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pichts. Ein
gedrückt — und ihre Stimmung änderte '3 man im Kasino war. Im Gegenteil.
Das war immerhin etwas. Aber Fräulein Hilde blieb doch noch sehr
v- man konnte nicht wissen! In dem scheußlichen Stall -ei den Pferden — alles so trübe und düster — und wenn dann die Glocken läuteten--Herrgott jm Himmel, das
jvar ja gar nicht auszudenken. , .
Was tun —!?
Angst beflügelte die Erfindung, und —- endlich! — kaum eine Viertelstunde vor zwölf hatte sie's . . .
Der Einjährige Hannacker war eben bei der unfestlichen Beschäftigung hinter einem alten, an Berdauungs- deschwerden leidenden Krippensetzer zum zehnten Male an diesem Abend die Abgänge mit der reglementsmäßigen Sorgfalt und mit einer unreglementsmäßiger Schaufel fortzuräunien. Stalldünste sind gesund, aber sie stimmen prelancholisch, wenn man sie strafweise einatmet und besondere Ursache hat, sich einen anderen Aufenthalt zu joünschen.
Und vielleicht war die verfluchte Geschichte mit dieser Stallwache noch nicht einmal abgetan! Wenn das junge Mädchen auch nur ein Wort von dem verlauten ließ, was er über den General geäußert, dann konnte er sich gratulieren. Aber das war ja Unsinn — das würde sie ihm nicht antun. Ein Mädel mit solchen wundervollen Augen war keine Verräterin. Und doch —; man konnte nicht wissen. . .
Erich Hannacker betrachtete schwermütig den alten Gckul, her wieder so verdächtig mit dem Schweife wippte, und trwog dabei, wie er wohl zu einem Silvestervuusch kommen könnte, als eine Kasino-Ordonanz eilig uns heimlich den. Stall betrat.
„Der Herr Einjährige?" !
„Was ist los —"
„Hier eine Flasche Sekt und zwei Gläser — Und auf hem Etikett steht was drauf! Ich muß weg. Gute Nacht Und Prost Neujahr!"
„Gute Nacht, mein Sohn. Das ist ja glänzend! Wer Bpiag da an mich gedacht haben! Und zwei Gläser? Und f der Etikette soll was drausstehen? — Schwerebrett, ist s duster hier! — Eine anständige Marke. Alle Achtung! >er was weiter? — Aha — hier steht noch was: „Lieber Herr Harmacker — es tut mir so schrecklich leid, daß Sie picht hier sein können! Aus dem kleineren Becher habe ich getrunken, der andere ist für Sie —. zum Anstoßen — wenn Vk lautet."
Läutet! Läutet! Eben läutet es —-i — h
Mit rasender Geschäftigkeit schlug der Einjährige Han- ftäcker der Flasche den Hals ab. Und —
„Hurra! Prost Neujahr!!" gellte es durch den Stall, haß die Gäule erschrocken an den Ketten rissen und der Krippensetzer ohnehin etwas nervös durch sein Magen- leiden — wie verdreht hinten und vorn ausschlug.
Der Einjährige Hannacker aber trank, trank — und tztvar aus dem Heineren Glase — und er konnte sich nicht enrsinnen, jemals zur Jahreswende j» hojfnuilgsfroh gewesen zu sein.
Exempel statuieren! Donnerwetter nochmal. Zur Stall- wache melden für heute nacht. Verstanden?"
„Zu Befehl, Herr General!"
„Wegtreten! 'n Abend!"----
General Bolten war ein sehr strenger Herr im Menst, Itter wie weiches Wachs in den Händen seiner Damen, Namentlich seines NichtchenS, das er in Ermangelung eigenen Kindersegens abgöttisch liebte. Dennoch hatte Hilde Rathmann es nicht durchdrücken können, daß ihrem Ritter von der Eisbahn die Strafe geschenkt wurde.
„Ich kann mich doch nicht zum Popanz machen," hatte der alte Herr gesagt. „Der Mensch hat eine Haltung wie der Campanile in Venedig zwei Minuten vor seinem Einsturz. So was darf man nicht durchgehen lassen. Sonst ein ganz tüchtiger Mensch. Habe mich nach ihm erkundigt. Auch sehr angesehene Familie. Können ihm Pflaster auf die Wunde legen — morgen zu Tisch eintaden. Mehr ist nicht zu machen. Basta!"
sich auch nicht, als
ße näher die Mitternachtsstunde heranrückte, desto imhiger wurde sie in all dem Jubel und Trubel.
Es war ja Unsinn--antun würde er sich natürlich
so sprühend lebensfroher Mensch! Und doch
Vogelsberger Räuberbanden vor 100 Jahren.
Von H, Weber- Story.
I. >
Nach der Tradition ist Graubünden däS klassische Land b£8 Räuberbanden. Wie man jedoch diesem Land, das die lieber«! kieserung so nahe mit dem Gaunertum in Verbindung bringt/ heute nichts mehr von seiner einstigen jiyeifeffraften Berühmtheit anmerkt, so gibt es in unserem deutschen Vater lande noch Gegenden genug, die sich nichts mehr davon merken lassen, daß sie einst Hauvt- auseuthalts- und Tummelplätze von Räuberbanden gewesen sind« So der Vogelsberg, gewiß eine harmlose und durch die Gutmütigkei seiner Bewohner bekannte Gebend! Es fehlen hier so ganz die Symptome einer von Räubern belebten Landschaft: lang und einförmig ziehen die Höhenrücken dahin, zwischen sich nur ganz flache Täler lassend, die so ganz des Wildromantischen ermangeln: keine Höhlen, keine Schluchten, Einschnitte. Bergwände und Felsenhänge, die zum Versteck einladen - <tnh wag ist in der Vorstellung des Volkes ein Räuber ohne Höhle? Singest sie doch sy gern von tljm:
In des Waldes tiefsten Gründen/ In der Höhle ganz versteckt Schläft der Räuber Allerkühnsterh Bis in seine Lina weckt;
Äser lässen ihn im Liedchen sprechen: !
„Geliebtes Kind, du dauerst meine Seele, Ich aber muß zurück in meine Höhle.
Bei dir kann ich nicht länger glücklich sein, Ich muß ja fort in'n tiefen Wald hinein."
Der Wald bildete eben auch das einzige Versteck des ruhelosen Gauners, dem die Polizei an keinem Orte Ruhe ließ. In den großen Wäldern hatte er mit seinen „Kameruschen" oder Kameraden Zusammenkunft und hier wurden die Verbreck>en, die in nächster Zeit begangen werden sollten, geplant und beraten. Hier hatten sie auch ihre festen, der ganzen Bande bekannten Versammlungsplätze, wo sie sich trafen, und zeitweise aushielten, besonders in gefäbrliclsen Zeiten. Hier konnten sie vor allem ein dem echten Gauner so unentbehrliches vollständig freies und ungebundenes Leben führen. Wie begeistert sangen sie in dem altem „Kochemer-Liede" (Kochemer-Gauner), das nach der Angabe des berüchtigten Räubers Johannes .Borgener Kufgeschrtekreni worden ist:
In dem Jaar (-- Wald) ist Lust und Freud, Lustig seyn wir Kochemer-Leut!
Aber immer konnte es der Räuber doch nicht im Waldes aushalten; eine Heimat hatte er meistens nicht, da feint Eltern selbst schon meist zu den herrimziehenden, vagabundierenden Leuten! gehört hatten. Wo sollte er hin, wenn er einmal unversehens! nichts mehr zu essen hatte? Wo sich verbergen, wenn die Unbilden der Witterung ihn aus dem Walde hinaustrieben? Es war notwendig, daß er sich in den Dörfern für einen Unterschlupf sorgte. In dem einen Dorfe war es ein Gastwirt, int anderen ein Butterführer, «hier ein Jude, dort ein einsam wohnender Bauer, der mit den Räubern Brüderschaft trank und sie beherbergte, wenn sie in seine Nähe kamen. Den einen trieäü die Furcht, der andere gedachte an ihnen zu verdienen und übernahm gleichzeitig die Rolle eines Hehlers. Solche Räuberherbergen waren z. B. bei dem Butterführer Joh. H. Heimbach iit Storndors, bei hem Juden Victor zu Schlüchtern, der zugleich auch „Schärfenspieler" (== Auskundschafter) und Hehler war, bei einem Juden in Usenborn, bei dem „Kochemer-Kasser" (---- vertrauter Mann) Niklas Stork, Krämer zu Reinhards, in einem „Kochern er-Wirtshaus" zu Westwellenrod, bei einem Juden zu Eckardsbort. bei einem Bauer in Herchenhain, bei einem Juden zu Lichen rod und einem zu Eckardenrod, bet dem Einwohner Joh. Tirlamm zu Vadenrod, der den sog. „Hamt-Görg", welcher damals einen Schimmel mit zwei Krämerkästen führte, häufig beherbergte und von seinem Gast selbst im Frühjahr 1809 schwer bestohlen wurde (Kleidungsstücke, Weißzeug ufro. int Werte von zirka Zivei- hundert Gulden). Auch I. H. Heimbach-Storndors wurde vom seinen unheimlichen, undankbaren Gästen im Sommer 1810 nm mehr als 70 Gulden bestohlen.
Jm allgemeinen sind Geldötebstähle selten in damaliger Zeit» da eben damals das Geld > och ein ungleich seltener Artikel war als heute. Die „Arbeit" eines Gauners war deshalb eins ungleich schwerere und mühseligere als heute, wo dem Dieh außerdem nock) die Hilfsmittel einer hochentwickelten Technik zur Verfügung stehen. Man mußte sich eben damals mit Gegenständen begnügen, die Geldeswert hatten; besonders beliebt waren große kupferne Kessel, Glocken, Kleidungsstücke usw.
So führten die Räuber F. A. Thomas, I. Adam Frank und Druckers-Peter einen Glockendiebstahl in der bei Rodenkirchens gelegenen Marcus-Kapelle aus. Das dort geraubte Glöckchen wog 50 Pfund und hatte die Gemeinde int Jahre 1775 60 Gulden gekostet; sie brachten die Beute weit weg ins Feld, wo sie eist Feuer anmachten, über dem sie die Glocke heiß machten. Darauf zerschlugen sie sie mit einer Pflugschar und verkauften das Psimtz des Metalls an einen Juden zu 18—19 Kreuzer.
Auf dem „Wirrberg", Amt Grünberg, versuckzten di« Räubers (Haarbacher-Hannes, H. Keller aus Ruppertsburg) eine Glocks tU stehlen, konnten derselben aber nicht habhaft werden.; Ifl


