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Droesigl. 1
Teoman von Georg Freiherrn von Omptsda.
(Nachdruck verboten.)
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Herr Droesigl trat znnr Prinzen Hohen gart. Der stotterte verlegen etwas von: „Auch schon au sprechen?" Dann begann mit einem Mal seine Rede zu fließen:
— Herr Droesigl, darf ich Sie um etwas bitten? Ich /möchte einmal ganz offen mit Ihnen reden. Es ist nämlich kein Testament da. Die Erbschaft geht infolgedessen ihren gesetzlichen Gang. Mir ist nun, nach dem, lvas meine Schwägerin Agathe und was der Rendant sagte, klar geworden, wie möglicherweise hier schwierige Zeiten kommen. Ich habe aber gar keine Fühlung mit Leuten, die so etwas in die Harrd nehmen könnten. Ich habe nie Gelegenheit gehabt . . . Sie verstehen...
Dann sagte er etwas von „starker Hand" und „er sei nicht dazu geeignet". Schließlich endigte er nach allerlei Umschweifen damit, zu bitten, ihm eine geeignete Persönlichkeit zu nennen, um Ordnung zu schaffen.
Herr Droesigl nickte:
— Ich habe Einblick in derartiges. Ich verwalte ein erhebliches Vermögen und besitze eine der größten Spitzen- fabriken der Welt, in Plauen tut Vogtland. Ab^r meine Frettnde, bei denen ich' zur Jagd itt England oder Steier- utark bin, interessieren sich nicht dafür. Warum also darüber reden? Ich möchte Ihnen außerdem sagen, Durch- lancht, daß ich Doktor juris bin.
Prinz Hohettgart meinte, Herr Droesigl zöge sich nur gut an und habe schöne Pferde, und er, der kleine Prinz, nie recht gesund, nie tätig, der im stillen eine Bewunderung hatte für Leute, die etwas leisteten, sagte? in seiner Bescheidenheit:
— Da sind Sie ja ein ganz anderer Mensch, als ich dachte?
— Was dachten Sie denn, Durchlaucht?
Ruit wurde der kleine, schmächtige Mensch noch verlegener :
— Ich — dachte. Sie — Sie — hätten nur —i viel Geld...
— Verehrter Prinz, Sie haben mich mit anderen Morten fiir einen Tagedieb intb Idioten gehalten?
Der Prinz strich sich das dünne Bärtchen:
— Ja, eigentlich — eigentlich ja —
Die beiden hatten schon überlange miteinander gesprochen, und die Prinzessin gab ihrem Gemahl einen Wink. Mm sagte er mit jähem Entschlüsse:
— Es ruht hier alles auf mir, und wirklich — ich ich bitt etwas ratlos. . . . Bitte, mein lieber .Herr Droesigl, bleiben Sie hier und helfen Sie uns ein wenig. Tie Damen
verstebett doch von so was nichts — und ich — ich auch nicht. Richt wahr, Sie bleiben über Nacht?
Der andere verneigte sich, während die Familienmitglieder drüben die Köpfe zufammenstecktem
Auf einmal kam die Prinzessin in ihrem langen, rauschenden Gang über den Teppich und sagte zu dem Kohlensohns mit liebenswürdigstem Lächelit:
— Wie ich höre, wollen Sie meinem Manu behilflich fehl. Das freut mich sehr. Er würde, unsere Interessen nicht zu wahren wissen. Er denkt tu solchen Dingen viel zu vornehm.
Herr Droesigl schloß fest die Lippen:
— Man kann auch, wenn man mit Geschäften Bescheid weiß, vornehm handeln. Die vornehiust. arbeitenden Firmen und Menschen haben auf die Dauer immer den Erfolg.
Die Prinzessin begriff nicht ganz, was er damit meinte. , ,
Und Herr Droesigl blieb, und blieb nicht nur über Racgt, dettu mit der Zett stellte es sich heraus, daß auch Agathe nicht fähig gewesen wäre, in die verworrenen Verhältnisse auch nur einigermaßen Licht zu bringen. Den langwierigen Untersuchungen, Prüfungen, Verhattdlungen wohnte der Prinz mit rührender Pilichttrene bei, obgleich er von allem wahrscheinlich nichts verstand. Er durchackerte mit heißem Fleiß die Papiere, die ihm Herr Droesigl über den Tisch reichte, er nickte, wenn Herr Droesigl um deut alten Elß- inann sprach, mit dem Chef, den Kutschern, Stalleuteu, HuntStueu, Jägern, Knechten, Lieferanten mtS dein Dorfe.
In des verstorbenen Grafen Zimmer saßen sie am großen Schreibtisch, auf dein eigentlich nie geschrieben worden wart der Prinz, Agathe und Herr Droesigl. Er rechnete, und am Schluß sagte er jedesmal:
— Das ist aber alles nur provisorisch. Die Verantwortung kann ich nicht übernehmen. Ich tue es lediglich als Freund des Hattses, wenn Sie mir gestatten, mich so zu nennen. t r ,
Auf seinen Rat war Justizrat Doktor Rehbittder herbet- telegraphiert worden, der schon früher einiges hatte ordnen müssen. ,
Wie cs der Prinz vorhergesagt, i'nitb sich kein Testa-, ment. UebrrHaupt herrschte eine Unordnung sondergleichen. Da waren Rechnungen seit Jahren nicht bezahlt, aber auch Außenstände nicht etugezogen worden, und der Rendant, ein hilfloses altes Männchen, konnte keine Auskunft gebett.
Herr Droesigl meinte itt den ersten Tagen, es mit einem Betrüger zu tun zu haben, uitb wartete nur auf den Moment.'wo man ihn einfach dem Staatsanwalt überliefern müßte. Aber es -stellte sich heraus, daß, wenn den alten Mann eine Schuld traf, es höchstens die zu großer Schwäche seinem Herrn gegenüber war. Der Alte zitterte jedesmal, wenn er vor den jetzt durchdringenden Augen des Herrn Droesigl stand. Denn wie Louis Droesigl sein Einglas mit einer Hornbrille vertauscht hatte, war er nicht mehr der liebenswürdige, gut angezogene Mann, der Jagdretter.


