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gefangen. Der Balg an der Brust soll Altin Federpelzwerk Verwendung finden. Vom Angelhaken befreit, kann man die Vögel unbehindert auf Derk laufen lassen. Sie sind nicht imstande, hinter beit gegen den Wind schützenden Reling den ebnem Deck aufzufliegen. Traurig hopsen sie ibflHiti herum oder kauern in einem stillen Winkel, em Bild des Jammers. Ihr Lebenselement ist die bewegte Luft. Dennoch müssen die Vögel imstande sein, auch bei Windstille oder bei geringen Winden zu existieren. Die große ^chwtinm- fähigkeit des dicken Federbalges befähigt sie, »cd en falls auch dauernd Zu schwimmen, und das allnahrende Meer muß ihnen wohl auch so genügende Nahrung gewahren.
Der Flug des Albatros und anderer Segler, unter deiieu ich noch die kleinen zierlichen braunschwarzen Seeschwalben hernorhebeu will, gibt uns noch manche Rätsel auf. wohl erkennt das fachmännische Auge die tragende Wirkung der gewölbten Flügelfläche im Wind oder bet einer den Wind überholenden Geschwindigkeit. Wodurch wird aber diese Geschwindigkeit erhalten? Ohiie Flügelschlag seheu wir die Vögel gegen den Wind, mit dem Wind und die Wellentäler entlang streichen in handbreiter Entfernung von den flutenden Wogen. Die Seeschwalben scheinen förntlich auf dem Waiier zu laufen. Sie bewegen sich parallel zur Wasserfläche, als würden sie mit den Wellen gehoben, ohne doch das Wasser zu berühren. Sollten die Wellen einen besonders großen Reibungswiderstand dem Winde bieten und die Erscheinung des Auftriebs des Windes hierbei besonders stark auftreten? Wer kann es sagen?
Auch unsere Möwen der Oft- und Nordsee sind vorzügliche Segler und auch sie machen bei starkem Winde ausgiebigen Gebrauch hiervon. Ich erinnere mich einer Fahrt von London nach Hamburg, bei welcher ich drei verschiedene Vogeltypen zu beobachten Gelegenheit hatte. Unser Schiff verließ am Abend den .Hafen und am nächsten Morgen waren wir schon weit in See; das Land war nicht mehr sichtbar. An Bord wurde ein Sperling bemerkt, der ganz nach gewohnter Weise sich Krumen und einzelne Getreidekörner gut schmecken ließ. Als aber das Leben und Treiben an Bord ihm Zu lebhaft lvurde, flüchtete er in den Mastkorb. Nach und nach wurde es ihm da aber oben wohl zu zugig, denn er versuchte, sich auf Deck wieder ein ruhiges Plätzchen Zu sichern. Hierbei wurde er oft gestört und veranlaßt, das Vorderschiff mit dem Hinterschiff zu vertauschen. Um hierbei von dem scharfen Wind nicht abgetrieben zu werden, hielt er sich stets hart hinter der Leeseite des Schiffes entlang. Nach einiger Zeit sichteten wir eine Bark Unter vollen Segeln. Wir waren noch mehrere Meilen von derselben entfernt, als unser Spatz sich auf die Flügel machte und mit dem Wind tote ein Projektil auf sein neues Hotel guflog. So mag dieser Weltenbummler e§, eine ganze Weile getrieben haben. Auf einem Segelschiff wird er wohl länger aushalten als auf dem rauchspeienden Dampfer. An demselben Nachmittag sah ich einen großen Schwarm der gemeinen Saatkrähen, welcher jedenfalls beizeiten von der holländischen Küste aufgebrochen war und mit dem Südostwind, aber bedeutend schneller, in hurtigem Ruderslug zur Kirschen-Ernte dem gastlichen England zustrebte. Nach wenigen Minuten war der Schwarm am Horizont verschwunden.
Auf der Höhe von Borkum stellten sich viele Möwen ein. Bom Hinterteil des Schiffes aus beobachtete ich ein prächtiges Exemplar, welches dem Schiff ganz nahe folgte. Ich hatte mich mit einigen Herren über den Flug der Vögel unterhalten und lud dieselben jetzt ein, ihre Aufmerksamkeit dieser Möwe zuzuwenden. Wir haben dann mit der Uhr in der Hand festgestellt, daß etwa 15 Meter vom Schiff und 5 Meter über unserm Standpunkt der Vogel in gleichem Abstand dem Schiff 45 Minuten lang folgte, ohne den geringsten Flügelschlag. Wir fuhren mit halbem Wind und die Richtung des Möwenkörpers lag genau in dem halben Winkel zwischen der Windrichtung und der Schiffsbewe- guug.
Kein Landtier vermag sich so andauernd fortzubewegen wie die Vögel des hohen Meeres. Bei ihnen hat die Natur das Höchste geleistet. Hier haben .wir unsere Lehrmeister! zu suchen, wenn wir unsere Kenntnis über den Vogelflug bereichern wollen.
vsrnEchLes.
* Eventuell. Trotz seinem uudeutschen Namen kanipst der „Eonfectionär" seit kurzem tapfer gegen manches kaufmännische Fremdwort. -So ritt er kürzlich gegen eins der „fürchterlichsten" ins Feld, das tatsächlich in allen Fällen durch ein kürzeres, be-, qnenteres und dabei treffenderes deutsches Wort ersetzt werden! kann, in sehr tüdfeit aber auch gänzlich überflüssig ist und seinfach WeggÄassen werden kann: das „entsetzliche" eventuell. Da hieß es ungefähr toic folgt: In einem Briefe müssen wir lesen: „Wenn Sie mir einen NaMaß von fünf v. H. gewähren können, würde ich ev. geneigt sein . . ." Was soll hier das „eventuell"? Das „würde" drückt die Zurückhaltung schon deutlich genug aus, und wenn Man wirklich noch einen besonderen Ton darauf legen zu müssen glaubt, so tut dies Las deutsche „vielleicht" besser. Es gibt Leute, die kaum noch «inen Bedingungssatz schreiben können, ohne sofort darauf das leidige „eventuell" folgen zu lassen. — Ein Reisender schreibt: „Wenn ich in Leipzig nichts machen kann, so fahre ich nach Dresden ev. nach Breslau." Es ist ihm selber lästig, das viersilbige, zuugenzerbrechende „eventuell" zu schreiben, und so gebraucht er nur die stehende Abkürzung' „ev.". Könnte ev sich nicht dazu entschließen, das so bequeme „iober" zu gebrauchen? „Eventuell" klingt zwar „eventuell" sehr tiefsinnig, bedeutet,aber doch wohl selten mehr als ein gewöhnliches „oder"., Solln nuan aber wirklich mehr hineiulrgen wollen, so tut dies z. B. das sehr deutliche und doch bequeme „foush" viel besser, obed auch eine deutsche ganz vortreffliche Abkürzung, nämlich „u. 11." (— unter Umständen). Es gibt allerdings einige Kaufleute, die gegen das ,/oder" eins unüberwindliche Abneigung haben; sie sprechen und schreiben für jedes „oder" ein „beziehungsweise" (bzw.). Selbst wenn „eventuell" in seinem eigentlichen Sinne verwendet wird, brauchen sich das deutsche „in diesem Falle" und das noch einfachere „dann" ihres Daseins nicht zu schämen. Es dürste wohl schwerlich ein Beispiel beigebracht werden können', wo man das häßliche „Eventuell" nicht durch , ein treffmdeves deutsches Wort oder. Wie es ja auch bei Anweudnng des „'eventuell" nickst zu vermeiden ist, durch einen kurzen Bedingungssatz ersetzen mid seinen Sinn klar und deutlich, zum Ausdruck bringen kann.
* „Ihr junger Mann scheint ein fleißiger Arbeiter zu sein." — „Ja, das ist feilte Spezialität." — „Was, zu arbeiten?" — „Nein es zn scheinen."
Vüchertisch.
— Guter Rat ist Goldes Wert! Eine F-und-E guter Ratschläge für jedermann ist das,Buch T'er häusliche Ratgeber von Felir und Wanda 9)toser. Verlag von RmM» Oester, Berlin SW. 61. Reben ausführlicher Anleitung zur Gesundheitspflege, zur naturgemäßen Pflege und Erziehung des Kindes irnd zur ersten Hilfe bei Unglücksfällen enthält diqeS Werk bewahrte Mittel gegen Krankheiten aller Art, Ratschlage für die Herstellung, Instandhaltung, Reinigung, Aufbewahrung, Untersuchung der verschiedensten Gegenstände, Mittel gegen Uw gezieser, UrckenentfernungSmittel nfw.
— Die AprilnnMnror der „Süddeutschen Monatshefte" Wird eröfstnt durch drei Beiträge 'erzählenden Inhalts, Max Haushofers Novelle „Kolm-Saignre", Herbert Eulenbergs „H-ckliogabal" nick die Fortsetzung von Ludwig Ganghofers „Lebenslauf eines Optimisten". Hohen Wert haoen die von Alfred Löckle mitgeteilteu Briefe von ^ohanu GottMa Fichte. Pvofesfor Franz Boll in Heidelberg handelt „Vom Weltbild der griechischen Astrologen". In seinem „Römischer Salat" überschriebenen Essad verbreitet sich Josef Ho small er über das Rom und dis nsnere darüber entstarkdene Lltemtnr^ Paul Buschin g spricht von dem neuerdings zwrschen ot.no- itnb Süddentfchlcmd sich geltend machenden Gegensatz, während oec Konstanzer Gewerberat Dr. Ernst von Schwartz in einem W entschieden gehalteireir Beitrag „Tas Schächten" Wenigstem die dem Akt vorausgehende Betäubung der Tiere fordert. , ueoet „Neuere Shakespeare - Blicker" schreibt Professor w« S ch ü cking in Jena und über „Neue natuttvi>sen,schastllche L»c- ratnr" Professor S8ai'( O e rtel in Hannover. Aus der, Rum» „Notizen" seien die Ausführungen Christoph Schreinpfs uvef Hebbel, die „Münchener Theaterschau" von Ida Bees und KM Do e hle man n s Kritik der uiathematischen Leistungen Tür." hervorgehoben. ------------
Homonym.
Als Zeitvertreib lür Groß und Klein Kennt mich wohl alle Welt, Mein Name aber dient zugleich Für ein „Eroberungsfeld".
Auflösung in nächster Nummer.
Auftösung der Königsproinenade in voriger Nummerr Die Glochen läuten das Ollern ein In allen Ecken und Landen, llnb fromme Herzen jubeln darein: Der Lenz ist wieder erstanden!
hledaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gieben»


