Donnerstag den 29. September
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Friedel halb-süß.
Roman von Fedor v v n Z o b e l t i tz.
(Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.)
'4.
Er hatte es eilig. Er wollte noch den Elfuhrzug erreichen, konnte dann in zwei Stunden in seiner Garnison sein, morgen früh den Ehrenrat benachrichtigen und übermorgen die törichte Duellaffäre erledigen. Dann hatte er dre Dummheit aus dem Kopf und konnte sich in Ruhe der Angelegeuheit des Daufsekts für den „Exeelsior" widmen. Das machte ihm Spaß. Er lächelte, wenn er daran dachte, wie seine knappen Andeutungen den Väter gepackt hatten.
Jin Kassenvorraum geriet er in ein dichtes Gedränge. Er wurde einen Augenblick zwischen den Grafen Wolfrad und den „Bauer" Nidderkopp eingeklemmt. Dann wieder drückte er seinen Säbelkorb dem kleinen Weinkommissar Ringer heftig in die Seite. „Alle Wetter, das ist ja lebensgefährlich! Entschuldigen Sie, lieber Herr Ringer. . . ." „Besondere Ehre, lieber Herr Leutnant Friedel," meckerte der Kleine, „wo ist denn der Herr Vater — und die gnädigste Frau Mama? . - ." Da schob sich Erich von Feßler zwischen die Beiden. „Der Genuß muß bezahlt werden," sagte er lachend; „auf dem Olymp zerschmolz ich, hier kommt man in die .Presse."
Ein guter Gedanke schoß Fritz durch den Kopf. Der Feßler mußte ihm sekundieren! Das war besser, als wenn er einen der jüngeren Kameraden um die Gefälligkeit batr die dumme Geschichte brauchte nicht erst lang und breit int Regiment besprochen zu werden.
„Hören Sie mal, Herr von Feßler —" __?"
„Wo wollen Sie hin?"
„Mit Kefselholz noch irgendwo einen Schoppen trinken."
„Wo ist der Dicke?"
„Er wollte draußen auf mich warten s mit seiner Tochter."
„Darf ich mich anschtießen?"
„Aber versteht sich. Da wird er glücklich sein."
„Bier oder Wein?"
„Ich habe eigentlich Bierdurst."
„Es verstößt gegen die Tradition, soll mir aber recht sein. Nur muß ich auf meine Uniform Rücksicht nehmen."
„Gehen wir ins Metropole."
„Einverstanden. . ." Unter den Kolonnaden wartete bereits der dicke Kefselholz, sein schlankes Töchterchen am Arm.
„Kefselholz, ich komme mit — Sie erlauben doch?" fragte Fritz und reichte dem Mädchen die Hand. „Guten Übend, Fräulein Dora. Wie zwitschert die Lerche?"
„Um diese Zeit schlägt nur die Drossel, Herr Friedel.^ „Ist die Nachtigall ganz verstummt?"
„Sie wird erst zur Fltederblüte lebendig."
„Gut. Da aber will ich sie hören. In Ihrem illeinett Garten anr Rhein, hinter der Laube."
„Ich habe einen Zusatz," sagte Feßler. „Ich höre die Nachtigall auch am liebsten in der Laube; aber vo« mir eine Bowle, und in deren Gold muß der Mond scheinen."
„Es ist gräßlich-" meinte das Fräulein. „Herr von Feßler kann sich nie mit einem ästhetischen Gentlß allein! begnügen; es muß immer etwas Materielles dabei sein."
„Umgekehrt: ich vergeistige gern die Materie durch ästhetische Würze."
„Streiten wir nicht," sagte Fritz. „Erst singt, schlägt und pfeift Fräulein Dora; dann Wettern wir in dis Bowle. . . Kefselholz, ich wollte eigentlich mit dem Schnellzuge abrutschen. Aber ich werde den späteren nehmen; ich habe verschiedenes mit Ihnen zu beplaudern."
Der Prokurist verneigte sich und bildete dabei eine seltsame Kurve. „W wird mir eine hohe Ehre sein, Herr Leutnant."
„Nee — nichts von Ehre. Geschäftliches."
Da sah Kesselholz ungläubig aus; doch er verneiats sich nochmals. Früher hatte der Leutnant öfters mit ihm „geplaudert"; aber seit einiger Zeit machte er keine Schul-, den mehr. Sollte ein Rückfall eingetreten sein? —
Fritz bat Kefselholz, mit Fräulein Dora voran gehen zu wollen: er^habe noch ein paar Worte mit Herrn vonj Feßler zu sprechen.
„Lieber Freund," sagte er und hing ficty an Feßlers Arm, „Sie waren doch einmal Miver Offizier?"
„War ich. Bier Jahre lang. Fußartillerie in Graudeuz. Es wird da viel Grog getrunken. Und der Grog ist gut. Das ist aber das eützige, was gut in Graudenz ist."
„Es kommt auf den Grog nicht an. Mehr tvert ist mir/ daß Sie mit Ehrenhändeln Bescheid wissen." °
Feßler erschrak. „Lieber Herr Friedel — Sie werden doch nicht —?!"
„Es läßt sich nicht ändern. Eine Bagatelle — aber es muß schon sein."
„Die Bagatellen bekommen zuweilen Gewichte. Wissen Sie, weshalb ich den Abschied einreichen mußte? An einem Königsgeburtstage rempelte mich ein Betrunkener auf der Straße an. So etwas tontmt vor. Ich nahm die Sache gemütlich und rief dem Patron zu: „Suchen Sie sich doch einen Laternenpfahl aus!" Und ging weiter. Da stürzte der Kerl hinter mir her und riß mir, eh ich mich dessen versehen konnte, von rückwärts den Säbel aus der Scheide. Verehrter Herr Friedel, das war das Gewicht an der Baga^ teile. Es kostete mich die Epauletten — und ich war den unschuldigste Teil. Freilich bekam ich meinen Abschied itt Ehren."


