Ausgabe 
30.11.1910
 
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Friedel Halb-M.

Roman von Fedor von Zobeltitz.

lFortsetzuug.) (Nachdruck verboten.)

Fritz erinnerte sich ider Chämpaguerprobe mit dem Herzog von Abeelen. Der Herzog war kein Kenner in fachmännischem Sinne, ober er verstand doch etwas vom Meine. Freilich, Fritz sagte sich, daß. er selbst damals vermutlich anders geurteilt haben würde: immerhin stand das eine fest, daß der Friedelsche Excelsior es mit den besseren französischen Marten aufnehmen konnte. Aber nicht mit den besten. Das bewies jetzt wieder diese lauwarme Flasche Excelsior snperior Dry. Ganz zweifel­los: mit ihrem erlesensten Marken war die Champagne im Uebergewicht. Uno plötzlich fiel Fritz ein, was man sich jüngst im Rheingau zu erzählen wußte: die Firma Kupka hatte sich insgeheim eine Ladung Marnewein kom­men lassen, nm ihre Cuvses damit zu mischen. Das war gewissermaßen ein Rückfall in jene Zeiten, da man noch glaubte, nur die ans dem Kreioeboden der Marnegelände unter heißerer Sonne als bei uns reifende Traube sei ge­eignet für die Herstellung eines gehaltvollen Champagners. War etwas Wahres daran? Oder lag es vielleicht am Litörzusatz, au der Feinheit des beigegebenen Kognaks, an irgend welchen anderen Geheimnissen der Behandlung? Cs war unleugbar, daß der beste deutsche Schaumwein noch immer nicht an den besten französischen Champagner heranreichte.

Aber es war auch gewiß, daß die Excelsior-Marke des Hauses Friedel einen Ungeheuern Fortschritt m der deutschen Sektfabrikation bedeutete. Die deutsche Schaum- weinindustrie war noch jung im Verhältnis zu der französischen und noch immer von Vorurteilen bedroht. Doch auch diese schlimmsten der Feinde ließen sich über­winden. Das hatte dem Hause Friedel der rasche Erfolg seines Excelsior gezeigt, dem nur der Prozeß nut den Miquelons und die Konkurrenzmarke Hindernisse in den Weg legten. Die Aussichten stauben also keineswegs schlecht, und es war ein Ruhmesblatt für die Firma Frie­del, daß sie die Bahn gebrochen hatte. Fritz hätte cs am liebsten gesehen, wenn sein Haus sich fürderhin nur aus die Erzeugung sogenannter Qualitätsmarken verlegt hatte, wie es bei den großen Firmen der Champagne der Fall war. Aber dazu gehörten riesige Kapitalien. Diese teureren deutschen Marken ließen sich nur allmählich em- führen: der französische Gegner war nicht so leicht zu ver­drängen, die Eroberung konnte nicht anders als schritt­weise vor sich gehen. Und grade die viel verlangtem kleinen und billigen Marken waren es, die Geld brachten; das sah man amFriedel halb-süß" und an demSchwarz- Etikett" Spamruths. Ah ja die Idee war nicht übel, fick mit der Firma Spannuth zu einem gewaltigen Feld

zuge zusammen zu schließen! Moltkesche Strategie: gvi trennt marschieren, vereint schlagen. Drüben die emtrag- liche Kleinarbeit, hier das schwere Geschütz der sich vmmec mehr entwickelnden und der Bollendung nähernden Qualr- tätsmarken. . . .

Der Mrt des Gasthauses trat au d en . Tisch unb störte Fritz in seinen Phantasien. Der behäbige Marut hatte den Namen Friedel im Fremdenbüch entdeckt und wußte nun ohne weiteres Bescheid. Aber er war doch zu taktvoll, seine Unterhaltung mit dem weltbekannten Streik zu beginnen. Er fand Umwege, fragte zunächst, wie Fritz der Excelsior schmecke, und kam dann auf die Firma Mi- quelon im allgemeinen zu sprechen. Most und CH and on, Perrier Jouet und Miquelon et fils: das war das große Trio von Epernay. Und es war eigentlich drollig, daß Besitzer und Chef des Hauses Miquelon heute ein zwei­undzwanzigjähriges Mädchen war: die Komteß Andrße Hoche. Nun natürlich man konnte sich denken, wie die hübsche kleine Millionärin umworben wurde! Aber sie hatte ihren eigenen Kopf: sogar einen leibhaftigen Herzog hatte sie abgewiesen, den Duc d'Archinard, der allerdings nicht viel taugte und sozusagen von seinen Schulden lebte aber dafür scheffelten die Hoches das Geld und stamm­ten doch schließlich von einem Küfer ab! Ein Herzog tfc ein Herzog, alle Wetter! Und einem leibhaftigen Marquis hatte sie nach dreimonatlicher Verlobung den Lauspaß ge­geben! Freilich sollte der Herr Marquis auch nicht titel mehr wert gewesen sein als der Herr Herzog, immerhin.

Und nun wurde der Sprecheude warm. Eine Zwi- schenfrage Fritzens entfasselte beit Strom seiner Beredsam­keit vollends. Er setzte sich an den Tisch und begann eine gemütliche Klatscherei. Er hatte Vater und Großvater der Komteß Andree gekannt und von dem Urgroßvater hatte er viel gehört. Also der Urgroßvater, Monsieur Gode- froy: ein vierschrötiger Kerl; aber es mußte doch etwas an ihm geweseti sein, daß sich die reiche Witwe de. letzten Miquelon in ihn verliebt hatte. Dann der Groß-- Vater, Graf Alfred: ah, schon ganz etwas anderes! Em vornehmer Mann, sehr stolz aus seinen Grasentitel, sehr ehrgeizig (namentlich auf Orden), sehr kunstliebend; er hatte das Palais erbaut und dem General Boulanger ein schönes Stück Geld geborgt, denn er wollte absolut als ganzer Franzose" gelten. Und nun der Graf Ernest: wieder das Gegenteil seines Vaters; demokratisches Mit­glied des Gemeinderats, beinahe schon Sozialist; offen­kundiger Deutschenfreund; nannte sich aus seinen Visiteii- karteii immer nur Ernest Hoche; legte große Stiftungen für seine Arbeiter an und entfesselte emen Sturm der Entrüstung, als er die Ehrenlegion dankend ablehnte. Schließlich die kleine Komteß. Ja du lieber Gott, auA der wurde kein Mensch so recht klug, ^hr ->atcr hatte sie in Deutschland erziehen lassen und sie machte auch kein Hehl aus ihrem deutschen Empfinden; dabei hatte sie eine Ehrendame im Haufe, die eingefleischte Franze sm