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zu können, ftt Bent sich 100 fl. gelöstes GelB befanden. Er wurde aber ohnmächtig geschlagen und beraubt. AtS er wach wurde, bat et den „dicken Hann-Adam", ihm den blutenden Kops zu verbinden, — und der Räuber tat es; der Uebcrfallene wäre sonst verloren gewesen. Die drei unglücklichen Männer kehrten nicht nut als schwer Mißhandelte und Kranke, sondern auch als Arme heim, Ihr Verlust war 2332 fl. 53 Kr.
Goethe und Beethoven.
Die Beziehungen zwischen den beiden größten Genien, die die Schweslerkünste der Dichtung uub Musik in Deutschland je besessen, zwischen Goethe und Beethoven, sind vielfach erörtert ivorden und Sage und legende haben mit geichäsligem Eifer viele ver- wirreiide Fäden darum gesvonnen. Wenn heute die beiden Namen unserer großen Meister zusammen genannt in erben, denken wohl die meisten zunächst an jene Erzählung alis Teplitz, die Bettina von Arnim Beethoven in einem fingierten Brieie erzählen läßt und die auch im Bilde vielfach sestgehalien worden ist. Diese Geschichte von dem demütig sich vor der Kaiserin von Oesterreich und ihrem Hofstaat verneigenden Goethe und dem trotzig mit untergeschlagenen Armen durch die hohen Herrschaften hlnburch- marschierenden Beethoven Hot sich in dieser Form nie ereignet, wenngleich sie gewisse Gegensätze im Wesen der beiden Großen in dem Zerrspiegel der Karrikatur wiederurahlt. Und so gibt es auch eine Reihe anderer Sagen, die die Kontraste des klassischen und romantischen Wesens in Goethe und Beethoven einander lendennös aegeuüberstellen. 68 ist bat er ein dankenswertes Unternehmen Wilhelm Bodes, wenn er im neuesten Hest seiner „Stunden mit Goethe" asies, was wir über den persöiilichen Verkehr der beiden wissen, zusammenslellt und so ein zwar weniger romantisches, aber dafür menschlich sympatbischeres Verhällnis vorführt. Goethe hatte eigentlich ein wirkliches Verskündnts nur für diejenige Musik, die sich an das Wort oder eine Bewegung unb Handlung anschliebt. Vor allem liebte er den Gesang; er schien ihm die wichtigste Form der Musik, da „die Musik nichts ist ohne menschliche Stimme". Der von jeder Beziehung zu andern Künsten völlig befreite Stil der Beethovenschen Sinfonien und Sonaten mußte ihm fremd erscheinen, zumal er >m Anhören solcher Kompositionen durchaus nicht geübt war. Dazu kam noch, daß sein Orakel in allen musika- liichen Fragen, Zelter, der neuen Musik ganz verständnislos gegenüber stand mid z. B. von Beethoven sagte, er habe „des Herkules Keule entwendet — um Fliegen zu klatschen".
Tie ersten begeisterten Urteile über beit Wiener Meister hörte Goethe wohl gelegentlich von den österreichischen Aristokraten, mit denen er während seiner Besuche in den böhnuschen Bädern viel zusammen kam. Eine hmgebende Verehrerin Beethovens trat ihm aber zuerst in Bettina entgegen, der jedeiiialls das große Verdienst zuzuschreiben ist, daß sie eine Verbmdlmg zwischen dein Dichter und dem Komponisten vermittelte. Beethovens tiefe und begeisterte Liebe für den Schöpfer des „Faust" drängte den sonst so menlcheii- febenen und verschlossenen Musiker gerade damals zu einet solchen Beziehung hin. beim er hatte in ben Jahren 1809 und 1810 eine Reihe Goetheicher Lieder und die Musik zum „Egmont" komponiert.
So wendet er sich denn auf Veranlassung Bettinas in einem Briefe an Goethe, in dem er ihm „nut der größten Ehrerbietung, mit einem unaussprechlichen, tiefen Gefühl iür Ihre herrlichen Schöpfungen" naht. Em Freund Beethovens, Franz Oliva, überbrachte Goethe das Schreiben tmd spielte auch Beethoven'jche Kompositionen vor, ober der damals gerade besonders bei Goethe in Gunst stehende Sulviz Boisierde, der den Dichter so lebhaft für altdeutsche Baukunst und 'Malerei interessiert hatte, ließ ein neues Interesse in thm nicht auftommen. Goethe verglich bte Musik, die er hörte, mit den phantastisch symbolischen Arabesken Runges, die im Aiusikzimmer hingen und bte ihm al« Ausgeburten eines romantischen Schönheitsgeistes erschienen. Der Bruch mit Betlina, der un Herbst 1811 eintrat, schaltete aus Goethes Kreise das einzige Wesen aus, das wahres Verständnis für Beethoven besaß.
Seine ,Egmont"-A!usik ließ sich Goethe Anfang 1812 mehrere Male vorspielen, aber einen rechten Eindruck von Beethovens Wesen gewann er erst bei ihrem Zusammentreffen in Teplitz im Juli 1812. Goethe, durch feine Verehrung für die junge Kaiserin von Oesterreich, der er sich in Teplitz „zu Füßen legen" wollte, stark in Anspruch genommen, kam nur flüchtig nut Beethoven zusammen. Doch war sein Eindruck bedeutend, als er ihn aus seiner Stube halte spielen hören. „Zusammengefaßter, energischer, inniger habe ich noch teilten Künstler gesehen", schrieb er an seine Frau, „ich begreife recht gut, wie er gegen die Welt wunderlich stehen muß." Goethe mußte durch seine Schwärmerei für die junge Kaiserin, der er sich damals ganz widmete, dem roeltfremben Komponisten in einem falschen Lichte erscheinen. „Goethe beijagt die Hoflust sehr," war sein Urteil nach dem Abschied aus Teplitz, „mehr als es einem Dichter geziemt. Es ist nicht viel niehr über bte Lächerlichkeit der Virtuosen zu reden, wenn Dichter, die als die ersten Lehrer der Nation angesehen sein sollten, über diesen Schimmer alles andere vergessen können." Goethe dagegen berichtete an Zelter: „Beethoven habe ich in Teplitz kennen geleint Sein Talent hat mich in Erstaunen gesetzt; allein er ist leider eine ganz ungebändigte Versön- ichkeit, die zwar gar nicht Unrecht hat, wenn sie bte Welt detestabel
findet, aber sie freilich dadurch weder für sich, noch für ander* genußreicher macht. Sehr zu entschuldigen ist er hingegen und sehr zu bedauern, da ihn sein Gehör verlaßt, daS vielleicht dem musikalischen Teil seines Wesens weniger al« dem geselligen schadet Er, der ohnehin lakonischer Statur ist, wird es nun doppelt durch diesen Mangel." Auch in Karlsbad haben sich in demselben Sommer Goethe und Beethoven noch geieben und Goethes Urteil stammt aus bieier Karlsbader Zeit. Freilich zu einem engeren Verkehr kam es auch diesmal nicht, beim der arme Komponist, dem die Badekuren für sein Gehörleiden gar nichts nützten, siedelte bald daraus imeber nach Tevlttz über und auch Goethe dachte schon an die 'heimreife. Jedenfalls empfingen beide bleibende Eindrücke von dieser Begegmmg. Goethe hatte Beethovens außerordentliches Genie euuimt und konnte in bieier Ueberzeugung auch durch die Zweifel Zelters nicht erschüttert iverden. Beethoven behielt den Dichter, der bm, dem Schwerhörigen und schwer zn Behandelnden, immer nut irenndlich geduldig begegnet war, in liebendem Andenken.
Habt doch ein Herz!
Kein Gräschen grünt, der Boden hart unb steif —
Ter Frost hält krampfhaft fest, was er bezwungen — Der Bäume kahle Zweige weiß von Steif;
Ter Vöglein Lieder —.längst sind sie verklimgen.
Nach Süden hin sind viele fortgezogen.
Doch viele wollten treu der Heimat sein I Ihr kleines Herz hat schwerlich es erwogen, Wie sie hier leiben müssen harte Pein I
Gibts für den Hunger wo ein Samenkorn?
Wte lahmt der Flügel, von Entbehrung matt!
Ter Schnabel backt vergebens Zweig und Dorn. Erstarrt das Vöglein liegt an eis'ger Statt I
Ihr Menschen auf 1 Ihr könnt das Elend Itnbertt, Streut Futter bin der kleine» Vöglem Schari Habt doch ein Herz, der Tiere Not zu lindern, Gar wenig ist es, reichts mit Liebe dar!
Lina Pommerening.
Silbenrätsel.
Aus folgenden 24 Silben: a, a, chi, de, bor, em, ge, hu, hu, i, li, nen, nie, po, raph, reu, ri, se, fr, te, tro, va, roa, zi, sind 8 Wörter zu bilden, deren Anfangsbuchstaben (von oben nach unten gelesen und Endbuchstabeti Ivoii unten nach oben gelesen) bte Bezeichnung für einen Teil des Jahres darstellen. Die 8 Wörter aber bedeuten:
1 Früchte.
2. Kaufmännisches Werkzeug.
3. Männlichen Bornamen.
4. Engel.
5. Staat und Stadt in Mexiko.
6. Stadt in Italien.
7. Teil des menschlichen Körpers.
.8. Chemische Verbindungen.
Auslösung tn nächster Nummer. \
Auflösung des Versteckrätsels in voriger Nummer: Sparein der Zeit, so hast du in der Not.
Dcritmcbfcs.
* DaS Land der akademischen Palmen. Wohl kein Land gibt es, das in der Verteilung akademischer Würden so freigebig und großzügig zu Werke geht, wie die französisch« Republik. Wer hat in Frankreich die akademischen Palmen nicht? fragt der Figaro und erzählt davon, wie das kleine Bändchen! bie Knopflöcher der heterogensten Leute schmückt, neben dem würdigen Gelehrten sieht man den Billardspieler das Abzeichen akademischer Würde stolz zur Schau tragen, und neben dem bewährten Pädagogen ziert der Zirkuskünstler seinen Gehrock mit dem shmbol der Zugehörigkeit zur Akademie. Dabei wird eine amüsante Anekdote erzählt: ein Deputierter empfing eines Tages von etnent der einflußreichsten Wähler seines Distriktes folgendes charakteristische Schreiben: „Herr Deputierter, nie hat es mein guter Vater so schmerzlich empfunden, daß er nicht schreiben kann, als heute, wo er Ihnen gern selbst für die akademischen Palmen gedankt hätte, die ihm zu verschaffen Sie die Güte gehabt haben. Aber nun hat der Unterrichtsminister Maurice Faure energische Maßnahmen beschlossen, die die allzu sorglose alte Tradition! beseitigen sollen. Eine Kommission wird eingesetzt, die bte Kandidaten zur Akademie begutachten soll. Und dabei erfährt man, daß sich in Frankreich im Laufe eines halben Jahres regelmäßig! gegen 20 000 Bürger melden, die Anspruch auf das Or ^sbam> der Akademie erheben. Nun hofft man, durch drakonnche Maßregeln die Zahl dieser Anwärter auf — 10 000 im Halbiahr zu beschränken. „ . n„r
* Unerklärlich. Vater der Braut (zum Bewerber): „Mso von Ihren Zinsen können Sie leben? Aber junger Mann, warum wollen Sie denn da eigentlich heiraten?"
Kebattton: K. Neurath. — Rotationsdruck unb Verlag der Brühl'schen Umversnäts-Buch- unb ©teinbrueferef, R. Lange, Gießen.


