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tveittf sW auch in ihrer Whe die ürtevessaiftesten Schivaimn- formatkonen bildeten. Ein Wunder war es mich nicht, wenn sich in den Extremitäten des Lehrers die allerschönsten GichtknolgN' i:titb in seiner Lunge die prachtvollsten Tubedkeln bildeten. Es war kein Wunder, wenn zeitweise die halbe Schul« am Frede«
Karl Silberlöffel wrterschrieb sich der Lehrer auf den Quit- tnngen ftir die stupenden Geldsummen, welche ,hm der Staat quatembertveise auszahlte. Ach der Arme führte seinen Namen nur der Ironie wegen; er war nickst mit eurem silbernen Lostet im Munde geboren. Er hatte dem Kultusministerium viel Stoff «um Nachdenken geben müssen, wenn nicht die verehrlrche und hocklöbliche Behörde durch Wichtigeres abgezogen gewesen würe. Wie kann sich die hohe Behörde um den Lehrer Silberloffel bekümmern, wenn die Frage: welches Minimum von Wissen den unteren Schichten der Gesellschaft ohne Schaden und Unbequemlichkeit für die höchsten gestattet werden könne,, noch immer nick-t gelöst ist? Noch lange Zeit werden die mit der Losung dieser Frage beauftragten Herren die Volkslehrer als ihre Feinde betrachten Kind es als eine höchst ^abgeschmackte und lacherUche Forderung auffassen, wenn böswillige, revobltlonare Idealsten verlangen: auch ein hohes Ministerium möge seinen Feuiderr Gutes tun und sie zum wenigsten anständig kleiden und notdürftig snttem^nn ein ^terer Dichter einmal die Volksschule unserer Tage, die Sorge der Verantwortlichen für sie schildert, wird er dann ohne Einschränkung sagen könnerr, daß die von Raabe angedeuteten Zweifel und »Bedenken, Gegensätze und Feindseligkeiten beseitigt feien, daß die Volksschule in ihrer vollen Bedeutung für die Hoher- tzildung und Sicherstellung des Staates anerkannt imd gewertet sei trüb dementsprechend sich einer weitgehenden Fürsorge erfreut habe. Wer stolzgeschwellten Herzens — den Blick auf die tatsächlich vorhandenen Fortschritte gerichtet — mit einem raschen „Ja" bei der Hand wäre, der möge sich erinnern an die „Schulpaläste", an die überfüllten Schulklassen, an den Lehrermangel, an die Besoldungskämpfe. Vielleicht legt er dann seiner 'Zunge einen Zaum an.
Die unerforschten Teile der Erde.
Nur recht langsain gehen auf den Landkarten die weißen Flecken zurück, die unersorschtes Land bedeuten. Sie sind weit ausgedehnter, als man im allgemeinen glaubt, wie aus einer auschau- licherKZufaminenitellimq des ForschungsreHenden Tillou Wallace herv^rgeht, die die Zeilschrikt »Süd- und i'iittelamerifa“ einem der letzten Heile des »Vast Mal! Magazine" entnimmt.
Abgesehen von den eigentlichen Polargebieten bergen die subarktischen Gegenden noch immer viel unerforschtes Land. Da ist die grüßte Insel der Welt, die Baifininiel, voit bereit Innerem überhaupt nichts bekannt ist, obwohl Teile davon sogar in der ge- mäßigten Zone liegen. Auch die ganze Inselgruppe zwischen Grönland und dem >25. westlichen Längengrad ist so gut wie unerforscht. Im eigentlichen Nordamerika gibt es noch verhältnismäßig große Gebiete, die nie eriorschl worden sind, die vielleicht in Zukunst als mineralproduzierende Länder von großer Wichtigkeit werden können. In Alaska sind riesige Strecken noch uneriorscht und das gleiche gilt für Labrador, am entgegengesetzten, östlichen Rande Amerikas. Der nordwestliche Teil dieser Halbinsel z. B. enthält ein Gebiet von 110 000 englischen Quadratmeilen, das überhaupt noch nie ein Weißer betreten hat. Sieht man sich die Karte der alten Welt an, so findet man in dem ältesten Kulturlande, von dem man historische Quellen kennt, große weiße Flecken: Das Hinterland der bekannten Teile Chinas ist den Europäern an vielen Stellen noch völlig verschlossen. Es handelt sich dabei um zwei Gebiete, nämlich das Hnnalayaplateau Tibet und das chinesische Turkestan, und andererseits um Zentral- und Nordchina und die Mandschurei. Ein grobes unbekanntes Gebiet wartet auch noch an der Grenze zwischen Asien und Asrika aus seinen Erforscher, nämlich Arabien. Abgesehen von den Küstengebieten ist die Erforschung der arabischen Halbinsel noch nicht sehr weit vorgeschritten, ja, der Geograph B. D. Hogarth hat sich sogar einmal zu der Behauptung verstiegen, die Geographen kennten Tibet genauer als das Innere Arabiens. Hier sind noch 60 000 englische Quadratmeilen zu erforschen. Man rechnet besonders mit der Möglichkeit, dort alte Kulturslädte und andere archäologische Denkmäler zu entdecken. Früher, zu den Zeiten Livingstones und Stanleys, galt Afrika als der dunkle Erdteil, der auf der Karte größtenteils weiß zu lassen war. Dieser Zustand hat sich trotz der vielen Focschungs- reiien, die dem Innern Afrikas gegolten haben, nicht so sehr verändert, wie man gewöhnlich glaubt. Im Sudan, im belgischen Und französischen Kongostaat und in anderen Teilen des riesigen Kontinents sind noch viele tausende Quadratmeilen unbekannt. Das gleiche gilt für Australiens Innenland. Tie neue Welt schließlich birgt außer den oben bereits erwähnten subarktischen Teilen Nordamerikas noch viel Unbekanntes. Für den Kulturhistoriker dürfte die Erforschung der gewaltigen unbekannten Gebiete im alten Mexiko am interessantesten sein. Wenn es sich jedoch um Bodenschätze handelt, sind die unbekannten Teile des tropischen Südamerika am aussichtsreichsten. In Kolumbien sind nach einer Schätzung 200 OüO Quadratmeile» unbekannt, und hierbei handelt
es sich um ein Gebiet, das eine große Zukunft hat, denn es ist überreich an Mineralien, hauptsächlich Edelmetallen und wertvollen Steinen, und soll auch große Petroleum- und Kohlenlager enthalten. Besonders die Provinz Antioquia genießt in dieser Hm- sicht großen i)hif. Die Erforschung hat bis jetzt kaum erst begonnen, und die »Ausbeutung der Bodenschätze liegt zum größten Teile noch in den Händen der Urbewohner. Aehnliches gilt von Eenador, das noch 40 00<) Quadralmeüen unbekannten Gebietes enthält, und von Bolivia mit etwa 175 000 Qnadratmeilen,
DeriiiifditeJ.
* Die Meeresflut im Po st di en st. In den Wintermonaten ist bet der einsam gelegenen kleinen Insel St. Kilda, bte zu bett schottischen Hebriden gehört, das '3teer so stürmisch und gefährlich, daß die Schiffahrt nmerbrocben werben muß, weil kein Fahrzeug sich der zerklüfteten Küste zu nähern wagt. Dann hört der Verkehr mit der Welt vollkommen auf. Um diese Abgeschlossenheit wenigstens zum Teil zu durchbrechen, hat, wie das „Journal berichtet, die schottische Postbehörde auf bem kleinen Eiland em kurioses Mittel ersonnen. Die Briefe werden in eine kleine Kiste gelegt, die daiin mit wasserbichtem Stoff umkleidet und sorgsam vernäht roirb. Dann werden diese Kisten. an einem bestimmten Punkte der Küste ins Meer geworfen, die Strömung treibt sie fort und gewöhnlich werden sie auch an der norwegischen Küste ans Land gespült, wo der Finder sie gegen eme entsprechende Belohnung zum nächsten Postamt trägt. Das Steer ist zwar kein mufterbafter Postbote, feine Gewissenhaftigkeit läßt manches zu ivünschen übrig und übertriebene Pünktlichkeit ist nicht gerade die Tugend der so .n den Poflbienst gestellten Fluten. Aber die Erfahrung hat ergeben, daß von sechs in das Meer geworfenen Brieilisten burdy- fchnittlich vier in Norwegen eintreffen. Unb biejer, wenn auch nicht völlig zuverlässige Verkehr mit der Welt ist immerhin noch besser als gar keiner. , .....,
* Die Irrtümer des Instinkts. In der franzosilchen Akademie der Wissenschaften hat Bonnier über die Forschungen Roubauds einen interessanten Bericht erstattet. Roubaud beobachtete bet Wespen von der Beloitogaster-Art einen merkwürdigen Irrtum des Instinktes. Diese Wespen besitzen einen Parasiten, eme kleine Mücke, bte ihre Larven oft in beit Zellen der Wespen nieber- legt: die'Verpuppung vollzieht sich dann m den Wespenzellen. Aus Sparsamkeit verzehren die ausgewachietten Wespen jene Larven ihrer eigenen Gattung, die durch das Einbriugen ber Parasiten entwicklungsfähig geworben sind; aber dadurch befreien sie auch ihre Feinde, bie Fliegen, bte ohne diesen Eingriff unlergegangett wären. Diesem Fehler folgt ein ziveiter Irrtum: die parasitären Mücken haben ihrerseits einen Feind in winzigen Insekten, bie ihre Eier in die Mückenlarven legen. Bisweilen werben biese Eier an ber Seile der Larve deponiert, sie entwickeln sich aber trotzdem. Tie Wespe jedoch vertilgt auch diese Eier, sie weiß Freund und Feind nicht zu trennen und indem sie den Feind begünstigt, vernichtet sie den Bundesgenossen im Kamps ums Dasein.
* Offenherzig. Wirt (als eben ein Spanferkel toanst chiiert wird): „Meine Herren, wer hat Appetit?" Bon allen Tischen ertönt es sofort: „Mir eine Portion," „mir auch eine, „mir ebenfalls" . . — Wirt: „Aber hören S' doch auf, meuch Herrschaften, hie Portionen werden ja immer Heiner!/'
Büchertisch.
— Wilhelm Schmidtbonn: Der Graf von Glei-t chew, Schauspiel in drei Aufzügen unb einem Vorspiel. Berlin, Egon F l e i s ch e l u. Co. — Wilhelm Schmidtbonn ist einer unserer! hoffnungsvollsten jüngeren Dramatiker unb fein Platz in dich Literaturgeschichte ist ihm unbestritten. Sein Schauspiel „Tech Graf von Gleichen", das wir in Nr. 278 des Gieß. Anz. gen legentlich seiner hiesigen von H. Bakof eingerichteten Erstansq führung eingehend gewürdigt haben, ist — von seinem Schauspiel Z „Mutter Landstraße" abgesehen — eines seiner bedeutend-! ft en Werke. Daß die Figur des Troßknechtes ein Mißgriff war, hat ber Dichter nach der Uraufführung selbst erkannt und deshalb eine Bühnenbearbeitung herausgegeben, in der diese an die Schick- salstragödie gemahnende Gestalt ausgelassen ist. 9u.
Versteckratset.
Mair suche ein Sprichwort, dessen einzelne Silben in folgenden Wörtern versteckt sind, wie die Silbe „an“ in „Wanderer". , Schöppenstedt — Wannenbad — Vertvorfenheit — Garteiihaus — Tiermaler — Drncheiiblut — Bidassoa — Krautheim — Vergißmeinnicht — Gänsefettbemmchen.
, i i Auslösung in nächster Nummer. <
Auflösung der Königspromenade in voriger Nummer; Freue Dich, daß Du zu ringen hast!
Nur auf den Bergen blüht Edelweiß. Je steiler die Pfade, je schöner der Preis. Je härter das Tagwerk, je süßer die Rast; Freue Dich, daß Du zu ringen hast.
Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag bet Brühl'schen Universitäts-Buch- unb Steindruckerei R. Lange, Gieße«.


