig ein Mann gegen eine große Schaufensterscheibe geschleudert und zerbricht sie. Große Aufregung! Der Mann soll zahlen, aber er behauptet, keinen Pfennig bei sich zu haben. Auf der Polizeiwache wird er untersucht: matt findet girren 1000 Frs.-Schein bei ihm. „Meitr ganzes erspartes Geld", jammert er. Die Note wird gewechselt; 100 FrS. erhält der Labeninhaber für sein Schaufenster; mit 900 Frs. zieht ber Manu vergnügt ab, denn sein 1000 Frs.-Schein war natürlich falsch.
Der neue französische 100 Frs.-Schein ist mit außerordentlicher Sorgfalt von Lue-Olivier Merson hergestellt, der mehrere Jahre an allen Einzelheiten der kostbaren Vignette gearbeitet hat. Er ist in vier Farben hergestellt: blau, grün, rosa und gelb. Auch die neuen 50 Frs.-Scheine sind bereits nahezu vollendet. Dann sollen neue 500- und 1000 Frs.-Scheine folgen.
Das perserftft in Stambul.
M. Konstantinopel, im Jan.
W«M am neunten Tage deS Monats Mnharrem (19. Jan.) die Wintersonne hinter dem blauen Marmarameer versunken ist, durchflutet ben uralten Walide-Han in Stambul ein gar gespm- WchcS Treiben. Die Hoftvündo diefes viereckigen, festgefügten Bauwerkes, in dem sonst persische Kaufleute ihre Warenstapel haben, sind mit schwarzen Tüchern und kostbaren Teppichen behangen; flackernde Kerzen spiegeln sich in riesige«, beim fahlen Mvndlicht unheimlich blitzenden Spiegeln und knisternde Fackeln lohen an Altären, Erkern und Ballustraden. Es gilt, das Aschura- Fest, die Totenklage über den 680 n.Chr. bei Kerbela gefallenen Märtyrer Hussein, den Sohn dos Kalifen Mi, zu feiern. Die gesamte persische Kolonie .Kvnstankinopels, mit dem persischen Botschafter an der Spitze, ist in dem dunklen, von schwebendem Rauch erfüllten Hof versammelt. Aus einer Ecke schallt plötzlich taktmäßig ein dumpfer Don, die Feierlichkeit nimmt ihren Anfang. ®tn düsterer, grauenhafter Zug von Leidtragenden bewegt sich langsam über die Mesen. Ein monotones, schrilles persisches Trauerlied ertönt, Fackelträger schwingen ihre Pechhölzer, und nun erscheinen wohl über hundert Märtyrer in langen weißen Gewändern; mit ihren Händen schlagen sie sich unter Anrufen der Namen der Söhne Alis : „Hassan!" „Hussein!" auf die entblößte Brust. Persische Schüler folgen mit wassergefüllten Schalen, mit dem sie symbolisch den Durst Husseins in ber Wüste stillen wollen. Metallisches Klirren durchrasselt bie Nacht; es sind die Geißler, bie nun kommen und ihre 'leuchtenden Ketten auf den nackten Rücken so lange nteberp sausen 'lasten, bis das Mut unter der blaufchwarzen Haut hervov- quillt. Hinter diesen schreitet ein weißes Pferd mit blutbefleckter Satteldecke, auf der eine flatternde weiße Taube festgebtmden ist. Hinter dem Pferd kommen drei kleine Kinder mit gefestelten Hän!- bett. Ter Schimmel stellt das Streitvoß Husseins bei Kerbe la dar.
die Taube seiUd reind ®ecje und die Mnddr seine als Sktavenj gefangenen Söhne. Dann folgen Fahnenstangen mit blechernest Händen; sie erinnern an bie Märtyrer Abbas, bem beide Hände ckbtzehauen wurden, als er ber Familie Alis Wasser vsickym wollte.
Der grausige Schluß des feierlichen Zuges besteht in einer Reihe . barhäuptiger Männer (die übrigen tragen dis hohe persische Mütze), die sich mit gurgelnden Schreien und Klagerufen mit Breiten, krummen Schwertern am Kopfe zahlreiche Wunden beibringen!. Das Blut spritzt herab und sickert über die weißen Mäntel bis zU ben Füßen. Allzu heftige Schläge werden von Mitgehenden mit Stöcken aufgefangen. Diese grausame Kasteiung gilt für sehr gottgefällig, und die Mutigen Hemden werden zur Einhüllung voll! Leichen aufbewahrt. Hier und da hält dieser fürchterliche Zug, der mit feiner seltsamen Szenerie selbst starke Nerven auf eilte harte Probe stellt: dann liest ber Imam (Priester) unter lautem schluchzen ber Umstehenden einige Kapitel aus der Leidensgeschtchie ber Söhne Alis vor. Etwa anwesende Europäer werden, trotz des Fanatismus der Menge, mit «echt persischer Liebenswürdigkettz behandelt. — Langsam ist ber entsetzliche Zug auf ber anderen, Seite des Hofes verschwunden. Die Verwundeten begeben sich hierauf in bereitgestellte Bäder, um zur Ehre Allahs frisch und gestärkt den heiligen Tag zu begehen.
Ve».'nri?ehtes.
* Von der Entdeckung des Löschblattes, das in kurzer Zeit ben Streusand, dessen sich die Menschheit jahrhundertelang bedient hatte, verdrängte, plaudert T. P.'s Wcekly. Das erste Löschblatt wurde in einer englischen Papierfabrik in der Grafschaft Berkshire hergestellt. Ter Nachlässigkeit eines Arbeiters verdankt die schreibende Weit die EntdeckungDer Arbeiter vergaß zufällig, der rohen Papiermasse den nötigen Leiinzusatz zu geben. Ter Fabrikbesitzer war außer sich, und der unfreiwillige Entdecker des Löschblattes wurde zur Strafe für seine Nachlässigkeit entlassen. Später bemerkte der Fabrikant, daß das mißratene Pavier die Eigenschaft hatte, Tinte anszusaugen, ohne bie Schrift zu verwischen. Der kluge Geschäfts,nanu schlug bie Reklanw- tvommel und fabrizierte von diesem Tage an nur noch ^osch- papier, das ihn in kurzer Zeit zum reichen Mann machte
* Schottischer Witz. Der schlagfertige Witz der Schotten, der sie selbst vor den Schranken des Gerichts nickt verläßt, wird durch einige Anekdoten des Scheriss Guy, eines wohlbekannten schottischen Richters, lustig beleuchtet. Ein aufgeblasener Edinburger Friedensrichter hatte einst einen Mann vor sich, der eines kleinen Polizeivergehens angeklagt worden war. Ter Angeklagte, ausgesvrdert, sich zu verteidigen, gab das Vergehen zu, sagte aber, er hätte nicht gewußt, daß die Handlung gegen die Gesetze verstoße. „Unkenntnis des Gesetzes entschuldigt feinen," antwortete der Friedensrichter. „Nanu, warum sind Sie denn Richter geworden?" war die Gegenfrage. — Ein andermal nahm ent Anwalt in Dunblane eine junge Lehrerin in ein scharfes Kreuzverhör, formte aber nicht das geringste aus, ihr herausbringen. Sie war ihm völlig gewachsen. Endlich, ein wenig verärgert, meinte der Anwalt: „Fräulein, Sie sind wirklich sehr klug." Tie Lehrerin antwortete mit lieblichem Lächeln: „Wie schade, daß ich unter Eio flehe, sonst würde ich Ihr Kompliment erwidern."
' *JnSachsen. Postbeamter (bei der Briessort.): „Da schreibd so ä Gärt wieder usss Guwähr: Oberdors i. B. Nu weeß mev dadsächlich «ich, soll das Heeßen in Bayern, in Baden, in Meißen, in Bommern oder in Bosen!"
* Unser Klassenlehrer in der Tertia hatte es b-,anders auf Paulchen abgesehen. Ihn strafte er meist so, daß er ihn an den kurzen Haaren in der Schläfengegend hochzog. Als er an Paulchen einmal wieder diese Prozedur versuchte, blieben ihm ein Paar Härchen zwischen den Fingern hängen. Erbost schrie er das weinende Paulchen an: „Du haarst wohl auch noch, du unverschämter Lümmel!!"
Kreuzrätsel.
In die Felder nebenstehender Figur sind die Buchstaben a a, b b, c c, d d d, eeeeee, g x, ki b, iiiiii, kk, nnnn n, o o, r r r r, s s s s, 11, u derart einzutragen, daß die wagerechten und senkrechten Reihen gleichlautend folgendes ergeben!
1. Italienische Insel.
2. Ein Sternbild.
3. Stadt in Schottland.
Auslöfung in nächster Nummer,
Auflösung des Logogriphs in voriger Nummer i D ur ft, W n rst.
Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und ©teiiibrucferei, R. Lange, Gießen-


