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abgeschnitten?
Ich weiß nicht, wo er ist. Ob er t|t.
Ich ertrage es" nicht! Ich habe nie gewußt, daß es| so furchtbar ist! Lieber selbst sterben!
Wir haben nie viel vom Tod gesprochen, Vater und ich. Er mochte es nicht. „Der Tod ist häßlrch!" sagte er. Man muh ihn mit Leben und mit Schönheit zmdecken.
Darum sollte ich nicht bei ihm sein zuletzt.
Aber wenn ich bei ihm gewesen wäre, dann hatte er nicht sterben können. Mit Meinen Armen, nut meiner Seele hätte ich ihn feftgehalten, daß er hätte bleiben muhen!
Vater, Vater, warum hast du mich so allem gelaßen?
14. Julis
Wenn ich beten könnte! Beten lvie unsere alte, gute Marie, die als fromme Katholikin eine Art 3“^6et in. ihrem Rosenkranz sieht. Oder wie ein einfältige Bauernweib in Vaters protestantischer Heimat.
Ich kann es nicht. Vaters und mem Gott ist nicht der gute, alte, langbärtige Großvater aus Ludwig von Hofmanns märchenhaften Paradiesgarten. Er ist etwas Riesiges, Unfaßbares, Gewaltiges. Er ist das Leben selbst, das durch die grünen Adern jedes Blattes, die roten meiner Hand pulst und brennt. 1T,. r.ä
Aber man kann nicht kindlich zu ihm beten. Dieses große, furchtbare Leben schafft und verzehrt in einem Awin, weckt und tötet. Was fragt es nach uns? Wir sind eine winzige Spanne Zeit da, dann fegt es uns von der Erd ! und braucht die freigewordene Kraft, wo es sie brauchen will.
Vater! Vater! Was hilft inir das? Ich brauche irgend etwas Großes, jenseit der Erde, jenseit von Sterben und Geborenwerden! Etwas, an das ich mich sestklaminern rann, wenn ich den Boden unter den Füßen verliere!
15. Juli.
Ein paar Briefe habe ich heute aufgemacht. Einer! in Tillas rascher, launenhafter Schrift. Nichts als Worte Der etwas verlegene Kondolenzbrief, dre lästige Pflicht.
I kenne das. ,,, , . -
Der andere hatte den Poststempel Weddigenhof. On.ei j Franz. Er schreibt wieder, was er mir auf der Bahn beim Weggehen sagte: ich soll zu ihnen kommen. Kurz und bündig, aber ehrlich und gut. Aber der Bries gibt mir doch mclM
Die Haustürglocke klingelt nur noch selten mehn Iw j habe keinen Besuch angenommen. Ich kann nicht, ich w nicht. In der Einsamkeit bin ich mit meinem Toten zu sammen. Die fremden Menscheir würden nut ihn weg nehmen. (Fortsetzung folgst)
7. Juli.,
Ich habe mir Marie hereingerufen und mir alles genau erzählen lassen. Er ist die ersten Wochen noch ganz »eiter gewesen, nur viel gelegen hat er. Und bisweilen I ist es ihr ausgefallen, daß er schlecht ausgesehen hat. Er hat jeden Tag gearbeitet und ist auch im Garten gegangen, aber langsam. Dann ist es schlimmer geworden, er hat Unfälle gehabt, hat nicht atmen können und ist ganz grau ÜM! den Mund geworden. ,
Und ich nicht bei ihm! Ich irgendwo weit weg, ohne eine Ahnung davon, daß er litt! ,
„Ich habe dem Herrn damals gesagt, ob wir dem Fräulein Agnescheii schreiben sollten," erzählt Marie, „aber er ist aufgefahren: was fällt Ihnen ein? Kein Wort soll! | sie wissen, verstehen Sie! Daß Sie ihr nichts schreiben, ehe | ich es Ihnen erlaube! Sie sollen mir das versprechen Marne."
Sie hat es ihm versprochen. Er hat weitergelitten. Wer zuletzt ist es dann rasch gegangen. In den letzten Tagen hatte er kaum mehr eine» Schritt getan. „Wer bis zuletzt habe ich ihm die guten Faltenhemden herausgeben müssen, und er hat immer so propper und fein ausgesehen wie in gesunden Tagen."
Die treue alte Seele hat dann doch ihr Versprechen- gebrochen und in ihrer Angst mir heimlich geschrieben. Diesen ungeschickten guten Dienstmädchenbrief, der mich mit der Todesnachricht zugleich in Weddigenhof erreichte.
Das letzte muß bann ganz schnell gekommen sein, ihm selbst unerwartet. Er hat wie mutter am Schreibtisch gesessen, als sie ihm die Postsachen gebracht hat, meine Hildesheimer Karte darunter. Alle Schreibtischladen haben offen gestanden, und lauter Papiere haben um ihn herumgelegen. Er muß allerlei verbrannt haben, der Kamin ist voll Wapierasche gewesen.
Er hat noch ebenso am Schreibtisch gesessen, als sie nach einer Stunde iviedergelommen ist. Nur ein bißchen zurückgelehnt int Stuhl, und den Kopf auf der Brust, und der Atem hat stillgestanden. Es ist niemand bei ihm gewesen in der Stunde.
Medizinalrat Kampf, Vaters Arzt und alter Freund-, hat dann das Begräbnis und alles Nötige besorgt, weil ja sonst keiner da war und es d-och geschehen mußte.
Es ist mir-, Äs ob ich das alles Km einem gaM Fremden schreibe, nicht von meinem Vater. So oft ich es mir auch vorsage —
9. Juli,
Es kommen noch jeden Tag Kränze. Große kostbare Dinger, eine Verschwendung von Duft und Blüte. Ich sehe sie kaum an. Ich kümmere mich nicht darum, was Marie damit anfängt. Die Beileidsbriese liegen in einem
Wespen d?r ZnnZmg! Jede kostbare Minute, jedes mit den dunklen Flügeln an die Lampenglocke burrt -n liebe Wort jeden Bl-ick! gewesen, so furchtbar f° ist, als ob ich auf etwas warten müßte. Hundertmal
mttXrM am Tage sehe ich nach der Tür. Er muß ja hereinkommen,
nnerwarrer. - ( ) g Kleid- cm und gehe langsam sage ich. Ich habe dies alles geträumt. Estst mcht wirk tch
Stuben im Haus, wieder und wieder. Durch Ich zähle die Tage. Fast eine Woche bin ich letzt die Eßstube, wo seine silberne Tasse noch auf dem Neben- zu Haus. Vor sieben Wochen habe ich Vater zuletzt gesehen, tisch steht, in die ich ihm jeden Morgen den Kaffee em- I 11. ^ult.
uoß Durch die große helle Gartenstube, wo das Licht, | ©eilten Schreibtisch habe ich- nicht angeruhrt. Er durch -die Kastanien vor deut Haus grünlich gedampft, auf | mochte es nicht, daß ich ihn in Ordnung brachte, ohne dem-Parkett liegt, aus dem schönen alten Empire der Euu I er ^afiei war. Es ist mir, als ob er noch der mir richtuua mit ihren klaren einfachen Linien, die wir beide I ^re, wenn ich seine Bücher und Papiere ausehe.
so liebten, und auf den Büchern und Papieren seines breiten 12. Juli.
Schreibtisches. Es liegt und steht alles noch so, wie er es $$ will nicht, daß er tot ist, ich will nicht! Ich ließ, ziemlich zerfahren. Meine Hand Jg €. B k® ihn wiederhaben! Auf die Erde werfen mochte ich Ordnuiigmachen. Unter seinem schlicht gerahmten Klinger- ltnb, schreien, wenn ich versuche, es nur klar zu machen, blatt „An die Schönheit" ein paar dunkelrote Rosen, dm nichts. Er kommt nicht wieder. Ich kann
er selbst abgeschnitten hat. Aber sie haben das Kristallglas rcIreieit j Ammern und den Zufall oder das^ «chicksal
ganz leer -getrunken und hängen braun imd verwett,. (Sjott h,ei& toaS cinklagen, es antwortet mir mcyts
In den großen Saal gehe ich auch,-aber ich - W Diese furchtbare Stummheit! Dies Alleingelassensetn die Tür schnell wieder zu. Es riecht so stark nach welken! Nie wieder die Stimme zu hören, die man lieb hatte! Blumen da und nach Lebensbaum. Da hat der Sarg ge- I wieder das vertraute Gesicht sehen! Alles wie ausstanden, sagt die alte Marie. aelöscht. Und nur großes, gleichgültiges Schweigen —i
Der Sarg! Vaters Sarg! .1 Mr sind ja noch nicht fertig gewesen! Wit hatten!
Herrgott, laß mich den Verstand behalten, es kann ja - ^och so viel zu sagen, noch genug für Tage und Jahre! Nicht wahr sein. Er ist nur verreist und muß wiederkommen. | * to^r nr;r ja viel mehr als nur Vater — Lehrer,,
Wann? Vater, wann? Komm bald! | ^.ü$)Ter/ Freund! Ich hatte keinen andern als ihn. ^ch
brauchte auch keinen. s,
Und das soll vorbei sein? Alle Faden zwischen uns


