treffenden Vorkehrungen gegen Feuersbrünste beschäftigen. Wäh^ rend bis ins 15. Jahrhundert hinein die Brandschäden ganz trngeheuer groß gewesen waren und der Mensch dem Feuer fast wehrlos gegenüberstand, wird es im 16. Jahrhundert besser- was zum Teil der solideren Art des Bauens, dann aber auch den vervollkommneten Löschanstalten zuzuschreiben ist. Wenn z. B. in der Feuerordnung von Seligenstadt 1423 verfügt wird: „es sal lehn strohedache nyemant Han," so ist das gewiß nicht buchstäblich befolgt worden, denn noch im 17. Jahrhundert waren die Strohdächer häufig, aber es wurde doch immerhin für die Häuser mehr feuersicheres Material verwendet. Noch im 18. Jahrhundert erschienen ausführliche Feuerordnungen, die vor allem Brandmauern verlangten und für Herd und Schornstein genaue Vorschriften machten. Jeder Hausbesitzer wurde angewiesen, stets zwei bis drei lederne Feuereimer und Handsprrtzen parat zu haben, unter dem Dach eine Feuerleiter auzubringeul Und während des Sommers auf dem obersten Boden einen Zuber mit Wasser zu stellen. Seit dem 15. Jahrhundert waren große Handspritzen im Gebrauch, aus Metall mit hölzernem Griff, aber sie vermochten so wenig Wasser zu' schleudern, daß sie höchstens einen ganz kleinen Brand ersticken konnten; eine irgendwie wesentliche Wirkung konnten sie nicht hervorbringen, fo, sehr man sich auch bemühte, sie zu verbessern und durch immer größere Ausdehnung ihres Umfangs ein beträchtliches Quantum Wassert hineinzubringen. 1518 werden in den Augsburger Bauamtsrechnungen „Instrumente zu Brünsten, Wassersprützen zum Feuer dienlich" aufgeführt; sie müssen von recht verwickelter Bauart! gewesen sein, doch ist nichts Näheres über sie bekannt. Met ersten wirklich wirksamen Feuerspritzen, die im stände waren, den Wasserstrahl bis zu 80 Fuß Höhe emporzuschleudern, wurden zu Anfang des 17. Jahrhunderts von Johann Hautsch gebaut.. Der Jesuit Caspar Schott hat diese Maschine ausführlich beschrieben^ die auf einem Schlitten stand und von zwei Pferden gezogeut wurde; sie war 10 Fuß lang und 4 Fuß breit, der Wassern behälter 8 Fuß lang, 4 Fuß hoch und 2 Fuß breit. 28 Menschen waren nötig, um die Spritze in Bewegung zu setzen. Eine Vervollkommnung erfuhr diese Feuerspritze um 1720 durch Leupold, der die Benutzung des Windkessels einführte. So war zu Anfang des 18. Jahrhunderts eine Feuerspritze vorhanden, die int großen und ganzen schon den noch heute gebrauchten Maschinetn glich; man kann sagen, daß damit erst die Entwicklung. eines wirksamen Feuerlöschwesens möglich wurde. Die Organisation! einer solchen Feuerwehr im modernen Sinne ging von Paris aus. Hier war durch einen Erlaß des Parlaments 1691 allen Maurer- und Zimmermeistern anbefohlen worden, sich und ihre Gesellen stets bei Feuersbrünsten bereit zu halten und auf den Alarm hin zur Brandstätte zu eilen. Im Jahre 1699 gab der französische König einem provenyalischen Edelmann Dumourier du Perrier das Privileg, Feuerspritzen nach der vervollkommneten Bauart des Holländers van der Heyde anzufertigen und Über-, trug ihm die Unterhaltung der 30 Spritzen, die in die verschiedenen Pariser Stadtviertel verteilt waren. Du Perrizr, der 1712 den neugeprägten Titel „Spritzendirektor" erhielt, schuf im Jahre 1722 die erste regelmäßige Truppe von Feuerwehrleuten, die zunächst 60 Mann betrug. Damit war die stündige Feuerwehr geschaffen, die ganz nach militärischem Muster eingerichtet wurde, sich rasch vergrößerte und überall Nachahmung fand. Die Grundlage für unser modernes Feuerwehrwesen war geschaffen, das dann von den verschiedenen Nationen im Wettkampf zu so hoher Vollkommenheit ausgebildet worden ist..
vermischter.
* Die Entstehung der Abneigung gegen den Genuß von Pferdefleisch. Die Abneigung gegen den Pferdefleischgennß ist wohl eines der Vorurteile, das in allen Schichten der Bevölkerung am meisten verbreitet ist. Aber nicht immer war die Menschheit in dieser Abneigung befangen; letztere ist vielmehr ein künstliches Produkt. Der Genuß des Pferdefleisches reicht bis in die ältesten, prähistorischen Zeiten zurück^ Die moderne Naturforschung, die sich in den letzten Jahrzehnten, angetrieben durch die kühnen Hypothesen Darwins und seiner Jünger, so eingehend mit den Daseinsbedingungen der vorgeschichtlichen Menschen beschäftigt hat, liefert den Beweis, daß das Pferdefleisch bei den Urmenschen Europas ein sehr gebräuchliches Nahrungsmittel war, und zwar schon zu einer Zeit, in der sie noch wie die Höhlentiere in Felshöhlen und GrotteU hausten. An den.Eingängen dieser primitivsten Wohnungen und in diesen selbst hat man Feuerstätten gefunden, aus großen Steinplatten bestehende Herde, um die viel angenagte und halbverbrannt« Pferdeknochen herumlagen. Die großen Röhrenknochen waren meist aufgeschlagen, da das Knochenmark als Nahrungsmittel besonders hochgeschätzt wurde. Jahrtausende später, nachdem unser Volt in den Bereich der zuverlässigen historischen Forschung getreten war, zeigten die alten Germanen und Skandinavier immer noch eine besondere Vorliebe für das Pferdefleisch. Den Göttern -opferten sie Pferde und verzehrten dann deren Fleisch bei den Opfermahlzeiten. Der Pferdefleischgenuß wurde erst im Anfänge des 8, Jahrhunderts mit der Bekehrung der .Germanen zum
Christentum nach Und Nach durch kirchliche Verbote verdrängk. Der hl. Bonifatius hatte anfangs den allgemein verbreiteten Pferde- sleischgenuß gestattet, sah aber bald ein, daß ohne gänzliches! Verbot dieses Genusses, der in enger Beziehung zu der Religion! unserer Vorfahren stand, die heidnischen Gebräuche niemals schwinden würden. Wie nun seinerheit der jüdische Gesetzgeber Moses scharfsinnigerweise das Fleisch des Schweines, des damals bei den heidnischen Völkern gebräuchlichsten Opfertieres, als etwas Unreines verbot, nm die Anhänger seiner Religion von den abgöttischen Gebräuchen abzuziehen, so untersagte Papst Gregor III. den Genuß des Pferdefleisches, nm damit zugleich die Opferfeste! auszurotten. Er erließ im Jahre 732 ein strenges Verbot und erklärte das Fleisch selbst und alle, die davon aßen, für „unrein".. Dieses Kirchenverbot hatte anfangs wenig Erfolg, so daß den Nachfolger Gregors III., Zacharias, sich veranlaßt sah, es zu erneuern. Die Gründe dieses Verbots gehen auch klar aus dem Beschlüsse des Konzils von Celeyth im Jahre 787 hervor, durch den der Genuß des Pferdefleisches von der Kirche untersagt worden ist, weil dieses zu Ehren Odins und Freyas geopfert und gegessen wurde. Durch diese Maßregeln wurde eilt Vorurteil gegen das Pferdefleisch geschaffen, ein starker, sich tief einwurzelnder Widerwille, der um so größer wurde, je mehr das Christentum sich ausbreitete und art Macht und Größe wuchs. Dieser durch nichts begründete Widerwille besteht trotz aller Aufklärung noch in unserer Zeit, wenn auch nicht in dem Maße wie früher fort/ obwohl längst die Voraussetzungen beseitigt sind, auf Grund derer das Vorurteil künstlich erzeugt worden ist.
* Fremdwörterei. Grazile Komik, sensible tragikomische Zeichnung, Ovation, Dokument, Sympathie, Perspektive, intensivste Momente, eminent viel Charme, differenziert und temperamentvoll, Akzente von prägnanter Eindringlichkeit, sprühende Verve usw. usw. — was soll man zu diesem Mischmasch aus einer Schan- spielbesprechung sagen? Und was zu Leuten, die int täglichen Verkehr per Bahn, per Dampfer usw. fahren, noch immer voM Perron Und Coups sprechen, obgleich es keine mehr gibt? die von Stabilität reden, obgleich sie gar nicht wissen, was das ist? denen alles imponiert und kolossale Freude macht usw. ? Ein Handlungsgehilfe, der nur Volksschulbildung genossen hat, sagte solchen. Fremdworthelden kürzlich in einem Hamburger Blatte gar tapfer die Meinung. So hieß es da auch: „Ja, was ist alles „interessant"? Ein geistreiches, lehrreiches, unterhaltendes Buch; eine fesselnde, spannende, packende Erzählung; eine schöne, farbenprächtige, bunte Landschaft; eine ausgezeichnete, herrliche, genußreiche Fahrt; eine glänzende, prunkende, unübertreffliche, vorzügliche Feier und tausend andere Tinge — sie alle sind einfach „intressant". Darbietungen, die in ihren Eigenschaften in hunderten von Abstufungen zwischen „gangbar" und „unerreicht" schwanken, sie alle sind „intressant". Damit ist das Urteil erledigt; man nimmt nur dieses eine nichtssagende, sinnlose Wort Und ist dann aller Verantwortung, ungerecht geurteilt zu haben, überhoben, unbekümmert ob der meist noch falschen Aussprache^ Deshalb, Lehrer, Schriftsteller und alle, die es angeht, lehrt Und lernt, schreibt und denkt rein deutsch! Heute wird Bildung nach dem fehlerlosen Gebrauch der Muttersprache gemessen; nicht aber, wie vielleicht früher, nach der Kenntnis von Fremdwörtern." Das ist fürwahr ein wahres Wort, so wahr wie ein anderes/ das da lautet: Wenn man so manchen biederen Deutschen sein! Fremdwortrößlein tummeln sieht, dann kommt einem bisweilen das Gefühl, als sei bei ihm eine Schraube los, als habe er beul Verstand verloren, — er, der sein deutsches Sprachgut an die Wand drückt, um überall feine Fremd- und Afterweisheit glänzen zu lassen.
* Ein triftiger Grund. „Was, Sie wieder hier irt Genua? Sie waren doch schon in der vorigen Woche auf der! Rückreise in München?" — „Ja, ich mußte noch einmal notwendig nach Rom. Wir hatten vergessen, an eine Familie eine Ansichtskarte zu schreiben, auf die meine Frau große Stücke hält."
* Die höhere Tochter. Was versteht man unter berttf Ausdruck „namenlos glücklich"? —: „Wenn man seinen Mäh-, ch e n n a m e n a b l e g t!"
Logogriph.
Mit „e" der Schmuck gar vieler Tiere, Mit „t” versteckt int Waldreviere.
Auflösung in nächster Nummer,
Auflösung der Skat-Ausgabe in voriger Nummer?
Abkürzungen: tr = Treff, p — Pique, c — Coeur, car — Garreau, trB — Treff-Bube, pA — Pique-Aß, cD Coeur-Dame tu s. f.
Im Skat lagen p9 und p8, Vorhand hatte cB, tr9, tr8, tr7, p7, cZ, cD. c9, c8, c7 und Hinterhand den Nest. Svielqanq:
1. V. cD M. cA*) H. carB = - 16
2. H. carZ V. cB M. carA — — 23
3. V. cZ M. cK H. trZ = — 24
Sa. = — 63 Augen.
) Zu schneiden wäre verkehrt, ba Mittelhand doch darnach trachten muß, ans Spiel zu kommen.
kledaktion: K. Neurath. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießem


