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*) Das ist ein großer Irrtum: Der 'Gießener Anzeiger schrieb in seiner Nr. 305 vom 29. Dezember, also am Tage nach dem Unglück:Messina, Augusta und andere Städte sind vollständig zerstört, Hunderte, wenn nicht Tausende von Menschen getötet. Die letzten Nachrichten aus Messina lauten erschreckend. Dis Zahl der Opfer wird auf mehrere Tausend.veranschlagt. Der Bürgermeister von Palmi berichtet, daß in seiner Stadt 500 Personen getötet und mehrere hundert verwunoet worden sind." Diese Nachrichten gründeten sich auf Drahtnachrichten des Wagnern Mros vom 28. Dezember abends. Die Schristltg.

den Spitzen fließt: sie schreiben äußerst- fein aber deutlich -s und sind den Rußschreibern entschieden vorzuziehen.

Das genannte Triebwerk mit Kegelpendel gibt auch die Zeit- markm genau bis au, die Sekunde an und wird-mit der Hauptuhr der Warte verglichen. Diese Hauptnhr wird jede Woche einmal Mit derjenigen der Sternwarte Köuigsstuhl-Heidelberg verglichen, damit der Ausschlag der Hauptuhr bis auf Vio Sekunde genau bekannt ist. So crpolgt als Aufzeichnung ein alle drei Mimnen unterbrochener gerader Strich, der gerade bleibt, so lange de« Seismograph nicht erschüttert wird. Ist dies aber der Fall, dann wird der Strich tvellig und die Höhe der Wellen hängt ab! von der Stärke oder der Nähe des Bebens.

Aus den Aufzeichnungen kann die genaue Zeit des Erd-, bebens abgelesen, die Entfernung berechnet werden und es lassen! sich Schlüsse auf die Richtung ziehen, in der das Schüttergebiet liegt. Zum Aussuchen des Epizentrums des oberirdischen Mittel-, Punktes eines Bebens ist eine Landkarte bequem, in der Linien! gleicher Entfernung und Linieir gleichen Azimuts eingezeichnet und. unter Azimut versteht man einen Winkel, der in der! Wagerechten gemessen wird.

Dieser sog. Horizontal-Seismograph stellt ein sehr wert- volles und brauchbares Instrument dar, verzeichnet aber nur die! horizontalen Komponenten, während auf die ver-, tikale Komponente leider verzichtet werden mußte. Da! nämlich nach den Erfahrungen anderer Stationen ein Vertikal- Seismograph äußerst empfindlich gegen Tempcraturschwankungen ist und der eben benutzte Keller nicht genügend gleichmäßig« Temperatur hat, kann an die Aufstellung eines so empfindlickMi Instruments nicht gedacht werden, so lange hierfür nicht anders Raume zur Verfügung stehen. Ein für diesen Zweck besoudersi ^s.^ssf.ch1endes Beobachtungshaus, wie andere Warten es »haben möglichst ruhig gelegen, d. h. weit entfernt von Landstraße und! Eisenbahnlinie, wäre daher sehr wünschenswert und es bleibt zu hosfen, daß sich Freunde der Wissenschaft und insbesondere de« Erdbeben»orschu n g vereinigen und zur Erreichung dieses Zieles! hilfreich die Hand bieten, zumal auch der Entwicklungsgang der Seismographen noch keineswegs zum Abschluß gelangt ist. Der verdiente Professor Gerland hatte Mr Deutschland ein Netz von elf Hauptwarten und 23 Nebenwarten entworfen. Viele von diesen Warten sind ins Leben getreten. ES bestehen zurzeit in Deutschland Warten in: Freiburg, Heidelberg, Stuttgart, Bieberach, Aachen, Karlsruhe, München, Jugenheim (für Darm-, ©öftingcn, Hamburg, Leipzig, Plauen, Jena, Breslaus und Potsdam. Sie alle stehen untereinander in Verbindung^ um bett Dienst einheitlich zu regeln. i

Nun noch wenige Worte (unter Benutzung von: Dr. Edivin Hennig, Erdbebenkunde 1909) über die große Schnelligkeit dest Erdbebenwellen. Das Unglück von San Franzisko fand nach M E. Z. nm 2» vorm. statt. 216 wurde der Stoß in Britisch- Kolumbien und 2-$ in Europa verzeichnet bei einer Entfernung von 9700 Km. (Erdumfang 40000 Km. 1)

Das Unglück von Messina ereignete sich 520 morgens M. E. Z., das Beben erreichte Malta etwa 1 Minute später und fand sich binnen 26 Min. auf allen nordeuropäischen Apparaten ver- zeichnet. Auch die Stärke des Bebens stst den Aufzeichnungen unmittelbar zu entnehmen. Am 28. Dezember 1908 imißten die Beobachtungsstellen sofort, daß die Heftigkeit der Erschütterung hinter der von San Franzisko nicht zurückgestanüen hatte, wäh­rend die Presse noch am Abend des Tages nur von, drei Toten tn Kalabrien zu berichten wußte (!) und der volle Umfang des Unheils sich erst allmählich in den folgenden Tagen hercms- stellte. *) Am 23. Januar 1908 verzeichneten die Warten ein gleich starkes Beben; vergeblich aber wartete man auf Bestätigung aus den bedrohten Ländern Asiens, so daß bereits Zweifel an der Richtigkeit der Entfernungsmessungen laut tonrben. Dies­mal währte es fast vier Wochen, bis die Ktilturwelt von einem! schweren Beben in der persischen Provinz Luristan, dem Unter­gänge zahlreicher Ortschaften und einiger tausend Menschenleben! erfuhr. Die Klüfte der Erde lieferten selbst die schnellsten und ziiverlassigsten Telegramme! Sie sind aber besonders zuverlässig deshalb, weil sic ohne Rücksicht auf vernichtete Kulturwerte Bv- richt erstatten, beispielsweise ,auch dann, wenn sich das Beben! etwa in der Tiefe des Meeres abspielt.

Aus dem Gesagten ist wohl jedermann ersichtlich, welche! Bedeutung den Seismographen beizumesfen ist, die für Wissen­schaft einesteils und für Handel, Industrie (Bergwerk) und Land­wirtschaft andernteils gleich wertvoll sein können.

Ihren weiteren Ausbau; wissenschaftlich und finanziell M unterstützen kann deshalb nur im Interesse der Mlgcmeinheit liegen.

ins Leben und 6 Jahre später wurde an der Universität Tokio ein eigener Lehrstuhl für Erdbebcnkunde errichtet.

Aber auch Deutschland hat namentlich in allen gebirgigen' Gegenden recht unruhigen Boden. Neben dem Vogtland, als Laupterschütterungsgebiet für Mitteleuropa, ist das Rheinland nut dem Mainzer Becken im Norden (Groß-Gerau) stnd dem Baseler Land im Süden in dieser Hinsicht von Bedeutung.

große Beben von San Franzisko am 18. April 1906 und das Unglück Von Messina am 28. Dezember 1908 in aller Erinnerung und man kann wohl.sagen, daß sich erst seit teuer Zeit diesen Erscheinungen ein größeres, allgemeines Interesse ' zuwendet; aber noch kann dieses Interesse kaum anders als in beschränktem Maße befriedigt werden wenigstens für den Laien denn die Zeitungen bringen nur vereinzelt Mitteilungen, rue ihnen von Erdbebenwarten zugehen. (!) Wie ist nun ein solcher Seismograph (Erdbebenmesser) beschaffen? Auch mir war dieser Apparat bisher fremd; dankbar begrüßte ich daher die Erlaubnis des Herrn Professor Dr. Zeissig gelegentlich meines Aufenthaltes zr> Ostern d. I. in Jugenheim a. d. B, die dort unter feiner Leitung stehende Warte kennen zu lernen.1

Er hatte die Liebenswürdigkeit, mich sehr eingehend jnit Theorie ttnb Praxis bekannt zu »lachen und opferte mir dabei viel Zeit, denii fluchtig läßt sich die Sache nicht erledigen, wenn mau nur annähernd ein Verständnis mit nach Hause nehmen will.

Obwohl sich die Kaiserliche Hauptwarte für Erdbebenforschung W Straßburg t E. bereits int Jahre d.902 mehrfach an die Hessische Regierung ioegen der Begründimg einer Erdbebeiiwarts in Darmstadt gewandt hatte, mußten der fehlenden Geldmittel wegen die Unterhandlungen ergebnislos bleiben. Erst für das Jahr 1908/09 bewilligte die Regierung die erbetenen Mittel zur Unterhaltung und zum Betrieb einer Warte mnd dies auch nur, nachdem von privater Seite (Sanitätsrat Dr. mcd. Fre- seniiis-Frankfurt, z. Z. Jugenheim) die Mittel zur Vollendung «nd Aufstellung des von Professor Zeissig begonnenen Erdbcben- messers zur Verfügung gestellt worden waren. Zwar besitzt oos Physikalische Institut in Darmstadt einen kleineren, zur Kontrolle dienenden Messer, jedoch wurde für den Haupt-Apparat

uLxV 1* geNhei IN gewählt, um frei von Störungen: be« ftabttfß)en Verkehrs zu fein. Wollen wir uns das Prinzip des Erdbebenmessers (nach Wicchert) klar machen, so stellen wir am besten einen allerdings sehr großen. Meise! vor, »essen senkrecht gestellte Achse etwa iy2 Meter mnd dessen Massen­durchmesser 1 Meter betrügt, und der wie ein Kreisel auf der Spitze schwebt, freilich ohne sich zu drehen. Er wird vor »em Umfallen bewahrt, d. h. im Gleichgewicht erhalten, durch zwei kleme Bwttledern, die durch zwei Hebel und zwei Stangen mit stehen; die. eine Stange liegt im Meridian stolittagslime), die andere senkrecht dazu, wodurch eine Zerlegung; mr Bewegungen tn zwei entsprechende Komponenten erreicht wird. Wenn nun der Kteisel durch Bewegungen relativ zu den vor­handenen festen Stützpunkten erschüttert wird, so ist es die auf- Iretende Drehung der Hebel, die in gehöriger Vergrößerung ver­zeichnet wird. v i

F» der Hand dieses Schemas wird das weitere leicht vcr- standlich werden: Der Messer ist in einem Keller aufgestellt. ®er Keller ist 4x3% Meter groß und der Fußboden liegt iy2 Meter unter der. Erbe. Die Temparatur im Raume hält sich nahezu gleichmayig; Trockengestelle mit Chlorcalcium dienen zum Trocknen der Luft In 26 Meter Entfernung von der Warte führt eine Landstraße und tn 140 Meter Entfernung das Gleise der Nebenbahn BickenbachSeeheim mit etwa 36 planmäßigen taglickMN Zugen vorüber. Der Eisenbahn- und Straßenverkehr verzeichnet sich auf den Streifen in besonderer, immer wieder- kehrender Form, jedoch ohne Einfluß auf die Aufzcichumig der Erdoeben.

Der Meise! richtiger ein verkehrtes Pendel mit der Masse Oberhalb des Drehpunktes, ist mit einem Drittel seiner Höhe versenkt ausgestellt, wodurch Hebel, Dämpfer und Zeiger sehr bequem sichtbar und zugänglich werden. Ein Schwebeboden hat sich als nötig herausgestcllt, da jeder Tritt auf den Killerboden sofort störend wirkt.

Die Pendelmasse besteht aus einem Gemisch von Schwer- Sand und Zement und erreicht einschließlich der eisernen Pendelachse fast 1200 Kg. Oben ragt die Pendelachse durch eine ...»«. s....... l durch zwei Stoßstangen

Hebel- und Zeigerwerk in Verbindung. Der allseitig

Glasfenstern versehene Schutzkasten, der das ganze Pendel überdeckt, hat vorne eine Tür und oben Klappen, die den fein- mechanlschen Teil zugänglich machen. Das Triebwerk für die g Aufzeichuungspapier fortbewegt, ist an der Wand s^llers angebracht und besteht aus einem Uhrwerk mit ^Abndel, eine Breinse vernichtet die jeweils überschüssige! m'üiien E-*a§ ^egelpendel zu gleichmäßigen Schwin.-- Auszeichnung erfolgt mit Farbschrift auf 12 cm

Streifen tiott äußerst glattem Kunstdruckpapier. Jeder getrennt auf einen Streifen. Der jährliche LgWAedars für jeden Teil ist zehn Rollen zu je 3 Kg. Die Farbschreiber bilden die Enden der Schreibarme, die mit den Sbn11 ün r *?, Verbindung stehen und sind um die

Hf® drehbar. Sic sind aus, Glast Kleine zylindrische Glas- behaltci enthalten die Farbe, die durch denkbar engste Röhren zu