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Vie Greuel der chinesischen Justiz,

wie sie jetrt besonders in der Mandschurei gegen die immer zahl­reicher werdenden Räuberbanden, dieChunoh udzen"" , zur Anwendung gelangt, schildert der in Charbin lebende Dr. 8ioger Baron Budberg in den letzten Nummern desGlobus". Nach chinesischem Gesetz unterliegt jeder, der sich eines Raubes schuldig gemacht hat, sei es auch in leichtester Form, der Todesstra! e durch «Enthauptung. Wird der Räuber während des Raubes von vielen gesehen und'ersaht, so kann er auf der Stelle hrngerrchtet werden; wird er aber nicht auf frischer Tat festgenommen, so muß er auch nach der Ueberführung durch Zeugen ein Geständnis ablegen und es selbst durch Abdruck des in Tusche getauchten Zeigefingers unter­zeichnen. Legt er freiwillig das Geständnis nicht ab, so kann er durch Foltern dazu gezwungen werden. Die leichteste Form der Folter sind dabei Schläge mit einem langen Lineal, das aus einer Anzahl Minner, übereinandergeschichteter Bambusplatten gebildet wird, auf die aii eine kleine Bank gebundene Hand. Das Lineal bat eine furchtbare Schwungkraft, mit großer Schnelligkeit fallen die laut klatschenden Hiebe nieder, und monoton ruft dazu der Schlagende die Schlagzahl aus, indessen nur die geraden Zahlen. Schon nach kurzer Zeit bildet sich eine große Blase, die sich durch Blutaustritt schwarz-violett färbt. Die Hiebe können zu Hunderten verabfolgt werden, auch am nächsten Tage, bis der Angeklagte em Geständnis ablegt. Nock) schwerer sind die Schläge mir den Ober­schenkel, die sehr bald das! Fleisch zum Vorschein kommen lassen, ia bisweilen werden die Knochen buchstäblich freigelegt. Eine eigent­liche Folter aber ist erst das Knien am Kreuzgestell.In die Erde gerammt ist ein Pfosten. Der Delinquent wird, ur Fuß­fesseln geschlagen, so über ihn hinweggehoben, daß der Pfosten zwischen seine Unterschenkel zu stehen kommt, auf dem Erdboden sind dünnere Ketten zusammengerollt, auf diese kommen die Knie zu stehen. Der Zopf wird an dem Pfahl hoch aufgebunden, während im Rücken ein durch den Pfosten gesteckter Keil den Mann zur Ge- radhaltung zwingt. An einem mitdcm vertikalen Pfosten nun ver­einigten Querbalken werden die horizontal nusgestreckten Arme Don um beide Daumen geschlungenen Minnen Schnüren in solcher Stellung erhalten. Um die Qualen noch zu vermehren, werden nach Bedarf zwei bis drei Ziegelsteine unter die Fußrücken gestellt, was bedingt, dIß die ganze Last des Körpers auf einer sehr kleinen Fläche beider Kniescheiben den Ketten aufliegt. Für den Europäer ist der Anblick entsetzlich!" Mancher Verbrecher kniet so auf dem Dose des Gerichts in glühender Sommerhitze oder in eisiger Wmter- kälte den Tag über, manstläßt ihn wohl auch noch in der Nacht an der Folter, um die Sache schnell zu beenden, und auf seine mono­tonen Klagerufe antwortet man ihm, mit dem Trost:Gestehe ein snnd du wirst befreit, deine «Hinrichtung befreit dich von allen wei- tereil Leiden." Schließlich hört inan den Unglücklichen rufen:Ich will reden, möge eine Person kommen!" Reicht diese Folter aber

' noch nicht aus, so ist eine härtere Form diese:Der Verbrecher kniet ebenso auf Ketten auf feinem erhöhten Piedestal, in die Knie­kehlen wird ein langes Brett gelegt, auf dessen beide Enden zwei bis vier Personen sich stellen und eine wippende Schaukel bilden. Die Qual ist unbeschreiblich, wobei Schenkelbrüche nicht selten Vor­kommen." Hat der Angeklagte das Geständnis abgelegt, so sind eine Reihe von Formalitäten zu erfüllen, und es kann sehr ver- schieden lange Zeit bis zur Hinrichtung verstreichen, die der Ver­brecher in elendester Lage in furchtbaren Gefängnissen znbringen

! muß. Die Hinrichtungsplätze liegen in der Mandschurei außerhalb der Städte, dort wo aller Unrat abgeladen wird und nur ein freier

. Platz vorhanden ist. Da die Liste der zum Tode Verurteilten . dem Kaiser zur Bestätigung nur alljährlich im Herbst vorgelegt . wird, so finden in der Regel eine Anzahl Hinrichtungen zu gleicher

Seit statt, in den großen Städten oft hunderte an einem Tage.

uf großen Lastwagen werden die Delinquenten zum Richtplatz geführt. Sie sind alle in Holzfußfesseln geschlagen, und die Anne werden ihnen auf dem Rücken zusammengebunden. Auf einem großen schwarzen Papierstreifen, der auf dem Rücken be­festigt tvird, stehen Name, Heimatmnd das Verbrechen verzeichnet. Mietallposaunen verkünden den Gang der Exekution; es sind er­schütternde Töne, metallen hohl, wie aus der Tiefe des Erdreichs hervordringend, die leise beginnen, immer lauter werden, um daun wieder herabzusiuken; dazwischen mischt sich ein anderer, ruck­weise hervorgestoßencr, der sich wie ein wildes Hohnlachen an­hört. Erschallen diese Töne, so strömt das niedere Volk auf dem Richtplatz zusammen. Das Benehmen der Verurteilten ist sehr . verschieden; es ist übertrieben, wenn immer erzählt wird, daß alle Ehineseii bei der Hinrichtung völlige Gleichgültigkeit, ja Heiter­keit an den Tag legen. Mancher alte Chunchudze hat wirklich keine Angst vor dem Tode, aber junge Personen sieht man oft weinen, andere sind trunken, singen meist frivole Lieder oder schimpfen über die Beamten und Richter. Ist der Zug auf dem Richt­platz angelangt, so hat die ihn begleitende militärische Eskorte diesen in einem Moment gesäubert und umstellt und richtet das Gewehr oder den Revolver aus das Zentrum des Platzes, auf dem die Wagen Halt machen. Schnell werden die Verurteilten in die richtige Stellung gebracht, zum Teil hüpfen sie selbst an ihren Ort; sie knien in langer Reihe. Wie aus der 'Erde gewachsen steht plötzlich der Scharfrichter, der sich bis dahin versteckt gehalten,

hinter denk ersten der Reiht, und sehr häufig hak er ihm! dens Kopf vom Leibe mit einem gewaltigen Schlage seines Schwertes, getrennt, ehe er ihn bemerkte. Fällt der Kopf, so ruft nicht nur; das Publikumhau", d. h.Gut gemacht", sondern auch mit gewisser Begeisterung die anderen Verurteilten. Widerwärtige Szenen aber ereignen sich, wenn etwa der Verurteilte im Moment des Schlages zusammenzuckt und der Scharfrichter nicht bett Nacken trifft, sondern den Kopf oder die Schulter. Der Scharf­richter, der sein Handwerk versteht, trennt fast ausnahmslos den Kopf mit einem Schlage so von den Schultern, daß dieser eiuj beträchtliches Stück in die Höhe und vorwärts geschleudert wird/ um mit dumpfem Geräusch auf die Erde zu fallen; einige Se­kunden danach erhebt sich der-Rumpf ein wenig Ivie zum Sprunge und fällt nach vorn über. Der stopf macht bis zu fünf Minuten; mit dem Munde noch Atembewegungen, aber das Auge erhält sofort einen ausdruckslosen Blick, der nicht die geringste Geistes­tätigkeit verrät. . . . Als eine geringere Strafe gilt für deit Chinesen die Erdrosselung, die dem Europäer in der Art ihrer! Ausführung einen noch gräßlicheren Eindruck macht. Bei Ver- waudtenmord gehen in schweren Fällen, wie Eltern- und Gatten­mord, langsame Zerstückelung durch Vivisektion, Pfählung auf dem Rücken eines Esels, Zertrümmerung der Gliedmaßen und ähnliche Martern der Todesstrafe voran.

ver.«m??ehtes.

* Lebeilsgewohnheiten einst und jetzt. Als int} Jahre 1710 der Herzog Eberhard Ludwig in Stuttgart den atm gefangenen Kasernettbau zu einem Waisenhaus schenkte, da war das erste, was nötig erachtet wurde im Bauwesen, daß zwischen} den schon stechenden Mauern des Erdgeschosses der gewaltig« Keller gegraben und gewölbt wurde, der heute für eine zehnfach so große Anstalt genügen würde. Während es für die Kinder nur zweimal, bald nur einmal in der Woche Fleisch gab, wurdls es von Anfang an als unumgänglich nötig angesehen, ihneitz dreimal wöchentlich ein Glas Wein zu geben. Und im Jahre 1729 kam gar eine Verordnung:Es soll den Kindern niehr Wem als bisher gegeben werden, wo uichit alle Tage, doch 45 mal in der Woche ob dem Essen. . ., iumassen der Mein, wenn er moderate (mäßig) oder in debita qunntitnte (nach pflichtmüßigemi Ermessen) gebraucht wird, eine balsamische Kraft bei sich führe, die coucoctiouem ventriculi (die Verdauung) und die Lebensgeister stärke, an denen drei Stücken es den Kindern bis anhero ziemlich gefehlt hat." Deinzufolge wurde dann fast das ganze 18. Jahr­hundert hindurch wenigstens 34 mal wöchentlich Wein gereicht» kranken Kindern noch mehr. Der Waisenpfarrer Riecke war der erste, der 1804 einigen Zweifel an der Zuträglichkeit des Wein« für die Kinder äußerte. Im Lause des vorigen Jahrhunderts bildet!) sich daun die Hebung, den Kindern im «Winter zweimal wöchentlich, im Sommer täglich Obstmost (Apfelwein) zu geben. .Seit neuestem ist nun, eiMprechcnd den ictzigen richtigen Anschauungen, auch die Mostdarreichung aus dem Waisenhaus vollständig verbannt.

*G eseire s". Zn den mancherlei Ausdrücken der jüdischem Jargonsprache, die ihren Eingang in die Umgangssprache des täg­lichen Lebens gefunden haben, gehört der AusdruckGeseires", der sich sogar in Parlamentsreden findet. Das Weigandsche Wörter­buch der deutschen Sprache erklärt ihn wie folgt:unnützes Ge­rede, scheltendes Geschrei, Wirrwarr von Stimmen. Aus dem Judendeutsch, von Gebr. Gezera, Behauptung, (erregte) Dispu­tation". Diese Ableitung ist jedoch unrichtig, wie eine klein« Studie von Dr. Spanier in derAllg. Ztg. d. Judentums" dar­legt. Das Wort ist vielmehr die Mehrzahl von geseiro, was eigentlichAbgeschuittenes", im übertragenen Sinne Ver- hängins oder Unglück bedeutet. Die deutsche Volksetymologie «Has sich jedoch durch'«den Klang des Wortes «und die VorsilbeGe- zu einem Bedeutungswandel bestimmen lassen und aus der Ursache, d. h. dem Unglück, die Wirkung gemacht, nämlich das darüber enh sprechende Schreien oder Magen. StattGeseires" wird denn auch vielfach gesagtdas Geseire", wie man von Gerede, Gezeter- Gejammer, Getue und bergt, spricht.

* I m Gasthof. Gast:Sie, Herr Wirk, das Karbo- nadl ist nicht niehr frisch!" Wirt (erstaunt):So da müssen's wahrscheinlich die Speiskarten von v o r g e st e r n er­wischt Ham!"

Bersteck-Rätsel.

Man suche ein Sprichwort, dessen einzelne Silben in folgenden Wörtern versteckt sind, wie die Silbean" inWanderer". Rheingold Auguste Magenbitter Sckstastnütze - Whist- karten Weinkeller Guttapercha Frühlingslied Theater­stück Wertpapiere.

Auflösung in nächster 'Rümmer?

Auflösung des Ergäuzungsrärsels in voriger Nummerr Zeigt die trübe, dunkle Seite Dir auch oft das Leben, Jst's vom Bild doch nur der Schatten, Um das Licht zu heben.

Redaktion: K. Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießest.