Ausgabe 
29.12.1910
 
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tat, zu setzen. Es war eine- ptglteder der Vogelsberger Banden.

Oberkleen, Ami Kirtorf, wurde (1809) ein Braukessel,

el und Mar bei Heinr. Rahn und Kupfer kaufte der Jude Arnchen

fiel. In Ober-Breidenbach wurde dem Butterhändler Joh. Rockel ebenfalls ein eingemauerter Kessel (23 fl.) und aus dem Keller eine Kötze mit 190 Pfund Butter entwendet (1807). Der Müller Joh. Ruppel zu Eichenrod hatte in Flintenschußweite von seinem Wohnhause ein Waschhaus stehen, aus welchem die Räuber einen Waschkessel von einem Wert von mindestens 75 fl. stahlen. Es wurde neben der Türe von dem sog.Langen Friedrich" ein Loch mit einem Meisel eingebrochen und Vie Türe auf diese Weise geöffnet. Ein Jude ftr Sto-rndorf kaufte das Kupfer.

gemauerten Waschkessel wu 34 fl. nebst dem Fleisch eines frisch geschlachteten Schweines (zwei Zentner). In Unter-SeibertenroÜ Kahl der ebengenannte Dieb am 20. März 1806 mit noch zwei Komplizen zwei Waschkessel und Diedr. Reinhardt. Das Kupferv*

Einertshausen. In der folgenden Nacht brachen di« Diebe in Ruppertenrod ein, wo ihnen ebenfalls ein Kessel in die Hände

Alle vorstehend erwähnten Einbrüche sind hauptsächlich auf das Konto Balthasar Pfeiffers (sog. Weisbrods Balser oder Schwarzer Balser), gebürtig aus Maar, zu setzen. Es war eine- der Hauptglieder der Vogelsberger Banden.

Zu Oberkleen, Amt Kirtorf, wurde (1809) ein Braukessel, ker vier Ohm hieltt gestohlen. Die Diebe waren mit einem Meisel, einer Axt, Stecken undKissen" (Diebssäcken) versehen. Die Gemeinde kaufte einen alten Kessel für 180 fl. 1809 ver­abredeten die Diebe, den Braukessel zu Elpenrod, der noch ein Ohm mehr hielt, zu stehlen. Teilnehmer waren die Räuber: Thron, I. Ad. Frank, Kannengießers-Hannes und Heinr. Ritter. Sie trugen die Beute aus Hopfenstangen in einen benachbarten Wald, wo sie das Kupfer zerkleinerten. Thron mußte einstweilen IM dem reichenKochemex-Kaim" (vertrauten Juden) L. W, in R.

Pohlen sie vis Orgelpfeifen aus Ser Kirche und verkauften sie En einen Spengler; die Reparatur der Orgel kostete 98 Gulden

8 Kreuzer.

In der St. Ceorgen-Kapelle (Ockstadt) bei Friedberg wurde bt Jahre 1809 durch Peter Görzel (aus Ziegenhaiitt, Hessen- Heinrich, Schoden-Heinrich, Kaspar Huthmann und Geislipsen- Michel eine Glocke von 170 Pfund Gewicht gestohlen und nach Münzenberg verkauft. Joh. Ad. Frank beging in der Nacht dorn 10.11. Juni 1809 mit noch drei anderen Räubern einen Kirchenraub zu Neustadt, bei dem sie ein weißes Altartuch und einen kleinen Weihwasserkessel erbeuteten und eine Reliquie aus einem geweihten Altarstein herausschlugen (Wert 12 fl. 30 Kr.).

Ein anderer Kirchenraub Würbe von sechs Räubern in den Kapelle auf dem Maria-Ehrenberg im Fuldischen begangen. Die Räuber stahlen außer einigen Gewändern eine Glocke (1 Zentner schwer), die 100 fl. taxiert wurde. Einen Teil des Glocken- Inetalls erhielt der Jude Victor zu Schlüchtern, den anderen ein Kannengießer zu Steinau. Drei Einbrüche in Kirchen führte vacheinander aus der berüchtigte Räuber Fr. Ad. Thomas und Mar zu Hosenfeld, in der Schlingenkapelle zu Joß (Fulda) und zu Stangenrod, Amt Grünberg.

Einen mißlungenen GlockendicbstM führten vier Räuber '(Konr. Ansthuh usw.) und eine mit ihnen herumziehende Weibs- iperson zu Haarbach bei Grünberg auS. In der Nacht vom 129. auf den 30. Dezember 1808 stiegen die Diebe unter An­führung des sog. Haarbacher-Hannes in den Kirchturm und ließen hiittelS Stricken die mit einem starken Meißel losgezwängte Glocke herab. Tann schleppten sie dieselbe ungefähr 50 Schritte weit. Sie war ihnen aber zu schwer, und so mußten sie sie lieget lassen. Um aber nicht ganz leer auszugehen, schlugen sie den Ring und die Ohren ab. Die Reparatur kostete 15 fl.

Aus diesen Einbrüchen ist zu ersehen, daß es den Räubern Rn früherer Zeit nicht so leicht gemacht war, Sachen, welche «roßen Geldeswert hatten, kW und ohne Mühe beiseite zu schaffen. Aehnlicher Art wie die Glockendiebstähle waren die sog. Kesseldiebstähle. Dieselben sind außerordentlich zahlreich; war doch zu damaliger Zeit noch fast in jedem Dorfe deS Vogels­berges mindestens eine Schnapsbrennerei und häufig auch eine Brauerei. Die Diebe machten bei diesen Diebstählen gewöhnlich ein Loch neben die Türe und riegelten dieselbe von innen auf. Das kam so häufig vor, daß die Behörde den Bewohnern empfahl, die Wände inwendig mit Brettern zu verschalen, um feen Ein» b.rechern das Handwerk möglichst zu erschweren,

II,

Einbrüche und Strakenübersällch

Der Vogelsberger Räuber der Zeft von 18001812, da das Räuberhandwerk am blühendsten war, mußte bei seinen Ein­brüchen, weil er in den seltensten Fällen auf Geld rechnen tonnte, fein Augenmerk auf Sachen richten, welche Geldeswert hatten und leW verkäuflich waren. Dazu gehörten in erste« Linie metallene Gegenstände, wie kupferne Keisel und Uhren, die damals einen hohen Wert hatten. Die hohe Zahl der vollen­deten und tentierten (versuchten) Kesseldiebstähle beweist, wie hoch die Gauner das Kupfer einschätzten.

In Ober-Sorg bei dem Einwohner Fried. Köhler wurde von drei Räubern ein kupferner Siedkessel von 23 Eimern entwendet Bni 1807). Am 22723. Februar 1806 brachen fünf Räuber er Anführung des Balthasar Pfeiffer bei dem Einwohner! tl Oesterreich zu Bannerod ein und stahlen dort einen ein-

gehen, Uw ihm das Kupfer anzilbieten. Sie wurden handels­einig, indem der Jude 24 Kr. für das Pfund gab; der Räubev nahm sich als Abschlag von dem Juden ein Paketcheu guten Tabaks mit. Am Abend begaben sich die Diebe in den Wald, das Kupfer beiseite zu schaffen; erschrocken gewahrten sie aber, daß die Streifung (Jäger und bewaffnete Bauern) sich der Früchts ihrer nächtlichen Arbeit bemächtigt hatte. Sie mußten rasch entfliehen; alle hatten ihre Diebssäcke verloren, dazu hatte Ritter sein Schnupftuch und Thron seine Ulmer Pfeife eingebüßt,t Jammers genug! Dazu wurden sie noch, als sie sich andern Tages! auf dembezinkten Emmes" (verabredeten Platz) versammelten, von ihrem Anführer (sog. Langer Friedrich), ohne dessen Wissertz sie den Diebstahl unternommen hatten, intb der nun mit der Pistole bewaffnet auf den Feuerplatz trat, schwer mißhandelt.^ Hann-Lehnert (aus Rixfeld), Langer Friedrich), I. Vielmetler und H. Brandau (vulgoEngelröder Dick") unternahmen den Diebstahl eines Kessels auf einer Mühle bei Nieder-Ohmen. Di« Diebe wurden verfolgt und Friedrich deckte den Rückzug mit seiner Pistole. In Wettsaasen war dem Einwohner I. Weber int vorhergehenden Jahre ein Kessel gestohlen worden und er halt« sich nun einen neuen angeschasst, der aber noch nicht ganz be­zahlt war. Im nächsten Jahre wurde ihm nun durch denselben Räuber (Hann-Lehnert) auch dieser geraubt, gewiß ein recht häßlicher Zug vorn Charakter des Täters!

Auch bi Ober-Breideichach hatte es der eben genannte Gauners aus einen Kessel abgesehen. Sie hatten denselben bereits los- gebrochen, bemerkten aber dann, daß derselbe von Eisen, mithin zu schwer und nicht einträglich genug war. So ließen sie ihn liegen und begaben sich auf die nahegelegene Grundmühle, wo sie Ferkel stehlen wollten; dort sanden fie in der Waschküche einen Kessel von Kupfer, den sie Mitnahmen. Eine groß« Arbeit wurde von den Räubern (fünf Mann) zu Hirzenhain ge­leistet, indem sie (Oft. 1808) dort einen sehr großen, 11 Obnr haltenden, mit Quadersteinen und eifernen Klammern fest ein- gernauerten Braukessel entwendeten und auf einem zweispännigen Wagen fortbrachten. Ein Teil des Kupfers, nämlich 222 Pfund tonnten bei dem Juden Aaron Goldschmidt (Arnchen) in Einarks- hausen wieder besMagnahmt werden. Im September 1806 wurde dem Einwohner I. H. Dietz zu Kestrich ein eingemauerteis Braukessel mittels Einbruchs entwendet; Haupttäter war de« Lange Friedrich.

Die Kesseldiebstähle aus damaliger Zeit sind fast ungezählt, NW weniger an Zahl sind die Einbrüche, bei denen es auf Kleidungsstücke, Wäsche und dergleichen abgesehen war. Ein solcher Diebstahl wurde z. B. vorgenommen (1809) bei Adolf Rahn zu Stockhausen, Amt Grünberg, nachts, als derMooren- Kaffer" (der zu Bestehlende) ahnungslos schlief. Es wurde ein Gefach im ersten Stock ausgebrochen, wodurch man in die Wohn­stube gelangen konnte. 90 Ellen Tuch, 18 Hemden, einige Tisch­und Handtücher, Weibsröcke usw. wurden gestohlen.

Mehr humoristischer Art war ein Einbruch in demJuden- Tempel" zu Storndorf. Joh. Ad. Frank, Druckers-Peter, H. Ritter und Clare-Andres waren die Beteiligten. Sie hatten einige Scheiben ausgebleit und die Synagoge zum Teil schon ausgeleert. Da erwacht der das Heiligttim bewachende Räbba in der anstoßenden Stube. Mit Zetergeschrei sprang er auf, fiel wider die Türe und schrie laut um Hilfe; aber niemand wollt« dem geängsteten Juden helfen, der das Gepolter der selbst auf­geschreckten zum Fenster hinauseilenden Diebe hörte; die Todes­angst stieg ihm mächtig zu Leibe, so daß er ohnmäckstig zurück auf fein Bett fiel. Nicht weniger erschreckt aber loaren die Diebe, die alle geraubten Sachen, den messingenen Kronleuchter, bi« Decke Mosis, Gebet-Wickeln, auf den Mist warfen und sich in ihrem p an i schien Schrecken eiligst davon machten. Lange Zeit war diese komische Begebenheit ein Gegenstand der Foppereien! unter den Dieben. Wechselseitig zogen sie sich damit auf, daß sie vor dem furchtsamsten aller Juden gleich Hasen geflohen wären., Dadurch wurde die Sache auch den bei der Bande befinblidjen Weibsleuten verraten, die später bei der Untersuchung den Dieb­stahl zur Kenntnis des GerWes brachten.

Als Beispiel eines Straßenraubes, wie er vor 100 Jah-reni geübt wurde, sei folgender erzählt: Es war am 21. Juni 1809, als sich die Tuchmacher Gebrüder Philipp und Ludwig Eisenharh nebst einem Sohn des letzteren aus Äiederfteen, Amt Hüttenberg, auf dem Heimweg vom Wetzlarer Jahrmarkt befanden. Sie hatten außer ihren eigenen auch die Güter des Krämers Ad. Tallinger bei sich. Die Räuber suchten sich bei Klein-Rechtenbach einen) Platz auS, wo das IWe Kornfeld sich mit dem Dickicht des Waldes paarte, damit sie auf der einen Seite Heilung, auf der anderes aber Dunkelheit nach Bedürfnis hatten. Ludwig E. ging vor dem Pferd her; er wurde an der Waldecke mit vorgehaltenemi Karabiner gestellt und mit Prügeln zu Boden geWagen. Auf sein Wehklagen rief einer:Schieß den Hund tot!" Der Karabiner wurde abgedrückt, das Pulver blitzte auf, aber der Schutz versagte! Johannes Eisenhardt. Sohn des vorigen, ging hinter dem Wagen her; er wurde von drei Räubern verfolgt, als er ent­fliehen wollte, iu Boden geworfen und seiner Barschaft, die in) etwa 50 fl. bestand, beraubt. Einer der Räuber fühlte seinq Sackuhr und nahm sie zu sich. Philipp E. wurde von zwei Räubern) angefallen, mit einem Prügel auf den Kops geschlagen und in den) Ehausseegrabep gestoßen. Ex glaubte, leinen MMeuranzen xetterf