68
LeUtött etWftfcn fonitte, Pius BnA ’Mg&t heiter-natürlichen Ve- E' ' !g, wie sie dem fwhgemuten, tief schcurendeU und warm emp- iden Wanderer Geschieden ist. >
Imres rastlose imb energisch-bewegte Temperament, das ihn so lange Zähre von Stätte .zu Stätte trieb, sich tummeln ließ „tote ein feuriges Rost,", strömt durch Arndts ganzes Schaffen, verleiht seinen Taten die erregte Leidenschaft des großen Momentes, seinen Morten das Selbsterlebte, originell Geseheue. Am Schreibtisch und in der ®nge des eigenen Heims mochte das heilige Feuer der VegeifiMung und dcS Zorns sich nicht in ihm entzünden; schult er sich doch später, als er seßhaft und behäbig geworden war, daß, er wichtige Zähre unten Kindern, Bäumen und Blumen verträume und verspiele! Aber mitten im Getümmel des Weltgetriebes, in der RvtwendiMt der Stunde, die sich mit ihrer Forderung ihm ansdrängte, da sprühten aus seinem Geist die Funken, die den anderen als Zeichen der Ermunterung und Hoffnung voraufleuchteten. Eine Feuerfeste war er und ein Feuergeist! Abgründe imb liefe Schluchten barg sein Gemüt. Wer so bis ins Jlmerste alle die dunklen und lichten Strömungen seiner Epoche in sich aufzunehmen wußte, der mußte durch Zwiespalte, Wirrnifse und KvusMe sich zu der stolzen Schlichtheit erst hinl-- durchkämpfen. Ter Krankheit seines Jahrhunderts, der Gesühks- Wvürmerei, die die Romantik wie eine schwüle Wolke über die Herzen breitete, ist auch er erlegen. Neben der gesunden Derbheit seines Fühlens stehen schwÄrmerifche, ekstatische Stimmungen, die ihren stärfiten Ausdruck in seinen Briesen an Johanna Motherby finden, an die ihn ein sinulichtiübersiustliches Verhältnis, ein! geistig schwelgender Rausch fesselte. Maßlos, in stammelndeii Visionen und heißet! Ausbrüchen äußert sich sv seine Liebe, gleich mäßlos sein Hatz. Eine dämonisch)« Wildheit, em düsterer Fanatismus, der an die Propheten des Alten Testaments erinnert, brichst in seinen Schlachtenliedern los, wie in seinen Schriften und Briefen. Mit einer ungeheuren Heftigkeit nimmt er zu den Er- cheimmgen der Kulttw und des Lebens Stellung; da gibt es kein lütiges Geltenlassen, kein Verstehen und kein Verzeihen; >ver nickst lir ihn ist, der ist Wider ihn. So ist seine Waffe gar bald gegen alle gekehrt und er findet sich in einer feindlichen Umtcdtj rings umstarrt von grausig kalten Ruinen einer Vergangenheit, die e r verfluchst, ringsum an gegrinst voit verächtlichen Larven) des Bösen. In langsamem innerem Werden steift er zu dieser Vernichtung aller Werte, die Gegenwart und Geschichte boten/ heran; langsam glimmt ihm aus der Zukunft die Vision eines Besseren, Höheren, eines Ewigen, Heiligen auf. Er setzt sich mit der nüchternen Verstandesbi'ldung der Aufklärung auseinander, wird im Gegensatz zu ihrem) Deismus ein.echter, getreuer Protestant, der sich Luther zum Schutzheiligen wühlt; er kehrt sich vom Weltbürgertum ab und wird zum Verehrer des Volkstums, zum Ber- fcchl.'r des nationalen Staates. Tie mystische Dunkelheit de« Romantik weiß er von sich abzuschütteln, jene Verweichlichung und Berauschung. d«S Geistes, die auch ihm gefährlich gelvvrden. Tie Vorbilder der großen deutschen Vergangenheit, die Kräfte und Schönheiten der Volksseele, die die/Romantik aufgewiesen und verherrlicht, umrden aber zugleich die wichtigsten Element« seiner eigenen Weltanschammg. Wit 30 Jahren etwa hatte sich Arndt in harter Selbsterziehimg, auf Reisen und in Studien, diese Klarheit über Leben und Sein verschafft. Tie Heimat umfing ihn wieder, die rauhe Kälte des Nordens, aber auch die Sonne imb Fruchtbarkeit seines schönen lieben Rügens, dem er die Grundlage seines sittlichen und religiösen Seins verdankte. Durch 60 Jahre hin hat er bvn nun ab Ur die Ideale gekämpft und gelitten, die er am Abschluß kiiver Jugendentwickelung. als wahr erkannt, ist er zum Propheten einer neuen Zeit, zum Vorkämpfer Ur Deutschlands Freiheit, zum Verherrlicher von Preußens' Größe ausgewachsen, zum getreuen Eckart, zum „guten Gewissen" seiner lieben Deutschen. ,
Mit den beiden Schriften, die der Greifswalder Privatdozent veröffentlichte, faßte er sogleich in seinem tmendurstigeil Sinn das Nächste und das Weiteste ins Auge: Indem er die „Leibeigenschaft in Rügen und Pommern" zum Thema einer geschichtlichen Darstellung machte, trat er für das Los der Bauern ein, die ihm die wichtigste Stütze eines gesunden Staatswesens schienen, imb zugleich enthüllte er in einem chaotisch wirren PhautasiL- gcmülde „Germanien imb Europa" seine Ansicht von der allgemeinen Weltlage. Es ist gleichsam die flüchtige Skizze zu dein ersten Teil des „Geistes der Zeit", in dem der leidenschaftliche Patriot, der als schwedischer Untertan doch die Schmach des geknechteten Deutschlands glühend empfand, eine furchtbare. Abrechnung hielt mit allen Begebenheiten, Ausgeburten und Zeichen der Zeit. Tiefes Werk, das in seinen späteren Teilen mit de« Entwicklung mitging, und den deutschen Verhältnissen einen ebenso scharfen wie klaren Spiegel vvrhielt, ist die großartigste Tat des Schriftstellers und des Politikers Arndt. Mit eisernem Besen toirb hier alles fortgefegt, womit die Deutschen prunken und) .prahlen mochten, ihr hohes Denken, ihr schönes Dichten, ihr tiefes Fühlen und großes Wollen. Alles Tand! Alles vcrschwmdetunb zerfällt, wie dünner Nebel vor der Sonne, vor der einzig erlösenden, der einzig heiligenden Tat. Ans der ätherisch geistigen Sphäre, in der die Heroen unseres Klassizismus weltabgewandt und m sich selbst beglückt thronten und zu der ihre Zeitgenossen verzückt und bewundernd hinausstarrten, riß Arndt sein Volk gewaltsam her- iyrter auf die harte Erde, in die rauhe Wirklichkeit. Das furchtbare
Zerrbild ihres wirklichen Seins stellt er neben die rosenrote! Schönheitswelt des erträumten. Ja, der „Geist" herrscht über die Deutschen, aber es ist ein versteinerter, trockener, unfruchtbarer Verstand, daA Erbe der Aufklärung und der französischen! Revolution, und sie bedürfen der blühenden, fruchtbaren Natur, um zu gesunden und zu erstarken. Ter Inbegriff dieses „Zeib- geistes" aber, in dem sich das „vollkommene Böse" enthüllt, ist der große „Emporgekommene", Napoleon, dessen grausiges Schreck- bild mit den apvmlyptischen Zügen des Antichrists gemalt wird. Tie hohe Kulturidee, die die Klassiker geschaffen, sie kann nur mH Leben wirken, nur fruchtbar werden in dem Boden des Volks-- Iums, Von dein sie mit seiner unverbrauchten Kraft ausgenommen und zum Blühen gebracht werden muß. Diese hinreißende Predigt Arndts ist auch heute noch nicfji verklungen; um das Höchste, was er ersehnt, ringen auch wir noch: um eine allseitige Durchdringung unserer Kultur mit den Idealen der Klassik. In seiner Zeit aber gellte dieser Angstschrei um Deutschlands Schicksal, herlausgepreßt durch die entsetzlichste Not, wie ein gellendes Signal in die von sanfter Humanität und ästhetischem Genießen erfüllte! deutsche Geistesstimmung. Eine wild anklagende Wucht, eins düster dämonische Glut tobte in diesen stürmischen Ausrnf«fi in diesen bangen fiebrigen Gebeten, zftterte in dem volkstümlich markigen, biblisch pathetischen Ton des" Ganzen. Ein uns- ersckftvckener Prediger mar hier auferweckt, wie sie einst in Israels schwersten Zeiten erstanden, ein Abgesandter des Herrn', der sich als ein Werkzeug des Schicksals fühlte und Verfolgung!, Acht, Gefahr demütig-freudevoll auf sich nahm. Wenn er auch von den Franzosen nun als ihr grimmiger Feind behandelt wurde, sv brachte ihm doch auch das Buch die Bekanntschaft mit deut Freiherrn Von Stein und stellte ihn sv an die richtige Stelle neben den richtigen Mwnn in dem großen Drama der bald anbrechenden Besreiung.
Ter „Geist der Zeit" zeigt Arndt auch in seinem Stil aus der Höhe. Tas Deutsch Luthers, di« innige Kraft der Bibel war sein hohes Vorbild, das er in großartiger Erneuerung wieder aufleben ließ. Wie Luther Sonnte auch er von sich sagen: ,,Wp ich wohl dichten, schreiben, beten und predigen will, mnß ich zornig fein; das erfrischt mein Geblüt, alle untüchtigen Gedanken und Anfechtungen weichen." In Sturm und Gewitter, voll derber Wut, mit Schimpfen und Zürn«:, in Schmeicheln und Kvsen fährt auch seine Prosa daher, getragen von einer mächtigen! Sprachkraft, belebt von einer sinnig klaren Ursprünglichkeit des bildlichen Ausdrucks. Stets bricht der Herzenstvn der gesprochen en Rede hindurch; wir hören ein hartes und barsches Poltern, ater meinen zugleich den versöhnenden Truck der Hand zu fpüren. Tie schroffe Heftigkeit seiner Urteile wird durch eine herzliche Liebenswürdigkeit gemildert und durch eine poetische Fülle der Anschauung verschönt. Seine eherne Prägung und seine knappe wuchtige Konzentration erhält dieser Stil bann in den zahlreichen Flugschriften, die Arndt, im Auftrage Steins und durch die Anschauungen dieses genialen Mannes, befruchtet, zur Auf- rüttung der Geister, zur Organisation einer deutschen Vokkslvehr, im Dienste der Landesbefreiung schrieb. Das Meisterwerk unter diesen weithin und stark wirkenden Schriften ist der „KaleckstsmuI für den deutsckftn Kriegs- und Wehrmaun", dessen Worte mit ihrem treuherzigen Ernst und frommen Bibeltvn die Taulende begeisterten, die für die Freiheit kämpften imb siegten. Ter Geist dieser stolzen und wundersamen Zeit lodert überhaupt nirgends so feurig als in Arndts Flugblättern, hf denen er auch später das beste Mittel zur Verbreitung seiner Ideen fand. Er nimmt in seinen Flugschriften zu allen Fragen, die Deutschland durch ein halbes Jahrhundert bewegten, mannhaft, klar, kühn und weit- fchaueud Stellung, kämpft für den Rhein „als Deutschlands Strom, nicht Deutschlands Grenze", für eine Verfassung aus dem Geiste des Volkstums, schickt inbrünstige Gebete znm Himmel für des Vaterlandes Herrlichkeit und prophezeit Deutschlands Einheit, verkündet den nahenden Schöpfer des Reiches'. Nach der Leipziger Schlacht ist er ganz Preuße geworden, der an, die Zukunftsmacht dieses Staates glaubt. Arndt erscheint in seinen Flugschriften, in denen er Luther ebenbürtig an die Seite gestellt werden kann, als der ehrwürdige Säniann vaterländischer Kultur- g'edankeu, die er in den durch die Befreiungskriege aufgelvckertenj Boden des Nativnalgeftlhls streute und deren Keime zum Teil erst heute der Ernte entgegenreif'en. Neben dem „Geist der Zeit sind diese kleinen Schriften, auch künstlerisch vollendete Leistungen, heute noch wert, gelesen zn werden und einige der besten von ihnen haben mit Recht in die neue Ausgabe der Werke Arndts Aufnahme gefimdeu, die die beiden bdtamtcn Arndt-Forscher Meisner und Geerds in beit Hesse'scheu Klassiker-Ausgaben veranstaltet haben.
In seinen Fkilgschriften findet Arndt im rechten Moment das rechte, das erlösende, das eiuschtagende Wort. Er bedurfte zum! Schaffell des äußeren Anlasses, lieber seine dichterischen Fähig- keiteil dachte er selbst sehr bescheiden: „Ich. habe wohl von der Natur nicht genug von jenem flüssigen und flüchtigen phantw- stischeu und magnetischen Fluidum erhalten, was den Dichter schafft, irnd wenn mir gleich einzelne kleine lyrische Sächelchen! hier und da ganz leidlich gelungen sind, so ist das nach deut Sprichwort geschehen: eine blinde Taube findet zuweilen auch eine Erbse." Sv sind ihm denn in dem reichen', überrciÜMH Kranz seiner Gedichte Hine UnWeriM vollkommenen Gebilde!


