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üttb Spieler, der Freund großer Herren, sondern ein unerbittliches Arbeitstier, bem es nicht zu viel dünkte, den Verbleib von auch nur fünf Pfennigen festKustellen.
Er herrschte den Alten ar«, wie er eine solche Lotterwirtschaft habe mit seiner Stellung vereinbaren können. Doch der antwortete mit weinerlicher Stimme:
— Ich bin nun vierunddreißig Jahres beim Herrn Grafen gewesen und habe nie einen Pfennig falsch gebucht, aber wie soll man Ordnung machen, wenn man monatelang keine Unterschrift bekommt?
— -Sie hätten sagen müssen, daß Sie für so was nicht M haben sind.
Herrn Droesigls Blick siel auf Agathe, und in plötzlicher Eitelkeit nahm er die Brille ab.
Doch der alte Rendant, der bisher nur gedrücktes Wesen Und Träneri gehabt, begann plötzlich fast zu schreien:
— Ich habe es gesagt!»Ich habe gefleht, der Herr Graf tnöchte Ordnung schaffen! Als es nichts half, wollte ich gehen. Wer die Frau Gräfin selig hat mich gebeten, nicht die Flinte ins Korn $u werfen, denn ich sei doch der einzige Mensch, der ehrlich wäre.' Das hat sie gesagt. Die gnädige Komteß wird mir das Zeugnis geben, daß ich mich nicht an fremdem Eigentum vergrifsen habe.
Herr Droesigl stand auf:
— Wer hat das behauptet?
Der Alte fuhr mit seinem rotgewürfelten Taschentuche durch die Luft in wütender Gebärde:
— 's kommt so raus! Ueberhaupt, bin ich Ihnen denn R^henschaft schuldig? Hier, Seiner Durchlaucht, hier, der gnädigsten Komteß, aber wie komme ich dazu, ich alter Mann, einem fremden Herrn — —
Er bekam einen Weinkrampf, schluchzte laut und fiel in einen Stuhl.
Agathe suchte ihn zu beruhigen; uienraud zweifle an seiner Ehrlichkeit. Dann geleitete sie ihn für den Augenblick hinaus.
Herr Droesigl sagte zum Prinzen:
— Ich denke, unter diesen llmständen lvarten wir, bis der Justizrat wieder hier ist.
Prinz Hohengart fragte:
i— Ja, warum ist er eigentlich nicht hier?
>— Er ist beim Grundbuche beschäftigt!
1— So, so.
Ms Agathe zurückkehrte, meinte Herr Droesigl, solche Anzweiflungen des Rechtes, sich um diese Angelegenheit tzu kümmern, seien für ihn so peinlich, daß er nun wohl genug getan habe.
Agathe bat, es dem alten Manne nicht übel zu nehmen, und betätigte, daß er tatsächlich oft geradezu gefleht hacke um eine Unterschrift. Dann habe Papa ihn hin..usgewor>en. Sie gestand, wie viel hundertmal der Rendant mit seinen Papieren bei ihr gewesen, weil er gesagt habe, sie müsse wissen, daß ihn an all der Verworrenheit keine Schuld treffe. Darauf versprach Herr Droesigl, noch eine Weile aus- zuharreu.
Er hatte in der ersten Zeit auf Wunsch des Justizrats versucht, auch Gräfin Patsch und die Prinzessin zu den Besprechungen hinzuzuziehen, aber nachdem die beiden eine Stunde dabei gesessen, verließen sie unter einem Vorwand das Zimmer und kamen nicht wieder.
Die Prinzessin drängte sich jetzt förmlich bei geinein- {tim en Spaziergängen zur Unterhaltung mit Herrn Droesigl, »enn sie langweilte sich sürchterlich. Jwesmal, wenn sie ihr chwarzes Kleid besah, dachte sie an die Bälle in Berlin, denen ie diesen Winter fern bleiben mußte, und trieb zum Abschluß >er Arbeiten, um an die Riviera zu eilen. Dabei gab sie Herrn Droesigl zu verstehen: sie, die verheiratet sei, könne Geld besser brauchen als ihre Schioestern. Der sah sie erstaunt an, und sie verbesserte ihre Ausdrucksweise zu einem:
— Wir möchten nicht gerade benachteiligt werden.
Auch Gräfin Patsch näherte sich Herrn Droesigl.
Wenn die Nachrichten über die Finanzverhältnisse bei Tisch besonders unglücklich lauteten, schwirrten ihr im Kopf ihres Vaters letzte Worte: dieser Mann sei Millionen schwer, und eben dieser Mann habe nm sie angehalten.
In ihrer Weltunersahrenheit machte sie sich kein Bild von der Zukunft. Nur eines schien ihr klar: es würden Pferde abgeschasst werden, die Jagden hörten auf. Das hatte der Prinz gesagt.
Di der nicht ritt, ließ sie sich von Herrn Droesigl be
gleiten. Er stand ihr täglich eine Stunde Mr BerftigunK länger meinte er nicht Zeit zu haben.
Wie er so auf seinem Pferde saß, in dem tadellosen! Anzug, mit der guten Figur und dem scharf geschnittenen, vornehmen Gesicht, gefiel er ihr nicht übel. Hätte er nur nicht Droesigl geheißen! Wer das Geld, das viele Geld! Ihr fiel ein, wie der Vater gesagt, Droesigls trügen einen alten Namen, sie seien eine uralte rheinische Patrizierfamilie-. Darum ließ sie etwas fallen von „Adel, den die Familie niedergelegt haben sollte". Herr Droesigl ging nicht daraus ein. Nun begann sie von seinen Freunden Fitzvenor und Fraisheim. Er glitt sanft zu anderem. Von Pferden sprach er, von Jagd, Hunden, Tanzen, Damenmoden.
Das ärgerte sie. Sie meinte im stillen: er ist eigentlich doch ein ordinärer Kerl. Da ist Regnier anders. Air den dachte sie öfters, aber sie wollte ihre Gedanken nicht bei ihm verweilen lassen, denn ihr Schwager hatte einmal geäußert, der könne nur ein reiches Mädchen heiraten. So hatte sie es sich jetzt in den Kopf gesetzt, Herrn Droesigls Millionen zu gewinnen. Doch nur,-wenn es in Kölln wirklich so schlecht stehen sollte, wie Prinz Hohengart sagte. Das hatte ja alles Zeit. Herr Droesigl lies ihr nicht davon.
(Fortsetzung folgt.) i
Lin neues Such über Sen Krieg von <806/7.
Von Martin Greis.
In der von General v. der Boeck herausgegebeneM Sammlung „Preußen-Deutschlands Kriege von der Zeit Friedrich des Großen bis auf die Gegenwart" hat Generalleutnant Karl von Landmann als dritten Band „Der. Krieg von 1806 und 1807. Auf Grund urkundlichen Materials sowie der neuesten Forschungen und Quellen bearbeitet" veröffentlicht.
Eine Darstellung dieses unheilvollen und folgenschweren Krieges, die sich das $iel gesetzt hat, eine allgemein verständliche Arbeit auf wissenschaftlicher Grundlage zu bilden, darf des lebhaften Interesses weiter Kreise sicher sein, da sie eine geschichtliche Zeitspanne umfaßt, die nur bei durchgehend verlässiger Kenntnis ihres Verlaufs richtig gewürdigt werden kann und somit auf feiten des Verfassers völlige Parteilosigkeit den handelnden oder sonstwie verantwortlichen Personen gegenüber voraussetzt. Die Pietät und der schuldige Rechekt wird dadurch in keinerlei Weise geschwächt, da nur daun, wenn unsere Gefühle unserer wahren Ueberzeugung entspringen, sie als Bürgen ehrenhafter Gesinnung gelten können. Schmerzt es daher auch, auf so viele Beispiele mangelnden Pflichtbewußt.eins und oft unglaublicher Unfähigkeit bei einem vielfach an Verblendung grenzenden Selbstvertrauen zu stoßen, so können wir doch diese Tatsachen nicht übergehen oder auch nur in einem! milderen Licht betrachten, geschweige gar die Augen schließen, da wir sonst gewissermaßen in den gleichen Fehler verfallen, dessen wir die mit der Führung im Feld damals vertrank Gewesenen in unserem Innern bezichtigen. Sonach! bleibt es ein hoher Gewinn für uns, die wir dem Studium! der vaterländischen Geschichte uns mit lauterem Eifer hingeb en, einem berufenen Führer folgen zu können, der alle historischen Zusammenhänge klar Überblickt und mit vorurteilsloser Offenheit das erschütternde Gemälde b efer Begebenheiten in feinem unaufhaltjamen Fortgänge vor uns aufrollt.
Durch den Frieden von Hubertusburg war Friedrich dem Großen neben Kaifer Josef die führende Macht ich Deutschen Reich der Tat nach zuteil geworden. Von dieser infolge der außerordentlichen Egenschasten des Königs als Staatsmann und Feldherr beha. pleten H he war Preußen unter seinen unmittelbaren Nachfolgern trotz des beträchtlichen Zuwachses von polnischem Gebiet unvermerkt herab- geftiegen. Die französischen Machthaber fanden es wohl in den Reihen der Gegner, aber es zeigte sich Frankreich bei dessen zunehmenden Eroberungsgelüsten keineswegs gewachsen. Während Oesterreich gegen die Republik noch fort» kämpfte, schloß es selbst zu Basel (1795) einen Separatfrieden ab und begnügte sich mit einer Demarkationslinie^ die auch die mittel- und norddeutschen Staaten mit ein» begriff. So kam es, daß das Auftreten Napoleons Preußen zunächst unberührt ließ, da es sich weigerte, an dem Feldzug des Erzherzog Karl in Suddentschlaud teilzunehmen. Auch der zweite Nachfolger Friedrich des Großen, Friedrich


