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! 'Mistah Slim, Hoiiigmann!" lispelte Melusina.Wir wollen Ißb'er flonj vorne sitzen!" 1

Kost' einen halben Dollar," meinte Slim ein wenig zögernd'.

-Huh mein süßer kleiner Slim, was' is' ein halber Dollar fürn besten Baumwollpflücker in Georgiatown! Mistah Slim, vergessen Sie nicht, daß Sie die Tochter vom ehrenwerten Herrn Bürgermeister Abraham Lincoln Benny geheiratet haben! Soll Melnsina Maryanne Slim in der Hinteren Reihe sitzen bei den ganz gewöhnlichen Niggern? Bedenke, mein Slimchen!"

Zwei halbe Dollars machen einen Dollar, Missis Melnsina Maryanne, Nase in die, Luft! Einen ganzen Dollar! Und dieser Nigger hier braucht eine nehe Hose bedenke, mein süßes Melusinchen!"

-Macht nix aus," sagte Melusinchen energisch,

Aber die alte Hose ' 1 j

-Macht nix aus !" .

Is' so viel Geld . . ."

-Macht gar nix aus. Herr Slim, Herr Dickschädel, Herr Geizkragen! Ich sitz' vorne in der ersten Reihe! Hörst d' das, du miserabler schwarzer Mann?"

Um inuni mum mum .- . ." sagte Slim.

Und mit einemmal sing er an zu lachen, wie nur ein Neger lachen kann. Er sprang in den wunderlichsten Kapriolen hin Und her, er schlug sich auf die Brust, daß es' schallte, fuhr mit Heiden Fäusten in sein krauses.Wollhaar und lachte, lachte.

-,,O oh!" stöhnte er.Du ganz dumme Melusinasräu | hih, hih gar nix gemerkt hast du Huh, Huh mein Zuckersrauchen, mein Siruptöpfchen, mein Puttchen: Dieser Rigger ?ier Hat nur so getan dieser Nigger hier will alles ganz fein ehen und der allererste Platz ist gerade fein genug für diesen I Nigger hier und seine feine Frau!"

Glory Hallelujah!" jauchzte Frau Slim.Wir geh'n also, in 'n Zirkus?"

Hab' ich gesagt."

Ganz, ganz vorne hin?^

Hab' ich gesagt."

Dann Mistah Slim, Honigherz, gib mir 'n Kuß!"

*

Spät am Nachmittag kamen die Gaukler mit ihren drei tzrünen Wägelchen an. Tot- und verlassen lagen die HolzhüttcN da, denn ganz Georgiatown pflückte Baumwolle draußen auf den Feldern. Sogar die Kinder. Nur ein paar abschreckend häßliche gelbe Köter kamen von irgendwoher gerannt und voll­führten einen fürchterlichen Skandal.

Heiliger Barnum," sagte entsetzt Billy, der Clown und Haupt- cigentümer.Das is' also Georgiatown?"

Is' das Georgiatown?". fragte er einen alten Neger in zersetzten Hosen und verschlissenem Kittel, der, sich auf einen Stock stützend, mühsam die Straße heraufgehumpelt kam.Mein lieber Herr, is' diese aufblühende, hossnungsvolle Metropolis hier rechts und links, is' das Georgiatown?"

Es is'!" antwortete der Eigentümer der zersetzten Hosen.

Das freut mich," meinte Billy.

Ich bin der Bürgermeister. Bürgermeister Benny!"

Das freut mich auch. Lebt sonst noch jemand in Georgias kown? Cholera gehabt hier, heh? Oder Pocken?"

Oh!" sagte der ehrenwerte Benny.Weil niemand da is' ? Die Nigger sin' noch auf 'm Feld. Das kann sich doch jeder Narr denken!"

Dank' schön!" sagte Billy verblüfft.

Hum," meinte der Herr Bürgermeister.Euren Bricb hab' ich gekriegt. Sehr feiner Brief. Hab 's den Niggern schon gesagt, daß der Zirkus kommt. Spielen könnt Ihr auf der Wiese bei meinem Haus. Sehr seine Wiese! Kost' zwei Dollars. Sie werden schon kommen, die Nigger. Ganz Georgiatown kommt!"

Amen!" sagte Billy höhnisch.

Aber er hatte dem Negerstädtchen sehr unrecht getan mit seinem Mißtrauen. Was nur laufen konnte in Georgiatown, versammelte sich am Abend auf der Wiese des Herrn Bürger­meisters Benny. Am Zauneingang stand Billy, der Clown, und wachte mit Argusäugen darüber, daß auch jeder Besucher seinen silbernen Vierteldollar bezahlte. Nur Kinder und Hunde hatten freien Eintritt. Die dreiundsiebzig Familien des Negerstädtchens waren zwar arm wie die Kirchenmäuse, aber ein bißchen Silber besaß jeder zur Zeit der Baumwollernte. Und seit Ncgergcdenken war so etwas wie ein wirklicher Zirkus nicht in Georgiatown gewesen.

Melusina Maryanne' und Neger Slim saßen ganz vorne hei den Honoratioren auf dem vornehmen Brettersitz, der einen Viertcl- dollar extra kostete, und schrien und strampelten vor Ungeduld, genau >vie alle anderen der Negerherrschaften auch. Es sing an, dunkel zu werden und die hunderte neugierigen Augen sahen nichts als einen durch ein dickes Seil allgesperrten Platz und eine bunt bemalte Leinewand im Hintergrund, die die drei ineinander- geschobenen Gauklerwagen verdeckte. Die Neger johlten und pfiffen und klatschten in die Hände. *

Da flammten Fackeln auf. Entzückt jubelte die Bevölkerung von Georgiatown über das grünflammende Magnesiumlicht. Mit einem grotesken Sprung kugelte der Clown in die Mitte der Arenas

-Meine Damen und Herren! Wir werden uns erlauben/

Ihnen die unvergleichlichen Produktionen der größten Zirkus- gescllschast dieses glorreichen Landes vorzuführen. Daß mir aber kein Nigger unter dein Seil durchkriecht! Die glänzende Vor­stellung darf nicht gestört werden. Wir beginnen, meine' Damen Und Herren!"

*

Arm in Arm, eng aneinandergedrängt, saßen Slim und Melusina und ließen die Zirkuswelt an sich vorübcrziehen. Sie schüttelten sich vor Lachen über die derben Späße des Clowns, sie bewunderten staunend die Rciterkunststücke und fürchteten sich gründlich vor dem unheimlichen Feuersresser.

Das is' grausig, Slim!" meinte Melusina.

Es is,' aber nurn Kunststück," sagte Neger Slim weise.-

So freuten sie sich wie Kinder den ganzen vollen Abend hindurch und schwatzten wie Kinder über das, was sie sahen.. Da kam die letzte Nummer des Programms: Miß Georgina, das Tanzwunder. Mit leuchtenden Augen starrte Neger Slim. Rotes Licht überschüttete die Tänzerin und die winzigen Metalle Plättchen an Mieder und Röckchen funkelten und strahlten wie lauteres Gold. Diamanten blitzten in ihrem blonden Haar. (Für Neger Slim waren es Diamanten.) Nun stand sie graziös auf den Fußspitzen und grüßte lächelnd ihre Zuschauer; nun jagte sie dahin wie im Sturm, den geschmeidigen Körper drehend und biegend in immer neuen Tanzwendungen; nun neigte sie sich tief und breitete die Arme aus und nickte und lächelte, als wolle sie der ganzen Welt ihre Liebe schenken. Slim starrte und starrte; das Lächeln war für ihn gewesen. Sie hatte ihn angesehen. Immer nur ihn. Das ivußte er ganz gewiß. Da brach die Geige jäh ab und ging nach kurzem Schweigen in einen Cakewalk über, in den Tanz, der jedem Neger der Tanz der Tänze ist. »

Hello, my sweetheart/

Hello, my darling boy." . . .

Slim beugte sich weit vor. Mechanisch klatschen seine Hände! im Takt. Und das Mädel int roten Lichtschein tanzte. . . < In leichten, wiegenden Schritten zuerst, mit kokett zurückgcbo-, gcncm Oberkörper, dann ein Borwärtsspringen in tollem Wirbel, dann ein Rassen des Röckchens, dann ein stummes Mienenspiel! mit einem eingebildeten Mittäuzer ....

Helle, my darling boy."

Dicht am Seil blieb sie stehen. Slim war, als hätte er noch nie etwas so Schönes gesehen. _ Und als sie rückwärtsschreitend! im Schlußreigen nur ihn anzusehen schien, da hätte Slim die ganze Welt darum gegeben, ein allereinziges Mal einen Cake-, walk mit ihr tanzen zu dürfen. Eilt letztes Neigen , ein letztes Lächeln ... ,

Die Vorstellung war zu Ende. Die Neger drängten nach dem'

Honigmann, is' das nid} sein gewesen?" sagte glückselig Melusina Maryanne.

Aber sie bekam keine Antwort. Vcrvoundcrt sah sie nch Um, ohne Neger Slim entdecken zu können. Er mußte im Gedränge; von ihr getrennt worden fein. Sie suchte nach ihm, sie rief ihn ein paarmal und machte sich schließlich lachend auf den Weg nach ihrer Hütte droben am Hügel. So 'was Komisches! Er hatte sie wohl auch nicht finden können und !var vorausgegangen.,

*

,,Js' nix dabei," sagte Neger Slim immer wieder vor sich hin, während er in einer dunklen Ecke von Bürgermeister Bennys Wiese kauerte und aus die Komödiantenwagen hinstarrte.* wirklich nix dabei! Melnsina kann warten. Macht nix aus! Is' gar nix dabei ich möcht' sie in der Nähe sehen. Heiligest Moses, was war das fürn Cakewalk!"

Als es still geworden war aus der Wiese und sick} überall Lickster zeigten in den kleinen Fenstern der Komödiantenwagen- schlick) der Neger mit unendlicher Vorsicht hin. Aber die Gaukler waren alle schon in den Wagen. Slim richtete sich aus und guckte in ein Fenster nach dem anderen hinein; er sah Billy, den Clown, wie er seeleuvergnügt ein Häuslein Silberstücke zahlte er sah die beiden Kunstreiter, die bei einer Flasche Whisky saßen und, Karten spielten er sah eine alte Frau, die an einem winzigen! Herd kochte. Und das Fenster des dritten Wagens endlich er­füllte seine Hossnung; er sah fein TauzwNNder ganz in dex | Nähe!

Miß Georgina saß 'vor einem kleinen Tischchen . . . und I Neger Slim riß die Augen weit auf. Wie wunderschön sist I doch war!Hello, my darling!" seufzte Neger Slim.

Da stand Georgina ans, holte einen leinenen Mantel herbei, den sie sich über die Schultern warf, stellte eine Wasserschi,ssel | auf das kleine Tischchen und begann ihre Toilette. Eifrig rieh I sie ihr Gesicht mit einem Schwämmchen, um die Schmtuke zu I entfernen .... Und Neger Slim sah mit entsetzten Augen zch I wie Georginas Schönheit in die Wasserschüssel wanderte. Un­zählige Fältchen zeigten sich ans einmal, die Wangen waren ein-, I gefallen und das Taiizwunder sah so inube und so alt aus'.

Is' doch nich' so schön. . ." murmelte Neger Slim tief

Da^l'öste fjc die schweren blonden Flechten, nestelte einen} Moment und legte einen wundervollen Zopf nach dein anderen

I fein säuberlich auf den Tisch.