Samstag den 29. Januar
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Droesigl.
Bioman von Georg Freiherrn von Ompted«.
Machdruck verboten.)
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Gräfin Patsch sah kommen, daß sie nun ein paar Abende hindurch in heraldischen Werken nach den Droesigl suchen wußte. Denn Heraldik mar das einzige, wofür sich ihr Water neben Jagd und Pferden interessierte. So meinte sie wegwerfend:
— Ach, die Droesigl sind mir höchst Wurscht
— Wurscht, wenn ich dir sage, daß er um dich anhält?
Gräfin Patsch erklärte kühl, Herr Droesigl sei wohl verrückt. Da schrie der alle Herr:
— Alle Köter sollen die Räude kriegen, wenn nicht so'n dummes Mädel lachen kann, daß sie den kriegt. B-ei dem fliegen die Millionen nur so rum wie die Pferdeäppel.
Gräfin Patsch gab ihrem Gaul einen Hieb mit der Reitgerte, daß er davoujagte. Graf Kölln drückte die Schenkel heran und schrie:
— Halt, halt!
Aber sie ritt nur noch schneller. Nun gab der alte Herr seinem Gaul die Sporen und jagte wütend hinter ihr drein. Die Waldstraße führte durch ein Gehege. Das Tor war eingehäirgt. Seine Höhe lag an der Grenze der Möglichkeit, es zu überspringen.
Gräfin Patsch verkürzte den Gang ihres Pferdes. Ihr Water aber schoß an ihr vorbei. Ja seiner Wut achtete er nicht auf das geschlossene Tor, bis er plötzlich wie einen Schatten die Stangen vor sich sah. Zum Parieren war es zu spät. Einen Bogen zur Seite reiten und damit das Pferd förmlich zum Ausbrechen erziehen, das tat ein alter Reiter nicht. Snnbeam sprang ab, fließ klappernd mit den Vorderbeinen an die oberste Stange, die prasselnd zusammenbrach, und im selben Augenblick hatten sich Roß und Reiter überschlagen.
Gräfin Putschs Gaul ivar dem ihres Vaters gefolgt. Sie sah den Sturz, und als sie über dem nun ein paar Wüste niedrigeren Tore schwebte, rief sie erschrocken:
— Oh!
Wer die geschickte kleine Stute verprellte sich in der Lust, landete kürzer und bog, nachdem sie die Erde berührt, rechts aus, während des am Boden liegenden Sunbeams Hufe eisenblitzend durch die Luft zuckten.
Inzwischen kam der gestürzte Gaul, mit einem Ruck wieder auf die Beine und blieb ruhig stehen. Gräfin Patsch griff nach dem Zügel. Da Graf Kölln sich erhob, lachte sie:
1— Sonst haben wir immer aufgemacht, Papa!
Doch er sank in den Straßengraben nieder und stützte wit der rechten Hand den linken Arm. Sofort war sie aus dem Sattel und beugte sich, beide Pferde an den Trensen
haltend, zum Vater nieder. Er sah käsig aus. Sie strich ihm das §o«r aus her Stirn:
— Hast du dir weh getan?
Er gab keine Antwort. Sie. wischte ihm mit dem Taschentuch über die Schläge, dann klopfte sie die Erde von seiner, linken Schulter. Aber or zuckte zusammen:
— Nicht, nicht.
Nun versuchte er zu lächeln uttb sprach iveicher Als sonst: ,
— Merkwürdig — ich — war ganz weg — Ich stehe —- gleich —auf —nein — nicht so — anfassen., Linkes Schlusses bein — Ein alter Reiter irrt sich nicht — ich must mal —
Er ließ den Kopf sinken.
Dem jungen Mädchen wurde'bange. Die Pferde hatten mit spielenden Nüstern einander beschnuppert, nun quiekml sie und fuhren zur Seite, daß Gräfin Patsch an den Trensen riß:
— Steh doch, steh! Papa, ist dir besser?
Der alte Herr machte nur eine matte Bewegung !
— Laß mich. . . Laß mich mal ruhig —
— Soll ich jemand holen?
Er stammelte:
— Alles an einem Tage!
Da faßte sie einen,En.schluß, schob ihm schnell ein paak Holzprügel, die herumlagen, in den Rücken und sagte:
— Bleib ruhig sitzen, Papa. I.: ein paar Minuten bi« ich wieder da. Oder soll ich hier bleiben?
Graf Kölln schüttelte den Kopf. Wie sie sich nun auf- richtete, sah sie lauter kleine, rote Punkte an seiner linke« Stirnseite, als habe er dorthin einen Schlag bekommen.
Sie fragte:
— Tut dir der Kopf weh?
Doch er deutete nur auf den Arm. Dann blieb ec regungslos. Sie band ihres Vaters Pferd an einen Bauim dann suchte sie auszusitzen. Aber die Stute drehte sich ungeduldig im Kreise. Sie öffnete das geschlossene Tor, trat draußen auf einen seiner Stäbe, stieß sich ab und schwang sich in den Sattel, während beim Wspreizen des Beines das Tor wieder zuschlug.
Dann jagte sie querfeldein nach Haus. Schon von weitem schrie sie:
— Elßmann, Baromeit, Dölsig k
Niemand hörte. Gerade in diesem Augenblick schien das Schloß wie ausgestorben. Da kam Herr Droesigl mit Graf Regnier um die Ecke. Sie rief:
— Schnell einen Wagen. Ten Doktor. Papa liegt ant Tor der B-Schneuse. Er hat das Schlüsselbein gebrochen. Schnell, schnell, schnell!
Des jungen Grafen mächtige «Stimme dröhnte zum Stall hinüber: ,
— He, Leute! Ist jemand da?
An einem Fenster der Kutscherwohnungen erschien der Kopf der Dicken. Dann trat Kröner unten in die Tür,


